Aus­lands-BAföG – und das deut­sche Hoch­schul­in­sti­tut in Indo­ne­si­en

Aus­zu­bil­den­de haben kei­nen Anspruch auf Bewil­li­gung von Aus­lands-BAföG für den Besuch eines der Uni­ver­si­tät Flens­burg ange­glie­der­ten Insti­tuts mit Sitz in Indo­ne­si­en. Dies hat jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­den.

Aus­lands-BAföG – und das deut­sche Hoch­schul­in­sti­tut in Indo­ne­si­en

Die kla­gen­de Stu­den­tin absol­vier­te 2014/​2015 im Rah­men ihres Stu­di­ums an der Uni­ver­si­tät Flens­burg im Stu­di­en­gang Inter­na­tio­nal Manage­ment ein Aus­lands­se­mes­ter am European Over­se­as Cam­pus (EOC) in Indo­ne­si­en. Der EOC ist eine nach indo­ne­si­schem Recht gegrün­de­te Stif­tung zu Bil­dungs­zwe­cken. Eine staat­li­che indo­ne­si­sche Akkre­di­tie­rung besteht nicht und die in Indo­ne­si­en übli­chen Hoch­schul­gra­de kön­nen am EOC nicht erwor­ben wer­den. Das Minis­te­ri­um für Wis­sen­schaft, Wirt­schaft und Ver­kehr des Lan­des Schles­wig-Hol­stein ver­lieh dem EOC 2006 die Stel­lung als ange­glie­der­te Ein­rich­tung der Uni­ver­si­tät Flens­burg (sog. An-Insti­tut). Das zustän­di­ge Aus­bil­dungs­för­de­rungs­amt lehn­te den Antrag der Stu­den­tin auf Bewil­li­gung von Aus­lands-BAföG ab.

Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim wies die in ers­ter Instanz vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Sig­ma­rin­gen 1 erfolg­rei­che Kla­ge im Wesent­li­chen mit der Begrün­dung ab, dass die Aus­bil­dung am EOC u.a. des­halb nicht einer Hoch­schul­aus­bil­dung in Deutsch­land gleich­wer­tig i.S.d. § 5 Abs. 4 Satz 1 Nr. 5 BAföG sei, weil dort kein Abschluss erwor­ben wer­den kön­ne 2. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat das Urteil des Mann­hei­mer Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs im Ergeb­nis bestä­tigt:

Dem Anspruch auf Aus­lands-BAföG steht bereits ent­ge­gen, dass der EOC aus­bil­dungs­för­de­rungs­recht­lich kei­ne im Aus­land gele­ge­ne Aus­bil­dungs­stät­te i.S.v. § 5 Abs. 2 Satz 1 BAföG ist. Eine sol­che Aus­bil­dungs­stät­te liegt nur vor, wenn die Ein­rich­tung geo­gra­phisch im Aus­land gele­gen ist und die dort ver­mit­tel­te Aus­bil­dung die­ser Ein­rich­tung för­de­rungs­recht­lich zuzu­rech­nen ist, sodass die­se sich inso­weit als selbst­stän­dig erweist. So ver­hält es sich hier nicht. Zwar ist der EOC als An-Insti­tut der Uni­ver­si­tät Flens­burg hoch­schul­recht­lich eigen­stän­dig. Aus­bil­dungs­för­de­rungs­recht­lich ist dies bei der inso­weit gebo­te­nen mate­ri­el­len Betrach­tung aber nicht der Fall. Nach den für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs han­delt es sich um eine „Zweig­stel­le“ der Uni­ver­si­tät Flens­burg, mit der die­se das Ziel ver­folgt, jen­seits ihres eigent­li­chen Stand­or­tes Stu­die­ren­den aus Deutsch­land die Absol­vie­rung eines Aus­lands­se­mes­ters zu ermög­li­chen. Die feh­len­de Selbst­stän­dig­keit kommt ins­be­son­de­re auch dadurch zum Aus­druck, dass weder der EOC noch die dort ange­bo­te­nen Stu­di­en­mo­du­le eine staat­li­che indo­ne­si­sche Akkre­di­tie­rung auf­wei­sen, alle Stu­die­ren­den am EOC an der Uni­ver­si­tät Flens­burg ein­ge­schrie­ben sind, die Lehr- und Prü­fungs­in­hal­te am EOC den akkre­di­tier­ten Stu­di­en­mo­du­len des Stu­di­en­gangs Inter­na­tio­nal Manage­ment der Uni­ver­si­tät Flens­burg ent­spre­chen, der EOC und des­sen Pro­gramm in die Akkre­di­tie­rung die­ses Stu­di­en­gangs ein­be­zo­gen sind, von dem EOC betreu­te Abschluss­ar­bei­ten sol­che der jewei­li­gen Uni­ver­si­tät blei­ben und der EOC kei­ne eige­ne Stu­di­en­ord­nung besitzt.

Der Senat hat­te nicht dar­über zu ent­schei­den, ob der Stu­den­tin für den Besuch des EOC ein Anspruch auf Inlands-BAföG zusteht.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 17. Okto­ber 2018 – 5 C 8.17

  1. VG Sig­ma­rin­gen, Urteil vom 24.02.2016 – 1 K 3751/​14[]
  2. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 25.04.2017 – 12S 699/​16[]