Bemes­sung des Eltern­gelds bei mehr­fa­chem Steu­er­klas­sen­wech­sel

Wech­selt der Eltern­geld­be­rech­tig­te die Steu­er­klas­se im Bemes­sungs­zeit­raum für das Eltern­geld (in der Regel 12 Mona­te vor dem Monat der Geburt) mehr­mals, kommt es auf die im Bemes­sungs­zeit­raum rela­tiv am längs­ten gel­ten­de Steu­er­klas­se an.

Bemes­sung des Eltern­gelds bei mehr­fa­chem Steu­er­klas­sen­wech­sel

Die maß­geb­li­che Steu­er­klas­se muss nicht min­des­tens in sie­ben Mona­ten des Bemes­sungs­zeit­raums gegol­ten haben, auch wenn die­se abso­lu­te Betrach­tung für den Eltern­geld­be­rech­tig­ten im Ein­zel­fall finan­zi­ell güns­ti­ger ist.

In dem hier vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Fall bezog die Mut­ter vor der Geburt ihres Soh­nes am 11.2.2016 Ein­kom­men aus nicht selbst­stän­di­ger Erwerbs­tä­tig­keit. Von Dezem­ber 2014 bis Mai 2015 hat­te sie für sechs Mona­te die Steu­er­klas­se 1, im Juni und Juli 2015 die Steu­er­klas­se 4 und von August bis Novem­ber 2015 für vier Mona­te die Steu­er­klas­se 3. Der Mut­ter erhielt Basis­eltern­geld sowie Eltern­geld Plus ab dem 4. Lebens­mo­nat. Dabei leg­te der beklag­te Land­kreis als Bemes­sungs­ent­gelt das Ein­kom­men in der Zeit von Dezem­ber 2014 bis Novem­ber 2015 zugrun­de. Die Abzü­ge für Lohn­steu­er berech­ne­te er nach der für die Mut­ter finan­zi­ell ungüns­ti­gen Steu­er­klas­se 1, die im Bemes­sungs­zeit­raum 6 Mona­te und damit rela­tiv gese­hen am längs­ten gegol­ten hat­te.

Die­se Berech­nung hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt bestä­tigt: Bei einem mehr­ma­li­gen Wech­sel der Steu­er­klas­se über­wiegt die Steu­er­klas­se, die in mehr Mona­ten gegol­ten hat als jede ande­re Steu­er­klas­se (rela­ti­ve Betrach­tung). Der im Inter­es­se der Ver­wal­tungs­ver­ein­fa­chung ange­ord­ne­te Rück­griff auf die Ent­gelt­da­ten im letz­ten Monat des Bemes­sungs­zeit­raums mit Ein­kom­men erfährt damit eine not­wen­di­ge Kor­rek­tur in Fäl­len, in denen der Rück­griff auf die­se Daten die wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se des Eltern­geld­be­rech­tig­ten im Bemes­sungs­zeit­raum ver­zerrt dar­stellt.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 28. März 2019 – B 10 EG 8/​17 R