Beson­de­rer Aus­lands­kran­ken­schutz als Wahl­ta­rif

Kran­ken­kas­sen dür­fen ihren Ver­si­cher­ten Extras wie beson­de­ren Aus­lands­kran­ken­schutz nicht als Wahl­ta­rif anbie­ten.

Beson­de­rer Aus­lands­kran­ken­schutz als Wahl­ta­rif

Unter­neh­men der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung haben Anspruch dar­auf, dass gesetz­li­che Kran­ken­kas­sen das Bewer­ben und Anbie­ten von in ihrer Sat­zung gere­gel­ten Wahl­ta­ri­fen für Gestal­tungs­leis­tun­gen wie beson­de­ren Aus­lands­kran­ken­schutz unter­las­sen, soweit sie dadurch ohne gesetz­li­che Ermäch­ti­gung ihren Tätig­keits­kreis erwei­tern.

Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Bun­des­so­zi­al­ge­richt die Revi­si­on der beklag­ten Kran­ken­kas­se zurück­ge­wie­sen und auf die Anschluss­re­vi­si­on des kla­gen­den pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens der Beklag­ten das Bewer­ben und Anbie­ten aller ange­grif­fe­nen Wahl­ta­ri­fe unter­sagt.

Hier­für kann sich die pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung auf den all­ge­mei­nen öffent­lich-recht­li­chen Unter­las­sungs­an­spruch beru­fen. Die Rege­lun­gen über Gestal­tungs­leis­tun­gen für Kran­ken­kas­sen kraft Sat­zung in Form von Wahl­ta­ri­fen (§ 53 Absatz 4 SGB V) und Leis­tungs­er­wei­te­run­gen (§ 11 Absatz 6 SGB V) sind für die Unter­neh­men der Pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung dritt­schüt­zend.

Indem der Gesetz­ge­ber selek­tiv und abschlie­ßend den Kran­ken­kas­sen ermög­licht, zusätz­li­che frei­wil­li­ge Leis­tun­gen in ihren Sat­zun­gen vor­zu­se­hen, schützt er zugleich die Unter­neh­men der Pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung vor ande­ren, nicht von ihm auto­ri­sier­ten Markt­zu­trit­ten. Die genann­ten Sat­zungs­er­mäch­ti­gun­gen zie­hen hier­bei gene­rel­le Gren­zen.

Die gesetz­li­che Ermäch­ti­gung zum Wahl­ta­rif Kos­ten­er­stat­tung ermäch­tigt nicht zu einer Aus­deh­nung des Leis­tungs­ka­ta­logs zum Bei­spiel um zusätz­li­che Aus­lands­leis­tun­gen, son­dern ledig­lich zu einem Wahl­ta­rif mit einer höhe­ren Kos­ten­er­stat­tung als nach dem gesetz­li­chen Grund­mo­dell gewill­kür­ter Kos­ten­er­stat­tung.

Soweit eine gesetz­li­che Kran­ken­kas­se Wahl­ta­ri­fe für Zahn­ge­sund­heit und häus­li­che Kran­ken­pfle­ge vor­sieht, miss­ach­tet sie, dass leis­tungs­er­wei­tern­de Gestal­tun­gen nur als Leis­tun­gen für alle Ver­si­cher­ten einer Kran­ken­kas­se mög­lich sind, die mit dem all­ge­mei­nen Bei­trag abge­gol­ten wer­den.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 30. Juli 2019 – B 1 KR 34/​18 R