BAföG – und der Fach­rich­tungs­wech­sel nach dem 4. Fach­se­mes­ter

Wech­seln Stu­die­ren­de nach dem Beginn des 4. Fach­se­mes­ters die Fach­rich­tung, kön­nen Leis­tun­gen nach dem Bun­des­aus­bil­dungs­för­de­rungs­ge­setz (BAföG) grund­sätz­lich nur dann bewil­ligt wer­den, wenn Aus­bil­dungs­zei­ten aus der bis­he­ri­gen Aus­bil­dung durch die hier­für zustän­di­ge Stel­le der Hoch­schu­le ange­rech­net wor­den sind.

BAföG – und der Fach­rich­tungs­wech­sel nach dem 4. Fach­se­mes­ter

Dies hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt heu­te in dem Fall einer Stu­den­tin ent­schie­den, die vom Win­ter­se­mes­ter 2013/​2014 bis ein­schließ­lich Som­mer­se­mes­ter 2015 im Bache­lor­stu­di­en­gang Com­bi­ned Stu­dies mit den Fächern Sach­un­ter­richt (Bio­lo­gie) und Katho­li­sche Theo­lo­gie ein­ge­schrie­ben war. Für die­ses Lehr­amts­stu­di­um erhielt sie wie bean­tragt Aus­bil­dungs­för­de­rung vom För­de­rungs­amt des Stu­den­ten­werks. Zum Win­ter­se­mes­ter 2015/​16 wech­sel­te sie von dem Teil­stu­di­en­gang Katho­li­sche Theo­lo­gie zu dem Teil­stu­di­en­gang Ger­ma­nis­tik. Das För­de­rungs­amt lehn­te die För­de­rung des Stu­di­ums in der neu­en Fächer­kom­bi­na­ti­on ab.

Nach erfolg­lo­ser Kla­ge vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück [1] ver­pflich­te­te das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt das För­de­rungs­amt des Stu­den­ten­werks, der Stu­den­tin für den strei­ti­gen Zeit­raum von Okto­ber 2015 bis Sep­tem­ber 2016 Aus­bil­dungs­för­de­rung in gesetz­li­cher Höhe zu gewäh­ren [2]. Auf die Revi­si­on des Stu­den­ten­werks hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts auf­ge­ho­ben und die Sache zur erneu­ten Ver­hand­lung zurück­ver­wie­sen:

Für Stu­die­ren­de ist ein Fach­rich­tungs­wech­sel grund­sätz­lich nur aus wich­ti­gem Grund bis zum Beginn des 4. Fach­se­mes­ters för­de­rungs­un­schäd­lich (§ 7 Abs. 3 Satz 1 BAföG). Bei einem spä­te­ren Wech­sel ist zu prü­fen, ob die zeit­li­che Gren­ze auf­grund einer Anrech­nung von Semes­tern aus der ursprüng­lich betrie­be­nen Fach­rich­tung ein­ge­hal­ten ist. Nach dem ein­deu­ti­gen Wort­laut des § 7 Abs. 3 Satz 5 BAföG kön­nen bei die­ser Prü­fung Semes­ter nur dann abge­zo­gen wer­den, wenn sie durch die Aus­bil­dungs­stät­te, d.h. die hier­für zustän­di­ge Stel­le der Hoch­schu­le, tat­säch­lich auf den neu­en Stu­di­en­gang ange­rech­net wor­den sind. Die feh­len­de Anrech­nung der Hoch­schu­le kann ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts nicht durch das För­de­rungs­amt oder das Gericht ersetzt wer­den. Durch­grei­fen­de ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken hier­ge­gen bestehen nicht. In einem sol­chen Fall kann nur dann wei­ter­ge­för­dert wer­den, wenn Stu­die­ren­de die Fach­rich­tung aus einem unab­weis­ba­ren Grund gewech­selt haben. Ein sol­cher Grund kann auch dann vor­lie­gen, wenn das bis­he­ri­ge Stu­di­um auf einen Beruf in einem kir­chen- und ver­kün­di­gungs­na­hen Bereich abzielt, des­sen künf­ti­ge Aus­übung wegen einer geän­der­ten reli­giö­sen Über­zeu­gung unmög­lich oder mit Blick auf die nega­ti­ve Glau­bens­frei­heit unzu­mut­bar gewor­den ist. Dies macht die Stu­den­tin hier gel­tend. Weil das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt aus­ge­hend von sei­nem Rechts­stand­punkt hier­zu kei­ne aus­rei­chen­den Tat­sa­chen fest­ge­stellt hat, war die Sache an die­ses zurück­zu­ver­wei­sen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 6. Febru­ar 2020 – 5 C 10.18

  1. VG Osna­brück, Beschluss vom 24. Novem­ber 2016 – 4 A 6/​16[]
  2. Nds. OVG, Beschluss vom29.08.2018 – 4 LB 408/​17[]