Auf­wen­dungs­er­satz für selbst­be­schaff­ten Krip­pen­platz

Ein Kind, des­sen Rechts­an­spruch auf Ver­schaf­fung eines Kin­der­gar­ten­plat­zes nicht erfüllt wird, hat unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen einen Anspruch dar­auf, dass die Auf­wen­dun­gen der Eltern für sei­ne Unter­brin­gung in einer pri­va­ten Kin­der­ta­ges­stät­te von der zustän­din­gen Kom­mu­ne ersetzt wer­den.

Auf­wen­dungs­er­satz für selbst­be­schaff­ten Krip­pen­platz

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Streit­fall ging es um den Ersatz der Auf­wen­dun­gen, die durch die Unter­brin­gung der damals zwei­jäh­ri­gen Toch­ter in der Kin­der­krip­pe einer pri­va­ten Eltern­in­itia­ti­ve von April bis Okto­ber 2011 ent­stan­den sind. Die Eltern lie­ßen die Toch­ter dort betreu­en, weil die beklag­te Stadt wäh­rend die­ser Zeit kei­nen Krip­pen­platz zur Ver­fü­gung stel­len konn­te. Das hier anwend­ba­re Kin­der­ta­ges­stät­ten­ge­setz Rhein­land-Pfalz sieht vor, dass Kin­der vom voll­ende­ten zwei­ten Lebens­jahr bis zum Schul­ein­tritt Anspruch auf Erzie­hung, Bil­dung und Betreu­ung im Kin­der­gar­ten haben.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz hat die beklag­te Lan­des­haupt­stadt Mainz ver­pflich­tet, die in dem genann­ten Zeit­raum ent­stan­de­nen Auf­wen­dun­gen für die pri­va­te Kin­der­krip­pe in Höhe von ca. 2 200 € zu erstat­ten [1]. Die­ses Urteil hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in Koblenz im Ergeb­nis bestä­tigt [2]. Nach dem rhein­land-pfäl­zi­schen Kin­der­ta­ges­stät­ten­ge­setz habe das Jugend­amt der Beklag­ten zu gewähr­leis­ten, dass für jedes Kind vom voll­ende­ten zwei­ten Lebens­jahr an ein Platz in einer Kin­der­ta­ges­stät­te bei­trags­frei zur Ver­fü­gung ste­he. Die­sen Anspruch habe die Beklag­te nicht erfül­len kön­nen. Des­halb müs­se sie die Kos­ten des von den Klä­ge­rin­nen in Anspruch genom­me­nen Ersatz­plat­zes in einer pri­va­ten Kin­der­grip­pe über­neh­men.

Hier­ge­gen wen­det sich die Beklag­te mit der Revi­si­on, die das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung der Rechts­sa­che zuge­las­sen hat und die vom das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nun zurück­ge­wie­sen wur­de.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat, ent­schied das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, ohne Ver­stoß gegen Bun­des­recht ange­nom­men, dass im Fall der Nicht­er­fül­lung des lan­des­recht­li­chen Anspruchs auf Ver­schaf­fung eines Kin­der­gar­ten­plat­zes unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen ein Anspruch auf Erstat­tung der Auf­wen­dun­gen für einen selbst­be­schaff­ten Platz besteht. Soweit das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt davon aus­ge­gan­gen ist, das Bun­des­recht sehe einen ent­spre­chen­den Anspruch vor und das Lan­des­recht fol­ge dem, ist dies nicht zu bean­stan­den. Der bun­des­recht­li­che Anspruch ergibt sich aus einer ent­spre­chen­den Anwen­dung des § 36a Abs. 3 Ach­tes Buch Sozi­al­ge­setz­buch. Die­ser ver­leiht einen Anspruch auf Auf­wen­dungs­er­satz, wenn bestimm­te Ansprü­che auf Jugend­hil­fe­leis­tun­gen nicht erfüllt wer­den. Der Anspruch auf Über­nah­me der erfor­der­li­chen Auf­wen­dun­gen setzt vor­aus, dass der Leis­tungs­be­rech­tig­te den Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe vor der Selbst­be­schaf­fung über den Bedarf recht­zei­tig in Kennt­nis gesetzt hat, die Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung der Leis­tung vor­ge­le­gen haben und die Deckung des Bedarfs kei­nen zeit­li­chen Auf­schub gedul­det hat. Ob im vor­lie­gen­den Ein­zel­fall die Vor­aus­set­zun­gen des Erstat­tungs­an­spruchs vor­lie­gen, ent­zieht sich der revi­si­ons­ge­richt­li­chen Kon­trol­le, weil es sich inso­weit um die Anwen­dung von Lan­des­recht han­delt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 12. Sep­tem­ber 2013 – 5 C 35.12

  1. VG Mainz, Urteil vom 10.03.2012 – 1 K 98/​11.MZ[]
  2. OVG RLP, Urteil vom 25.10.2012 – 7 A 10671/​12[]