Bei­trags­be­mes­sungs­vor­schrif­ten für frei­wil­lig Krankenversicherte

Die „Ein­heit­li­chen Grund­sät­ze zur Bei­trags­be­mes­sung frei­wil­li­ger Mit­glie­der der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) und wei­te­rer Mit­glie­der­grup­pen sowie zur Zah­lung und Fäl­lig­keit der von Mit­glie­dern selbst zu ent­rich­ten­den Bei­trä­ge“ („Bei­trags­ver­fah­rens­grund­sät­ze Selbst­zah­ler“), die der Vor­stand des GKV-Spit­zen­ver­ban­des am 27. Okto­ber 2008 erließ, sind nach einem jetzt ver­kün­de­ten Urteil des Bun­des­so­zi­al­ge­richts grund­sätz­lich nicht zu beanstanden.

Bei­trags­be­mes­sungs­vor­schrif­ten für frei­wil­lig Krankenversicherte

Seit 1. Janu­ar 2009 regeln die­se Grund­sät­ze die Bei­trags­be­mes­sung für inzwi­schen mehr als 5 Mio frei­wil­lig in der GKV ver­si­cher­te Per­so­nen. Die Recht­mä­ßig­keit der Bestim­mun­gen ist sowohl inner­halb der Sozi­al­ge­richts­bar­keit als auch in der Fach­li­te­ra­tur umstrit­ten. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat nun ein Urteil des Sozi­al­ge­richts Wies­ba­den auf­ge­ho­ben, wel­ches eine dar­auf gestütz­te Beitrags­erhebung eben­falls als rechts­wid­rig ange­se­hen und nur die Erhe­bung von Min­dest­bei­trä­gen für zuläs­sig erach­tet hatte.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt sah nun kei­ne durch­grei­fen­den recht­li­chen Beden­ken gegen die Über­tra­gung der Be­fugnis zur Rege­lung der Bei­trags­mes­sung für frei­wil­lig Ver­si­cher­te auf den GKV-Spit­zen­ver­band. Die durch § 240 SGB V ange­ord­ne­te unter­ge­setz­li­che Recht­setzung ist im Rah­men der „funk­tio­na­len Selbst­ver­wal­tung“ hin­rei­chend demo­kra­tisch legi­ti­miert. Dass die Grund­sät­ze zunächst vom Vor­stand des GKV-Spit­zen­ver­bands erlas­sen wur­den, ist unschäd­lich, weil spä­ter jeden­falls eine auf den 1. Janu­ar 2009 zurück­wir­ken­de „Bestä­ti­gung“ durch den Ver­wal­tungs­rat erfolgte.

Im kon­kre­ten Fall ging es um die Bei­trags­be­mes­sung des bei einer AOK frei­wil­lig ver­si­cher­ten pfle­ge­be­dürf­ti­gen Klä­gers, der in einer sta­tio­nä­ren Ein­rich­tung lebt und Sozi­al­hil­fe­leis­tun­gen bezieht. Die AOK erhöh­te sei­ne Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge zum 1. Juli 2009 um 35 Euro auf 184,81 Euro mo­natlich, weil nach den genann­ten Grund­sät­zen als Bemes­sungs­grund­la­ge für den Per­so­nen­kreis, zu dem der Klä­ger gehört, der 3,6‑fache Sozi­al­hil­fe­re­gel­satz gel­te. Die­se Berech­nung hat das Bundesso­zialgericht aller­dings bean­stan­det. Sie bewirkt näm­lich, dass zu Unrecht Bei­trä­ge auch auf Leis­tun­gen miter­ho­ben wer­den, die nicht ? was allein zuläs­sig ist ? für den Lebens­un­ter­halt der Betrof­fe­nen bestimmt sind, son­dern über all­ge­mei­ne Wohn­kos­ten hin­aus zweck­ge­bun­den dazu die­nen, einen be­sonderen, den Heim­auf­ent­halt erfor­dern­den Pfle­ge­be­darf aus­zu­glei­chen. Inso­weit knüpft das jet­zi­ge Urteil an Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts aus dem Jahr 2011 an [1].

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 19. Dezem­ber 2012 – B 12 KR 20/​11 R

  1. BSG, Urteil vom 21.12.2011 ? B 12 KR 22/​09 R[]