BAföG und der mehr­fa­che Stu­di­en­fach­wech­sel

Bei der Berech­nung des Zeit­punk­tes, ab dem die För­de­rung nach dem Bun­des­aus­bil­dungs­för­de­rungs­ge­setz für ein Stu­di­um nach Fach­rich­tungs­wech­sel nur noch als ver­zins­li­ches Bank­dar­le­hen gewährt wird, sind nach einem Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt auch die Fach­se­mes­ter aller vor­an­ge­gan­ge­nen, nicht abge­schlos­se­nen Stu­di­en­gän­ge zu berück­sich­ti­gen.

BAföG und der mehr­fa­che Stu­di­en­fach­wech­sel

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Rechts­streit nahm der 1977 gebo­re­ne Klä­ger zum Win­ter­se­mes­ter 2006/​07 an der Hoch­schu­le für Tech­nik Stutt­gart das Stu­di­um der Archi­tek­tur auf, nach­dem er zuvor zwei Semes­ter Elektrotechnik/​Mikrosystemtechnik sowie zwei Semes­ter Mathe­ma­tik stu­diert hat­te. Für bei­de abge­bro­che­nen Stu­di­en­gän­ge hat der Klä­ger Aus­bil­dungs­för­de­rung erhal­ten. Auch für das Stu­di­um der Archi­tek­tur erkann­te das beklag­te Stu­den­ten­werk Stutt­gart einen der­ar­ti­gen Anspruch dem Grun­de nach an, da der Klä­ger gemäß § 7 Abs. 3 BAföG aus wich­ti­gem Grund die Stu­di­en­fä­cher gewech­selt habe. Für die ers­ten bei­den Semes­ter des Archi­tek­tur­stu­di­ums bewil­lig­te das Stu­den­ten­werk die Nor­mal­för­de­rung (§ 17 Abs. 1 und 2 BAföG) und zahl­te monat­lich 521 € zur Hälf­te als Zuschuss und zur Hälf­te als zins­frei­es Staats­dar­le­hen. Für das drit­te und vier­te Semes­ter wur­de dem Klä­ger der­sel­be Monats­be­trag dage­gen nur noch als ver­zins­li­ches Bank­dar­le­hen nach § 17 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 BAföG bewil­ligt.

Der Stu­dent klag­te dar­auf­hin auf Gewäh­rung der Nor­mal­för­de­rung auch für die­se bei­den Semes­ter und erhielt von dem erst­in­stanz­lich hier­mit befass­ten Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart Recht 1, das Ver­wal­tungs­ge­richt ver­pflich­te­te das beklag­te Stu­den­ten­werk, die För­de­rung hälf­tig als Zuschuss und hälf­tig als unver­zins­li­ches Dar­le­hen zu gewäh­ren. Nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts Stutt­gart greift die vom beklag­ten Stu­den­ten­werk ange­wand­te Vor­schrift des § 17 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 BAföG im Fal­le des Klä­gers noch nicht ein, weil nach einem Fach­rich­tungs­wech­sel nur das unmit­tel­bar vor­aus­ge­gan­ge­ne Stu­di­um zu berück­sich­ti­gen sei. Da die För­de­rungs­höchst­dau­er des jet­zi­gen Stu­di­en­gangs Archi­tek­tur sechs Fach­se­mes­ter betra­ge und hier­von ledig­lich die zwei Semes­ter der vor­an­ge­gan­ge­nen Aus­bil­dung abzu­zie­hen sei­en, habe der Klä­ger noch für wei­te­re zwei Semes­ter Anspruch auf die Nor­mal­för­de­rung nach § 17 Abs. 1 und 2 BAföG.

Auf die vom Ver­wal­tungs­ge­richt zuge­las­se­ne Sprung­re­vi­si­on des beklag­ten Stu­den­ten­werks hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die­se Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Stutt­gart geän­dert und die Kla­ge abge­wie­sen:

Bei Wech­sel des Stu­di­en­fachs ist eine ande­re Aus­bil­dung zwar eben­falls för­de­rungs­fä­hig, wenn – wie hier im Fal­le des Klä­gers – der Wech­sel und die dadurch ver­län­ger­te Aus­bil­dungs­zeit aus wich­ti­gem Grund gerecht­fer­tigt sind, so das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt. Aller­dings ist die­se ande­re Aus­bil­dung nicht mehr für die gesam­te Regel­stu­di­en­zeit wie ein Erst­stu­di­um durch hälf­ti­gen Zuschuss und hälf­ti­ges zins­frei­es Staats­dar­le­hen zu för­dern.

Viel­mehr ist die vor­an­ge­gan­ge­ne, in Nor­mal­form voll geför­der­te Aus­bil­dungs­zeit anzu­rech­nen. Der Klä­ger hat daher ab dem Win­ter­se­mes­ter 2007/​08 nur Anspruch auf För­de­rung in Form des ver­zins­li­chen Bank­dar­le­hens. Denn zu die­sem Zeit­punkt hat er bereits Nor­mal­för­de­rung für ins­ge­samt sechs Fach­se­mes­ter erhal­ten (für jeweils zwei Semes­ter Elek­tro­tech­nik, Mathe­ma­tik und Archi­tek­tur). Dies ent­spricht der Regel­stu­di­en­zeit des Archi­tek­tur­stu­di­ums des Klä­gers von sechs Semes­tern, für die er bei einem Erst­stu­di­um höchs­tens Nor­mal­för­de­rung erhal­ten hät­te.

Nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts wird nur die Anrech­nung der gesam­ten vor­an­ge­gan­ge­nen Aus­bil­dungs­zeit den mit der Ein­füh­rung des ver­zins­li­chen Bank­dar­le­hens ver­folg­ten Zwe­cken gerecht. Der Gesetz­ge­ber woll­te errei­chen, dass die begrenz­ten staat­li­chen För­de­rungs­mit­tel spar­sam ver­wen­det und mög­lichst gerecht ver­teilt wer­den. Zugleich soll­ten die Stu­die­ren­den ver­an­lasst wer­den, sich mög­lichst früh­zei­tig für einen geeig­ne­ten Stu­di­en­gang zu ent­schei­den, die­sen zügig durch­zu­füh­ren und abzu­schlie­ßen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 30. Juni 2011 – 5 C 13.10

  1. VG Stutt­gart, Urteil vom 14.01.2010 – 11 K 26/​09[]