Aus­schluss­fris­ten bei jugend­hil­fe­recht­li­chen Kos­ten­er­stat­tungs­an­sprü­chen

Für jugend­hil­fe­recht­li­che Kos­ten­er­stat­tungs­an­sprü­che (hier: nach § 89d SGB VIII) ist die Leis­tung im Sin­ne von § 111 Satz 1 SGB X nach dem zustän­dig­keits­recht­li­chen Leis­tungs­be­griff des Kin­der- und Jugend­hil­fe­rechts zu bestim­men.

Aus­schluss­fris­ten bei jugend­hil­fe­recht­li­chen Kos­ten­er­stat­tungs­an­sprü­chen

Zur Wah­rung der Aus­schluss­frist des § 111 Satz 1 SGB X für einen Anspruch auf Erstat­tung der Kos­ten für Maß­nah­men und Hil­fen, die jugend­hil­fe­recht­lich als eine Leis­tung zu wer­ten sind, genügt jede – inner­halb die­ser Frist erfol­gen­de – Gel­tend­ma­chung des Anspruchs nach Beginn der (Gesamt-)Leistung [1].

Der Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch des § 89d SGB VIII unter­fällt der Aus­schluss­frist des § 111 Satz 1 SGB X. Der Anwen­dung des § 111 SGB X auf den Erstat­tungs­an­spruch nach § 89d SGB VIII steht die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts nicht ent­ge­gen. Dem­nach ist die Aus­schluss­frist des § 111 SGB X auf die spe­zi­el­le jugend­hil­fe­recht­li­che Situa­ti­on ein­an­der gegen­über­ste­hen­der Erstat­tungs­an­sprü­che ört­li­cher Jugend­hil­fe­trä­ger nicht anwend­bar, was in beson­de­rer Wei­se für eine Kol­li­si­on mit einem Erstat­tungs­an­spruch nach § 89a SGB VIII gilt, des­sen Ziel es ist, die Pfle­ge­stel­len­or­te von den mit einem Zustän­dig­keits­wech­sel nach § 86 Abs. 6 SGB VIII ver­bun­de­nen Kos­ten zu befrei­en [2]. Die­se Recht­spre­chung ist man­gels Ver­gleich­bar­keit der Sach­ver­hal­te auf den hier zu Fall der Erstat­tungs­pflicht eines über­ört­li­chen Trä­gers gegen­über dem ört­li­chen Trä­ger der Jugend­hil­fe nicht über­trag­bar. Im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren kol­li­die­ren weder zwei Erstat­tungs­an­sprü­che noch ste­hen sich zwei ört­li­che Trä­ger der Jugend­hil­fe gegen­über, von denen einer nach § 89a SGB VIII Erstat­tung der von ihm auf­grund einer Zustän­dig­keit nach § 86 Abs. 6 SGB VIII auf­ge­wand­ten Kos­ten begehrt. Streit­ge­gen­stand ist viel­mehr allein der dem ört­li­chen Trä­ger der Jugend­hil­fe gegen den vom Bun­des­ver­wal­tungs­amt als erstat­tungs­pflich­tig bestimm­ten über­ört­li­chen Trä­ger der Jugend­hil­fe nach § 89d Abs. 1 Satz 1 SGB VIII zuste­hen­de Anspruch auf Kos­ten­er­stat­tung.

Die Anwen­dung des § 111 SGB X auf die­sen Anspruch bestimmt sich nach § 37 Satz 1 SGB I. Danach gel­ten das Ers­te und Zehn­te Buch für alle Sozi­al­leis­tungs­be­rei­che des Sozi­al­ge­setz­bu­ches, soweit sich aus den übri­gen Büchern nichts Abwei­chen­des ergibt. Das Sozi­al­ge­setz­buch Ach­tes Buch ent­hält kei­ne Vor­schrift, wel­che die Aus­schluss­frist des § 111 SGB X hin­sicht­lich des Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruchs nach § 89d SGB VIII aus­drück­lich für nicht anwend­bar erklärt oder anord­net, dass das Gel­tend­ma­chen die­ses Anspruchs kei­ner zeit­li­chen Begren­zung unter­liegt. Dem Kin­der- und Jugend­hil­fe­recht ist auch kein Struk­tur­prin­zip [3] zu ent­neh­men, das es recht­fer­tigt, den Erstat­tungs­an­spruch nach § 89d SGB VIII aus dem Anwen­dungs­be­reich des § 111 SGB X her­aus­zu­neh­men.

Gemäß § 120 Abs. 2 SGB X fin­det auf ein – wie hier – am 1. Juni 2000 noch nicht abschlie­ßend ent­schie­de­nes Kos­ten­er­stat­tungs­ver­fah­ren zwar grund­sätz­lich die Vor­schrift des § 111 SGB X in der vom 1. Janu­ar 2001 an gel­ten­den Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 18. Janu­ar 2001 [4] ins­ge­samt Anwen­dung. Ins­be­son­de­re war der Anspruch auf Erstat­tung bei Inkraft­tre­ten der Neu­re­ge­lung der Aus­schluss­frist nicht bereits nach der bis zum 31. Dezem­ber 2000 gel­ten­den Rege­lung des § 111 SGB X in der Fas­sung des Geset­zes vom 4. Novem­ber 1982 [5] aus­ge­schlos­sen [6]. Der Klä­ger hät­te näm­lich unter der Gel­tung die­ser alten Geset­zes­fas­sung sei­nen Erstat­tungs­an­spruch noch bis zum Ablauf des 21. Juni 2001 anzei­gen kön­nen.

Eine Aus­nah­me von der nach § 120 Abs. 2 SGB X ange­ord­ne­ten Anwen­dung des § 111 Satz 2 SGB X in der ab dem 1. Janu­ar 2001 gel­ten­den Fas­sung ist hier jedoch des­halb zu machen, weil eine sach­li­che Ent­schei­dung des erstat­tungs­pflich­ti­gen Beklag­ten gegen­über der Hil­fe­emp­fän­ge­rin nicht in Betracht kam und dem­zu­fol­ge die Rege­lung des § 111 Satz 2 SGB X ins Lee­re gehen wür­de [7]. Denn zwi­schen dem Beklag­ten und der Hil­fe­emp­fän­ge­rin bestand kei­ne unmit­tel­ba­re Rechts­be­zie­hung. Die Hil­fe­emp­fän­ge­rin konn­te den Beklag­ten nicht auf die Erbrin­gung einer Sozi­al­leis­tung in Anspruch neh­men. Aus­schließ­lich der Klä­ger war als ört­lich zustän­di­ger Trä­ger der Jugend­hil­fe gegen­über der Hil­fe­emp­fän­ge­rin zur Gewäh­rung von Hil­fe zur Erzie­hung gemäß §§ 27, 34 SGB VIII und Hil­fe für jun­ge Voll­jäh­ri­ge gemäß § 41 SGB VIII ver­pflich­tet. Für die vor­lie­gen­de Fall­kon­stel­la­ti­on ist daher § 111 Satz 2 SGB X in der bis zum 31. Dezem­ber 2000 gel­ten­den Fas­sung ent­spre­chend anzu­wen­den. Danach beginnt die Aus­schluss­frist im kon­kre­ten Fall frü­hes­tens in dem Zeit­punkt, in dem – bezo­gen auf die Leis­tung, deren Erstat­tung begehrt wird – die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des § 89d Abs. 1 Satz 1 SGB VIII erfüllt sind.

Für den Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch nach § 89d SGB VIII ist die Leis­tung im Sin­ne von § 111 Satz 1 SGB X nach dem zustän­dig­keits­recht­li­chen Leis­tungs­be­griff des Kin­der- und Jugend­hil­fe­rechts zu bestim­men. In Anwen­dung die­ses Begrif­fes sind die vom Klä­ger gewähr­te Hil­fe zur Erzie­hung und die von ihm im unmit­tel­ba­ren Anschluss dar­an geleis­te­te Hil­fe für jun­ge Voll­jäh­ri­ge als ein­heit­li­che jugend­hil­fe­recht­li­che Leis­tung zu wer­ten. Für das frist­ge­rech­te Gel­tend­ma­chen die­ser (Gesamt-)Leistung genügt es, dass der Klä­ger den Antrag auf Erstat­tung der Kos­ten nach § 89d Abs. 1 Satz 1 SGB VIII wäh­rend der lau­fen­den Hil­fe zur Erzie­hung (und damit lan­ge vor der Zwölf­mo­nats­frist nach Ende der Leis­tung) gestellt hat. Dem Zweck der Aus­schluss­frist wird damit hin­rei­chend Rech­nung getra­gen.

Das Sozi­al­ge­setz­buch Ers­tes Buch und Zehn­tes Buch als die für alle Sozi­al­leis­tungs­be­rei­che gel­ten­den Bücher ent­hal­ten kei­ne eigen­stän­di­ge Defi­ni­ti­on des Begriffs der Leis­tung, auf den im Rah­men der Aus­schluss­frist zurück­ge­grif­fen wer­den könn­te. § 111 Satz 1 SGB X nimmt viel­mehr Bezug auf die Leis­tung und den Leis­tungs­be­griff des jewei­li­gen Sozi­al­leis­tungs­be­reichs, in dem der gel­tend zu machen­de Anspruch auf Kos­ten­er­stat­tung im Ein­zel­fall sei­ne Rechts­grund­la­ge fin­det. Der Wort­laut des § 111 SGB X steht einer bereichs­spe­zi­fi­schen Aus­le­gung eben­so wenig ent­ge­gen wie der Zweck der Aus­schluss­frist. Denn eine mit Rück­sicht auf die spe­zi­fi­sche Ziel­set­zung des Rechts der jewei­li­gen Sozi­al­leis­tung erfol­gen­de Bestim­mung der Leis­tung führt nicht dazu, dass der erstat­tungs­pflich­ti­ge Leis­tungs­trä­ger nicht mög­lichst zeit­nah zur Leis­tungs­er­brin­gung die zu erwar­ten­de finan­zi­el­le Belas­tung erken­nen und gege­be­nen­falls ent­spre­chen­de Rück­stel­lun­gen bil­den kann.

Für das frist­ge­rech­te Gel­tend­ma­chen des Anspruchs auf Erstat­tung der Kos­ten nach § 89d Abs. 1 Satz 1 SGB VIII ist dem­zu­fol­ge der Begriff der Leis­tung im Sin­ne der Zustän­dig­keits­re­ge­lun­gen der §§ 86 ff. SGB VIII maß­geb­lich. Der Rück­griff auf den zustän­dig­keits­recht­li­chen Leis­tungs­be­griff im Rah­men des Erstat­tungs­ver­hält­nis­ses fin­det sei­ne sach­li­che Recht­fer­ti­gung in der jugend­hil­fe­recht­li­chen Ver­knüp­fung der ört­li­chen Zustän­dig­keit mit der Kos­ten­tra­gungs­pflicht und der sie ergän­zen­den Kos­ten­er­stat­tung. In der Regel hat der für die Gewäh­rung von Leis­tun­gen und die Erfül­lung ande­rer Auf­ga­ben der Jugend­hil­fe nach §§ 86 ff. SGB VIII ört­lich zustän­di­ge Trä­ger der Jugend­hil­fe auch deren Kos­ten zu tra­gen. Ins­be­son­de­re bei einer – wie hier in Rede ste­hen­den – Leis­tungs­ge­wäh­rung in Ein­rich­tun­gen kann dies aber zu einer unan­ge­mes­se­nen finan­zi­el­len Belas­tung ein­zel­ner kom­mu­na­ler Gebiets­kör­per­schaf­ten füh­ren. Ent­spre­chen­des gilt vor allem auch für die Fäl­le fort­dau­ern­der Voll­zeit­pfle­ge sowie des vor­läu­fi­gen Ein­tre­tens für den an sich (end­gül­tig) ört­lich zustän­di­gen Trä­ger der Jugend­hil­fe. Nach der Sys­te­ma­tik des Geset­zes ist es Auf­ga­be der Kos­ten­er­stat­tung, durch die Zustän­dig­keits­re­ge­lun­gen nicht gerecht­fer­tig­te Kos­ten­be­las­tun­gen nach Mög­lich­keit aus­zu­glei­chen und auf die­sem Weg für eine gleich­mä­ßi­ge Kos­ten­ver­tei­lung zwi­schen den ein­zel­nen Trä­gern der öffent­li­chen Jugend­hil­fe zu sor­gen. Dem­entspre­chend folgt im Sieb­ten Kapi­tel des Sozi­al­ge­setz­bu­ches Ach­tes Buch unmit­tel­bar auf die im Zwei­ten Abschnitt gere­gel­te (vor­ran­gi­ge) ört­li­che Zustän­dig­keit der Drit­te Abschnitt mit sei­nen Rege­lun­gen über die Kos­ten­er­stat­tung. Über­dies knüpft auch der Wort­laut der ein­zel­nen Erstat­tungs­an­sprü­che nach §§ 89 ff. SGB VIII zum Teil aus­drück­lich an die ört­li­che Zustän­dig­keit nach §§ 86 ff. SGB VIII an [8].

Nach Maß­ga­be des zustän­dig­keits­recht­li­chen Leis­tungs­be­griffs ist die (jugend­hil­fe­recht­li­che) Leis­tung anhand einer bedarfs­ori­en­tier­ten Gesamt­be­trach­tung der ver­schie­de­nen Maß­nah­men und Hil­fen zu bestim­men. Dem­zu­fol­ge bil­den alle zur Deckung eines qua­li­ta­tiv unver­än­der­ten, kon­ti­nu­ier­li­che Hil­fe gebie­ten­den jugend­hil­fe­recht­li­chen Bedarfs erfor­der­li­chen Maß­nah­men und Hil­fen eine ein­heit­li­che Leis­tung, zumal wenn sie im Ein­zel­fall naht­los anein­an­der anschlie­ßen, also ohne beacht­li­che (vgl. § 86a Abs. 4 Satz 2 und 3 SGB VIII) zeit­li­che Unter­bre­chung gewährt wer­den. Dies gilt auch dann, wenn bei dem viel­fach auf einen län­ge­ren Zeit­raum ange­leg­ten Hil­fe­pro­zess sich die Schwer­punk­te inner­halb des Hil­fe­be­dar­fes ver­schie­ben und für die Aus­ge­stal­tung der Hil­fe Modi­fi­ka­tio­nen, Ände­run­gen oder Ergän­zun­gen bis hin zu einem Wech­sel der Hil­fe­art erfor­der­lich wer­den, die Hil­fe­ge­wäh­rung im Ver­lauf des unun­ter­bro­che­nen Hil­fe­pro­zes­ses also einer ande­ren Num­mer des § 2 Abs. 2 SGB VIII zuzu­ord­nen oder inner­halb des Sozi­al­ge­setz­bu­ches Ach­tes Buch nach einer ande­ren Rechts­grund­la­ge zu gewäh­ren ist [9].

An das Gel­tend­ma­chen im Sin­ne des § 111 Satz 1 SGB X dür­fen kei­ne über­zo­ge­nen for­ma­len oder inhalt­li­chen Anfor­de­run­gen gestellt wer­den, zumal es sich bei den am Erstat­tungs­ver­fah­ren Betei­lig­ten um Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts oder Behör­den han­delt, deren Ver­tre­ter Kennt­nis von den jeweils in Betracht kom­men­den Leis­tun­gen besit­zen. Bei dem Gel­tend­ma­chen han­delt es sich um eine emp­fangs­be­dürf­ti­ge Wil­lens­er­klä­rung, die mit Zugang beim Emp­fän­ger wirk­sam wird. Ein kon­klu­den­tes Gel­tend­ma­chen ist zuläs­sig und aus­rei­chend. Die inhalt­li­chen Anfor­de­run­gen bestim­men sich nach dem Zweck des § 111 SGB X, mög­lichst rasch kla­re Ver­hält­nis­se dar­über zu schaf­fen, ob eine Erstat­tungs­pflicht besteht. Aus die­sem Grund erfor­dert das Gel­tend­ma­chen ein unbe­ding­tes Ein­for­dern der Leis­tung. Ein bloß vor­sorg­li­ches Anmel­den genügt nicht. Der Wil­le des Erstat­tungs­be­rech­tig­ten, zumin­dest rechts­si­chernd tätig zu wer­den, muss unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de des Ein­zel­fal­les der Erklä­rung deut­lich erkenn­bar zugrun­de lie­gen. Der in Anspruch genom­me­ne Leis­tungs­trä­ger muss bereits beim Zugang der Anmel­dung des Erstat­tungs­an­spruchs ohne wei­te­re Nach­for­schun­gen beur­tei­len kön­nen, ob die gegen ihn erho­be­ne For­de­rung aus­ge­schlos­sen ist oder er mit einer Erstat­tungs­pflicht zu rech­nen hat. Hier­für ist in der Regel ein Dar­le­gen in allen Ein­zel­hei­ten nicht erfor­der­lich. Es genügt viel­mehr, dass die Umstän­de, die im Ein­zel­fall für die Ent­ste­hung des Erstat­tungs­an­spruchs maß­geb­lich sind und ins­be­son­de­re der Zeit­raum, für den die Leis­tung erbracht wur­de, hin­rei­chend kon­kret mit­ge­teilt wer­den. Gerin­ge­re inhalt­li­che Anfor­de­run­gen gel­ten, wenn der Erstat­tungs­an­spruch, was grund­sätz­lich zuläs­sig ist, vor sei­ner Ent­ste­hung gel­tend gemacht wird. In einem der­ar­ti­gen Fall ist es erfor­der­lich, aber auch aus­rei­chend, wenn die Anga­ben über Art und Umfang der künf­ti­gen Leis­tun­gen all­ge­mein unter Ver­wen­dung der Kennt­nis­se gemacht wer­den, die im Zeit­punkt des Gel­tend­ma­chens vor­han­den sind [10]. Für das frist­ge­rech­te Gel­tend­ma­chen eines Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruchs für eine unter Bedarfs­ge­sichts­punk­ten als eine Ein­heit zu wer­ten­de Jugend­hil­fe­maß­nah­me ist eine bedarfs­ori­en­tier­te Gesamt­be­trach­tung zugrun­de zu legen. Danach kommt es nicht dar­auf an, ob die Kos­ten für die Maß­nah­me von einem Drit­ten gege­be­nen­falls zeit­ab­schnitts­wei­se in Rech­nung gestellt und begli­chen wer­den. Viel­mehr genügt zur Wah­rung der Aus­schluss­frist des § 111 Satz 1 SGB X für einen Anspruch auf Erstat­tung der Kos­ten für Maß­nah­men und Hil­fen, die jugend­hil­fe­recht­lich als eine Leis­tung zu wer­ten sind, jede inner­halb die­ser Frist erfol­gen­de Gel­tend­ma­chung des Anspruchs nach Beginn der (Gesamt-)Leistung. Soweit das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Senat in sei­nem Urteil vom 10. April 2003 [11] eine ande­re Auf­fas­sung ver­tre­ten und für die Bestim­mung der frist­ge­rech­ten Gel­tend­ma­chung eines Erstat­tungs­an­spruchs auf die im Ein­zel­fall erfolg­te monats­wei­se Abrech­nung abge­stellt hat, hält es dar­an nicht mehr fest.

Der Zweck der Aus­schluss­frist des § 111 Satz 1 SGB X wird dadurch weder beein­träch­tigt noch in Fra­ge gestellt. Bereits das Gel­tend­ma­chen des Erstat­tungs­an­spruchs in Bezug auf die Hil­fe zur Erzie­hung erfüllt im kon­kre­ten Fall die mit der zeit­na­hen Anmel­dung ver­folg­te Infor­ma­ti­ons- und Warn­funk­ti­on. Vor und nach Ein­tritt der Voll­jäh­rig­keit wur­de auf­grund eines qua­li­ta­tiv unver­än­der­ten Hil­fe­be­darfs der Sache nach immer die­sel­be Leis­tung erbracht, die ledig­lich infol­ge des Ein­tritts der Voll­jäh­rig­keit im Ver­hält­nis der Hil­fe­emp­fän­ge­rin zum erstat­tungs­be­rech­tig­ten Klä­ger einer ande­ren Rechts­grund­la­ge zuzu­ord­nen war, ohne dass dies jedoch zu einem Aus­tausch des erstat­tungs­ver­pflich­te­ten Leis­tungs­trä­gers oder Wech­sel der Rechts­grund­la­ge des Erstat­tungs­an­spruchs führ­te. Mit Rück­sicht auf die­sen kon­kre­ten Ver­fah­rens­ab­lauf war für den Beklag­ten außer­dem stets hin­rei­chend erkenn­bar, wel­che finan­zi­el­le Belas­tung auf ihn zukom­men konn­te, zumal auch für ihn an sei­ner Erstat­tungs­pflicht infol­ge der Bestim­mung des Bun­des­ver­wal­tungs­amts von Anfang an kein Zwei­fel bestand.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 19. August 2010 – 5 C 14.09

  1. inso­weit Ände­rung der Recht­spre­chung zu BVerwG, Urteil vom 10.04.2003 – 5 C 18.02, Buch­holz 435.12 § 111 SGB X Nr. 3[]
  2. BVerwG, Urteil vom 30.09.2009 – BVerwG 5 C 18.08, BVerw­GE 135, 58 = Buch­holz 436.511 § 86 KJHG/​SGB VIII Nr. 9 jeweils Rn. 33[]
  3. vgl. inso­weit BVerwG, Urteil vom 29.09.1994 – 5 C 41.92, Buch­holz 436.7 § 27a BVG Nr. 16 S. 3 = Buch­holz 435.11 § 58 SGB I Nr. 3[]
  4. BGBl I S. 130[]
  5. BGBl I S. 1450[]
  6. vgl. inso­weit BVerwG, Urteil vom 10.04.2003 – 5 C 18.02, Buch­holz 435.12 § 111 SGB X Nr. 3 S. 2[]
  7. vgl. BSG, Urteil vom 10.05.2005 – B 1 KR 20/​04 R, SozR 4–1300 § 111 Nr. 3 Rn. 21 ff.[]
  8. z.B. §§ 89, 89a Abs. 1 Satz 1, § 89a Abs. 2, § 89a Abs. 3, § 89b Abs. 1, § 89b Abs. 3, § 89c Abs. 1 Satz 1, § 89c Abs. 3, § 89e Abs. 1 Satz 1 und § 89e Abs. 2 SGB VIII[]
  9. stän­di­ge Recht­spre­chung, grund­le­gend BVerwG, Urteil vom 29.01.2004 – 5 C 9.03, BVerw­GE 120, 116, 119 = Buch­holz 436.511 § 86 KJHG/​SGB VIII Nr. 2, S. 7; vgl. zuletzt BVerwG, Urteil vom 25.03.2010 – 5 C 12.09; sie­he auch BVerwG, Urteil vom 14.11.2002 – 5 C 56.01, BVerw­GE 117, 194 S. 197 ff. = Buch­holz 436.511 § 89a KJHG/​SGB VIII Nr. 1, S. 3 ff. = Buch­holz 436.511 § 86a KJHG/​SGB VIII Nr. 2[]
  10. vgl. zu Vor­ste­hen­dem ins­ge­samt BSG, Urteil vom 22.08.2000 – B 2 U 24/​99 R, SozR 3–1300 § 111 Nr. 9 Rn. 17 ff. mit zahl­rei­chen wei­te­ren Nach­wei­sen; sowie BVerwG, Urteil vom 04.03.1993 – 5 C 6.91, BVerw­GE 92, 167 168 = Buch­holz 435.12 § 111 SGB X Nr. 2, S. 2[]
  11. BVerwG, Urteil vom 10.04.2003 – 5 C 18.02, a.a.O. S. 3[]