Buscopan auf Kas­sen­re­zept

Die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen müs­sen die Kos­ten für Buscopan® (Butyl­scopol­a­min­bro­mid, auch kurz Butyl­scopol­a­min, ein Arz­nei­stoff aus der Grup­pe der Para­sym­pa­tho­ly­ti­ka) nicht gene­rell über­neh­men.

Buscopan auf Kas­sen­re­zept

Wenn ein Phar­ma­un­ter­neh­men beim Gemein­sa­men Bun­des­aus­schuss den Antrag stellt, ein Arz­nei­mit­tel in die Lis­te der Medi­ka­men­te auf­zu­neh­men, die trotz feh­len­der Ver­schrei­bungs­pflicht aus­nahms­wei­se zu Las­ten der Kran­ken­kas­sen ver­ord­net wer­den dür­fen, muss der Gemein­sa­me Bun­des­aus­schuss dar­über umfas­send ent­schei­den. Das hat der Gemein­sa­me Bun­des­aus­schuss bei der Bear­bei­tung des Antrags der Fir­ma B. in Bezug auf Buscopan® nicht hin­rei­chend beach­tet und muss des­halb prü­fen, ob die­ses Medi­ka­ment als Stan­dard­the­ra­peu­ti­kum bei schwe­ren und schwers­ten spas­ti­schen Abdo­mi­nal­be­schwer­den in die Lis­te auf­zu­neh­men ist.

Das kla­gen­de Phar­ma­un­ter­neh­men ist berech­tigt, die Ent­schei­dung des Gemein­sa­men Bun­des­aus­schus­ses, ein (nur) apo­the­ken­pflich­ti­ges Medi­ka­ment nicht in die Lis­te der aus­nahms­wei­se ver­ord­nungs­fä­hi­gen Arz­nei­mit­tel auf­zu­neh­men, anzu­fech­ten und die gericht­li­che Fest­stel­lung zu erwir­ken, dass der Gemein­sa­me Bun­des­aus­schuss die Lis­te ent­spre­chend ergän­zen muss. Dabei ist der Gemein­sa­me Bun­des­aus­schuss berech­tigt, die Ver­ord­nungs­fä­hig­keit an bestimm­te Vor­aus­set­zun­gen zu bin­den, etwa an das Vor­lie­gen beson­ders schwe­rer Krank­heits­ver­läu­fe oder an erfolg­lo­se Ver­su­che der Behand­lung der Erkran­kung auf ande­re Wei­se. Des­halb kön­nen die Gerich­te dem Gemein­sa­men Bun­des­aus­schuss grund­sätz­lich kei­ne bestimm­te Fas­sung der Arz­nei­mit­tel­richt­li­nie vor­schrei­ben.

Soweit der Gemein­sa­men Bun­des­aus­schuss Buscopan® nicht gene­rell auf der Grund­la­ge des § 34 Abs 1 SGB V für die Behand­lung des Reiz­darm­syn­droms und der spas­ti­schen Beschwer­den bei die­ser Krank­heit in der ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung zuge­las­sen hat, ist des­sen Ent­schei­dung nicht zu bean­stan­den. Die­se Krank­heits­bil­der beschrei­ben nicht per se eine „schwer­wie­gen­de“ Erkran­kung im Sin­ne des Geset­zes. Das kann bei „schwe­ren und schwers­ten spas­ti­schen Abdo­mi­nal­be­schwer­den“ jedoch anders sein. Da sich der Gemein­sa­me Bun­des­aus­schuss nach sei­ner Ein­las­sung im Ver­fah­ren vor dem Lan­des­so­zi­al­ge­richt zumin­dest nicht aus­drück­lich mit der Fra­ge befasst hat, ob Buscopan® bei die­sen Dia­gno­sen und unter Berück­sich­ti­gung der für den Arzt zur Ver­fü­gung ste­hen­den the­ra­peu­ti­schen Alter­na­ti­ven sowie mög­lich­wei­se zusätz­li­cher Vor­aus­set­zun­gen (Erfolg­lo­sig­keit ande­rer Behand­lun­gen) The­ra­pie­stan­dard sein kann, muss der Gemein­sa­me Bun­des­aus­schuss dar­über noch ent­schei­den. Das Begeh­ren der Klä­ge­rin, Buscopan® gene­rell für ver­ord­nungs­fä­hig zu erklä­ren, ist dage­gen nicht begrün­det.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 14. Mai 2014 – B 6 KA 21/​13 R