Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten – und ihre Prü­fung durch den Bundesrechnungshof

Eine gesetz­lich begrün­de­te Garan­tie­ver­pflich­tung des Bun­des nach § 112 Abs. 1 Satz 1 BHO und nach § 55 Abs. 1 Satz 1 HGrG besteht, wenn sich auf Grund eines Bun­des­ge­set­zes, sei es auch erst nach Maß­ga­be wei­te­rer gesetz­ge­be­ri­scher Akte, die Mög­lich­keit einer zukünf­ti­gen Belas­tung des Bun­des­haus­halts durch eine Ver­pflich­tung des Bun­des zum Ein­tritt in Zah­lungs­pflich­ten ergibt, die zu Las­ten eines Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­gers ent­stan­den sind.§ 120 SGB VII ist – bezo­gen auf die Bun­des­ebe­ne – im Kern eine Haf­tungs­be­stim­mung im Sin­ne einer kon­sti­tu­ti­ven Auf­fang­re­ge­lung für die Über­nah­me der finan­zi­el­len Las­ten eines durch Gesetz auf­ge­lös­ten bun­des­un­mit­tel­ba­ren Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gers durch den Bund.

Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten – und ihre Prü­fung durch den Bundesrechnungshof

Das Sozi­al­da­ten­schutz­recht des Zehn­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch ist offen für die Berück­sich­ti­gung von Belan­gen, die sich aus den gesetz­li­chen Auf­ga­ben der Rech­nungs­hö­fe ergeben.

Eine gesetz­lich begrün­de­te Garan­tie­ver­pflich­tung des Bun­des gemäß § 112 Abs. 1 Satz 1 BHO und – soweit sich mit dem Anwen­dungs­be­reich die­ser Vor­schrift deckend – nach § 55 Abs. 1 Satz 1 HGrG besteht, wenn sich auf Grund eines Bun­des­ge­set­zes, sei es auch erst nach Maß­ga­be wei­te­rer gesetz­ge­be­ri­scher Akte, die Mög­lich­keit einer zukünf­ti­gen Belas­tung des Bun­des­haus­halts durch eine Ver­pflich­tung des Bun­des zum Ein­tritt in Zah­lungs­pflich­ten ergibt, die zu Las­ten eines Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­gers ent­stan­den sind. Die genann­ten Vor­aus­set­zun­gen wer­den durch § 120 SGB VII erfüllt, der – wenn­gleich als Rechts­nach­fol­ge­re­ge­lung for­mu­liert – auf Bun­des­ebe­ne im Kern eine Haf­tungs­be­stim­mung im Sin­ne einer Auf­fang­re­ge­lung für die Über­nah­me der finan­zi­el­len Las­ten eines durch Gesetz auf­ge­lös­ten bun­des­un­mit­tel­ba­ren Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gers durch den Bund dar­stellt. Mit die­sem Rege­lungs­ge­halt hat § 120 SGB VII kon­sti­tu­ti­ve Bedeutung.

Das gebo­te­ne, einen wei­ten Umfang der Prü­fungs­be­fug­nis des Bun­des­rech­nungs­hofs sichern­de Norm­ver­ständ­nis folgt nicht unmit­tel­bar aus der ver­fas­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tung des Art. 114 Abs. 2 Satz 1 GG. Es ergibt sich aus der Aus­le­gung der im vor­lie­gen­den Fall ein­schlä­gi­gen ein­fach-gesetz­li­chen Rege­lun­gen in § 111 Abs. 1, § 112 Abs. 1 Satz 1 BHO und § 55 Abs. 1 Satz 1 HGrG unter Berück­sich­ti­gung der Bestim­mun­gen der § 42 Abs. 1, § 48 Abs. 1 HGrG.

Gemäß Art. 114 Abs. 2 Satz 1 GG prüft der Bun­des­rech­nungs­hof, des­sen Mit­glie­der rich­ter­li­che Unab­hän­gig­keit besit­zen, die Rech­nung sowie die Wirt­schaft­lich­keit und Ord­nungs­mä­ßig­keit der Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung des Bun­des. Die der­ge­stalt ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­ker­te exter­ne Finanz­kon­trol­le des Bun­des ist eng mit dem Demo­kra­tie­prin­zip des Grund­ge­set­zes ver­bun­den und Aus­druck der im par­la­men­ta­ri­schen Regie­rungs­sys­tem gebo­te­nen Ver­ant­wor­tung der Regie­rung gegen­über dem Par­la­ment. Sie sichert das par­la­men­ta­ri­sche Bud­get­recht aus Art. 110 GG ab. Die par­la­men­ta­ri­sche Finanz­kon­trol­le ist auf Lücken­lo­sig­keit aus­ge­rich­tet. Der Bun­des­rech­nungs­hof unter­stützt das Par­la­ment bei der Wahr­neh­mung sei­ner Kon­troll­funk­ti­on. Die Prüf­tä­tig­keit des Bun­des­rech­nungs­hofs und sei­ne dies­be­züg­li­che Bericht­erstat­tungs­pflicht gegen­über dem Par­la­ment (vgl. Art. 114 Abs. 2 Satz 3 GG) sol­len gewähr­leis­ten, dass Bun­des­tag und Bun­des­rat über die erfor­der­li­chen Infor­ma­tio­nen ver­fü­gen, um die Auf­ga­be der Finanz­kon­trol­le effek­tiv aus­üben zu kön­nen. Dem Anlie­gen einer umfas­sen­den, lücken­lo­sen par­la­men­ta­ri­schen Finanz­kon­trol­le ent­spricht es, eine lücken­lo­se Prüf­tä­tig­keit des Bun­des­rech­nungs­hofs zu ermög­li­chen. Prü­fungs- oder kon­troll­freie Räu­me darf es danach prin­zi­pi­ell nicht geben1

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts bezieht sich die in die­ser Wei­se umschrie­be­ne ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­re Prü­fungs­be­fug­nis des Bun­des­rech­nungs­hofs ent­ge­gen der von ein­zel­nen Stim­men im Schrift­tum2; und vom Bun­des­rech­nungs­hof ver­tre­te­nen Ansicht nur auf die unmit­tel­ba­re Bun­des­ver­wal­tung und erfasst die mit­tel­ba­re Bun­des­ver­wal­tung auch dann nicht, wenn zwi­schen die­ser und dem Bun­des­haus­halt Inter­de­pen­den­zen bestehen. Die exter­ne Finanz­kon­trol­le der bun­des­un­mit­tel­ba­ren juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts inklu­si­ve der Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger beruht auf den Bestim­mun­gen, die der ein­fa­che Gesetz­ge­ber – wenn auch unter weit­ge­hen­der Über­nah­me der inhalt­li­chen Grund­sät­ze, die die ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­re Prü­fungs­be­fug­nis des Bun­des­rech­nungs­hofs prä­gen – auf der Grund­la­ge von Art. 114 Abs. 2 Satz 4 (Satz 3 a.F.) GG bzw. Art. 109 Abs. 4 GG in Gestalt der ein­schlä­gi­gen Bestim­mun­gen der Bun­des­haus­halts­ord­nung und des Haus­halts­grund­sät­ze­ge­set­zes erlas­sen hat3

Die Vor­schrift des § 111 Abs. 1 Satz 1 BHO ermäch­tigt den Bun­des­rech­nungs­hof zur Prü­fung der Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung der bun­des­un­mit­tel­ba­ren juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts. Sie ist gemäß § 112 Abs. 1 Satz 1 BHO auf die bun­des­un­mit­tel­ba­ren Trä­ger der Sozi­al­ver­si­che­rung – unter ande­rem die­je­ni­gen der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung – nur dann anzu­wen­den, wenn die­se auf Grund eines Bun­des­ge­set­zes vom Bund Zuschüs­se erhal­ten oder eine Garan­tie­ver­pflich­tung des Bun­des gesetz­lich begrün­det ist. Sie steht im Ein­klang mit § 55 Abs. 1 Satz 1 HGrG, der bestimmt, dass eine Befug­nis des Bun­des­rech­nungs­hofs oder der Lan­des­rech­nungs­hö­fe zur Prü­fung der Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung der juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts besteht, wenn die­se nicht eine Gebiets­kör­per­schaft, ein Zusam­men­schluss von Gebiets­kör­per­schaf­ten oder Gemein­de­ver­bän­den oder eine Reli­gi­ons­ge­sell­schaft des öffent­li­chen Rechts nach Art. 137 Abs. 5 WRV sind und wenn sie vom Bund oder einem Land Zuschüs­se erhal­ten, die dem Grund oder der Höhe nach gesetz­lich begrün­det sind, oder wenn eine Garan­tie­ver­pflich­tung des Bun­des oder eines Lan­des gesetz­lich begrün­det ist. Für eine restrik­ti­ve Aus­le­gung des Tat­be­stands­merk­mals der gesetz­lich begrün­de­ten Garan­tie­ver­pflich­tung des Bun­des, des­sen Vor­lie­gen hier­nach – wie das­je­ni­ge des auf einem Bun­des­ge­setz beru­hen­den Zuschus­ses – Vor­aus­set­zung dafür ist, dass bun­des­un­mit­tel­ba­re Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger wie die sons­ti­gen bun­des­un­mit­tel­ba­ren juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts mit ihrer Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung der Prü­fung durch den Bun­des­rech­nungs­hof unter­lie­gen, ist nach dem Wort­laut, der His­to­rie, der Sys­te­ma­tik sowie dem Sinn und Zweck des Geset­zes kein Raum. Dies gilt nicht nur in Bezug auf eine unmit­tel­ba­re gesetz­li­che Bin­dung des Bun­des für den Garan­tie­fall, die nach der – von der Berufs­ge­nos­sen­schaft unter­stütz­ten – Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für die Annah­me einer Garan­tie­ver­pflich­tung erfor­der­lich ist, son­dern auch und erst Recht für die nach Ansicht der Berufs­ge­nos­sen­schaft dar­über hin­aus zu ver­lan­gen­de Funk­ti­on einer sol­chen Ver­pflich­tung, poten­ti­el­le Zah­lun­gen des Bun­des (nur) an die jewei­li­gen Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger abzusichern. 

Der Wort­laut des § 112 Abs. 1 Satz 1 BHO unter­schei­det – die Dif­fe­ren­zie­rung in § 55 Abs. 1 Satz 1 HGrG auf­neh­mend – zwi­schen den durch das Wort „oder“ getrenn­ten, selb­stän­di­gen Alter­na­ti­ven einer­seits des Zuschus­ses, den ein Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger auf Grund eines Bun­des­ge­set­zes erhält, und ande­rer­seits der gesetz­lich begrün­de­ten Garan­tie­ver­pflich­tung des Bun­des. Der Geset­zes­wort­laut bie­tet damit nicht nur kei­ner­lei Anhalt für die Ansicht der Berufs­ge­nos­sen­schaft, eine Garan­tie­ver­pflich­tung müs­se sich im Anwen­dungs­be­reich des § 112 Abs. 1 Satz 1 BHO auf einen Zuschuss des Bun­des an den jewei­li­gen Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger bezie­hen. Er ist viel­mehr ein belast­ba­rer Hin­weis dar­auf, dass der Alter­na­ti­ve der Garan­tie­ver­pflich­tung gene­rell ein wei­te­rer Anwen­dungs­be­reich zukommt als der­je­ni­gen des – sei­ner­seits bereits weit zu ver­ste­hen­den, auch zweck­ge­bun­de­ne mit­tel­ba­re Geld­leis­tun­gen erfas­sen­den – Zuschus­ses4. Dem­entspre­chend kann auch das von dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ange­nom­me­ne Erfor­der­nis einer vom Wil­len des Bun­des­ge­setz­ge­bers unab­hän­gi­gen recht­li­chen Bin­dung des Bun­des nicht an dem Wort­laut des § 112 Abs. 1 Satz 1 BHO bzw. des § 55 Abs. 1 Satz 1 HGrG fest­ge­macht wer­den. Der Begriffs­be­stand­teil der „Ver­pflich­tung“ und der Pas­sus „gesetz­lich begrün­det“ stel­len schon des­halb kei­ne Anknüp­fungs­punk­te für die­ses ver­meint­li­che Erfor­der­nis dar, weil der Bun­des­ge­setz­ge­ber – abge­se­hen von dem hier nicht gege­be­nen Fall einer Bin­dung durch Ver­fas­sungs- oder Uni­ons­recht – auch eine gesetz­lich begrün­de­te Ver­pflich­tung grund­sätz­lich jeder­zeit wie­der besei­ti­gen kann. Recht ver­stan­den ergibt sich aus dem Wort­laut der in Rede ste­hen­den Bestim­mun­gen allein, dass für die Annah­me von Garan­tie­ver­pflich­tun­gen Gewähr­leis­tun­gen auf Grund von Rechts­ge­schäf­ten oder all­ge­mei­nen Haf­tungs­grund­sät­zen aus­schei­den und – auf Bun­des­ebe­ne – ein for­mel­les Gesetz erfor­der­lich ist. 

Die Geset­zes­his­to­rie spricht eben­falls gegen ein restrik­ti­ves Ver­ständ­nis des Begriffs der gesetz­lich begrün­de­ten Garan­tie­ver­pflich­tung des Bundes. 

Durch in der Zeit des „Drit­ten Rei­ches“ ergan­ge­ne, auf Bun­des­ebe­ne in wesent­li­chen Tei­len bis zum Erlass der Bun­des­haus­halts­ord­nung vom 19.08.19695 wei­ter­gel­ten­de Rege­lun­gen waren die juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts all­ge­mein der Rech­nungs­hof­prü­fung in Bezug auf ihre Haus­halts­rech­nung bzw. ihre Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung unter­stellt wor­den. Aus­ge­nom­men hier­von war aus poli­ti­schen und prak­ti­schen Grün­den nur ein klei­ner, auch die Trä­ger der Sozi­al­ver­si­che­rung umfas­sen­der Kreis von Rechts­trä­gern6. Bereits durch § 4 Abs. 4 des Geset­zes über Errich­tung und Auf­ga­ben des Bun­des­rech­nungs­ho­fes vom 27.11.19507 wur­den aller­dings die Trä­ger der Sozi­al­ver­si­che­rung mit ihrer Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung dann der Kon­trol­le durch den Bun­des­rech­nungs­hof unter­stellt, wenn sie Zuschüs­se aus öffent­li­chen Mit­teln erhiel­ten. Dies geschah aus­weis­lich der Geset­zes­ma­te­ria­li­en wegen der inso­weit im Raum ste­hen­den finan­zi­el­len Belas­tung des Bun­des8

Im Zuge der Haus­halts­re­form des Jah­res 1969 wur­de sodann die gel­ten­de Rechts­la­ge geschaf­fen. § 48 Abs. 1 des am glei­chen Tag wie die Bun­des­haus­halts­ord­nung – dem 19.08.1969 – erlas­se­nen Haus­halts­grund­sät­ze­ge­set­zes9 gibt der Gesetz­ge­bung von Bund und Län­dern als Grund­satz vor, dass auf bun­des- oder lan­des­un­mit­tel­ba­re juris­ti­sche Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts die Vor­schrif­ten des Geset­zes – also auch die Rege­lun­gen für die Prü­fung durch die Rech­nungs­hö­fe in §§ 42 ff. HGrG – ent­spre­chend anzu­wen­den sind, soweit durch Gesetz oder auf Grund eines Geset­zes nichts Ande­res bestimmt ist. Als in Bund und Län­dern ein­heit­lich und unmit­tel­bar gel­ten­de Vor­schrift sieht § 55 Abs. 1 Satz 1 HGrG mit sei­nem bereits beschrie­be­nen Rege­lungs­ge­halt eine Rech­nungs­hof­prü­fung der juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts – mit Aus­nah­men nur im Bereich der Gebiets­kör­per­schaf­ten und Reli­gi­ons­ge­sell­schaf­ten – im Fal­le gesetz­lich begrün­de­ter Zuschüs­se oder Garan­tie­ver­pflich­tun­gen vor. Nach § 55 Abs. 1 Satz 3 HGrG blei­ben ande­re Prü­fungs­rech­te, die nach § 48 HGrG begrün­det wer­den, unbe­rührt. In der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs der Bun­des­re­gie­rung zum Haus­halts­grund­sät­ze­ge­setz wird zu § 46 – dem spä­te­ren § 48 HGrG – aus­ge­führt, wegen der engen Bezie­hun­gen zwi­schen den Haus­hal­ten sei ein auch die juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts erfas­sen­des, in den Grund­zü­gen ein­heit­li­ches Haus­halts­recht ein drin­gen­des Erfor­der­nis, obwohl nicht ver­kannt wer­de, dass wegen der beson­de­ren Auf­ga­ben der juris­ti­schen Per­so­nen in gewis­sem Umfang haus­halts­recht­li­che Son­der­re­ge­lun­gen unab­weis­bar sei­en10. Zu § 51 Abs. 1 HGrG‑E – dem spä­te­ren § 55 Abs. 1 HGrG – wird dar­ge­legt, ein wegen § 46 HGrG‑E (§ 48 HGrG) nicht gege­be­nes Prü­fungs­recht des Rech­nungs­hofs gegen­über juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts sol­le jeden­falls dann bestehen, wenn die juris­ti­schen Per­so­nen auf Grund eines Geset­zes von einer Gebiets­kör­per­schaft Zuschüs­se erhiel­ten oder wenn eine Garan­tie­ver­pflich­tung einer Gebiets­kör­per­schaft gesetz­lich begrün­det sei11

Der Bund hat für sei­nen Rege­lungs­be­reich die grund­sätz­li­che Vor­ga­be des § 48 Abs. 1 HGrG umge­setzt, indem er durch § 111 Abs. 1 BHO für im Grund­satz alle bun­des­un­mit­tel­ba­ren juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts eine Prü­fungs­be­fug­nis des Bun­des­rech­nungs­hofs vor­ge­se­hen hat. Er hat nur für die bun­des­un­mit­tel­ba­ren Trä­ger der Sozi­al­ver­si­che­rung in § 112 Abs. 1 Satz 1 BHO eine Son­der­re­ge­lung ent­spre­chend den nach § 55 Abs. 1 Satz 1 HGrG jeden­falls ein­zu­hal­ten­den Maß­ga­ben geschaf­fen. Aus der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs der Bun­des­re­gie­rung zur Bun­des­haus­halts­ord­nung ergibt sich, dass die­se Son­der­re­ge­lung nach § 110 Abs. 1 – dem spä­te­ren § 112 Abs. 1 Satz 1 BHO – für erfor­der­lich erach­tet wur­de, um die Ein­heit­lich­keit des Rechts der Sozi­al­ver­si­che­rung für bun­des­un­mit­tel­ba­re und lan­des­un­mit­tel­ba­re Trä­ger nicht zu durch­bre­chen. Das Haus­halts­recht der Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger sol­le im Rah­men des Rechts der Sozi­al­ver­si­che­rung neu gere­gelt wer­den12

Ent­ste­hungs­ge­schicht­lich liegt der Grund für eine Exem­ti­on der bun­des­un­mit­tel­ba­ren Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger von der Kon­trol­le durch den Bun­des­rech­nungs­hof mit­hin in dem Stre­ben nach einer auf den Ebe­nen des Bun­des und der Län­der ein­heit­li­chen exter­nen Finanz­kon­trol­le im Bereich der Sozi­al­ver­si­che­rung. Auch im Rah­men die­ser Ziel­set­zung sind nach der Vor­stel­lung des his­to­ri­schen Gesetz­ge­bers indes die Maß­ga­ben des § 55 Abs. 1 Satz 1 HGrG – das heißt eine Rech­nungs­hof­kon­trol­le der Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung grund­sätz­lich aller juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts jeden­falls in den Kon­stel­la­tio­nen der Bezu­schus­sung und der gesetz­lich begrün­de­ten Garan­tie­ver­pflich­tung – wegen der inso­weit gege­be­nen oder zumin­dest mög­li­chen Haus­halts­be­las­tung in jedem Fall ein­zu­hal­ten13. Dem wider­spricht eine in der Ten­denz auf eine Schmä­le­rung die­ses Min­dest­be­stands der Kon­trol­le hin­aus­lau­fen­de Gesetzesinterpretation. 

Noch deut­li­cher for­dert die Geset­zes­sys­te­ma­tik eine wei­te Aus­le­gung des Begriffs der gesetz­lich begrün­de­ten Garan­tie­ver­pflich­tung des Bundes. 

Die von dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt und der Berufs­ge­nos­sen­schaft ver­tre­te­nen restrik­ti­ven Inter­pre­ta­ti­ons­an­sät­ze fin­den kei­ne Stüt­ze in einem Ver­gleich der besag­ten Ver­pflich­tung mit den in §§ 39, 91 Abs. 3 BHO, §§ 23, 43 Abs. 3 HGrG genann­ten Kre­di­ten, Bürg­schaf­ten, Garan­tien und sons­ti­gen Gewähr­leis­tun­gen. Denn die­se wer­den durch­weg rechts­ge­schäft­lich ver­ein­bart, woge­gen § 112 Abs. 1 Satz 1 BHO und § 55 Abs. 1 Satz 1 HGrG auf eine gesetz­lich begrün­de­te Siche­rung abstel­len. Eben­so wenig lässt sich aus ande­ren sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Rege­lun­gen, die das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt und die Berufs­ge­nos­sen­schaft als ech­te bzw. her­kömm­li­che gesetz­lich begrün­de­te Garan­tie­ver­pflich­tun­gen begrei­fen – ins­be­son­de­re aus der­je­ni­gen des § 214 Abs. 1 SGB VI – schlie­ßen, dass auf ande­re Wei­se struk­tu­rier­te, weni­ger strin­gen­te Rege­lun­gen, nicht eben­falls die Vor­aus­set­zun­gen des § 112 Abs. 1 Satz 1 BHO und des § 55 Abs. 1 Satz 1 HGrG erfül­len können. 

Die ein­schrän­ken­de Aus­le­gung wider­spricht auch im Übri­gen der Geset­zes­sys­te­ma­tik. Viel­mehr ist – bezo­gen auf die Ebe­ne des Bun­des – ent­spre­chend dem dar­ge­leg­ten Ver­hält­nis zwi­schen § 48 Abs. 1 und § 55 Abs. 1 HGrG die Prü­fung der Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung der bun­des­un­mit­tel­ba­ren juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts nach § 111 Abs. 1 BHO die Regel und die Exem­ti­on der bun­des­un­mit­tel­ba­ren Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger von die­ser Prü­fung nach § 112 Abs. 1 Satz 1 BHO die eng aus­zu­le­gen­de Aus­nah­me. Wäh­rend die Regel­vor­schrift des § 111 Abs. 1 BHO unab­hän­gig davon ein­greift, ob das Finanz­ge­ba­ren der bun­des­un­mit­tel­ba­ren juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts den Bun­des­haus­halt berührt14, kann die Aus­nah­me­vor­schrift des § 112 Abs. 1 Satz 1 BHO nur dann ange­wandt wer­den, wenn eine Belas­tung des Bun­des­haus­halts sicher aus­ge­schlos­sen ist. 

Dar­über hin­aus fällt sys­te­ma­tisch maß­geb­lich ins Gewicht, dass nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts der Grund­satz der Lücken­lo­sig­keit und der Ver­mei­dung prü­fungs­frei­er Räu­me, der für den Inhalt der Kon­trol­le der unmit­tel­ba­ren Bun­des­ver­wal­tung durch den Bun­des­rech­nungs­hof im Inter­es­se einer wirk­sa­men par­la­men­ta­ri­schen Finanz­kon­trol­le durch Art. 114 Abs. 2 Satz 1 GG vor­ge­ge­ben wird, durch bin­den­de Vor­ga­ben des Haus­halts­grund­sät­ze­ge­set­zes für die Gesetz­ge­bung des Bun­des und der Län­der auf die geset­zes­me­dia­ti­sier­te Befug­nis der Rech­nungs­hö­fe zur Prü­fung der Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung der bun­des- und lan­des­un­mit­tel­ba­ren juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts über­tra­gen wor­den ist. Trans­mis­si­ons­nor­men sind § 42 Abs. 1 HGrG, der die Prü­fung der gesam­ten Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung des Bun­des und der Län­der ein­schließ­lich ihrer Son­der­ver­mö­gen und Betrie­be durch die Rech­nungs­hö­fe vor­sieht, sowie § 48 Abs. 1 HGrG, der – vor­be­halt­lich ander­wei­ti­ger gesetz­li­cher Bestim­mung – die ent­spre­chen­de Anwen­dung die­ser Rege­lung auf die bun­des- oder lan­des­un­mit­tel­ba­ren juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts anord­net. Der Sinn und Zweck die­ser Vor­schrif­ten, grund­sätz­lich sämt­li­ches finanz­re­le­van­te Geba­ren der öffent­li­chen Hand – inklu­si­ve der genann­ten juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts – zu erfas­sen, ist auch bei der Aus­le­gung ander­wei­ti­ger gesetz­li­cher Bestim­mun­gen im Sin­ne von § 48 Abs. 1 HGrG zu beach­ten. Dies gilt ins­be­son­de­re in Bezug auf § 112 Abs. 1 Satz 1 BHO und § 55 Abs. 1 Satz 1 HGrG. Die Prü­fung auch der bun­des- und lan­des­un­mit­tel­ba­ren juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts ist so lücken­los wie mög­lich durch­zu­füh­ren15. Hier­nach gilt für die Fra­ge einer Prü­fung der Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung – nicht nur, aber auch – der bun­des­un­mit­tel­ba­ren Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger durch den Bun­des­rech­nungs­hof geset­zes­sys­te­ma­tisch der Grund­satz „in dubio pro inspec­tio­ne“, d.h. im Zwei­fel ist von einer Prü­fungs­be­fug­nis auszugehen.

Schließ­lich ergibt sich in Anbe­tracht des letzt­lich unkal­ku­lier­ba­ren Risi­kos des Staa­tes, das mit gesetz­li­chen Zuschuss- und Garan­tie­ver­pflich­tun­gen ver­bun­den ist16, nach dem Sinn und Zweck des Geset­zes das Erfor­der­nis, die Tat­be­stands­merk­ma­le weit aus­zu­le­gen, die nach § 112 Abs. 1 Satz 1 BHO und § 55 Abs. 1 Satz 1 HGrG in jedem Fall eine Rech­nungs­hof­kon­trol­le der Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung der erfass­ten juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts ermög­li­chen. Was die in § 112 Abs. 1 Satz 1 BHO ent­hal­te­ne Rege­lung für die bun­des­un­mit­tel­ba­ren Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger anbe­langt, kommt die enor­me gesamt­wirt­schaft­li­che Bedeu­tung der Finanz­mit­tel der Sozi­al­ver­si­che­rung17 hinzu. 

Hier­nach gehen die das Tat­be­stands­merk­mal der gesetz­lich begrün­de­ten Garan­tie­ver­pflich­tung ein­schrän­ken­den Inter­pre­ta­ti­ons­an­sät­ze des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts und der Berufs­ge­nos­sen­schaft fehl. Die Annah­men, der Gesetz­ge­ber habe eine exter­ne Finanz­kon­trol­le nur dann für erfor­der­lich erach­tet, wenn nach bestehen­der Geset­zes­la­ge unab­hän­gig von Maß­ga­ben eines wei­te­ren gesetz­ge­be­ri­schen Akts eine Zah­lungs­pflicht ent­ste­hen kön­ne oder – im Fall des § 112 Abs. 1 Satz 1 BHO – eine Zah­lung des Bun­des an einen bun­des­un­mit­tel­ba­ren Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger abge­si­chert wer­de, sind teleo­lo­gisch nicht halt­bar. Eine gesetz­lich begrün­de­te Garan­tie­ver­pflich­tung ist viel­mehr in allen Fäl­len anzu­neh­men, in denen nach der gel­ten­den Geset­zes­la­ge die Mög­lich­keit einer zukünf­ti­gen Belas­tung des staat­li­chen Haus­halts durch eine Ver­pflich­tung zum Ein­tritt in die Zah­lungs­pflich­ten einer juris­ti­schen Per­son des öffent­li­chen Rechts besteht. Ein sol­ches Risi­ko für den Haus­halt ist auch und bereits dann gege­ben, wenn nach der jewei­li­gen Vor­schrift das Ent­ste­hen der Zah­lungs­pflicht von Maß­ga­ben wei­te­ren gesetz­ge­be­ri­schen Han­delns abhängt. Denn der Gesetz­ge­ber kann sich, wenn der in der betref­fen­den Vor­schrift ange­leg­te Rege­lungs­be­darf ent­steht, nicht gewis­ser­ma­ßen weg­du­cken, son­dern muss jeden­falls die Fra­ge beant­wor­ten, wem denn die jewei­li­gen finan­zi­el­len Las­ten auf­ge­bür­det wer­den sol­len, wenn die­se nicht die bereits im Grund­satz als Las­ten­trä­ger bestimm­ten staat­li­chen Haus­hal­te tra­gen sol­len. Dass die Ant­wort auf die­se Fra­ge nicht ein­fach zu fin­den sein wird, liegt auf der Hand. Hin­zu kommt, dass es bei einer gesetz­lich begrün­de­ten Garan­tie­ver­pflich­tung – anders als bei der Zuschuss­ge­wäh­rung – gene­rell nicht auf den tat­säch­li­chen Mit­tel­ab­fluss aus dem Haus­halt ankommt, um die in § 112 Abs. 1 Satz 1 BHO und § 55 Abs. 1 Satz 1 HGrG ange­leg­te Sper­re einer Rech­nungs­hofs­kon­trol­le zu über­win­den18. Aus wel­chem Grund die Zah­lungs­pflicht ent­stan­den ist, durch deren poten­ti­el­le Über­nah­me eine Haus­halts­be­las­tung droht, ist nach dem Kon­troll­zweck erst recht unerheblich.

Ins­ge­samt spie­gelt sich in dem Geset­zes­zweck das bereits in der Geset­zes­his­to­rie und der Geset­zes­sys­te­ma­tik zum Aus­druck kom­men­de gesetz­ge­be­ri­sche Bestre­ben wider, auch in Bezug auf die Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung der bun­des- und lan­des­un­mit­tel­ba­ren juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts – inklu­si­ve der bun­des­un­mit­tel­ba­ren Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger im Sin­ne des § 112 Abs. 1 Satz 1 BHO – im Inter­es­se einer wirk­sa­men par­la­men­ta­ri­schen Finanz­kon­trol­le eine mög­lichst lücken­lo­se Prü­fung durch die Rech­nungs­hö­fe sicher­zu­stel­len. Dies führt gera­de in der Kon­stel­la­ti­on der gesetz­lich begrün­de­ten Garan­tie­ver­pflich­tung zu einer Vor­ver­la­ge­rung des Haus­halts­schut­zes. Bezo­gen auf die Bun­des­ebe­ne sol­len die Prüf­be­rich­te des Bun­des­rech­nungs­hofs das Par­la­ment bereits zu einem Zeit­punkt über sich abzeich­nen­de finan­zi­el­le Risi­ken für den Bun­des­haus­halt infor­mie­ren, in dem noch geeig­ne­te Gegen­maß­nah­men getrof­fen wer­den können. 

§ 120 SGB VII bestimmt unter der amt­li­chen Über­schrift „Bun­des- und Lan­des­ga­ran­tie“, dass mit der Auf­lö­sung eines bun­des­un­mit­tel­ba­ren Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gers des­sen Rech­te und Pflich­ten auf den Bund und mit der Auf­lö­sung eines lan­des­un­mit­tel­ba­ren Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gers des­sen Rech­te und Pflich­ten auf das auf­sicht­füh­ren­de Land über­ge­hen, soweit durch Rechts­vor­schrif­ten des Bun­des oder der Län­der nicht etwas Ande­res bestimmt wor­den ist. 

Die­se Vor­schrift, die hier nur in Bezug auf die Auf­lö­sung eines bun­des­un­mit­tel­ba­ren Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gers von Rele­vanz ist, ist in ihrem nor­ma­ti­ven Kern eine Haf­tungs­be­stim­mung, näm­lich eine kon­sti­tu­ti­ve Auf­fang­re­ge­lung für die Über­nah­me der finan­zi­el­len Las­ten eines gesetz­lich auf­ge­lös­ten bun­des­un­mit­tel­ba­ren Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gers durch den Bund. Sie stellt damit eine gesetz­lich begrün­de­te Garan­tie­ver­pflich­tung des Bun­des im Sin­ne von § 112 Abs. 1 Satz 1 BHO und § 55 Abs. 1 Satz 1 HGrG dar. 

Das in der Vor­in­stanz täti­ge Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len19 ist schon als Fol­ge sei­ner Bun­des­recht wider­spre­chen­den Prä­mis­se, eine gesetz­lich begrün­de­te Garan­tie­ver­pflich­tung des Bun­des im Sin­ne von § 112 Abs. 1 Satz 1 BHO und § 55 Abs. 1 Satz 1 HGrG erfor­de­re eine vom Wil­len des Bun­des­ge­setz­ge­bers unab­hän­gi­ge recht­li­che Bin­dung, nicht zu der Erkennt­nis vor­ge­drun­gen, dass der Rechts­cha­rak­ter des § 120 SGB VII als – sub­si­diä­re – Haf­tungs­be­stim­mung die revi­si­ble Vor­schrift grund­sätz­lich für eine Ein­ord­nung – als Garan­tie­ver­pflich­tung des Bun­des qua­li­fi­ziert. Das Beru­fungs­ge­richt hat bei sei­ner Ableh­nung einer sol­chen Ein­ord­nung Bun­des­recht zusätz­lich dadurch ver­letzt, dass es ange­nom­men hat, § 120 SGB VII habe wegen einer ohne­hin bestehen­den (auch) finan­zi­el­len Ver­ant­wor­tung des Bun­des für die bun­des­un­mit­tel­ba­ren Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger einen nur dekla­ra­to­ri­schen Charakter. 

Die Inter­pre­ta­ti­on des § 120 SGB VII als Haf­tungs­re­ge­lung wird durch den Geset­zes­wort­laut nicht ver­sperrt. Ent­spre­chend dem Ver­ständ­nis der in das Kai­ser­reich zurück­rei­chen­den his­to­ri­schen Vor­gän­ger­re­ge­lun­gen der Norm, nach einer ins­be­son­de­re den Rege­lungs­ge­halt des Art. 87 Abs. 2 Satz 1 GG in den Blick neh­men­den geset­zes­sys­te­ma­ti­schen Betrach­tung und unter Berück­sich­ti­gung des Geset­zes­zwecks wird der Rechts­cha­rak­ter der Vor­schrift durch den sub­si­di­är ange­ord­ne­ten Über­gang von finan­zi­el­len Ver­pflich­tun­gen eines durch Gesetz auf­ge­lös­ten bun­des­un­mit­tel­ba­ren Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gers auf den Bund geprägt. Der gleich­zei­tig vor­ge­se­he­ne Über­gang von Rech­ten tritt dem­ge­gen­über in den Hin­ter­grund und hat nur die Funk­ti­on, die durch den Über­gang von finan­zi­el­len Ver­pflich­tun­gen ent­ste­hen­de Belas­tung des Bun­des abzumildern. 

§ 120 SGB VII ist zwar als Rechts­nach­fol­ge­re­ge­lung for­mu­liert. Jedoch weist die amt­li­che Über­schrift der Vor­schrift mit der Bezeich­nung als Bun­des­ga­ran­tie nicht auf eine voll­um­fäng­li­che Rechts­nach­fol­ge des Bun­des in die Stel­lung und die Funk­ti­on eines auf­ge­lös­ten bun­des­un­mit­tel­ba­ren Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gers. Sie deu­tet viel­mehr dar­auf hin, dass es dem Gesetz­ge­ber allein um die finan­zi­el­len Fol­gen der Auf­lö­sung und in die­sem Zusam­men­hang vor allem dar­um ging, eine Ver­pflich­tung des Bun­des zu sta­tu­ie­ren, für die Erfül­lung der finan­zi­el­len Ver­pflich­tun­gen des auf­ge­lös­ten Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gers erfor­der­li­chen­falls ein­zu­ste­hen. Der Über­gang auch der finan­zi­el­len For­de­run­gen des auf­ge­lös­ten Trä­gers erweist sich inso­weit qua­si als Nebenaspekt. 

Die gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung beruht als eigen­stän­di­ger Sozi­al­ver­si­che­rungs­zweig in ihren Anfän­gen auf dem Unfall­ver­si­che­rungs­ge­setz (UVG) vom 06.07.188420. Nach § 33 UVG konn­ten Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten, die zur Erfül­lung der ihnen durch das Unfall­ver­si­che­rungs­ge­setz auf­er­leg­ten Ver­pflich­tun­gen leis­tungs­un­fä­hig gewor­den waren, auf Antrag des Reichs­ver­si­che­rungs­amts von dem Bun­des­rat auf­ge­löst wer­den. Dabei waren die Indus­trie­zwei­ge der auf­ge­lös­ten Genos­sen­schaft ande­ren Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten zuzu­tei­len. Mit der Auf­lö­sung der betrof­fe­nen Berufs­ge­nos­sen­schaft gin­gen deren Rechts­an­sprü­che und Ver­pflich­tun­gen auf das Reich über. In der Begrün­dung des sei­ner­zei­ti­gen Gesetz­ent­wurfs heißt es, es müs­se Vor­sor­ge dafür getrof­fen wer­den, dass im Fall der Leis­tungs­un­fä­hig­keit einer Berufs­ge­nos­sen­schaft die Absi­che­rung der Arbei­ter in den wei­ter arbei­ten­den Betrie­ben gegen Unfäl­le nicht unter­bro­chen wer­de und die in der Ver­gan­gen­heit ent­stan­de­nen Ent­schä­di­gungs­ver­bind­lich­kei­ten recht­zei­tig erfüllt wür­den. Da der auf­ge­lös­ten Genos­sen­schaft auch noch Rechts­an­sprü­che zum Bei­spiel auf Zah­lung rück­stän­di­ger Bei­trä­ge zuste­hen könn­ten, soll­ten auch die­se auf das Reich über­ge­hen21. In dem Bericht der Kom­mis­si­on, die der Reichs­tag zur Vor­be­ra­tung des Gesetz­ent­wurfs ein­ge­setzt hat­te, sowie in den Ver­hand­lun­gen des Reichs­tags selbst ist von der Vor­schrift des § 33 UVG durch­weg als von einer Reichs­ga­ran­tie die Rede. Die­se sol­le bewir­ken, dass in dem Fall der Insol­venz einer Berufs­ge­nos­sen­schaft – wobei weni­ger an Mas­sen­un­fäl­le als an den Nie­der­gang gan­zer Indus­trie­zwei­ge zu den­ken sei – hin­ter die­ser noch jemand ste­he, der den Aus­fall decke. Das Gesetz sei unvoll­stän­dig, wenn der Fall auch nur gedacht wer­den kön­ne, dass jemand um sei­ne gesetz­li­che Ent­schä­di­gung kom­me22

Die in § 33 UVG ent­hal­te­nen Rege­lun­gen fan­den in nahe­zu unver­än­der­ter Form Ein­gang in die Reichs­ver­si­che­rungs­ord­nung vom 19.07.191123. Sie wur­den in § 647 RVO auf drei Absät­ze auf­ge­teilt. Die Befug­nis des Bun­des­rats, eine zur Erfül­lung ihrer gesetz­li­chen Ver­pflich­tun­gen unfä­hi­ge Berufs­ge­nos­sen­schaft auf Antrag des Reichs­ver­si­che­rungs­amts auf­zu­lö­sen, war in dem ers­ten Absatz der Vor­schrift gere­gelt. Deren zwei­ter Absatz betraf die Zuwei­sung der Gewerbs­zwei­ge der auf­ge­lös­ten Genos­sen­schaft an ande­re Genos­sen­schaf­ten. Der drit­te Absatz ent­hielt die Bestim­mung, dass mit der Auf­lö­sung der Genos­sen­schaft ihre Rech­te und Pflich­ten auf das Reich über­gin­gen. Dass der Gesetz­ge­ber der Reichs­ver­si­che­rungs­ord­nung mit § 647 RVO kei­ne Vor­stel­lun­gen ver­band, die von den­je­ni­gen abwi­chen, die die Vor­gän­ger­vor­schrift des § 33 UVG getra­gen hat­ten, wird dar­an deut­lich, dass sich in der aus­führ­li­chen Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs zur Reichs­ver­si­che­rungs­ord­nung und hier spe­zi­ell in dem die Gewer­be-Unfall­ver­si­che­rung betref­fen­den Drit­ten Buch kei­ne auf § 660 – den spä­te­ren § 647 RVO – bezo­ge­nen Erwä­gun­gen fin­den24. In der Fas­sung der Reichs­ver­si­che­rungs­ord­nung vom 15.12.192425 wur­de sodann ledig­lich in § 647 Abs. 1 RVO der Begriff des Bun­des­rats durch den­je­ni­gen des Reichs­rats ersetzt. 

In der Gesamt­schau spricht die Gene­se der vor­kon­sti­tu­tio­nel­len Vor­gän­ger­re­ge­lun­gen des § 120 SGB VII deut­lich dafür, dass die his­to­ri­schen Gesetz­ge­ber kei­ne Gesamt­rechts­nach­fol­ge des Rei­ches für eine auf­ge­lös­te Berufs­ge­nos­sen­schaft als Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger für die vor der Auf­lö­sung ent­stan­de­nen Fäl­le anord­nen woll­ten. Es ging ihnen ersicht­lich dar­um, mit dem vor­ge­se­he­nen Pflich­ten­über­gang – und dem Über­gang von Rech­ten qua­si als Bei­werk – eine Garan­tie des Rei­ches in Gestalt einer Haf­tung für die finan­zi­el­len Ver­bind­lich­kei­ten einer auf­ge­lös­ten Berufs­ge­nos­sen­schaft, und hier ins­be­son­de­re für deren auf­ge­lau­fe­ne Ent­schä­di­gungs­last zu sta­tu­ie­ren. Eine Ein­lö­sung die­ser Garan­tie hät­te dann jeweils noch einer dem kon­kre­ten Fall ange­pass­ten Rege­lung bedurft. 

Unter der Gel­tung des Grund­ge­set­zes ersetz­te das Gesetz zur Neu­re­ge­lung des Rechts der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung (Unfall­ver­si­che­rungs-Neu­re­ge­lungs­ge­setz) vom 30.04.196326 § 647 RVO durch § 652 RVO. In dem ers­ten die­ser nur noch zwei Absät­ze umfas­sen­den Vor­schrift war bestimmt, dass im Fall der Auf­lö­sung einer Berufs­ge­nos­sen­schaft die Unter­neh­mens­ar­ten und Bezir­ke der auf­ge­lös­ten Berufs­ge­nos­sen­schaft ande­ren Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten zuge­wie­sen wür­den. Der zwei­te Absatz ent­hielt die Rege­lung, dass mit der Auf­lö­sung einer bun­des­un­mit­tel­ba­ren Berufs­ge­nos­sen­schaft deren Rech­te und Pflich­ten auf den Bund über­gin­gen. In der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs der CDU/​CSU – Frak­ti­on zum Unfall­ver­si­che­rungs-Neu­re­ge­lungs­ge­setz wird zu § 653 des RVO-Ände­rungs­ent­wurfs – dem spä­te­ren § 652 RVO – aus­ge­führt, die Vor­aus­set­zun­gen, unter denen Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten auf­ge­löst wer­den könn­ten, rich­te­ten sich nach den für die Auf­lö­sung öffent­lich-recht­li­cher Kör­per­schaf­ten gel­ten­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Nor­men. Des­halb hät­ten von § 647 RVO a.F. nur der zwei­te und der drit­te Absatz ihrem Inhalt nach über­nom­men wer­den kön­nen27. Hier­in gelangt der dem Unfall­ver­si­che­rungs-Neu­re­ge­lungs­ge­setz gene­rell zu Grun­de lie­gen­de Ansatz zum Aus­druck, dem­zu­fol­ge auf Bun­des­ebe­ne sowohl für die Neu­errich­tung als auch für eine Auf­lö­sung sowie für jede Bestands­än­de­rung ein­schließ­lich einer Ver­ei­ni­gung von Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten eine gesetz­li­che Rege­lung erfor­der­lich war28

In der Nach­fol­ge des § 652 RVO wur­de schließ­lich durch das Gesetz zur Ein­ord­nung des Rechts der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung in das Sozi­al­ge­setz­buch (Unfall­ver­si­che­rungs-Ein­ord­nungs­ge­setz) vom 07.08.199629 § 120 SGB VII mit sei­nem oben genann­ten Wort­laut ein­ge­führt. In der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs der Bun­des­re­gie­rung heißt es, die Vor­schrift rege­le – sub­si­di­är – die Bun­des- bzw. Lan­des­ga­ran­tie. Sie ent­spre­che dem (damals) gel­ten­den Recht des § 652 Abs. 2 RVO30. Aller­dings bezieht sich § 120 SGB VII nicht nur auf Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten, son­dern auf alle Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger des § 114 Abs. 1 SGB VII31. Die Vor­schrift ist im Zusam­men­hang mit § 118 SGB VII zu sehen. Jene Norm räumt den Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten in Abkehr von dem im Jahr 1963 mit dem Unfall­ver­si­che­rungs-Neu­re­ge­lungs­ge­setz geschaf­fe­nen Ver­ei­ni­gungs­mo­no­pol des Gesetz­ge­bers das Recht zu frei­wil­li­gen und auto­no­men Zusam­men­schlüs­sen ein32. Nach § 118 Abs. 1 Satz 7 SGB VII tritt die durch eine sol­che Ver­ei­ni­gung gebil­de­te neue Berufs­ge­nos­sen­schaft in die Rech­te und Pflich­ten der bis­he­ri­gen Genos­sen­schaf­ten ein. Die­se Bestim­mung fin­det auch dann Anwen­dung, wenn sich eine Berufs­ge­nos­sen­schaft nach § 118 Abs. 2 SGB VII mit ihren abgrenz­ba­ren Unter­neh­mens­ar­ten par­al­lel mit meh­re­ren ande­ren, selb­stän­dig blei­ben­den Genos­sen­schaf­ten ver­ei­nigt und in der Fol­ge auf­ge­löst ist33. An die­sen Fall der Auf­lö­sung knüpft § 120 SGB VII nicht an34. Er bezieht sich, was die Bun­des­ebe­ne anbe­langt, allein auf das von § 118 SGB VII unbe­rühr­te Recht des Gesetz­ge­bers zu jeg­li­cher Art der Bestands­ver­än­de­rung und damit auch zur Auf­lö­sung von Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten35. Löst der Bun­des­ge­setz­ge­ber hier­nach eine Berufs­ge­nos­sen­schaft als bun­des­un­mit­tel­ba­ren Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger auf, wird er die Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis­se der auf­ge­lös­ten Berufs­ge­nos­sen­schaft einer oder meh­re­ren ande­ren Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten zuwei­sen oder einen neu­en Trä­ger in Gestalt einer bun­des­un­mit­tel­ba­ren Kör­per­schaft ein­rich­ten. In die­sem Rah­men hat für die finan­zi­el­len Ver­pflich­tun­gen der auf­ge­lös­ten Berufs­ge­nos­sen­schaft, sofern sich kei­ne ande­re Lösung fin­det, gemäß § 120 SGB VII der Bund einzustehen. 

Auch der nach­kon­sti­tu­tio­nel­le Gesetz­ge­ber hat mit­hin zunächst § 652 Abs. 2 RVO und sodann § 120 SGB VII in Fort­füh­rung des Ver­ständ­nis­ses der vor­kon­sti­tu­tio­nel­len Vor­gän­ger­re­ge­lun­gen als nor­ma­ti­ve Grund­la­gen für eine Haf­tung – nun­mehr des Bun­des – für die finan­zi­el­len Ver­bind­lich­kei­ten einer auf­ge­lös­ten Berufs­ge­nos­sen­schaft bzw. eines auf­ge­lös­ten Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gers begrif­fen. Dies gilt ent­ge­gen der Ein­schät­zung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts unge­ach­tet des Umstands, dass die nach­kon­sti­tu­tio­nel­len Nor­men nicht mehr an eine Auf­lö­sung durch einen unter­ge­setz­li­chen Hoheits­akt, son­dern an eine Auf­lö­sung durch Gesetz anknüp­fen und des­halb wegen der Kom­pe­tenz des Gesetz­ge­bers, eine abwei­chen­de Rege­lung zu tref­fen, einen nur sub­si­diä­ren Cha­rak­ter haben. 

In geset­zes­sys­te­ma­ti­scher Hin­sicht ist für die Aus­le­gung von § 120 SGB VII der ver­fas­sungs­recht­li­che Hin­ter­grund in Gestalt von Art. 87 Abs. 2 Satz 1 GG von Belang. Nach die­ser Vor­schrift, auf die das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nach sei­nem Lösungs­an­satz nicht ein­zu­ge­hen hat­te, müs­sen die­je­ni­gen sozia­len Ver­si­che­rungs­trä­ger, deren Zustän­dig­keits­be­reich sich über das Gebiet eines Lan­des hin­aus erstreckt, als bun­des­un­mit­tel­ba­re Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts geführt wer­den. Damit ist für die lan­des­über­grei­fen­den Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger eine mit­tel­ba­re Ver­wal­tung durch eigen­stän­di­ge Kör­per­schaf­ten vor­ge­schrie­ben. Eine unmit­tel­ba­re Ver­wal­tung durch Bun­des­be­hör­den ist nicht zuläs­sig36

Die Berufs­ge­nos­sen­schaft weist hier­nach zu Recht dar­auf hin, dass eine Aus­le­gung des § 120 SGB VII, der­zu­fol­ge der Bund im Fall der gesetz­li­chen Auf­lö­sung eines bun­des­un­mit­tel­ba­ren Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gers beim Feh­len einer ander­wei­ti­gen Bestim­mung Gesamt­rechts­nach­fol­ger des auf­ge­lös­ten Trä­gers wer­de, in Kon­flikt mit Art. 87 Abs. 2 Satz 1 GG gerie­te. Jedoch greift die von der Berufs­ge­nos­sen­schaft in der Fol­ge befür­wor­te­te Deu­tung, der Inhalt des § 120 SGB VII bestehe allein in dem Hin­weis dar­auf, dass der Bun­des­ge­setz­ge­ber mit der Auf­lö­sung eines bun­des­un­mit­tel­ba­ren Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gers den Ver­wal­tungs- und Ver­mö­gens­be­stand des auf­ge­lös­ten Trä­gers in Über­ein­stim­mung mit Art. 87 Abs. 2 Satz 1 GG einem ande­ren Trä­ger der mit­tel­ba­ren Bun­des­ver­wal­tung über­tra­gen müs­se, zu kurz. Denn die Befug­nis zu der­ar­ti­gen Ver­än­de­run­gen im Bestand der bun­des­un­mit­tel­ba­ren Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger hat der Bun­des­ge­setz­ge­ber, wie bereits dar­ge­legt, ohne­hin. Der in § 120 SGB VII ange­leg­te Aspekt einer im Zwei­fel ein­grei­fen­den finan­zi­el­len Belas­tung des Bun­des käme in kei­ner Wei­se zum Tra­gen. Die­ses Defi­zit tritt bei einer Inter­pre­ta­ti­on des § 120 SGB VII als Rege­lung einer sub­si­diä­ren Haf­tung des Bun­des für die finan­zi­el­len Ver­bind­lich­kei­ten des auf­ge­lös­ten Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gers nicht ein. Auch ein sol­ches Norm­ver­ständ­nis ver­mei­det einen Wider­spruch zu Art. 87 Abs. 2 Satz 1 GG, denn ein Ein­ste­hen des Bun­des – auch – für die auf­ge­lau­fe­ne Ent­schä­di­gungs­last eines auf­ge­lös­ten Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gers kann nicht als ein Füh­ren eines lan­des­über­grei­fen­den Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­gers in bun­des­un­mit­tel­ba­rer Ver­wal­tung qua­li­fi­ziert werden. 

Nach der Geset­zes­sys­te­ma­tik steht dem Ver­ständ­nis des § 120 SGB VII als Haf­tungs- bzw. Garan­tie­re­ge­lung fer­ner ein Ver­gleich mit der­ar­ti­gen Rege­lun­gen in ande­ren Berei­chen des Sozi­al­ver­si­che­rungs­rechts, ins­be­son­de­re mit der­je­ni­gen des § 214 Abs. 1 SGB VI nicht ent­ge­gen. Es gibt inso­weit kei­nen für alle Teil­be­rei­che des Sozi­al­ver­si­che­rungs­rechts maß­geb­li­chen Rege­lungs­stan­dard. Inso­weit ergibt sich aus dem in ande­rem Zusam­men­hang bereits erwähn­ten Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 23.02.2011 – 8 C 53.09 -37 kei­ne abwei­chen­de Ein­schät­zung. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat in jenem Urteil für die Befug­nis des Bun­des­rech­nungs­hofs zur Prü­fung der Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung eines Ver­bands von Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gern gemäß § 112 Abs. 1 Satz 2 BHO auf eine Prü­fungs­un­ter­wor­fen­heit von drei Ver­bands­mit­glie­dern auf Grund einer gesetz­li­chen Garan­tie­ver­pflich­tung des Bun­des aus dem Regel­werk zur Pri­va­ti­sie­rung der ehe­ma­li­gen Deut­schen Bun­des­post bzw. wegen erhal­te­ner Bun­des­zu­schüs­se abge­stellt38. Die Fra­ge einer unab­hän­gig hier­von bestehen­den Befug­nis des Bun­des­rech­nungs­hofs für eine Prü­fung der Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung von Ver­bands­mit­glie­dern aus § 120 SGB VII war in dem sei­ner­zei­ti­gen Ver­fah­ren nicht entscheidungserheblich. 

Wie sich bereits den Dar­le­gun­gen zur Ent­ste­hungs­ge­schich­te des § 120 SGB VII ent­neh­men lässt, besteht der Zweck des § 120 SGB VII dar­in, eine sub­si­di­är ein­grei­fen­de, gege­be­nen­falls in geeig­ne­ter Form zu erfül­len­de Haf­tung des Bun­des für die finan­zi­el­len Ver­bind­lich­kei­ten – ins­be­son­de­re auch für die auf­ge­lau­fe­ne Ent­schä­di­gungs­last – eines durch Gesetz auf­ge­lös­ten Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gers zu schaf­fen. Zur Illus­tra­ti­on mag die noch unter Gel­tung der Reichs­ver­si­che­rungs­ord­nung ein­ge­tre­te­ne, in finan­zi­el­ler Hin­sicht ver­hee­ren­de Situa­ti­on die­nen, in der sich die vor­ma­li­ge Berg­bau-Berufs­ge­nos­sen­schaft Mit­te der 1960er Jah­re infol­ge des Nie­der­gangs des deut­schen Stein­koh­le­berg­baus befand. Der Gesetz­ge­ber ver­such­te sei­ner­zeit, die genann­te Berufs­ge­nos­sen­schaft von ihrer auf­ge­lau­fe­nen Ent­schä­di­gungs­last dadurch zu ent­las­ten, dass er zum einen eine Umver­tei­lung von Las­ten auf alle ande­ren Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten vor­nahm und zum ande­ren einen Teil der Last in die Finan­zie­rung durch den Bund über­nahm39. Hier hät­te eine Alter­na­ti­ve in der Auf­lö­sung der Berg­bau-Berufs­ge­nos­sen­schaft, der Zuwei­sung der Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis­se an ande­re Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten und der Über­nah­me des genann­ten Teils der Ent­schä­di­gungs­last durch den Bund als Fol­ge sei­ner im Sin­ne einer Auf­fang­re­ge­lung vor­ge­schrie­be­nen Garan­tie­haf­tung bestanden. 

Mit sei­nem Rege­lungs­ge­halt als Haf­tungs­be­stim­mung im Sin­ne einer Auf­fang­re­ge­lung für die Über­nah­me der finan­zi­el­len Las­ten eines gesetz­lich auf­ge­lös­ten bun­des­un­mit­tel­ba­ren Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gers durch den Bund hat § 120 SGB VII kon­sti­tu­ti­ve Bedeu­tung. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nennt kei­ne Rechts­grund­la­ge, auf die es sei­ne Annah­me stützt, der Bund tra­ge ohne­hin die finan­zi­el­le Ver­ant­wor­tung für die Ver­bind­lich­kei­ten aller bun­des­un­mit­tel­ba­ren juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts, der § 120 SGB VII in Bezug auf die bun­des­un­mit­tel­ba­ren Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger allen­falls dekla­ra­to­risch Aus­druck ver­lei­he. Die Fra­gen, ob es jen­seits spe­zi­al­ge­setz­li­cher Bestim­mun­gen eine all­ge­mei­ne staat­li­che Gewähr­trä­ger­haf­tung für juris­ti­sche Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts gibt, wel­che – ins­be­son­de­re ver­fas­sungs­recht­li­chen – Vor­schrif­ten inso­weit als nor­ma­ti­ve Anknüp­fungs­punk­te in Betracht kom­men könn­ten und wie eine sol­che Haf­tung im Ein­zel­nen aus­ge­stal­tet sein könn­te, sind Gegen­stand von kon­tro­ver­sen Erör­te­run­gen in der Lite­ra­tur40. In der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung ist eine staat­li­che Finan­zie­rungs­ver­ant­wor­tung vor allem in grund­recht­lich unter­fan­ge­nen Son­der­kon­stel­la­tio­nen ange­nom­men wor­den41. In die­ser all­ge­mein nicht abschlie­ßend geklär­ten Rechts­la­ge kann der durch § 120 SGB VII bewirk­ten bereichs­spe­zi­fi­schen Klä­rung einer sub­si­diä­ren Haf­tung des Bun­des die kon­sti­tu­ti­ve Bedeu­tung nicht abge­spro­chen werden. 

Das Beru­fungs­ur­teil kann nicht nach § 144 Abs. 4 VwGO auf Grund von Erwä­gun­gen auf­recht erhal­ten blei­ben, auf die es aus Sicht der Vor­in­stanz man­gels einer Befug­nis des Bun­des­rech­nungs­hofs zur Prü­fung der Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung der Berufs­ge­nos­sen­schaft nicht ange­kom­men ist. Die von der Berufs­ge­nos­sen­schaft ange­foch­te­ne Prü­fungs­an­ord­nung vom 19.03.2018 wird neben § 111 Abs. 1, § 112 Abs. 1 Satz 1 BHO und § 55 Abs. 1 Satz 1 HGrG von § 94 Abs. 1, §§ 95, 95a BHO getra­gen. Sie ist, wie bereits das erst­in­stanz­li­che Urteil im Ergeb­nis zutref­fend fest­ge­stellt hat, weder aus for­mell-recht­li­chen noch aus mate­ri­ell-recht­li­chen Grün­den nach § 113 Abs. 1 Satz 1 VwGO auf­zu­he­ben. Die von der Berufs­ge­nos­sen­schaft im Lauf des Rechts­streits vor­ge­brach­ten Ein­wän­de grei­fen nicht durch. 

Gemäß § 94 Abs. 1 BHO bestimmt der Bun­des­rech­nungs­hof Zeit und Art der Prü­fung und lässt erfor­der­li­che ört­li­che Erhe­bun­gen durch Beauf­trag­te vor­neh­men. Nach § 95 Abs. 1 BHO sind dem Bun­des­rech­nungs­hof Unter­la­gen, die er zur Erfül­lung sei­ner Auf­ga­ben für erfor­der­lich hält, auf Ver­lan­gen inner­halb einer bestimm­ten Frist zu über­sen­den oder sei­nen Beauf­trag­ten vor­zu­le­gen. Auf der Grund­la­ge von § 95 Abs. 2 BHO sind dem Bun­des­rech­nungs­hof und sei­nen Beauf­trag­ten die erbe­te­nen Aus­künf­te zu ertei­len. Die Vor­schrift des § 95 BHO wur­de um ihren drit­ten Absatz, wonach die Vor­la­ge- und Aus­kunfts­pflicht nach den Absät­zen 1 und 2 auch elek­tro­nisch gespei­cher­te Daten sowie deren auto­ma­ti­sier­ten Abruf erfasst, erst nach Erlass der Prü­fungs­an­ord­nung vom 19.03.2018 durch Gesetz vom 20.11.201942 ergänzt. Die­se Ergän­zung hat aller­dings kom­pe­tenz­mä­ßig einen ledig­lich klar­stel­len­den Cha­rak­ter43. Aus dem bereits durch Gesetz vom 14.08.201744 in die Bun­des­haus­halts­ord­nung ein­ge­füg­ten § 95a BHO ergibt sich die Befug­nis des Bun­des­rech­nungs­hofs, sei­ne Rech­te nach § 94 Abs. 1, § 95 BHO durch (Prüfungs-)Anordnungen, das heißt in der Form des Ver­wal­tungs­akts durch­zu­set­zen45

Auf den streit­ge­gen­ständ­li­chen Bescheid vom 19.03.2018, der ein Prü­fungs­ver­fah­ren nach die­sen Vor­schrif­ten gegen­über der Berufs­ge­nos­sen­schaft anord­net, sind die Bestim­mun­gen des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­set­zes grund­sätz­lich anwend­bar. Zustän­di­ges Organ des Bun­des­rech­nungs­hofs, der in der Anord­nung in Über­ein­stim­mung mit § 37 Abs. 3 Satz 1 Halbs. 1 VwVfG als erlas­sen­de Behör­de ange­ge­ben ist, war nicht des­sen Prä­si­dent, son­dern gemäß §§ 8, 9 Abs. 1 BRHG das Kol­le­gi­um IX 5, des­sen Mit­glie­der in zutref­fen­der Wei­se abwei­chend von den Vor­ga­ben des § 37 Abs. 3 Satz 1 Halbs. 2 VwVfG den Bescheid unter­zeich­net haben. Soll­te das Kol­le­gi­um IX 5, wie von der Berufs­ge­nos­sen­schaft vor­ge­tra­gen, ande­re Stel­len des Bun­des­rech­nungs­hofs in objek­tiv ver­fah­rens­feh­ler­haf­ter Wei­se an der Ent­schei­dungs­fin­dung betei­ligt haben, könn­te sich die Berufs­ge­nos­sen­schaft dar­auf nicht beru­fen. Die Prü­fungs­an­ord­nung ist mit dem bezeich­ne­ten Prü­fungs­ge­gen­stand der Durch­füh­rung sozi­al­me­di­zi­ni­scher Begut­ach­tun­gen durch die Berufs­ge­nos­sen­schaft nach § 37 Abs. 1 VwVfG inhalt­lich hin­rei­chend bestimmt und nicht im Sin­ne von § 44 Abs. 2 Nr. 4 VwVfG auf eine tat­säch­lich unmög­li­che Hand­lung gerich­tet. Die Anord­nung berührt das Selbst­ver­wal­tungs­recht der Berufs­ge­nos­sen­schaft aus § 29 Abs. 1 SGB IV nicht in unver­hält­nis­mä­ßi­ger Wei­se. Der Schutz der Sozi­al­da­ten der bei der Berufs­ge­nos­sen­schaft Ver­si­cher­ten wird nicht rechts­wid­rig eingeschränkt.

Die Fra­ge der grund­sätz­li­chen Anwend­bar­keit der Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­set­ze des Bun­des und der Län­der auf von den Rech­nungs­hö­fen erlas­se­ne Prü­fungs­an­ord­nun­gen ist in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts bis­her offen­ge­blie­ben46. Nach­dem die Ver­wal­tungs­akts­be­fug­nis des Bun­des­rech­nungs­hofs in § 95a BHO expli­zit gere­gelt wor­den ist, ist die Fra­ge einer Anwen­dung des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­set­zes auf die von dem Bun­des­rech­nungs­hof erlas­se­nen Prü­fungs­an­ord­nun­gen dem Grun­de nach zu beja­hen. Der Gesetz­ge­ber hat durch die­se Rege­lung zum Aus­druck gebracht, dass es sich bei dem Ver­fah­ren, das mit dem Erlass einer sol­chen Anord­nung abge­schlos­sen wird, um ein Ver­wal­tungs­ver­fah­ren im Sin­ne des § 9 VwVfG han­delt, und der Bun­des­rech­nungs­hof inso­weit gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 4 VwVfG als Behör­de des Bun­des eine öffent­lich-recht­li­che Ver­wal­tungs­tä­tig­keit aus­führt bzw. Auf­ga­ben der öffent­li­chen Ver­wal­tung wahr­nimmt47.

Die Beson­der­hei­ten des Rech­nungs­hof­prü­fungs­ver­fah­rens kom­men gleich­wohl in der sach­lich gebo­te­nen Wei­se zum Tra­gen. Spe­zi­el­le Vor­schrif­ten des Bun­des­rech­nungs­hof­ge­set­zes oder der Bun­des­haus­halts­ord­nung, die unmit­tel­bar den Erlass einer Prü­fungs­an­ord­nung betref­fen, ver­drän­gen im Rah­men ihres Rege­lungs­ge­halts das all­ge­mei­ne Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­recht gemäß § 1 Abs. 1 a.E. VwVfG. Soweit die genann­ten Regel­wer­ke Bestim­mun­gen ent­hal­ten, denen zwar kei­ne unmit­tel­ba­re Rege­lungs­wir­kung für den Anord­nungs­er­lass zukommt, die jedoch in einem mit­tel­ba­ren Zusam­men­hang mit die­sem ste­hen, muss den Maß­ga­ben die­ser Bestim­mun­gen bei der Anwen­dung des all­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­rechts auf die Prü­fungs­an­ord­nun­gen Rech­nung getra­gen wer­den. Dies betrifft vor allem den Umstand, dass das eigent­li­che Prü­fungs­ver­fah­ren, das sich an den Erlass einer Prü­fungs­an­ord­nung anschließt, in Gestalt der §§ 89 ff. BHO – und vor allem durch die hier ein­schlä­gi­gen § 94 Abs. 1, § 95 BHO – eine die Anwen­dung des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­set­zes jeden­falls grund­sätz­lich aus­schlie­ßen­de spe­zi­el­le Rege­lung erfah­ren hat48. Die­se Rege­lung ent­fal­tet eine Vor­wir­kung auf die vor­ab erlas­se­nen Prüfungsanordnungen.

Die Prü­fungs­an­ord­nung vom 19.03.2018 ist zu Recht nicht von dem Prä­si­den­ten des Bun­des­rech­nungs­hofs erlas­sen wor­den. Die Organ­zu­stän­dig­keit lag bei dem nach dem kol­le­gia­len Auf­bau des Hof­be­reichs im Sin­ne des § 2 Abs. 2 Satz 1 und 2 BRHG zu bestim­men­den Ent­schei­dungs­gre­mi­um, das heißt im vor­lie­gen­den Fall bei dem (Zweier-)Kollegium IX 5 des Bun­des­rech­nungs­hofs. Des­sen Mit­glie­der haben die­se Zustän­dig­keit nach außen mit Wir­kung für den Bun­des­rech­nungs­hof dadurch wahr­ge­nom­men, dass sie die Anord­nung unter­zeich­net haben.

Bei der Anord­nung han­delt es sich um eine Ent­schei­dung im Sin­ne von § 8 BRHG. Sie erfüllt, obwohl sie nicht Teil des eigent­li­chen Prü­fungs­ver­fah­rens nach § 94 Abs. 1, § 95 BHO ist, son­dern die­sem vor­an­geht, die Merk­ma­le der in § 13 Abs. 2 Satz 1 und Satz 2 Nr. 1 der Geschäfts­ord­nung des Bun­des­rech­nungs­hofs (GO-BRH) vom 19.11.1997 in der Fas­sung vom 13.12.2016 ent­hal­te­nen Defi­ni­ti­on des Ent­schei­dungs­be­griffs. Sie stellt eine Rege­lung dar, die dazu bestimmt ist, die gesetz­lich vor­ge­se­he­nen Befug­nis­se und Pflich­ten des Bun­des­rech­nungs­hofs im kon­kre­ten Fall – näm­lich der Durch­füh­rung einer Prü­fung – aus­zu­üben und das Ver­fah­ren fest­zu­le­gen. Die­se Ent­schei­dung war gemäß §§ 8, 9 Abs. 1 BRHG von dem Kol­le­gi­um des Bun­des­rech­nungs­hofs zu tref­fen, dem in dem nach § 7 BRHG, § 10 GO-BRH für das Jahr 2018 auf­ge­stell­ten Geschäfts­ver­tei­lungs­plan des Bun­des­rech­nungs­hofs als Prü­fungs­ge­biet die Unfall­ver­si­che­rung zuge­wie­sen war. Dies war, was zwi­schen den Betei­lig­ten in tat­säch­li­cher Hin­sicht nicht strei­tig ist, das Kol­le­gi­um IX 5, hier in sei­ner gemäß § 9 Abs. 1 Satz 1 BRHG für den Regel­fall vor­ge­se­he­nen Zweierbesetzung.

Die in der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs zur Ein­fü­gung des § 95a BHO in die Bun­des­haus­halts­ord­nung umris­se­ne Kon­zep­ti­on, wonach der Prä­si­dent des Bun­des­rech­nungs­hofs auf Grund sei­ner Außen­ver­tre­tungs­kom­pe­tenz aus § 6 Abs. 1 Satz 1 BRHG die Prü­fungs­an­ord­nun­gen des Bun­des­rech­nungs­hofs zu erlas­sen habe, um hier­durch den Ent­schei­dun­gen der zustän­di­gen Mit­glie­der des Bun­des­rech­nungs­hofs, die von ihnen für erfor­der­lich gehal­te­nen Prü­fun­gen durch­zu­füh­ren, Gel­tung zu ver­schaf­fen49, ist mit der durch Art. 114 Abs. 2 Satz 1 GG garan­tier­ten rich­ter­li­chen Unab­hän­gig­keit der Mit­glie­der nicht zu ver­ein­ba­ren. Die­se Unab­hän­gig­keit besteht, was in § 6 Abs. 3 Satz 2 BRHG zum Aus­druck kommt, auch gegen­über dem Prä­si­den­ten des Bun­des­rech­nungs­hofs50. Die Ver­wirk­li­chung der genann­ten Kon­zep­ti­on lie­fe dem­ge­gen­über auf eine poten­ti­el­le Abhän­gig­keit der kon­kre­ten Prü­fungs­tä­tig­keit der Mit­glie­der des Bun­des­rech­nungs­hofs von einem Han­deln des Prä­si­den­ten hin­aus. Da die­se Kon­zep­ti­on in dem Wort­laut des Bun­des­rech­nungs­hof­ge­set­zes kei­nen Nie­der­schlag gefun­den hat, kann sie ohne Wei­te­res unbe­ach­tet blei­ben. Dem­entspre­chend nimmt § 3 Abs. 3 GO-BRH die Erfül­lung der Prü­fungs- und Bera­tungs­auf­ga­ben des Bun­des­rech­nungs­hofs von der Außen­ver­tre­tungs­kom­pe­tenz des Prä­si­den­ten aus­drück­lich aus.

Nach die­sen Maß­ga­ben wird die Vor­schrift des § 37 Abs. 3 Satz 1 Halbs. 2 VwVfG, wonach ein schrift­li­cher Ver­wal­tungs­akt die Unter­schrift oder die Namens­wie­der­ga­be des Behör­den­lei­ters, sei­nes Ver­tre­ters oder sei­nes Beauf­trag­ten ent­hal­ten muss, für die Prü­fungs­an­ord­nun­gen des Bun­des­rech­nungs­hofs durch die spe­zi­el­len Bestim­mun­gen der §§ 8, 9 Abs. 1 BRHG ver­drängt. Zu unter­zeich­nen haben die Mit­glie­der des jewei­li­gen Kol­le­gi­ums, im vor­lie­gen­den Fall des (Zweier-)Kollegiums IX 5. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt sieht kei­nen Anlass, die in dem erst­in­stanz­li­chen Urteil getrof­fe­ne Fest­stel­lung zu bezwei­feln, dass die Anord­nung (mit den Namen K. und W.) von der zustän­di­gen Abtei­lungs­lei­te­rin und dem zustän­di­gen Prü­fungs­ge­biets­lei­ter des Kol­le­gi­ums IX 5 des Bun­des­rech­nungs­hofs unter­zeich­net wor­den ist.

Zu alle­dem steht nicht in Wider­spruch, dass die Behör­de, die eine Prü­fungs­an­ord­nung erlässt und als die­se Behör­de gemäß § 37 Abs. 3 Satz 1 Halbs. 1 VwVfG erkenn­bar sein muss, nicht das jewei­li­ge Ent­schei­dungs­gre­mi­um des Bun­des­rech­nungs­hofs, son­dern der Bun­des­rech­nungs­hof als sol­cher ist. Aus­weis­lich von § 8 BRHG sind die Ent­schei­dun­gen, die von den jeweils zustän­di­gen Orga­nen des Bun­des­rech­nungs­hofs getrof­fen wer­den, Ent­schei­dun­gen „des“ Bun­des­rech­nungs­hofs51. Die­se ein­fach­ge­setz­li­che Aus­ge­stal­tung ent­spricht der ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­be des Art. 114 Abs. 2 Satz 1 GG, der im Wort­laut von meh­re­ren Mit­glie­dern aus­geht, aber die zu erle­di­gen­den Auf­ga­ben als sol­che des Bun­des­rech­nungs­hofs umschreibt52. In dem Kopf der Anord­nung vom 19.03.2018 wird dem­entspre­chend zutref­fend der Bun­des­rech­nungs­hof – Außen­stel­le Pots­dam – als erlas­sen­de Behör­de genannt.

Die Berufs­ge­nos­sen­schaft hat im Lauf des Ver­fah­rens gerügt, das für den Erlass der Prü­fungs­an­ord­nung vom 19.03.2018 zustän­di­ge Kol­le­gi­um IX 5 des Bun­des­rech­nungs­hofs habe ande­ren Orga­nen bzw. Stel­len in Gestalt einer Mit­zeich­nung unzu­läs­si­gen Ein­fluss auf die Ent­schei­dung ein­ge­räumt. Zwar kön­ne die Betei­li­gung des Kol­le­gi­ums I 1 den in § 15 GO-BRH ent­hal­te­nen Rege­lun­gen über die Zusam­men­ar­beit der Kol­le­gi­en des Bun­des­rech­nungs­hofs ent­spro­chen haben. Jedoch sei­en die dem Prä­si­den­ten und dem Vize­prä­si­den­ten des Bun­des­rech­nungs­hofs sowie dem Refe­rat Pr/​R‑H gewähr­ten und von die­sen in Anspruch genom­me­nen Mit­zeich­nungs­rech­te – in Bezug auf das Refe­rat Pr/​R‑H im Zusam­men­hang mit einem von dort aus unter­brei­te­ten und von dem Kol­le­gi­um IX 5 akzep­tier­ten Ände­rungs­vor­schlag – nicht gesetz­lich vor­ge­se­hen und mit der in Art. 114 Abs. 2 Satz 1 GG ver­an­ker­ten rich­ter­li­chen Unab­hän­gig­keit der Mit­glie­der des Kol­le­gi­ums IX 5 unvereinbar.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat infol­ge sei­nes ein­ge­schränk­ten Prü­fungs­an­sat­zes kei­ne Fest­stel­lun­gen zu den tat­säch­li­chen Grund­la­gen der von der Berufs­ge­nos­sen­schaft erho­be­nen Rüge getrof­fen. Wären die­se gege­ben, läge objek­tiv ein Ver­fah­rens­feh­ler vor. Zwar ist dadurch, dass das Kol­le­gi­ums IX 5 des Bun­des­rech­nungs­hofs die end­gül­ti­ge Ent­schei­dung über den Erlass der Prü­fungs­an­ord­nung getrof­fen hat, die durch §§ 8, 9 Abs. 1 BRHG vor­ge­ge­be­ne Zustän­dig­keits­ord­nung ein­ge­hal­ten wor­den. Inso­weit kommt es auf die Betei­li­gung von ande­ren Orga­nen und Stel­len des Bun­des­rech­nungs­hofs, die zuvor statt­ge­fun­den haben mögen, nicht an. Die Mit­glie­der der kol­le­gia­len Ent­schei­dungs­or­ga­ne des Bun­des­rech­nungs­hofs müs­sen jedoch nicht nur die die­sen Orga­nen zuge­wie­se­nen Zustän­dig­kei­ten bei ihren (Schluss-)Entscheidungen beach­ten. Sie müs­sen die­se Ent­schei­dun­gen dar­über hin­aus im Rah­men der ihnen gemäß Art. 114 Abs. 2 Satz 1 GG zuste­hen­den rich­ter­li­chen Unab­hän­gig­keit unbe­ein­flusst von einer nicht nor­ma­tiv vor­ge­se­he­nen Betei­li­gung ande­rer Orga­ne bzw. Stel­len des Bun­des­rech­nungs­hofs und einer damit poten­ti­ell ver­bun­de­nen Ein­fluss­nah­me tref­fen. Dies wäre, trä­fe die Rüge der Berufs­ge­nos­sen­schaft zu, im vor­lie­gen­den Fall nicht gewähr­leis­tet gewesen.

Die Berufs­ge­nos­sen­schaft könn­te sich indes­sen auf einen sol­chen Ver­fah­rens­feh­ler nicht beru­fen. Die in § 3 Abs. 1 BRHG genann­ten Mit­glie­der des Bun­des­rech­nungs­hofs sind auf Grund der Gewähr­leis­tung des Art. 114 Abs. 2 Satz 1 GG zwar den Rich­tern in ihrer Unab­hän­gig­keit gleich­ge­stellt53. Jedoch sind die Mit­glie­der des Bun­des­rech­nungs­hofs selbst kei­ne Rich­ter, son­dern Beam­te54. Die ihnen garan­tier­te rich­ter­li­che Unab­hän­gig­keit prägt sich anders als die Unab­hän­gig­keit der Rich­ter nicht sub­jek­tiv-recht­lich für die den jewei­li­gen Ver­fah­ren Unter­wor­fe­nen aus. Für die durch den Rech­nungs­hof Geprüf­ten gibt es kein sub­jek­ti­ves „Recht auf den gesetz­li­chen Rech­nungs­hof­prü­fer“, das dem in Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG garan­tier­ten Recht auf den gesetz­li­chen Rich­ter entspräche.

Das Prü­fungs­ver­fah­ren, das durch eine Prü­fungs­an­ord­nung des Bun­des­rech­nungs­hofs ange­ord­net wird, ist durch zwei cha­rak­te­ris­ti­sche Merk­ma­le gekenn­zeich­net: Zum einen haben die Mit­glie­der des Bun­des­rech­nungs­hofs auf­grund ihrer durch Art. 114 Abs. 2 Satz 1 GG garan­tier­ten rich­ter­li­chen Unab­hän­gig­keit auto­nom über die Aus­wahl des Prü­fungs­ge­gen­stands sowie die Art, die Form, den Umfang, den Zeit­punkt und die Dau­er einer Prü­fung zu bestim­men55. Zum ande­ren lässt sich vom Tat­säch­li­chen her der Vor­gang des Prü­fens typi­scher­wei­se nicht im Vor­aus detail­liert pla­nen und beschrei­ben. Denn der Sinn einer Prü­fung besteht gera­de dar­in, her­aus­zu­fin­den, wel­che Infor­ma­tio­nen für den Bun­des­rech­nungs­hof über­haupt im Detail von Inter­es­se sind. Erst am Ende der Prü­fung steht fest, wel­che die­ser Infor­ma­tio­nen bei der geprüf­ten Stel­le vor­han­den sind. Erge­ben sich im Ver­lauf der Prü­fung neue Aspek­te, liegt es in der Natur der Sache, dass die Prü­fer dar­auf reagie­ren und ihr wei­te­res Vor­ge­hen ent­spre­chend anpas­sen müs­sen56. Mit Rück­sicht sowohl auf die rich­ter­li­che Unab­hän­gig­keit der Prü­fer als auch auf den ite­ra­ti­ven Cha­rak­ter des Prü­fungs­ver­fah­rens räu­men die für die­ses Ver­fah­ren maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten der § 94 Abs. 1, § 95 BHO den Prü­fern sehr wei­te Ent­schei­dungs­spiel­räu­me ein. Nach dem bereits erwähn­ten Erfor­der­nis, den Rege­lun­gen für das spä­te­re Prü­fungs­ver­fah­ren vor­wir­kend bereits bei der Anwen­dung des all­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­rechts auf den Erlass der vor­her­ge­hen­den Prü­fungs­an­ord­nung Rech­nung zu tra­gen, muss sich die Wei­te die­ser Spiel­räu­me, die den Prü­fern des Bun­des­rech­nungs­hofs in dem eigent­li­chen Prü­fungs­ver­fah­ren nach § 94 Abs. 1, § 95 BHO zukom­men, in den Anfor­de­run­gen an die Bestimmt­heit einer Prü­fungs­an­ord­nung nach § 37 Abs. 1 VwVfG widerspiegeln.

Nach die­sen Vor­ga­ben ist der Inhalt der Prü­fungs­an­ord­nung vom 19.03.2018 hin­rei­chend bestimmt. In der Anord­nung ist als Prü­fungs­ge­gen­stand die Durch­füh­rung sozi­al­me­di­zi­ni­scher Begut­ach­tun­gen durch die Berufs­ge­nos­sen­schaft bezeich­net. Der kon­kre­ti­sie­ren­den Beschrei­bung die­ses Gegen­stands lässt sich ent­neh­men, dass es um von der Berufs­ge­nos­sen­schaft ver­an­lass­te ärzt­li­che und psy­cho­lo­gi­sche Unter­su­chungs­maß­nah­men von Ver­si­cher­ten und die Ein­bet­tung die­ser Unter­su­chun­gen in die Leis­tungs­ver­wal­tung der Berufs­ge­nos­sen­schaft gehen soll. Mit Bezug hier­auf wer­den der Berufs­ge­nos­sen­schaft Ver­pflich­tun­gen zur Dul­dung von Erhe­bun­gen durch die Prü­fer des Bun­des­rech­nungs­hofs, ins­be­son­de­re zur Gewäh­rung von Zugang zu von den Prü­fern für erfor­der­lich gehal­te­nen Ver­fah­ren, Vor­gän­gen und Unter­la­gen sowie zur Ertei­lung der von ihnen erbe­te­nen Aus­künf­te auferlegt.

Der Ein­wand der Berufs­ge­nos­sen­schaft, sozi­al­me­di­zi­ni­sche Begut­ach­tun­gen im Sin­ne eines von ihr wie­der­ge­ge­be­nen Begriffs­ver­ständ­nis­ses gebe es im Bereich der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung nicht, so dass der in der Prü­fungs­an­ord­nung benann­te und für deren Bestimmt­heit wesent­li­che Prü­fungs­ge­gen­stand auf eine tat­säch­lich unmög­li­che Hand­lung gerich­tet und die Anord­nung nach § 44 Abs. 2 Nr. 4 VwVfG nich­tig sei, liegt neben der Sache. Der Bun­des­rech­nungs­hof hat in der Prü­fungs­an­ord­nung dar­ge­legt, was er für die von ihm beab­sich­tig­te Prü­fung – qua­si als Arbeits­ti­tel – als Durch­füh­rung sozi­al­me­di­zi­ni­scher Begut­ach­tun­gen durch die Berufs­ge­nos­sen­schaft ver­stan­den wis­sen will. Allein dar­auf kommt es an. Wenn die Berufs­ge­nos­sen­schaft die Anord­nung auch hier­von aus­ge­hend für zu unbe­stimmt hält, rührt dies daher, dass sie die Vor­wir­kung der in § 94 Abs. 1, § 95 BHO ent­hal­te­nen wei­ten Vor­ga­ben für das Prü­fungs­ver­fah­ren auf den nach § 37 Abs. 1 VwVfG zu for­dern­den Grad der inhalt­li­chen Bestimmt­heit der kon­kre­ten Prü­fungs­an­ord­nung nicht anerkennt.

Die Prü­fung der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit (i.w.S.) der Prü­fungs­an­ord­nung, die sich mit Blick auf das nicht grund­recht­lich unter­fan­ge­ne Selbst­ver­wal­tungs­recht der Berufs­ge­nos­sen­schaft als kör­per­schaft­lich ver­fass­ter Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger aus § 29 Abs. 1 SGB IV beur­teilt, hat – ähn­lich wie in Bezug auf die Anwen­dung des all­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­rechts und ins­be­son­de­re des § 37 Abs. 1 VwVfG – die Vor­wir­kung der für das eigent­li­che Prü­fungs­ver­fah­ren gel­ten­den Maß­stä­be mit der dor­ti­gen Stel­lung des Bun­des­rech­nungs­hofs als Herr des Ver­fah­rens zu beach­ten. Im Ergeb­nis kann des­halb nur eine offen­sicht­li­che Unver­hält­nis­mä­ßig­keit (i.w.S.) der mit einer ange­ord­ne­ten Prü­fung ver­bun­de­nen Mühe­wal­tung eines Prü­fungs­un­ter­wor­fe­nen die Rechts­wid­rig­keit der vor­an­ge­hen­den Prü­fungs­an­ord­nung zur Fol­ge haben.

Nach die­sem Maß­stab kann die unter dem 19.03.2018 ange­ord­ne­te Prü­fung mit dem in der Anord­nung umschrie­be­nen Prü­fungs­ge­gen­stand ent­ge­gen der Ansicht der Berufs­ge­nos­sen­schaft kei­nes­wegs als von vorn­her­ein unge­eig­net qua­li­fi­ziert wer­den, Auf­schluss über die Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung der Berufs­ge­nos­sen­schaft zu geben. Fer­ner ist die Berufs­ge­nos­sen­schaft zu einer Bear­bei­tung von Ver­si­cher­ten­ak­ten vor deren Vor­la­ge an den Bun­des­rech­nungs­hof, die sie aus Grün­den des Schut­zes der Sozi­al­da­ten der bei ihr Ver­si­cher­ten für erfor­der­lich, jedoch vom Auf­wand her für unzu­mut­bar erach­tet, wie sogleich dar­zu­le­gen sein wird, nicht berech­tigt. Sie ist dar­über hin­aus dar­auf zu ver­wei­sen, dass der Bun­des­rech­nungs­hof in sei­ner Prü­fungs­pra­xis gene­rell Stich­pro­ben akzep­tiert57 und in der Begrün­dung der ange­grif­fe­nen Prü­fungs­an­ord­nung ange­kün­digt hat, auch im vor­lie­gen­den Fall ent­spre­chend zu verfahren.

Nach dem Rege­lungs­ge­halt der Prü­fungs­an­ord­nung vom 19.03.2018 hat die Berufs­ge­nos­sen­schaft den Prü­fern des Bun­des­rech­nungs­hofs auch Vor­gän­ge und Unter­la­gen vor­zu­le­gen sowie Aus­künf­te zu ertei­len, die per­so­nen­be­zo­ge­ne Gesund­heits­da­ten der bei der Berufs­ge­nos­sen­schaft Ver­si­cher­ten im Sin­ne von Art. 4 Nr. 1 und Art. 15 DSGVO ent­hal­ten, wel­che, weil sie von der Berufs­ge­nos­sen­schaft als Leis­tungs­trä­ger nach § 35 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. §§ 12, 22 SGB I ver­ar­bei­tet wer­den, zugleich Sozi­al­da­ten gemäß § 67 Abs. 2 Satz 1 SGB X dar­stel­len. Eine Rege­lung, die der Berufs­ge­nos­sen­schaft eine Anony­mi­sie­rung oder Pseud­ony­mi­sie­rung die­ser Daten gestat­ten wür­de, ent­hält die Anord­nung nicht. Sie bezieht sich auf die elek­tro­nisch oder in Papier­form vor­han­de­nen Vor­gän­ge und Unter­la­gen im Ori­gi­nal und schließt damit grund­sätz­lich jed­we­de Bear­bei­tung der­sel­ben durch die Berufs­ge­nos­sen­schaft vor der Über­mitt­lung an den Bun­des­rech­nungs­hof aus. Die­ser Rege­lungs­ge­halt der Prü­fungs­an­ord­nung wider­spricht nicht den Maß­ga­ben des ein­fa­chen Sozi­al­da­ten­schutz­rechts, das sei­ner­seits mit dem Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung aus Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG im Ein­klang steht und den Vor­ga­ben des Uni­ons­rechts genügt, ins­be­son­de­re in der Daten­schutz­grund­ver­ord­nung ent­hal­te­ne mit­glied­staat­li­che Hand­lungs­op­tio­nen ausfüllt.

Der Bun­des­rech­nungs­hof stützt die der Berufs­ge­nos­sen­schaft in der Prü­fungs­an­ord­nung auf­er­leg­ten Ver­pflich­tun­gen auf sei­ne weit­rei­chen­den Befug­nis­se aus § 94 Abs. 1, § 95 BHO. Aus der Sicht der Berufs­ge­nos­sen­schaft als eines Leis­tungs­trä­gers im Sin­ne des § 35 SGB I ist die Über­mitt­lung von Sozi­al­da­ten an einen Rech­nungs­hof indes nur unter den Vor­aus­set­zun­gen der § 67b Abs. 1 Satz 3, § 67c Abs. 3 Satz 1, § 69 Abs. 5, § 76 Abs. 2 Nr. 2 SGB X gestat­tet. Gemäß § 67b Abs. 1 Satz 3 SGB X ist die Über­mitt­lung von bio­me­tri­schen, gene­ti­schen oder Gesund­heits­da­ten abwei­chend von Art. 9 Abs. 2 Buchst. b, d bis j DSGVO nur zuläs­sig, soweit eine gesetz­li­che Über­mitt­lungs­be­fug­nis nach den §§ 68 bis 77 SGB X oder nach einer ande­ren Rechts­vor­schrift in dem Zehn­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch vor­liegt. § 67c Abs. 3 Satz 1 SGB X bestimmt, dass eine Spei­che­rung, Ver­än­de­rung oder Nut­zung von Sozi­al­da­ten zuläs­sig ist, wenn sie für die Wahr­neh­mung von Auf­sichts, Kon­troll- und Dis­zi­pli­nar­be­fug­nis­sen, der Rech­nungs­prü­fung oder der Durch­füh­rung von Orga­ni­sa­ti­ons­un­ter­su­chun­gen für den Ver­ant­wort­li­chen erfor­der­lich ist. Nach § 69 Abs. 5 SGB X ist die Über­mitt­lung von Sozi­al­da­ten zuläs­sig für die Erfül­lung der gesetz­li­chen Auf­ga­ben der Rech­nungs­hö­fe und der ande­ren Stel­len, auf die § 67c Abs. 3 Satz 1 SGB X Anwen­dung fin­det. Schließ­lich ord­net § 76 Abs. 2 Nr. 2 SGB X an, dass unter ande­rem im Rah­men des § 69 Abs. 5 SGB X die Rege­lung des § 76 Abs. 1 SGB X nicht gilt, wonach die Über­mitt­lung von Sozi­al­da­ten, die einer in § 35 SGB I genann­ten Stel­le von einem Arzt oder einer Ärz­tin oder einer ande­ren in § 203 Abs. 1 und 4 StGB genann­ten Per­son zugäng­lich gemacht wor­den sind, nur unter den Vor­aus­set­zun­gen zuläs­sig ist, unter denen die­se Per­son selbst über­mitt­lungs­be­fugt wäre.

In die Betrach­tung die­ser unmit­tel­bar ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten ein­zu­be­zie­hen ist zunächst § 67b Abs. 1 Satz 4 SGB X, dem­zu­fol­ge § 22 Abs. 2 BDSG ent­spre­chend gilt. Danach sind bei der Ver­ar­bei­tung beson­de­rer Kate­go­rien per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten im Sin­ne des Art. 9 Abs. 1 DSGVO ange­mes­se­ne und spe­zi­fi­sche Maß­nah­men zur Wah­rung der Inter­es­sen der betrof­fe­nen Per­so­nen vor­zu­se­hen, wie sie in § 22 Abs. 2 Satz 2 BDSG exem­pla­risch auf­ge­führt sind. Fer­ner ist § 67d SGB X ergän­zend zu berück­sich­ti­gen. Nach § 67d Abs. 1 Satz 1 SGB X liegt die Ver­ant­wor­tung für die Zuläs­sig­keit der Daten­über­mitt­lung an einen Drit­ten grund­sätz­lich bei der über­mit­teln­den Stel­le. Wenn die Über­mitt­lung auf Ersu­chen des Drit­ten erfolgt, trägt die­ser gemäß § 67d Abs. 1 Satz 2 SGB X die Ver­ant­wor­tung für die Rich­tig­keit der Anga­ben in sei­nem Ersu­chen. Dies wird dahin­ge­hend ver­stan­den, dass die über­mit­teln­de Stel­le sowohl die eige­ne Über­mitt­lungs­be­fug­nis zu prü­fen als auch das Erfor­der­lich­keits­prin­zip zu berück­sich­ti­gen hat58. § 67d Abs. 2 SGB X bestimmt sinn­ge­mäß, dass bei der zuläs­si­gen Über­mitt­lung von Sozi­al­da­ten auch die mit die­sen ver­bun­de­nen und von ihnen nicht oder nur mit unver­tret­ba­rem Auf­wand trenn­ba­ren Daten, für die kei­ne Über­mitt­lungs­be­fug­nis besteht, gleich­wohl über­mit­telt wer­den dür­fen, wenn schutz­wür­di­ge Inter­es­sen der betrof­fe­nen Per­son oder eines Drit­ten an der Geheim­hal­tung die­ser Daten nicht überwiegen.

Nach dem in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ver­an­ker­ten sog. Dop­pel­tür­prin­zip ist die Öff­nung eines recht­mä­ßig für einen ande­ren Zweck ange­leg­ten Daten­be­stands für die Auf­ga­ben­wahr­neh­mung einer staat­li­chen Stel­le nur dann mit dem Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung aus Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG ver­ein­bar, wenn einer­seits der Inha­ber des Daten­be­stands gesetz­lich berech­tigt und ver­pflich­tet ist, die Daten für die Wahr­neh­mung der staat­li­chen Auf­ga­be zu über­mit­teln, und ande­rer­seits die für die Auf­ga­be zustän­di­ge Behör­de berech­tigt ist, die Daten für die­sen Zweck abzu­ru­fen. Sowohl die Über­mitt­lung als auch der Abruf bedür­fen jeweils einer gesetz­li­chen Grund­la­ge. Nur wenn die Vor­aus­set­zun­gen bei­der Rechts­grund­la­gen erfüllt sind, bild­lich gespro­chen bei­de den Zugang ver­sper­ren­den Türen geöff­net sind, darf der Daten­be­stand zuguns­ten der Behör­de zweck­ge­bun­den geöff­net wer­den59. Es liegt auf der Hand, dass die § 94 Abs. 1, § 95 BHO, wonach der Bun­des­rech­nungs­hof Herr des Prü­fungs­ver­fah­rens ist und somit grund­sätz­lich auch den Umfang der hier­für benö­tig­ten Daten bestimmt, den Daten­ab­ruf zum Zweck einer Rech­nungs­hof­prü­fung unter weni­ger stren­gen Vor­aus­set­zun­gen gestat­ten, als sie in der dif­fe­ren­zier­ten Rege­lung durch die genann­ten Vor­schrif­ten des Zehn­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch für die Daten­über­mitt­lung durch einen Leis­tungs­trä­ger an den Bun­des­rech­nungs­hof ver­langt wer­den. Es kann daher davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass eine Daten­über­mitt­lung, die sich nach den letzt­ge­nann­ten Vor­schrif­ten als zuläs­sig erweist, erst recht den Maß­ga­ben der § 94 Abs. 1, § 95 BHO genügt. Die­se Vor­aus­set­zung ist im vor­lie­gen­den Fall erfüllt.

Kern des genann­ten Norm­be­stands aus dem Zehn­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch ist die § 69 Abs. 5 i.V.m. § 67c Abs. 3 Satz 1 SGB X zu ent­neh­men­de Bestim­mung, dass für die Über­mitt­lung von Sozi­al­da­ten an einen Rech­nungs­hof der Grund­satz der Erfor­der­lich­keit gilt. Die Rege­lung stellt inso­weit auf einen objek­ti­ven Maß­stab ab und lässt für eine Rela­ti­vie­rung im Sin­ne einer sub­jek­ti­ven Ein­schät­zung sei­tens des (Bundes-)Rechnungshofs kei­nen Raum60. Dies ergibt sich jeden­falls unter Berück­sich­ti­gung des uni­ons­recht­li­chen Hin­ter­grunds der genann­ten Nor­men, auf den sich der Gesetz­ge­ber bei ihrer Anpas­sung an die Vor­ga­ben der Daten­schutz­grund­ver­ord­nung bezo­gen hat, unter ande­rem aus Art. 6 Abs. 1 Unter­abs. 1 Buchst. e und Art. 9 Abs. 2 Buchst. h DSGVO61. Aus dem Uni­ons­recht folgt fer­ner, dass zu dem – die Geeig­net­heit mit­um­fas­sen­den – objek­ti­ven Grund­satz der Erfor­der­lich­keit der­je­ni­ge der Ange­mes­sen­heit hin­zu­tre­ten muss.

Die Rege­lung aus § 69 Abs. 5 i.V.m. § 67c Abs. 3 Satz 1 SGB X hat, obwohl sie die Daten­über­mitt­lungs­be­fug­nis der Leis­tungs­trä­ger betrifft, auch die Belan­ge im Blick, denen die Rege­lun­gen der Daten­ab­ruf­be­fug­nis der Rech­nungs­hö­fe die­nen. Dies ergibt sich aus der Erwäh­nung der „Wahr­neh­mung der Rech­nungs­prü­fung“ in § 67c Abs. 3 Satz 1 SGB X sowie der „Erfül­lung der gesetz­li­chen Auf­ga­ben der Rech­nungs­hö­fe“ in § 69 Abs. 5 SGB X. Die Rege­lung aus § 69 Abs. 5 i.V.m. § 67c Abs. 3 Satz 1 SGB X ist damit offen für eine Berück­sich­ti­gung des Umstands, dass der Ver­lauf des eigent­li­chen Rech­nungs­hof­prü­fungs­ver­fah­rens bei dem Erlass der hier­auf bezo­ge­nen Prü­fungs­an­ord­nung noch nicht abseh­bar ist. Das in einer Prü­fungs­an­ord­nung ent­hal­te­ne, an einen Leis­tungs­trä­ger gerich­te­te Gebot zur Über­mitt­lung von Sozi­al­da­ten kann damit letzt­lich nur auf offen­sicht­li­che, bereits bei Erlass der Prü­fungs­an­ord­nung ohne Wei­te­res fest­stell­ba­re Ver­stö­ße gegen den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit (i.w.S.) über­prüft werden.

An die durch § 69 Abs. 5 i.V.m. § 67c Abs. 3 Satz 1 SGB X bewirk­te Öff­nung des Sozi­al­da­ten­schutz­rechts für die Berück­sich­ti­gung von Belan­gen, die sich aus den gesetz­li­chen Auf­ga­ben der Rech­nungs­hö­fe erge­ben, knüp­fen sich wei­te­re Rechts­fol­gen. So kommt bei der Ablei­tung von Anfor­de­run­gen aus § 67b Abs. 1 Satz 4 SGB X i.V.m. § 22 Abs. 2 BDSG dem Umstand maß­geb­li­che Bedeu­tung zu, dass die Rech­nungs­hö­fe nach § 35 Abs. 1 Satz 4 SGB I nicht anders als die Leis­tungs­trä­ger selbst das Sozi­al­ge­heim­nis aus § 35 Abs. 1 Satz 1 SGB I zu wah­ren haben. Fer­ner kann sich die in § 67d Abs. 1 Satz 1 SGB X vor­ge­se­he­ne Ver­tei­lung der admi­nis­tra­ti­ven Ver­ant­wor­tung für die Zuläs­sig­keit einer Sozi­al­da­ten­über­mitt­lung in der Kon­stel­la­ti­on, in der die Über­mitt­lung durch eine – der Bestands­kraft fähi­ge – Prü­fungs­an­ord­nung eines Rech­nungs­hofs gefor­dert wird, nicht aus­wir­ken. Will die über­mit­teln­de Stel­le der Anord­nung auf Grund ihrer Beur­tei­lung der Zuläs­sig­keit der Über­mitt­lung nicht nach­kom­men, muss sie die­se anfech­ten. Die Prü­fung der Erfor­der­lich­keit hat dann im Ver­wal­tungs­pro­zess das Gericht vor­zu­neh­men. Schließ­lich ist in den Fäl­len, in denen sich die ange­for­der­te Über­mitt­lung einer Unter­la­ge bzw. Datei nach dem oben genann­ten, zurück­ge­nom­me­nen Maß­stab als ver­hält­nis­mä­ßig (i.w.S.) erweist, nicht mehr zu prü­fen, ob von dem in ihr ent­hal­te­nen Daten­be­stand nicht ein Teil nach § 67d Abs. 2 SGB X abge­trennt wer­den kann. Die in die­ser Vor­schrift vor­ge­se­he­ne Güter­ab­wä­gung wird durch den genann­ten Maß­stab überlagert.

Gemes­sen an die­sen nor­ma­ti­ven Vor­ga­ben, ver­stößt der in der Prü­fungs­an­ord­nung vom 19.03.2018 umschrie­be­ne Zugriff des Bun­des­rech­nungs­hofs auf elek­tro­nisch oder in Papier­form vor­han­de­ne Unter­la­gen und Vor­gän­ge der Berufs­ge­nos­sen­schaft, auch soweit die­se Sozi­al­da­ten der bei der Berufs­ge­nos­sen­schaft Ver­si­cher­ten ent­hal­ten, nicht gegen den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit (i.w.S.) aus § 69 Abs. 5 i.V.m. § 67c Abs. 3 Satz 1 SGB X. Die Anord­nung erstreckt sich ins­be­son­de­re nicht auf Infor­ma­tio­nen, die in Bezug auf den von den Mit­glie­dern des Bun­des­rech­nungs­hofs in rich­ter­li­cher Unab­hän­gig­keit fest­ge­leg­ten Prü­fungs­ge­gen­stand der Durch­füh­rung sozi­al­me­di­zi­ni­scher Begut­ach­tun­gen durch die Berufs­ge­nos­sen­schaft von vorn­her­ein erkenn­bar irrele­vant wären. Es ist nichts dafür ersicht­lich, dass es bei der Berufs­ge­nos­sen­schaft einen sepa­rat ange­leg­ten Daten­be­stand mit beson­ders sen­si­blen, dem Arzt­ge­heim­nis unter­fal­len­den und für den Prü­fungs­ge­gen­stand offen­sicht­lich nicht bedeut­sa­men Gesund­heits­da­ten geben könn­te. Die Berufs­ge­nos­sen­schaft hat viel­mehr im Ver­fah­ren selbst vor­ge­tra­gen, dass sie eine auf eine der­ar­ti­ge Sepa­rie­rung hin­aus­lau­fen­de getrenn­te (elek­tro­ni­sche) Akten­füh­rung nicht vor­nimmt62. In der gege­be­nen Situa­ti­on kann es nicht der Berufs­ge­nos­sen­schaft über­las­sen blei­ben, die Datei­en und Unter­la­gen spe­zi­ell für die von dem Bun­des­rech­nungs­hof ange­ord­ne­te Prü­fung auf­zu­be­rei­ten. Eben­so wenig kommt eine Über­mitt­lung allein von anony­mi­sier­ten oder pseud­ony­mi­sier­ten Daten in Betracht. Im einen wie im ande­ren Fall wäre die Authen­ti­zi­tät der gewon­ne­nen Prü­fungs­er­geb­nis­se nicht gewähr­leis­tet. Bei­spiels­wei­se bestün­de die Gefahr, dass etwa zu Las­ten der Berufs­ge­nos­sen­schaft vor­ge­nom­me­ne Dop­pel­ab­rech­nun­gen von Leis­tun­gen nicht erkannt wer­den könn­ten. Im Übri­gen wird aus der Begrün­dung der ange­foch­te­nen Prü­fungs­an­ord­nung deut­lich, dass der Bun­des­rech­nungs­hof sei­nen Zugriff auf die Sozi­al­da­ten der bei der Berufs­ge­nos­sen­schaft Ver­si­cher­ten und sons­ti­ge per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten auf das für die Prü­fung unbe­dingt erfor­der­li­che Maß beschrän­ken wird. Dies ent­spricht ins­be­son­de­re der durch § 35 Abs. 1 Satz 4 SGB I sta­tu­ier­ten eigen­stän­di­gen Pflicht des Bun­des­rech­nungs­hofs zur Wah­rung des Sozi­al­ge­heim­nis­ses der Betrof­fe­nen und sei­ner dar­aus erwach­sen­den gesetz­li­chen Für­sor­ge­pflicht. In Anbe­tracht die­ser Pflicht kann die Berufs­ge­nos­sen­schaft auch mit ihrer im Ver­fah­ren geäu­ßer­ten und auf § 67b Abs. 1 Satz 4 SGB X i.V.m. § 22 Abs. 2 BDSG gestütz­ten Rüge nicht durch­drin­gen, der Bun­des­rech­nungs­hof habe ihr ein Sicher­heits­kon­zept über die Ein­hal­tung der Anfor­de­run­gen aus § 67b Abs. 1 Satz 4 SGB X i.V.m. § 22 Abs. 2 BDSG vor­le­gen müssen.

Die Bestim­mun­gen des Zehn­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch, die die Über­mitt­lung der von der Prü­fungs­an­ord­nung vom 19.03.2018 betrof­fe­nen Daten an den Bun­des­rech­nungs­hof tra­gen, begren­zen das Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung der bei der Berufs­ge­nos­sen­schaft Ver­si­cher­ten aus Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG in wirk­sa­mer Weise.

Ent­ge­gen der Ansicht der Berufs­ge­nos­sen­schaft han­delt es sich bei den von ihr als Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger erho­be­nen Gesund­heits­da­ten der Ver­si­cher­ten nicht um Daten, die im Sin­ne der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts dem unan­tast­ba­ren Kern­be­reich pri­va­ter Lebens­ge­stal­tung zuzu­ord­nen wären. Die­se Daten unter­lie­gen mit­hin nicht einem strik­ten, nicht durch eine Abwä­gung mit kol­li­die­ren­den Rechts­gü­tern nach Maß­ga­be des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­sat­zes rela­ti­vier­ba­ren Schutz, dem der Gesetz­ge­ber durch nor­men­kla­re, ein­griffs­mi­ni­mie­ren­de Rege­lun­gen sowohl auf der Ebe­ne der Daten­er­he­bung als auch auf der­je­ni­gen der nach­ge­la­ger­ten Daten­aus­wer­tung und ‑ver­wer­tung Rech­nung zu tra­gen hät­te63.

Ob ein Sach­ver­halt dem unan­tast­ba­ren Kern­be­reich pri­va­ter Lebens­ge­stal­tung ange­hört, hängt davon ab, ob er nach sei­nem Inhalt höchst­per­sön­li­chen Cha­rak­ters ist und in wel­cher Art und Inten­si­tät er aus sich her­aus die Sphä­re ande­rer oder Belan­ge der Gemein­schaft berührt. Maß­ge­bend sind die Beson­der­hei­ten des jewei­li­gen Fal­les64. In Bezug auf die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­zie­hung zwi­schen Ärz­ten und Pati­en­ten gilt nichts Ande­res65. In sei­ner den ärzt­li­chen Bereich betref­fen­den Ent­schei­dungs­pra­xis hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt eine Zuord­nung zum unan­tast­ba­ren Kern­be­reich pri­va­ter Lebens­ge­stal­tung weder für ärzt­li­che Kar­tei­kar­ten noch für den ver­gleich­ba­ren Kon­text von Kli­en­ten­ak­ten einer Sucht­be­ra­tungs­stel­le vor­ge­nom­men, son­dern die­se außer­halb der unan­tast­ba­ren Intim­sphä­re der Betrof­fe­nen ver­or­tet66. Es hat des Wei­te­ren die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts bestä­tigt, wonach auch Pati­en­ten­ak­ten einer psych­ia­tri­schen Kli­nik im Ansatz nach Maß­ga­be des Grund­sat­zes der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit (i.w.S.) einem Lan­des­rech­nungs­hof zugäng­lich gemacht wer­den dür­fen, also nicht per se einen einer Abwä­gung ent­zo­ge­nen Schutz genie­ßen67.

Vor dem der­art gekenn­zeich­ne­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Hin­ter­grund sind die Sozi­al­da­ten der bei der Berufs­ge­nos­sen­schaft als einem Trä­ger der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung Ver­si­cher­ten nicht dem unan­tast­ba­ren Kern­be­reich pri­va­ter Lebens­ge­stal­tung die­ser Per­so­nen zuzu­ord­nen. Die gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung beruht ganz wesent­lich auf dem sozia­len Schutz­prin­zip. Zwi­schen den Unter­neh­men unter­ein­an­der sowie den Unter­neh­men und den Ver­si­cher­ten besteht eine spe­zi­fi­sche Soli­da­ri­täts- und Ver­ant­wort­lich­keits­be­zie­hung nicht nur hin­sicht­lich des aktu­el­len Arbeits­un­fall- und Berufs­krank­hei­ten-Gesche­hens, son­dern auf Grund des Umla­ge­prin­zips und der gege­be­nen­falls jahr­zehn­te­lang zu erbrin­gen­den Ent­schä­di­gungs­leis­tun­gen über ent­spre­chend vie­le Jah­re und letzt­lich Genera­tio­nen hin­weg68. In die­sen sozia­len Bezug sind die Daten der Ver­si­cher­ten ein­zu­ord­nen, die im Zusam­men­hang mit tat­säch­li­chen oder poten­ti­el­len Leis­tungs­an­sprü­chen erho­ben wor­den sind. Die­ser Sozi­al­be­zug besteht im Fall der Über­mitt­lung der Daten an den die Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung des Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gers prü­fen­den Bun­des­rech­nungs­hof fort. Denn die­se Prü­fung dient der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Trä­gers und damit auch der Erfüll­bar­keit der tat­säch­li­chen bzw. poten­ti­el­len Ansprü­che der bei dem Trä­ger Ver­si­cher­ten durch die spie­gel­bild­li­chen tat­säch­li­chen bzw. poten­ti­el­len Leis­tungs­pflich­ten des Trägers.

Gemes­sen an den Vor­ga­ben, die sich jen­seits des Kern­be­reichs pri­va­ter Lebens­ge­stal­tung für die Recht­fer­ti­gung von Ein­grif­fen in das Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung aus Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG erge­ben69, bestehen in Bezug auf die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der in dem Zehn­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch ent­hal­te­nen Rege­lung für die Über­mitt­lung von Sozi­al­da­ten durch einen Leis­tungs­trä­ger an einen Rech­nungs­hof – hier den­je­ni­gen des Bun­des – kei­ne Beden­ken. Die Rege­lung dient ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die Auf­ga­be des Bun­des­rech­nungs­hofs zur lücken­los durch­zu­füh­ren­den exter­nen Finanz­kon­trol­le der Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger einem legi­ti­men Gemein­wohl­zweck und wahrt den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit (i.w.S.). Nach den bis­he­ri­gen Dar­le­gun­gen ist die Über­mitt­lung von Sozi­al­da­ten auf Grund der beschrie­be­nen Nor­men geeig­net und erfor­der­lich, damit der Bun­des­rech­nungs­hof die genann­te Auf­ga­be effek­tiv wahr­neh­men kann. Die Über­mitt­lung ist auch ver­hält­nis­mä­ßig im enge­ren Sin­ne, weil die Siche­rung der Effek­ti­vi­tät der Kon­trol­le zu kei­nen unzu­mut­ba­ren Ein­schrän­kun­gen des Schutz­ni­veaus der Daten der Sozi­al­ver­si­cher­ten führt. Dies hat sei­nen Grund dar­in, dass der Bun­des­rech­nungs­hof und sei­ne Mit­ar­bei­ter nicht anders als der jewei­li­ge Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger und des­sen Per­so­nal dem Sozi­al­ge­heim­nis nach § 35 Abs. 1 SGB I unterliegen.

Die Rege­lun­gen des Zehn­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch zur Über­mitt­lung von Sozi­al­da­ten zum Zweck der Rech­nungs­hof­kon­trol­le genü­gen den Vor­ga­ben des Uni­ons­rechts. Der von der Berufs­ge­nos­sen­schaft im Ver­fah­ren erho­be­ne Ein­wand, es feh­le an hin­rei­chen­den Vor­keh­run­gen zur Wah­rung des durch Art. 1 i.V.m. Art. 7 und 8 GRC unter Berück­sich­ti­gung von Art. 52 Abs. 1 Satz 1 GRC, Art. 9 Abs. 2 Buchst. g DSGVO geschütz­ten Kern­be­reichs pri­va­ter Lebens­ge­stal­tung, greift schon des­halb nicht durch, weil die in Rede ste­hen­den Daten, wie zum natio­na­len Recht dar­ge­legt, nicht dem unan­tast­ba­ren Kern­be­reich pri­va­ter Lebens­ge­stal­tung zuzu­ord­nen sind. Fer­ner hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt kei­nen Zwei­fel dar­an, dass das Sozi­al­da­ten­schutz­recht auch mit sei­ner Öff­nung für die Belan­ge der Rech­nungs­hof­prü­fung von den zum einen in Art. 6 Abs. 1 Unter­abs. 1 Buchst. e i.V.m. Abs. 2 sowie Abs. 3 Satz 1 Buchst. b und Satz 2 bis 4 DSGVO, zum ande­ren in Art. 9 Abs. 2 Buchst. h, Abs. 3 und 4 DSGVO ent­hal­te­nen mit­glied­staat­li­chen Hand­lungs­op­tio­nen umfasst wird, auf die sich der natio­na­le Gesetz­ge­ber im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren unter ande­rem und im Wesent­li­chen beru­fen hat70.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 12. Mai 2021 – 6 C 12.19

  1. vgl. BVerwG, Urteil vom 23.02.2011 – 8 C 53.09, BVerw­GE 139, 87 Rn. 48 m.w.N.[]
  2. etwa Engels, in: Kahl/​Waldhoff/​Walter , Bon­ner Kom­men­tar zum GG, Art. 114 Rn.192, Stand August 2010; Kube, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 114 Rn. 77 ff., 141, Stand April 2020[]
  3. BVerwG, Urteil vom 23.02.2011 – 8 C 53.09, BVerw­GE 139, 87 Rn. 49; aus dem Schrift­tum: Heint­zen, in: v. Münch/​Kunig/​Kämmerer/​Kotzur , GG, Bd. 2, 7. Aufl.2021, Art. 114 Rn. 23, 34; Jarass, in: Jarass/​Kment, GG, 16. Aufl.2020, Art. 114 Rn. 5; Dittrich, BHO, § 111 Rn. 1, Stand Juli 2018; Nebel, in: Piduch, Bun­des­haus­halts­recht, Art. 114 GG Rn. 22, Stand Febru­ar 2018[]
  4. zum Zuschuss­be­griff: BVerwG, Urteil vom 23.02.2011 – 8 C 53.09, BVerw­GE 139, 87 Rn.19[]
  5. BGBl I S. 1284[]
  6. den Rechts­zu­stand nach dem „Bei­trä­ge­ge­setz“ vom 24.03.1934 – RGBl. S. 235 – und dem „Kriegs­kon­troll­ge­setz“ vom 05.07.1940 – RGBl. II S. 139 – zusam­men­fas­send: BT-Drs. Nr. 1141 S. 9, 12; zu Dif­fe­ren­zie­run­gen der nach­kon­sti­tu­tio­nel­len Gel­tung die­ser Rege­lun­gen auf Lan­des­ebe­ne: BVerwG, Urtei­le vom 11.04.1995 – 1 C 34.92, BVerw­GE 98, 163 <175 f.> und vom 30.09.2009 – 8 C 5.09, BVerw­GE 135, 100 Rn.20 f.[]
  7. BGBl. S. 765[]
  8. BT-Drs. Nr. 1141 S. 13[]
  9. BGBl. I S. 1273[]
  10. BT-Drs. V/​3040 S. 57 f.[]
  11. BT-Drs. V/​3040 S. 59; dazu: Haver­ka­te, Prü­fungs­freie Räu­me, in: Zavel­berg , Die Kon­trol­le der Staats­fi­nan­zen 1989, S. 210[]
  12. BT-Drs. V/​3040 S. 68[]
  13. vgl. Zings­heim, in: Heuer/​Scheller , Kom­men­tar zum Haus­halts­recht, § 112 BHO Rn. 13 f., Stand Juni 2020[]
  14. vgl. Nebel, in: Piduch, Bun­des­haus­halts­recht, Art. 114 GG Rn. 22, § 111 BHO Rn. 1, Stand Febru­ar 2018[]
  15. vgl. BVerwG, Urtei­le vom 11.04.1995 – 1 C 34.92, BVerw­GE 98, 163 <170, 174> vom 30.09.2009 – 8 C 5.09, BVerw­GE 135, 100 Rn. 15 f.; und vom 23.02.2011 – 8 C 53.09, BVerw­GE 139, 87 Rn. 49; aus der Lite­ra­tur: Heint­zen, in: v. Münch/​Kunig/​Kämmerer/​Kotzur , GG, Bd. 2, 7. Aufl.2021, Art. 114 Rn. 34; Haver­ka­te, Prü­fungs­freie Räu­me, in: Zavel­berg , Die Kon­trol­le der Staats­fi­nan­zen, 1989, S.198, 205; Nebel, in: Piduch, Bun­des­haus­halts­recht, § 111 BHO Rn. 4, Stand Febru­ar 2018; Zings­heim, in: Heuer/​Scheller , Kom­men­tar zum Haus­halts­recht, § 112 BHO Rn. 11, Stand Juni 2020[]
  16. vgl. Haver­ka­te, Prü­fungs­freie Räu­me, in: Zavel­berg , Die Kon­trol­le der Staats­fi­nan­zen, 1989, S.208; Eibelshäuser/​Wallis, in: Heuer/​Scheller , Kom­men­tar zum Haus­halts­recht, § 55 HGrG Rn. 3, Stand Juni 1999[]
  17. dazu: BVerfG, Beschluss vom 18.07.2005 – 2 BvF 2/​01, BVerfGE 113, 167 <201>[]
  18. Zings­heim, in: Heuer/​Scheller , Kom­men­tar zum Haus­halts­recht, § 112 BHO Rn. 30, Stand Juni 2020; Gröpl , Bun­des­haus­halts­ord­nung – Lan­des­haus­halts­ord­nun­gen, 2. Aufl.2019, § 112 Rn. 3; Nebel, in: Piduch (Hrsg.), Bun­des­haus­halts­recht, § 112 Rn. 2, Stand Febru­ar 2015[]
  19. OVG NRW, Urteil vom 06.06.2019 – OVG 16 A 3122/​18[]
  20. RGBl. S. 69[]
  21. Ver­hand­lun­gen des Reichs­ta­ges, Bd. 77, 1884, S. 68, 77[]
  22. vgl. Ver­hand­lun­gen des Reichs­ta­ges, Bd. 78, Ste­no­gra­phi­sche Berich­te, V. Legis­la­tur­pe­ri­ode, IV. Ses­si­on 1884, Vier­ter Band, S. 875 f. sowie Bd. 76, wie zuvor, Zwei­ter Band, S. 879 ff.[]
  23. RGBl. S. 509[]
  24. Ver­hand­lun­gen des Reichs­ta­ges, Bd. 274, 1911, S. 273 ff.[]
  25. RGBl. I S. 779[]
  26. BGBl. I S. 241[]
  27. BT-Drs. IV/​120 S. 64[]
  28. vgl. BT-Drs. IV/​120 S. 63 f. und dazu: Big­ge, in: Eichenhofer/​v. Kop­pen­fels-Spies/­Wen­ner , SGB VII, 2. Aufl.2019, § 114 Rn. 4 f., § 118 Rn. 1; Quabach, in: Schlegel/​Voelzke , juris­PK-SGB VII, § 118 Rn. 9, Stand März 2014[]
  29. BGBl. I S. 1254[]
  30. BT-Drs. 13/​2204 S. 103[]
  31. Big­ge, in: Eichenhofer/​v. Kop­pen­fels-Spies/­Wen­ner , SGB VII, 2. Aufl.2019, § 120 Rn. 1[]
  32. vgl. BT-Drs. 13/​2204 S. 103; Big­ge, in: Eichenhofer/​v. Kop­pen­fels-Spies/­Wen­ner , SGB VII, 2. Aufl.2019, § 118 Rn. 1, 6 ff.; Quabach, in: Schlegel/​Voelzke , juris­PK-SGB VII, § 118 Rn. 23, Stand März 2014[]
  33. näher: Big­ge, in: Eichenhofer/​v. Kop­pen­fels-Spies/­Wen­ner , SGB VII, 2. Aufl.2019, § 118 Rn. 16 ff.[]
  34. Quabach, in: Schlegel/​Voelzke , juris­PK-SGB VII, § 120 Rn. 4, Stand März 2014, Ricke, in: Kas­se­ler Kom­men­tar Sozi­al­ver­si­che­rungs­recht, § 120 SGB VII Rn. 2, Stand Sep­tem­ber 2020[]
  35. zu die­sem Recht: Quabach, in: Schlegel/​Voelzke , juris­PK-SGB VII, § 118 Rn. 14, 36, Stand März 2014 und all­ge­mein: Ibler, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 87 Rn.190, Stand August 2020[]
  36. BVerfG, Beschluss vom 12.01.1983 – 2 BvL 23/​81, BVerfGE 63, 1 <35 f.> Ibler, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 87 Rn. 161, 201, Stand August 2020[]
  37. BVerw­GE 139, 87[]
  38. BVerwG, a.a.O. Rn. 16 ff.[]
  39. zu den sei­ner­zei­ti­gen gesetz­ge­be­ri­schen Maß­nah­men und deren Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit: BVerfG, Beschlüs­se vom 19.12.1967 – 2 BvL 4/​65, BVerfGE 23, 12 ff.; und vom 05.03.1974 – 1 BvL 17/​72, BVerfGE 36, 383 ff.[]
  40. vgl. etwa die Nach­wei­se bei: Marz, NWVBl 2011, 201 <208>[]
  41. für öffent­lich-recht­li­che Rund­funk­an­stal­ten auf Grund von Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG: BVerfG, Beschluss vom 05.10.1993 – 1 BvL 35/​81, BVerfGE 89, 144 <153 f.> für Uni­ver­si­tä­ten unter Berück­sich­ti­gung von Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG: BGH, Urteil vom 10.07.1996 – VIII ZR 132/​95 – WM 1996, 1968 <1970> wei­ter aus­grei­fend aus vor­kon­sti­tu­tio­nel­ler Zeit für sei­tens des Staa­tes zu sei­nen Zwe­cken gegrün­de­te Anstal­ten des öffent­li­chen Rechts: RG, Urteil vom 30.10.1930 – IV 475/​29 – RGZ 130, 169 <176 ff.>[]
  42. BGBl. I S. 1626[]
  43. BT-Drs.19/4674 S. 299 f.[]
  44. BGBl. I S. 3122[]
  45. BT-Drs. 17/​12639 S. 9 f.[]
  46. vgl. BVerwG, Urteil vom 11.04.1995 – 1 C 34.92 – DVBl 1995, 1091 <1092 f.>, inso­weit in BVerw­GE 98, 163 ff. nicht abge­druckt; gene­rell ableh­nend etwa: Keller/​Stärkel, in: Heuer/​Scheller , Kom­men­tar zum Haus­halts­recht, Vor­bem. zu §§ 94, 95 und 95a BHO Rn. 54 f., Stand Dezem­ber 2018[]
  47. BT-Drs. 17/​12639 S. 9 in Wei­ter­ent­wick­lung der Aus­füh­run­gen in BT-Drs. 10/​3323 S. 10 und BT-Drs. 17/​11473 S. 32; in die­sem Sin­ne auch: Schwarz, in: v. Mangold/​Klein/​Starck/​Huber/​Voßkuhle , GG, Bd. 3, 7. Aufl.2018, Art. 114 Rn. 78; Kube, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 114 Rn. 115, Stand April 2020[]
  48. zu die­ser Spe­zia­li­tät: Groß, Ver­wArch Bd. 95 <2004>, 194 <214> Nebel, in: Piduch, Bun­des­haus­halts­recht, Art. 114 GG Rn. 26, Stand Febru­ar 2018[]
  49. BT-Drs. 17/​12639 S. 9[]
  50. vgl. auch Nebel, in: Piduch, Bun­des­haus­halts­recht, Art. 114 GG Rn. 35, Stand Febru­ar 2018[]
  51. dazu: Engels, in: Kahl/​Waldhoff/​Walter , Bon­ner Kom­men­tar zum GG, Art. 114 Rn. 176, Stand August 2010[]
  52. vgl. Kemm­ler, in: Schmidt-Bleib­treu/­Klein/Hof­man­n/Hen­ne­ke , GG, 14. Aufl.2018, Art. 114 Rn. 14[]
  53. zu dem ihnen auf Grund des­sen in per­sön­li­cher und sach­li­cher Hin­sicht zuste­hen­den Schutz: BVerwG, Urteil vom 27.02.2019 – 6 C 1.18, BVerw­GE 164, 368 Rn. 12[]
  54. Nebel, in: Piduch, Bun­des­haus­halts­recht, Art. 114 GG Rn. 32, Stand Febru­ar 2018[]
  55. Kube, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 114 Rn. 56, 112, Stand April 2020; Siek­mann, in: Sachs , GG, 8. Aufl.2018, Art. 114 Rn. 37[]
  56. Keller/​Stärkel, in: Heuer/​Scheller , Kom­men­tar zum Haus­halts­recht, Vor­bem. zu §§ 94, 95 und 95a BHO Rn. 36, Stand Dezem­ber 2018[]
  57. dazu: BVerwG, Urteil vom 06.03.2002 – 9 A 16.01, BVerw­GE 116, 92 <94> Kube, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 114 Rn. 112, Stand April 2020[]
  58. Cor­mann, in: Kas­se­ler Kom­men­tar Sozi­al­ver­si­che­rungs­recht, § 67d SGB X Rn. 6, Stand Sep­tem­ber 2020; in letzt­ge­nann­ter Hin­sicht enger: Stäh­ler, in: Diering/​Timme/​Stähler , SGB X, 5. Aufl.2019, § 67d Rn. 2[]
  59. BVerfG, Beschlüs­se vom 24.01.2012 – 1 BvR 1299/​05, BVerfGE 130, 151 <184, 200 ff.> und vom 27.05.2020 – 1 BvR 1873/​13, 1 BvR 2618/​13, BVerfGE 155, 119 Rn. 92 ff., 130 ff.; aus der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts: BVerwG, Beschluss vom 31.03.2021 – 6 B 41.20 9[]
  60. so aber für § 94 Abs. 1, § 95 BHO: Keller/​Stärkel, in: Heuer/​Scheller , Kom­men­tar zum Haus­halts­recht, § 94 BHO Rn. 54, Stand Dezem­ber 2018; Klos­ter­mann, eben­dort, § 95 BHO Rn. 7, Stand Juli 2001[]
  61. BT-Drs. 18/​12611 S. 105[]
  62. vgl. zu einer gege­be­nen­falls restrik­ti­ven Daten­über­mitt­lung im Fall der Sepa­rie­rung: BVerwG, Urteil vom 11.05.1989 – 3 C 68.85, BVerw­GE 82, 56 <61> sowie nach­ge­hend BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 29.04.1996 – 1 BvR 1226/​89 – NJW 1997, 1633 <1634>[]
  63. dazu: BVerfG, Urtei­le vom 27.02.2008 – 1 BvR 370/​07, 1 BvR 595/​07, BVerfGE 120, 274 <335 ff.> und vom 20.04.2016 – 1 BvR 966/​09, 1 BvR 1140/​09, BVerfGE 141, 220 Rn. 124 ff., 175 ff., 197 ff., 217 ff.[]
  64. grund­le­gend: BVerfG, Beschluss vom 14.09.1989 – 2 BvR 1062/​87, BVerfGE 80, 367 <374>[]
  65. BVerfG, Urtei­le vom 03.03.2004 – 1 BvR 2378/​98, 1 BvR 1084/​99, BVerfGE 109, 279 <322 f.> und vom 20.04.2016 – 1 BvR 966/​09, 1 BvR 1140/​09, BVerfGE 141, 220 Rn. 121[]
  66. BVerfG, Beschlüs­se vom 08.03.1972 – 2 BvR 28/​71, BVerfGE 32, 373 <379 f.> und vom 24.05.1977 – 2 BvR 988/​75, BVerfGE 44, 353 <372 f.>[]
  67. BVerwG, Urteil vom 11.05.1989 – 3 C 68.85, BVerw­GE 82, 56 <60 f.> BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 29.04.1996 – 1 BvR 1226/​89 – NJW 1997, 1633 <1634>[]
  68. BSG, Urteil vom 09.05.2006 – B 2 U 34/​05 R 16 f.[]
  69. dazu etwa: BVerfG, Beschluss vom 10.11.2020 – 1 BvR 3214/​15, NVwZ 2021, 226 Rn. 84 ff.[]
  70. BT-Drs. 18/​12611 S. 103 ff.[]