Betreu­ungs­leis­tun­gen für psy­chisch Kran­ke ohne Pfle­ge­stu­fe

Demen­te oder psy­chisch erkrank­te Ver­si­cher­te, die hin­sicht­lich Kör­per­pfle­ge, Nah­rungs­auf­nah­me und Mobi­li­tät noch weit­ge­hend selbst­stän­dig sind, wer­den regel­mä­ßig nicht in Pfle­ge­stu­fe 1 ein­ge­stuft. Sie erhal­ten daher trotz des hohen Auf­sichts- und Betreu­ungs­be­darfs kein Pfle­ge­geld. Aller­dings wur­de durch das Gesetz zur struk­tu­rel­len Wei­ter­ent­wick­lung der Pfle­ge­ver­si­che­rung vom Mai 2008 der Anspruch auf Erstat­tung von Betreu­ungs­kos­ten erwei­tert, so dass der Leis­tungs­be­trag für Men­schen mit erheb­lich ein­ge­schränk­ter All­tags­kom­pe­tenz (§§ 45 a, 45b SGB XI) kön­ne nun auch von Per­so­nen mit Betreu­ungs­be­darf bean­sprucht wer­den kann, die kei­nen erheb­li­chen Pfle­ge­be­darf haben und des­halb Pfle­ge­stu­fe 1 nicht errei­chen. Hier­für kön­nen jähr­lich bis zu 2.400 € Betreu­ungs­kos­ten (frü­her maxi­mal 460 €) erstat­tet wer­den.

Betreu­ungs­leis­tun­gen für psy­chisch Kran­ke ohne Pfle­ge­stu­fe

In einem vom Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richt in Darm­stadt ent­schie­de­nen Fall lei­det ein 62-jäh­ri­ger Mann aus Wies­ba­den unter ande­rem an para­noi­der Schi­zo­phre­nie und einer Antriebs­min­de­rung bei schi­zo­af­fek­ti­ver Stö­rung. Er wird von sei­ner Schwes­ter ver­sorgt, die auch sei­ne gesetz­li­che Betreue­rin ist. Der Zeit­auf­wand für die Grund­pfle­ge wur­de auf 33 Minu­ten täg­lich bestimmt. Für die Pfle­ge­stu­fe 1 müss­ten jedoch 45 Minu­ten auf die Grund­pfle­ge ent­fal­len. Daher habe die Pfle­ge­ver­si­che­rung den Antrag auf Pfle­ge­geld zu Recht abge­lehnt, urteil­ten die Rich­ter sowohl des Sozi­al­ge­richts Wies­ba­den wie auch des Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts. Aller­dings ste­he ihm ein Erstat­tungs­an­spruch hin­sicht­lich der Betreu­ungs­kos­ten zu. Zugleich wie­sen die Rich­ter dar­auf hin, dass die vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit beauf­trag­ten Exper­ten nun­mehr ein neu­es Begut­ach­tungs­in­stru­ment ent­wi­ckelt hät­ten, mit wel­chem der Hil­fe- und Pfle­ge­be­darf von Men­schen mit Demenz bes­ser erfasst wer­den kön­ne.

Hes­si­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 6. Okto­ber – L 8 P 35/​07