Bei­trags­nach­for­de­rung von Zeit­ar­beits­fir­men

Haben Zeit­ar­beits­fir­men ihre Leih­ar­beit­neh­mer bis­lang auf der Grund­la­ge von Tarif­ver­trä­gen mit der Tarif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Gewerk­schaf­ten für Zeit­ar­beit und Per­so­nal­ser­vice­agen­tu­ren schlech­ter bezahlt als Stamm­ar­beit­neh­mer der ent­lei­hen­den Unter­neh­men, dann darf die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund nach­träg­lich Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge von den Zeit­ar­beits­fir­men erhe­ben. Liegt ein bestands­kräf­ti­ger Bescheid über eine vor­an­ge­gan­ge­ne Betriebs­prü­fung für den glei­chen Zeit­raum vor, muss die­ser jedoch zurück­ge­nom­men wer­den.

Bei­trags­nach­for­de­rung von Zeit­ar­beits­fir­men

In einem jetzt vom Sozi­al­ge­richt Dort­mund ent­schie­de­nen Fall war eine Per­so­nal­agen­tur aus Bochum von der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Bund zur Nach­zah­lung von Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen i.H.v. 64000,- Euro her­an­ge­zo­gen wor­den, weil die Fir­ma ihren Mit­ar­bei­tern, die an ande­re Unter­neh­men über­las­sen wor­den waren, gegen­über ent­spre­chen­den Stamm­mit­ar­bei­tern in den ent­lei­hen­den Unter­neh­men gerin­ge­re Löh­ne zahl­te. Nach­dem das Bun­des­ar­beits­ge­richt [1] die Tarif­un­fä­hig­keit der Christ­li­cher Gewerk­schaf­ten für Zeit­ar­beit fest­ge­stellt hat­te, errech­ne­te die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund ihre Bei­trags­nach­for­de­rung aus der Dif­fe­renz zwi­schen dem von der Per­so­nal­agen­tur gemel­de­ten Arbeits­ent­gelt und dem Arbeits­ent­gelt ver­gleich­ba­rer Stamm­ar­beit­neh­mer.

Das Sozi­al­ge­richt Dort­mund macht in sei­nem Beschluss über die Anord­nung der auf­schie­ben­den Wir­kung des Wider­spruchs der Agen­tur gegen den Nach­for­de­rungs­be­scheid der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung deut­lich, dass kei­ne Beden­ken gegen die Nach­er­he­bung der Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge bestün­den. Die Bei­trä­ge sei­en nach den geschul­de­ten Ent­gel­ten zu errech­nen. Durch die Ver­wei­sung auf Tarif­ver­trä­ge der Christ­li­cher Gewerk­schaf­ten für Zeit­ar­beit sei der sich aus § 10 Abs. 4 des Arbeit­neh­mer­über­las­sungs­ge­set­zes (AÜG) erge­ben­de Anspruch der Leih­ar­beit­neh­mer auf glei­che Bezah­lung im Ver­hält­nis zur Stamm­be­leg­schaft nicht abbe­dun­gen wor­den, da die Christ­li­cher Gewerk­schaf­ten für Zeit­ar­beit weder tarif­fä­hig sei noch in der Ver­gan­gen­heit gewe­sen sei. Die durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt fest­ge­stell­ten Män­gel der aktu­el­len Sat­zung der Christ­li­cher Gewerk­schaf­ten für Zeit­ar­beit im Hin­blick auf ihre Tarif­fä­hig­keit fän­den sich auch in den Vor­gän­gersat­zun­gen, so dass die Tarif­un­fä­hig­keit kraft Geset­zes bestan­den habe.

Gleich­wohl hat das Sozi­al­ge­richt Dort­mund im vor­lie­gen­den Fall die auf­schie­ben­de Wir­kung des Wider­spruchs der Per­so­nal­agen­tur ange­ord­net, weil es die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund ver­säumt habe, den bestands­kräf­ti­gen Bescheid über das Ergeb­nis einer vor­an­ge­hen­den Betriebs­prü­fung für den glei­chen Prüf­zeit­raum gemäß den ver­wal­tungs­ver­fah­rens­recht­li­chen Vor­ga­ben mit Wir­kung für die Ver­gan­gen­heit zurück­zu­neh­men.

Sozi­al­ge­richt Dort­mund, Beschluss vom 23. Janu­ar 2012 – S 25 R 2507/​11 ER

  1. BAG, Beschluss vom 14.12.2010 – 1 ABR 19/​10[]