BAföG per einst­wei­li­ger Anord­nung

Wird ein Leis­tungs­trä­ger durch einst­wei­li­ge Anord­nung ver­pflich­tet, För­de­rungs­leis­tun­gen nach dem BAföG zu bewil­li­gen, so ist die Leis­tungs­pflicht grund­sätz­lich ab Beginn des Monats aus­zu­spre­chen, in dem die gericht­li­che Ent­schei­dung ergeht.

BAföG per einst­wei­li­ger Anord­nung

Es ent­spricht der stän­di­gen Recht­spre­chung des Ham­bur­gi­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts, dass die einst­wei­li­ge Ver­pflich­tung zur Leis­tung mit der gericht­li­chen Ent­schei­dung beginnt. Denn einst­wei­li­ge Anord­nun­gen die­nen der Behe­bung aktu­el­ler, d.h. gegen­wär­tig noch bestehen­der Not­la­gen und kön­nen nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Beschwer­de­ge­richts grund­sätz­lich nur für die Gegen­wart und Zukunft, nicht aber für im Zeit­punkt der Ent­schei­dung bereits zurück­lie­gen­de Zeit­räu­me getrof­fen wer­den [1].

Im vor­lie­gen­den Fall bedeu­tet das aller­dings, dass auf Grund des am 3.12.2012 getrof­fe­nen Beschlus­ses Leis­tun­gen für den gesam­ten Monat Dezem­ber zu gewäh­ren sind. Denn anders als etwa im (frü­he­ren) Sozi­al­hil­fe­recht kommt eine Gewäh­rung von Leis­tun­gen für Tei­le eines Monats, etwa gar nur für ein­zel­ne Tage, nach dem Bun­des­aus­bil­dungs­för­de­rungs­ge­setz regel­mä­ßig nicht in Betracht. Die zu gewäh­ren­de Aus­bil­dungs­för­de­rung kann nicht in Tei­le auf­ge­spal­ten wer­den, die – wie etwa die Kos­ten der Unter­kunft – an jedem Tag des Monats für den gesam­ten Monat zu erbrin­gen sind, und ande­re Tei­le, die – wie etwa der Ernäh­rungs­an­teil des Regel­sat­zes – tage­wei­se aus­ge­zahlt wer­den kön­nen. Aus­bil­dungs­för­de­rung nach dem Bun­des­aus­bil­dungs­för­de­rungs­ge­setz wird viel­mehr grund­sätz­lich monat­lich geleis­tet. Der För­de­rungs­an­spruch ent­steht mit dem Beginn des Monats, in dem die Aus­bil­dung auf­ge­nom­men wird, frü­hes­tens mit dem Beginn des Monats, in dem der För­de­rungs­an­trag gestellt wird (§ 15 Abs. 1 BAföG). Ände­run­gen in den Ver­hält­nis­sen wir­ken grund­sätz­lich ab Beginn des Monats, in dem sie ein­tre­ten oder der auf den Ein­tritt der Ände­rung folgt (vgl. § 53 Satz 1 BAföG).

Von die­sen Grund­sät­zen ist auch bei der Gewäh­rung von Aus­bil­dungs­för­de­rung auf Grund einer einst­wei­li­gen Anord­nung aus­zu­ge­hen [2]. Das Ende der Ver­pflich­tung ergibt sich aus dem Ende des bis lau­fen­den Bewil­li­gungs­zeit­raums.

Ham­bur­gi­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 3. Dezem­ber 2012 – 4 Bs 200/​12

  1. vgl. OVG Ham­burg, Beschlüs­se vom 04.04.1990, NVwZ 1990, 975 m.w.N.; vom 22.06.2000 – 4 Bs 133/​00 m.w.N.; vom 29.04.2003 – 4 Bs 153/​03; und vom 01.09.2004 – 4 Bs 311/​04[]
  2. vgl. OVG Ham­burg, Beschluss vom 15.01.2007 – 4 Bs 305/​306[]