BAföG-Tei­ler­lass für Ost-Medi­zi­ner

Rege­lung zum stu­di­en­dau­er­ab­hän­gi­gen Tei­ler­lass der BAföG-Rück­zah­lung teil­wei­se ver­fas­sungs­wid­rig, ent­schied jetzt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auf die Ver­fas­sungs­be­schwer­de eines Medi­zi­ners, der sein Medi­zin­stu­di­um kurz nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung in den neu­en Bun­des­län­dern absol­viert hat­te.

BAföG-Tei­ler­lass für Ost-Medi­zi­ner

Aus dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz erge­ben sich je nach Rege­lungs­ge­gen­stand und Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­ma­len unter­schied­li­che Gren­zen für den Gesetz­ge­ber, die stu­fen­los von gelo­cker­ten, auf das Will­kür­ver­bot beschränk­ten Bin­dun­gen bis hin zu stren­gen Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­an­for­de­run­gen rei­chen kön­nen.

§ 18b Abs. 3 Satz 1 Bun­des­aus­bil­dungs­för­de­rungs­ge­setz ist mit Art. 3 Abs. 1 GG unver­ein­bar, soweit es Stu­die­ren­den wegen Rechts­vor­schrif­ten zu einer Min­dest­stu­di­en­zeit einer­seits und zur För­de­rungs­höchst­dau­er ande­rer­seits objek­tiv unmög­lich ist, einen soge­nann­ten gro­ßen Tei­ler­lass zu erhal­ten.

Die­se Ent­schei­dung betrifft frei­lich nicht den aktu­el­len BAföG-Bezug – mit der letz­ten BAföG-Reform wur­den die Rege­lun­gen zum Tei­ler­lass abge­schafft.

Die Tei­ler­lass-Rege­lun­gen des BAföG a.F.

Die bedürf­tig­keits­ab­hän­gi­ge Aus­bil­dungs­för­de­rung nach dem BAföG wird bei Uni­ver­si­täts­stu­di­en­gän­gen für eine För­de­rungs­höchst­dau­er zur Hälf­te als unver­zins­li­ches Dar­le­hen erbracht. Nach § 18b BAföG kann das Dar­le­hen bei erfolg­rei­chem Stu­di­en­ab­schluss teil­wei­se erlas­sen wer­den. Neben einem leis­tungs­ab­hän­gi­gen Tei­ler­lass kommt ein stu­di­en­dau­er­ab­hän­gi­ger Tei­ler­lass in Betracht. In der hier maß­geb­li­chen Fas­sung des § 18b Abs. 3 BAföG vom 22. Mai 1990 wer­den dem Stu­die­ren­den 5.000 DM des Dar­le­hens erlas­sen, wenn er sein Stu­di­um vier Mona­te vor Ablauf der För­de­rungs­höchst­dau­er erfolg­reich been­det (gro­ßer Tei­ler­lass); beträgt der Zeit­raum nur zwei Mona­te, wer­den 2.000 DM erlas­sen (klei­ner Tei­ler­lass).

Min­dest­stu­di­en­zei­ten beim Medi­zin­stu­di­um

Das ärzt­li­che Berufs­recht sieht seit den 1970er Jah­ren eine zur Erlan­gung der Appro­ba­ti­on als Arzt erfor­der­li­che Min­dest­stu­di­en­zeit von sechs Jah­ren vor. Die Regel­stu­di­en­zeit beträgt im Stu­di­en­gang Human­me­di­zin sechs Jah­re und drei Mona­te und setzt sich aus der Min­dest­stu­di­en­zeit und der für die Able­gung der letz­ten Prü­fung not­wen­di­gen Zeit von maxi­mal drei Mona­ten zusam­men. Die zunächst in der För­de­rungs­höchst­dau­er­ver­ord­nung für die ein­zel­nen Stu­di­en­gän­ge gere­gel­te För­de­rungs­höchst­dau­er wur­de seit Mit­te der 1980er Jah­re nach und nach der Regel­stu­di­en­zeit ange­gli­chen. Wäh­rend die För­de­rungs­höchst­dau­er im Stu­di­en­gang Human­me­di­zin seit 1986 drei­zehn Semes­ter betra­gen hat­te, wur­de sie für alle Stu­di­en­gän­ge in den neu­en Bun­des­län­dern bereits seit der Wie­der­ver­ei­ni­gung zum 1. Janu­ar 1991 nach der Regel­stu­di­en­zeit bemes­sen. Dadurch war es den Stu­die­ren­den der Human­me­di­zin in den neu­en Län­dern von vorn­her­ein unmög­lich, einen gro­ßen Tei­ler­lass zu errei­chen, da sie eine Min­dest­stu­di­en­zeit von zwölf Semes­tern zu absol­vie­ren hat­ten und des­halb ihr Stu­di­um nicht vier Mona­te vor Ende der För­de­rungs­höchst­dau­er von sechs Jah­ren und drei Mona­ten abschlie­ßen konn­ten. Die Ver­kür­zung der För­de­rungs­höchst­dau­er galt eben­so für Stu­die­ren­de der Human­me­di­zin, die ab dem Som­mer­se­mes­ter 1993 ihr Stu­di­um in den alten Län­dern auf­ge­nom­men hat­ten. Wer aller­dings – wie bei einem Stu­di­en­be­ginn im Win­ter­se­mes­ter 1992/​93 oder frü­her – sein vier­tes Fach­se­mes­ter am 1. Okto­ber 1994 in den alten Län­dern voll­endet hat­te, konn­te den gro­ßen Tei­ler­lass errei­chen, weil für ihn nach einer Über­gangs­re­ge­lung noch die alte För­de­rungs­höchst­dau­er von drei­zehn Semes­tern galt.

Der Aus­gangs­fall

Der Beschwer­de­füh­rer begann im Win­ter­se­mes­ter 1991/​92 in den neu­en Bun­des­län­dern sein Medi­zin­stu­di­um, das er im ers­ten Monat nach dem Ende des 12. Semes­ters erfolg­reich abschloss. Wäh­rend des Stu­di­ums erhielt er Aus­bil­dungs­för­de­rung nach dem BAföG. Das Bun­des­ver­wal­tungs­amt leg­te im Ver­fah­ren zur Fest­set­zung der Dar­le­hens­rück­zah­lung unter Zugrun­de­le­gung der För­de­rungs­höchst­dau­er von sechs Jah­ren und drei Mona­ten deren Ende auf den Monat Dezem­ber 1997 fest und gewähr­te dem Beschwer­de­füh­rer ledig­lich einen klei­nen Tei­ler­lass, da er das Stu­di­um nur zwei Mona­te vor dem Ende der För­de­rungs­höchst­dau­er abge­schlos­sen habe. Sei­ne im Wesent­li­chen gegen die Ver­sa­gung des gro­ßen Tei­ler­las­ses gerich­te­ten Kla­gen blie­ben vor den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten ohne Erfolg 1.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de

Der Ers­te Senat des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ent­schied, dass § 18b Abs. 3 Satz 1 BAföG sowohl in der hier maß­geb­li­chen Fas­sung als auch in den nach­fol­gen­den Fas­sun­gen mit dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 GG) unver­ein­bar ist, soweit es danach Stu­die­ren­den wegen Rechts­vor­schrif­ten zur Min­dest­stu­di­en­zeit einer­seits und zur För­de­rungs­höchst­dau­er ande­rer­seits objek­tiv unmög­lich ist, einen gro­ßen Tei­ler­lass zu erhal­ten. In die­sem Umfang dür­fen die Gerich­te und Ver­wal­tungs­be­hör­den die Vor­schrift nicht mehr anwen­den. Der Gesetz­ge­ber hat bis zum 31. Dezem­ber 2011 für alle betrof­fe­nen Stu­die­ren­den, deren Ver­wal­tungs- oder Gerichts­ver­fah­ren über die Gewäh­rung eines gro­ßen Tei­ler­las­ses noch nicht bestands- oder rechts­kräf­tig abge­schlos­sen sind, eine gleich­heits­ge­rech­te Neu­re­ge­lung zu tref­fen. Des Wei­te­ren hat der Senat die zur Ver­sa­gung des gro­ßen Tei­ler­las­ses ergan­ge­nen Ent­schei­dun­gen der Ver­wal­tungs­ge­rich­te auf­ge­ho­ben, weil sie – wie die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­am­tes – den Beschwer­de­füh­rer in sei­nem Grund­recht aus Art. 3 Abs. 1 GG ver­let­zen, und die Sache zur erneu­ten Ent­schei­dung an das erst­in­stanz­li­che Ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Grund­satz der Gleich­be­hand­lung

Der Beschwer­de­füh­rer wird nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts durch § 18b Abs. 3 Satz 1 BAföG in Ver­bin­dung mit den ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten zur För­de­rungs­höchst­dau­er einer­seits und zur Min­dest­stu­di­en­zeit ande­rer­seits sowie durch die dar­aus fol­gen­de Ver­sa­gung eines gro­ßen Tei­ler­las­ses in sei­nem Grund­recht auf Gleich­be­hand­lung ver­letzt, weil es ihm als Stu­die­ren­dem der Human­me­di­zin in den neu­en Län­dern von vorn­her­ein objek­tiv unmög­lich war, in den Genuss eines gro­ßen Tei­ler­las­ses zu kom­men.

Der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG gebie­tet dem Norm­ge­ber, wesent­lich Glei­ches gleich und wesent­lich Unglei­ches ungleich zu behan­deln 2. Er gilt sowohl für unglei­che Belas­tun­gen als auch für unglei­che Begüns­ti­gun­gen 3. Ver­bo­ten ist auch ein gleich­heits­wid­ri­ger Aus­schluss 4, bei dem eine Begüns­ti­gung dem einem Per­so­nen­kreis gewährt, dem ande­ren aber vor­ent­hal­ten wird 5.

Aus dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz erge­ben sich je nach Rege­lungs­ge­gen­stand und Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­ma­len unter­schied­li­che Gren­zen für den Gesetz­ge­ber, die von gelo­cker­ten auf das Will­kür­ver­bot beschränk­ten Bin­dun­gen bis hin zu stren­gen Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­er­for­der­nis­sen rei­chen kön­nen 6. Dif­fe­ren­zie­run­gen bedür­fen stets der Recht­fer­ti­gung durch Sach­grün­de, die dem Dif­fe­ren­zie­rungs­ziel und dem Aus­maß der Ungleich­be­hand­lung ange­mes­sen sind. Art. 3 Abs. 1 GG gebie­tet nicht nur, dass die Ungleich­be­hand­lung an ein der Art nach sach­lich gerecht­fer­tig­tes Unter­schei­dungs­kri­te­ri­um anknüpft, son­dern ver­langt auch für das Maß der Dif­fe­ren­zie­rung einen inne­ren Zusam­men­hang zwi­schen den vor­ge­fun­de­nen Ver­schie­den­hei­ten und der dif­fe­ren­zie­ren­den Rege­lung, der sich als sach­lich ver­tret­ba­rer Unter­schei­dungs­ge­sichts­punkt von hin­rei­chen­dem Gewicht erweist 7. Der Gleich­heits­satz ist dann ver­letzt, wenn eine Grup­pe von Normadres­sa­ten oder Norm­be­trof­fe­nen im Ver­gleich zu einer ande­ren anders behan­delt wird, obwohl zwi­schen bei­den Grup­pen kei­ne Unter­schie­de von sol­cher Art und sol­chem Gewicht bestehen, dass sie die unter­schied­li­che Behand­lung recht­fer­ti­gen kön­nen 8.

Dabei gilt ein stu­fen­lo­ser am Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ori­en­tier­ter ver­fas­sungs­recht­li­cher Prü­fungs­maß­stab, des­sen Inhalt und Gren­zen sich nicht abs­trakt, son­dern nur nach den jeweils betrof­fe­nen unter­schied­li­chen Sach- und Rege­lungs­be­rei­chen bestim­men las­sen 9. Eine stren­ge­re Bin­dung des Gesetz­ge­bers ist ins­be­son­de­re anzu­neh­men, wenn die Dif­fe­ren­zie­rung an Per­sön­lich­keits­merk­ma­le anknüpft, wobei sich die ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen umso mehr ver­schär­fen, je weni­ger die Merk­ma­le für den Ein­zel­nen ver­füg­bar sind 10 oder je mehr sie sich denen des Art. 3 Abs. 3 GG annä­hern 7. Eine stren­ge­re Bin­dung des Gesetz­ge­bers kann sich auch aus den jeweils betrof­fe­nen Frei­heits­rech­ten erge­ben 10. Im Übri­gen hängt das Maß der Bin­dung unter ande­rem davon ab, inwie­weit die Betrof­fe­nen in der Lage sind, durch ihr Ver­hal­ten die Ver­wirk­li­chung der Kri­te­ri­en zu beein­flus­sen, nach denen unter­schie­den wird 11.

§ 18b Abs. 3 Satz 1 BAföG in der Fas­sung des 12. BAfö­GÄndG in Ver­bin­dung mit den ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten zur För­de­rungs­höchst­dau­er (hier § 9 Abs. 2 För­de­rungs­höchst­dau­erV i.V.m. § 1 Abs. 2 Satz 2 ÄAp­prO) einer­seits und zur Min­dest­stu­di­en­zeit (hier § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 BÄO, § 1 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 ÄAp­prO) ande­rer­seits und die dar­auf beru­hen­de Ver­sa­gung eines gro­ßen Tei­ler­las­ses für den Beschwer­de­füh­rer sind selbst bei Anle­gung eines groß­zü­gi­gen Prü­fungs­maß­sta­bes mit Art. 3 Abs. 1 GG unver­ein­bar.

Der Beschwer­de­füh­rer wird als Stu­dent der Human­me­di­zin in den neu­en Län­dern zum einen gegen­über Stu­die­ren­den der Human­me­di­zin, die im Win­ter­se­mes­ter 1992/​1993 oder frü­her ihr Stu­di­um in den alten Län­dern auf­ge­nom­men und im Som­mer­se­mes­ter 1994 ihr vier­tes Fach­se­mes­ter voll­endet haben, ungleich behan­delt. Wäh­rend für letz­te­re nach § 5 Abs. 1 Satz 1 Nr. 63 För­de­rungs­höchst­dau­erV in der Fas­sung der 8. BAföG-För­de­rungs­höchst­dau­er­VÄndV in Ver­bin­dung mit § 11d För­de­rungs­höchst­dau­erV in der Fas­sung der 10. BAföG- För­de­rungs­höchst­dau­er­VÄndV eine För­de­rungs­höchst­dau­er von drei­zehn Semes­ter galt und sie damit bei einem Abschluss des Stu­di­ums vor Ablauf des zwei­ten Monats nach dem Ablauf der Min­dest­stu­di­en­zeit von zwölf Semes­tern einen gro­ßen Tei­ler­lass erhal­ten konn­ten, war dies dem Beschwer­de­füh­rer nicht mög­lich. Denn er konn­te sein Stu­di­um wegen der bun­des­recht­lich vor­ge­ge­be­nen Min­dest­stu­di­en­zeit von zwölf Semes­tern einer­seits und der für Stu­die­ren­de in den neu­en Län­dern gel­ten­den, der Regel­stu­di­en­zeit ent­spre­chen­den För­de­rungs­höchst­dau­er von zwölf Semes­tern und drei Mona­ten ande­rer­seits nicht vier Mona­te vor dem Ablauf der För­de­rungs­höchst­dau­er been­den. Zum ande­ren liegt eine Ungleich­be­hand­lung gegen­über Stu­die­ren­den ande­rer Stu­di­en­gän­ge vor, in denen ent­we­der gar kei­ne Min­dest­stu­di­en­zeit gilt oder Min­dest­stu­di­en­zeit und För­de­rungs­höchst­dau­er so bemes­sen sind, dass ein Abschluss des Stu­di­ums vier Mona­te vor dem Ende der För­de­rungs­höchst­dau­er mög­lich bleibt.

Trag­fä­hi­ge Grün­de für die Recht­fer­ti­gung die­ser Ungleich­be­hand­lun­gen sind nicht erkenn­bar. Sie erge­ben sich weder aus den Mate­ria­li­en zum Bun­des­aus­bil­dungs­för­de­rungs­ge­setz noch aus der Begrün­dung der För­de­rungs­höchst­dau­er­ver­ord­nung. Auch im Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren ist hier­zu nichts vor­ge­tra­gen wor­den.

Für die Ungleich­be­hand­lung gegen­über Stu­die­ren­den der Human­me­di­zin in den alten Län­dern bestehen kei­ne trag­fä­hi­gen Sach­grün­de. Zwar durf­te der Gesetz­ge­ber bei der Gewäh­rung von Leis­tun­gen einen Spiel­raum in Anspruch neh­men. Doch erlaubt ihm die­ser nicht, Stu­die­ren­de in den neu­en Län­dern ohne sach­an­ge­mes­se­ne Grün­de von einer Begüns­ti­gung aus­zu­schlie­ßen. Dabei kann dahin­ste­hen, ob im Stu­di­en­gang Human­me­di­zin in den neu­en Län­dern in den 1990er Jah­ren Stu­di­en­be­din­gun­gen geherrscht haben, die einen schnel­le­ren Stu­di­en­ab­schluss als an Uni­ver­si­tä­ten in den alten Län­dern ermög­lich haben, und es des­halb unge­ach­tet der bun­des­ein­heit­lich vor­ge­ge­be­nen Stu­di­en­in­hal­te ver­fas­sungs­recht­lich zuläs­sig war, die För­de­rungs­höchst­dau­er in den neu­en Län­dern über­gangs­wei­se nied­ri­ger fest­zu­set­zen als in den alten Län­dern. Zwar darf der Gesetz­ge­ber ins­be­son­de­re auch zur Bewäl­ti­gung der Fol­gen der Deut­schen Ein­heit Regeln tref­fen, mit denen auch Här­ten ein­her­ge­hen kön­nen. Doch lie­ße sich damit allen­falls recht­fer­ti­gen, Stu­die­ren­de der Human­me­di­zin in den neu­en Län­dern für eine kür­ze­re Dau­er zu för­dern, weil sie ihr Stu­di­um frü­her abschlie­ßen konn­ten als Stu­die­ren­de der Human­me­di­zin in den alten Län­dern. Nicht zu recht­fer­ti­gen wäre es jedoch, des­halb kei­nen gro­ßen Tei­ler­lass für den Dar­le­hens­teil bereits aus­ge­zahl­ter För­de­rung zu gewäh­ren. Der Sinn und Zweck des § 18b Abs. 3 Satz 1 BAföG, Anrei­ze für einen mög­lichst raschen Stu­di­en­ab­schluss vor dem Ende der För­de­rungs­höchst­dau­er zu set­zen 12, besteht gegen­über Stu­die­ren­den der Human­me­di­zin in den neu­en Län­dern eben­so wie in den alten Län­dern. Die Min­dest­stu­di­en­zeit von zwölf Semes­tern, die einem schnel­len Stu­di­en­ab­schluss Gren­zen setzt, gilt kraft bun­des­ge­setz­li­cher Anord­nung für alle Stu­die­ren­den der Human­me­di­zin. Es ist des­halb kein Grund ersicht­lich, war­um Stu­die­ren­den der Human­me­di­zin in den neu­en Län­dern die Begüns­ti­gung eines gro­ßen Tei­ler­las­ses von vorn­her­ein ver­sagt blieb, wäh­rend sie Stu­die­ren­den der Human­me­di­zin in den alten Län­dern nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung noch über­gangs­wei­se offen stand.

Die Ungleich­be­hand­lung sowohl gegen­über Stu­die­ren­den der Human­me­di­zin in den alten Län­dern als auch gegen­über Stu­die­ren­den ande­rer Fach­rich­tun­gen lässt sich nicht mit der Befug­nis des Gesetz­ge­bers recht­fer­ti­gen, bei der Ord­nung von Mas­sen­er­schei­nun­gen typi­sie­ren­de und pau­scha­lie­ren­de Rege­lun­gen zu tref­fen. Die Vor­aus­set­zun­gen dafür lie­gen hier nicht vor.

Der Gesetz­ge­ber ist zwar von Ver­fas­sungs wegen nicht gehal­ten, sämt­li­che stu­di­en­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Beson­der­hei­ten zu berück­sich­ti­gen und zu über­prü­fen, ob es nach den indi­vi­du­el­len Stu­di­en­be­din­gun­gen eines jeden Stu­die­ren­den in jedem Stu­di­en­gang und an jeder Uni­ver­si­tät mög­lich ist, das Stu­di­um vier Mona­te vor Ablauf der För­de­rungs­höchst­dau­er zu been­den. Er muss die Ver­wal­tung auch nicht zu einer ent­spre­chen­den umfang­rei­chen Ein­zel­fall­prü­fung unter Berück­sich­ti­gung indi­vi­du­el­ler Här­ten ver­pflich­ten. Gene­rel­le Hin­de­rungs­grün­de, die sich wie hier die bin­den­den Min­dest­stu­di­en­zei­ten aus Rechts­vor­schrif­ten erge­ben, müs­sen aber in einer Rege­lung über die Gewäh­rung eines stu­di­en­dau­er­ab­hän­gi­gen Tei­ler­las­ses berück­sich­tigt wer­den.

Die unzu­rei­chen­de Berück­sich­ti­gung gesetz­li­cher Min­dest­stu­di­en­zei­ten und ihres Ver­hält­nis­ses zur För­de­rungs­höchst­dau­er kann gesam­te Stu­di­en­gän­ge und damit eine gro­ße Anzahl von Stu­die­ren­den von der Mög­lich­keit eines gro­ßen Tei­ler­las­ses aus­schlie­ßen. Gera­de die hier betrof­fe­ne Grup­pe der Stu­die­ren­den der Human­me­di­zin in den neu­en Län­dern ist zah­len­mä­ßig nicht unbe­deu­tend. So schlos­sen bei­spiels­wei­se im Jah­re 1998 ins­ge­samt 1088 deut­sche Erstab­sol­ven­ten ihr Medi­zin­stu­di­um an Uni­ver­si­tä­ten in den neu­en Län­dern ab 13. Geht man ent­spre­chend der Stel­lung­nah­me des Deut­schen Stu­den­ten­werks für das Jahr 1997 davon aus, dass 17 % der Stu­die­ren­den der Human­me­di­zin Leis­tun­gen nach dem BAföG erhal­ten haben, waren allein im Jah­re 1998 ca. 185 Stu­die­ren­de von dem Begüns­ti­gungs­aus­schluss betrof­fen. Seit Inkraft­tre­ten von § 5 Abs. 1 Satz 1 Nr. 63 För­de­rungs­höchst­dau­erV in der Fas­sung der 10. BAföG-För­de­rungs­höchst­dau­er­VÄndV gilt im Übri­gen für alle Stu­die­ren­den der Human­me­di­zin im gesam­ten Bun­des­ge­biet eine För­de­rungs­höchst­dau­er von zwölf Semes­tern und drei Mona­ten, so dass seit­dem kein Stu­die­ren­der der Human­me­di­zin mehr von einem gro­ßen Tei­ler­lass pro­fi­tie­ren kann.

Der Aus­schluss grö­ße­rer Grup­pen von Stu­die­ren­den von der Chan­ce eines gro­ßen Tei­ler­las­ses wegen stu­di­en­gangs­be­zo­ge­ner Min­dest­stu­di­en­zei­ten ist ohne unzu­mut­ba­ren Auf­wand ver­meid­bar, indem die Regeln über Tei­ler­lass, För­de­rungs­höchst­dau­er und Min­dest­stu­di­en­zeit auf­ein­an­der abge­stimmt wer­den. Es sind kei­ne ver­wal­tungs­prak­ti­schen Hin­der­nis­se oder sons­ti­ge Grün­de ersicht­lich, die die­sen Aus­schluss gebö­ten. Er hat sei­ne Ursa­che viel­mehr in der feh­len­den Abstim­mung der­je­ni­gen Regeln, die für den gro­ßen Tei­ler­lass von Bedeu­tung sind. Dies lässt sich nicht mit Typi­sie­rungs- und Pau­scha­lie­rungs­er­wä­gun­gen recht­fer­ti­gen. So gewähr­leis­te­te die ursprüng­li­che Kon­zep­ti­on des stu­di­en­dau­er­ab­hän­gi­gen Tei­ler­las­ses unter Berück­sich­ti­gung der frü­he­ren Bemes­sungs­prin­zi­pi­en der För­de­rungs­höchst­dau­er, dass Min­dest­stu­di­en­zei­ten einem Tei­ler­lass nicht ent­ge­gen­stan­den. Da die För­de­rungs­höchst­dau­er bis Mit­te der 1980er Jah­re die Min­dest­stu­di­en­zeit immer um min­des­tens ein Semes­ter über­stieg, war ein Tei­ler­lass, der in Höhe von 2.000 DM für jedes Semes­ter gewährt wur­de, um das ein Aus­zu­bil­den­der sei­ne Aus­bil­dung vor dem Ende der För­de­rungs­höchst­dau­er been­de­te, in jedem Stu­di­en­gang objek­tiv mög­lich. Dies hat sich jedoch geän­dert, weil sich die För­de­rungs­höchst­dau­er mehr und mehr an der Regel­stu­di­en­zeit ori­en­tier­te. In Stu­di­en­gän­gen, in denen die För­de­rungs­höchst­dau­er nun­mehr der Regel­stu­di­en­zeit ent­sprach und die­se sich aus der bis­he­ri­gen Min­dest­stu­di­en­zeit und der not­wen­di­gen Examens­zeit zusam­men­setz­te, wie dies im Stu­di­um der Human­me­di­zin der Fall ist 14, war damit ein Abschluss des Stu­di­ums ein vol­les Semes­ter vor dem Ende der För­de­rungs­höchst­dau­er nicht mehr mög­lich. Die Ver­kür­zung des für einen gro­ßen Tei­ler­lass not­wen­di­gen Zeit­raums zwi­schen dem erfolg­rei­chen Abschluss des Stu­di­ums und dem Ende der För­de­rungs­höchst­dau­er von einem Semes­ter, d.h. sechs Mona­ten, auf vier Mona­te war nicht auf die gewan­del­te För­de­rungs­höchst­dau­er abge­stimmt und hat, wie der vor­lie­gen­de Fall zeigt, die Pro­ble­ma­tik, dass Min­dest­stu­di­en­zei­ten einem Stu­di­en­ab­schluss vier Mona­te vor dem Ende der För­de­rungs­höchst­dau­er ent­ge­gen­ste­hen kön­nen, nicht besei­tigt.

Die Benach­tei­li­gung gegen­über Stu­die­ren­den ande­rer Stu­di­en­gän­ge ist nicht durch ande­re Sach­grün­de gerecht­fer­tigt. Zwar zeich­net sich der Stu­di­en­gang Human­me­di­zin durch die höchs­te För­de­rungs­höchst­dau­er von allen uni­ver­si­tä­ren Stu­di­en­gän­gen aus. Dies ist jedoch dem außer­ge­wöhn­li­chen Umfang des Stu­di­ums und der gesetz­lich bestimm­ten und auch euro­pa­recht­lich vor­ge­ge­be­nen Min­dest­stu­di­en­zeit geschul­det. Die Leis­tun­gen nach dem Bun­des­aus­bil­dungs­för­de­rungs­ge­setz die­nen pri­mär dazu, einen erfolg­rei­chen Stu­di­en­ab­schluss zu gewähr­leis­ten und wer­den des­halb für die gesam­te erfor­der­li­che Dau­er des Stu­di­ums gezahlt. Die Stu­di­en­wahl selbst ist frei. Es ist damit nicht durch einen trag­fä­hi­gen Sach­grund gerecht­fer­tigt, wenn Stu­die­ren­den ein gro­ßer Tei­ler­lass des­halb ver­sagt wird, weil sie sich in gesetz­lich gebil­lig­ter Wei­se für ein umfang­rei­ches Stu­di­um ent­schie­den haben.

Im Übri­gen besteht aus Sicht der Geför­der­ten bei lan­ger Stu­di­en- und För­de­rungs­dau­er ein grö­ße­res Bedürf­nis für einen gro­ßen Tei­ler­lass, da die zurück­zu­zah­len­de Dar­le­hens­sum­me in der Regel höher aus­fällt als bei kür­ze­ren Stu­di­en­gän­gen. Dies gilt in beson­de­rem Maße für sol­che Stu­die­ren­den, die, wie der Beschwer­de­füh­rer, ihr Stu­di­um vor dem 28.02.2001 abge­schlos­sen haben und für die des­halb die Begren­zung der zurück­zu­zah­len­den Dar­le­hens­sum­me auf 10.000 Euro nach § 17 Abs. 2 Satz 1 BAföG nicht ein­greift. Der gro­ße Tei­ler­lass, der anders als der leis­tungs­ab­hän­gi­ge Tei­ler­lass nach § 18b Abs. 2 BAföG nicht in Form eines pro­zen­tua­len Anteils der gesam­ten Dar­le­hens­sum­me, son­dern in Gestalt eines fixen Betra­ges gewährt wird, wirkt sich zudem bei lan­ger För­de­rungs­dau­er und damit hoher Dar­le­hens­sum­me im Ver­hält­nis gering­fü­gi­ger aus als bei kür­ze­rer För­de­rungs­dau­er.

Auf­grund der lan­gen Stu­di­en- und För­de­rungs­dau­er im Stu­di­en­gang Human­me­di­zin ent­spre­chen Anrei­ze zur zügi­gen Been­di­gung des Stu­di­ums auch in beson­de­rem Maße dem Sinn und Zweck des § 18b Abs. 3 Satz 1 BAföG. Es ist nicht ersicht­lich, dass die­ser Zweck für Stu­die­ren­de der Human­me­di­zin in den neu­en Län­dern und ab Som­mer­se­mes­ter 1993 auch für Stu­die­ren­de der Human­me­di­zin in den alten Län­dern als ver­fehlt anzu­se­hen wäre und sie des­halb gegen­über Stu­die­ren­den ande­rer Fach­rich­tun­gen schlech­ter gestellt wer­den dürf­ten.

Die Gewäh­rung eines klei­nen Tei­ler­las­ses nach § 18b Abs. 3 Satz 2 BAföG, den der Beschwer­de­füh­rer erhal­ten hat, kom­pen­siert nicht die Ver­sa­gung eines gro­ßen Tei­ler­las­ses. Dass Stu­die­ren­de der Human­me­di­zin wie ande­re Stu­die­ren­de in den Genuss eines klei­nen Tei­ler­las­ses kom­men kön­nen, recht­fer­tigt es nicht, ihnen die Begüns­ti­gung eines gro­ßen Tei­ler­las­ses vor­zu­ent­hal­ten, des­sen Vor­aus­set­zun­gen ande­re Stu­die­ren­de erfül­len kön­nen.

Fol­gen des Gleich­heits­ver­stos­ses

§ 18b Abs. 3 Satz 1 BAföG in der Fas­sung des 12. BAfö­GÄndG ist für unver­ein­bar mit Art. 3 Abs. 1 GG zu erklä­ren. Eine ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung schei­det wegen der strik­ten tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für einen gro­ßen Tei­ler­lass aus. In ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 78 Satz 2 BVerfGG ist die Rechts­fol­ge der Unver­ein­bar­keit mit Art. 3 Abs. 1 GG auch für die spä­te­ren Fas­sun­gen des § 18b Abs. 3 Satz 1 BAföG 15 aus­zu­spre­chen, weil dies im Inter­es­se der Rechts­klar­heit gebo­ten ist.

Der fest­ge­stell­te Ver­fas­sungs­ver­stoß beschränkt sich auf die Fäl­le, in denen § 18b Abs. 3 Satz 1 BAföG in Ver­bin­dung mit den Vor­schrif­ten zur Min­dest­stu­di­en­zeit einer­seits und zur För­de­rungs­höchst­dau­er ande­rer­seits dazu führt, dass Stu­die­ren­den in ihrem Stu­di­en­gang ein gro­ßer Tei­ler­lass von vorn­her­ein objek­tiv unmög­lich ist, weil sie ihr Stu­di­um nicht min­des­tens vier Mona­te vor dem Ende der För­de­rungs­höchst­dau­er been­den kön­nen. In ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 78 Satz 2 BVerfGG wird die Unver­ein­bar­keit auch über die der Ver­fas­sungs­be­schwer­de zugrun­de lie­gen­de Fall­kon­stel­la­ti­on eines Stu­die­ren­den der Human­me­di­zin in den neu­en Län­dern hin­aus erklärt, weil dies im Inter­es­se der Rechts­klar­heit gebo­ten ist 16. Sie führt nicht nur im kon­kre­ten Fall in Ver­bin­dung mit der sich aus § 9 Abs. 2 För­de­rungs­höchst­dau­erV und § 1 Abs. 2 Satz 2 ÄAp­prO erge­ben­den För­de­rungs­höchst­dau­er einer­seits und der sich aus § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 BÄO und § 1 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 ÄAp­prO erge­ben­den Min­dest­stu­di­en­zeit ande­rer­seits zu einer Ver­let­zung von Art. 3 Abs. 1 GG bei Stu­die­ren­den der Human­me­di­zin in den neu­en Län­dern. Eine Ver­let­zung von Art. 3 Abs. 1 GG liegt dar­über hin­aus bei Stu­die­ren­den der Human­me­di­zin in den alten Län­dern ab Som­mer­se­mes­ter 1993 gegen­über Stu­die­ren­den in sol­chen Stu­di­en­gän­gen vor, die die Vor­aus­set­zun­gen des gro­ßen Tei­ler­las­ses nach Maß­ga­be der für sie gel­ten­den Min­dest­stu­di­en­zei­ten und För­de­rungs­höchst­dau­er grund­sätz­lich erfül­len kön­nen. Ein ent­spre­chen­der Gleich­heits­ver­stoß gilt auch für alle ande­ren Stu­di­en­gän­ge, in denen Min­dest­stu­di­en­zei­ten vor­ge­schrie­ben sind und eine För­de­rungs­höchst­dau­er gilt, die um weni­ger als vier Mona­te über der Min­dest­stu­di­en­zeit liegt.

Als Fol­ge der Unver­ein­bar­keits­er­klä­rung dür­fen Gerich­te und Ver­wal­tungs­be­hör­den § 18b Abs. 3 Satz 1 BAföG im Umfang der fest­ge­stell­ten Unver­ein­bar­keit nicht mehr anwen­den; lau­fen­de Ver­fah­ren sind aus­zu­set­zen 17.

Die Unver­ein­bar­keits­er­klä­rung hat wei­ter­hin zur Fol­ge, dass der Gesetz­ge­ber zur rück­wir­ken­den, gleich­heits­ge­rech­ten Neu­re­ge­lung für den gesam­ten Zeit­raum ver­pflich­tet ist, auf den sich die Unver­ein­bar­keits­er­klä­rung bezieht 18. Dies bedeu­tet, dass die Neu­re­ge­lung unab­hän­gig vom Zeit­punkt des Stu­di­en­ab­schlus­ses alle noch nicht bestands- oder rechts­kräf­tig abge­schlos­se­nen Ver­wal­tungs- und Gerichts­ver­fah­ren erfas­sen muss, die die Gewäh­rung eines gro­ßen Tei­ler­las­ses zum Gegen­stand haben und einen Stu­di­en­gang betref­fen, in dem wegen Rechts­vor­schrif­ten zu Min­dest­stu­di­en­zei­ten und zur För­de­rungs­höchst­dau­er die Vor­aus­set­zun­gen des § 18b Abs. 3 Satz 1 BAföG von vorn­her­ein nicht erfüll­bar waren. Wie der Gesetz­ge­ber den fest­ge­stell­ten Gleich­heits­ver­stoß besei­tigt, steht in sei­nem Ermes­sen. Die voll­stän­di­ge Abschaf­fung des Tei­ler­las­ses für Stu­die­ren­de, die ihr Stu­di­um nach dem 31.12. 2012 abschlie­ßen, ist nicht Gegen­stand die­ser Ent­schei­dung und bleibt hier­von unbe­rührt.

Bestands- oder rechts­kräf­tig abge­schlos­se­ne Ver­fah­ren kön­nen dem­ge­gen­über von der rück­wir­ken­den Neu­re­ge­lung aus­ge­nom­men wer­den 19. Es bleibt dem Gesetz­ge­ber zwar unbe­nom­men, die Wir­kung der vor­lie­gen­den Ent­schei­dung auch auf bestands­kräf­ti­ge Beschei­de zu erstre­cken; von Ver­fas­sungs wegen ver­pflich­tet ist er hier­zu jedoch nicht 20.

Die Neu­re­ge­lung hat bis zum 31.12. 2011 zu erfol­gen. Es besteht kei­ne Ver­an­las­sung, dem Gesetz­ge­ber eine län­ge­re Frist zur Nach­bes­se­rung ein­zu­räu­men und wäh­rend die­ses Zeit­raums die Fort­gel­tung der ver­fas­sungs­wid­ri­gen Rechts­la­ge anzu­ord­nen. Seit Ende der 1970er Jah­re wird über die Ange­mes­sen­heit der Tei­ler­lass­re­ge­lung bei früh­zei­ti­ger Been­di­gung der Aus­bil­dung dis­ku­tiert 21. Wie die Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs zum 23. BAfö­GÄndG zeigt, hat­te der Gesetz­ge­ber die Unstim­mig­kei­ten von § 18b Abs. 3 Satz 1 BAföG auch bereits erkannt 22. Eine geord­ne­te Finanz- und Haus­halts­pla­nung ist durch die erfor­der­li­che Neu­re­ge­lung eben­falls nicht gefähr­det.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom vom 21. Juni 2011 – 1 BvR 2035/​07

  1. OVG NRW, Beschluss vom 02.07.2007 – 4 A 4838/​04; VG Köln, Urteil vom 15.10.2004 – 25 K 10483/​02[]
  2. vgl. BVerfGE 98, 365, 385; stRspr[]
  3. vgl. BVerfGE 79, 1, 17; 126, 400, 416 m.w.N.[]
  4. vgl. BVerfGE 93, 386, 396; 105, 73, 110 ff., 133[]
  5. vgl. BVerfGE 110, 412, 431; 112, 164, 174; 126, 400, 416 m.w.N.[]
  6. vgl. BVerfGE 117, 1, 30; 122, 1, 23; 126, 400, 416 m.w.N.[]
  7. vgl. BVerfGE 124, 199, 220[][]
  8. vgl. BVerfGE 55, 72, 88; 88, 87, 97; 93, 386, 397; 99, 367, 389; 105, 73, 110; 107, 27, 46; 110, 412, 432[]
  9. vgl. BVerfGE 75, 108, 157; 93, 319, 348 f.; 107, 27, 46; 126, 400, 416 m.w.N.[]
  10. vgl. BVerfGE 88, 87, 96[][]
  11. vgl. BVerfGE 88, 87, 96; BVerfG, Beschluss des Ers­ten Senats vom 12.10.2010 – 1 BvL 14/​09[]
  12. vgl. oben A. I.02. b[]
  13. vgl. Wis­sen­schafts­rat, Ent­wick­lung der Fach­stu­di­en­dau­er an Uni­ver­si­tä­ten von 1990 bis 1998, Drs. 4770 – 01 vom 15.02.2001, Anhang I, S. 118[]
  14. vgl. BR-Drucks 6/​78, S. 34, 41 f.[]
  15. Fas­sun­gen des Aus­bil­dungs­för­de­rungs­re­form­ge­set­zes, AföRG und des 23. BAfö­GÄndG[]
  16. vgl. BVerfGE 19, 206, 225 f.; 40, 296, 328 f.; 45, 104, 119, 139[]
  17. vgl. BVerfGE 73, 40, 101; 105, 73, 134; 126, 400, 431[]
  18. vgl. BVerfGE 87, 153, 178; 99, 280, 298; 105, 73, 134; 107, 27, 58; 110, 94, 138[]
  19. vgl. BVerfGE 87, 153, 178; 99, 280, 298; 107, 27, 58; 120, 125, 167[]
  20. vgl. BVerfGE 104, 126, 150; 115, 259, 276[]
  21. vgl. BT-Drucks 8/​2868, S. 23; BT-Drucks 11/​1315, S. 12 zu Nr. 9 Buchtsta­be b[]
  22. vgl. BT-Drucks 17/​1551, S. 28 f. zu Num­mer 13[]