Con­ter­gan­ren­te – und die Anpas­sungs­pflicht des Gesetz­ge­bers

Über den durch das Con­ter­gan­stif­tungs­ge­setz bestimm­ten Rah­men hin­aus haben nach einem Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts auch die durch Con­ter­gan beson­ders schwer geschä­dig­ten Per­so­nen kei­nen Anspruch auf Erhö­hung der Leis­tun­gen für den Zeit­raum 2004 bis 2012. Aus­ge­stal­tung und Bemes­sung der gesetz­li­chen Leis­tun­gen für die­sen Zeit­raum sind nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar 1.

Con­ter­gan­ren­te – und die Anpas­sungs­pflicht des Gesetz­ge­bers

Con­ter­gan – die Vor­ge­schich­te[↑]

Der in dem von der Fir­ma Grü­nen­thal GmbH ver­trie­be­nen, sei­ner­zeit rezept­frei erhält­li­chen Medi­ka­ment Con­ter­gan ent­hal­te­ne Wirk­stoff Tha­li­do­mid führ­te bei Ein­nah­me wäh­rend der Schwan­ger­schaft zu schwe­ren und irrever­si­blen vor­ge­burt­li­chen Schä­den. Art und Umfang der Schä­di­gung hin­gen vor allem vom Sta­di­um der Schwan­ger­schaft bei Ein­nah­me des Mit­tels ab. Zwi­schen dem 1. Halb­jahr 1958 und dem 2. Halb­jahr 1962 kamen so welt­weit etwa 10 000 con­ter­gan­ge­schä­dig­te Kin­der zur Welt, die Hälf­te davon in Deutsch­land, von denen heu­te noch etwa 2 600 Per­so­nen im Bun­des­ge­biet leben.

Im April 1970 ver­pflich­te­te sich die Fir­ma Grü­nen­thal GmbH in einem Ver­trag, "zur ver­gleichs­wei­sen Rege­lung aller denk­ba­ren Ansprü­che, die von Kin­dern und deren Eltern wegen Fehl­bil­dun­gen des Kin­des gegen die Che­mie Grü­nen­thal GmbH … gel­tend gemacht wer­den kön­nen", 100 Mio. DM zu zah­len, sofern die Eltern auf alle wei­te­ren Ansprü­che ihres Kin­des gegen die Fir­ma Grü­nen­thal GmbH ver­zich­te­ten. Der Ver­gleich gelang­te indes nicht zur Durch­füh­rung. Um den Geschä­dig­ten eine schnel­le und wirk­sa­me finan­zi­el­le Hil­fe zur Ver­fü­gung zu stel­len, errich­te­te der Gesetz­ge­ber durch das "Gesetz über die Errich­tung einer Stif­tung ‚Hilfs­werk für behin­der­te Kin­der‘" (StHG) vom 17.12 1971 2 eine Stif­tung zur Erbrin­gung von Leis­tun­gen an Con­ter­gan­ge­schä­dig­te und För­de­rungs­maß­nah­men zur Ein­glie­de­rung von Behin­der­ten, vor allem sol­chen unter 21 Jah­ren, in die Gesell­schaft (§ 2 StHG), in die neben dem Ver­gleichs­be­trag von 100 Mio. DM ein Betrag in glei­cher Höhe aus Haus­halts­mit­teln ein­ge­bracht wur­de. Die Leis­tun­gen in Con­ter­gan-Scha­dens­fäl­len bestan­den aus einer Ein­mal­zah­lung sowie aus lau­fen­den Ren­ten­zah­lun­gen, die unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen kapi­ta­li­siert wer­den konn­ten. Die Höhe der Leis­tun­gen rich­te­te sich in dem durch das Gesetz gezo­ge­nen finan­zi­el­len Rah­men nach der Schwe­re des Kör­per­scha­dens und der hier­durch her­vor­ge­ru­fe­nen Kör­per­funk­ti­ons­stö­run­gen. Die Ein­zel­hei­ten, ins­be­son­de­re die Maß­stä­be der Leis­tungs­be­mes­sung sind durch vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Jugend, Fami­lie und Gesund­heit zu erlas­sen­de Richt­li­ni­en zu regeln. Nach den in der Fol­ge­zeit erlas­se­nen Richt­li­ni­en wur­den die Kör­per­schä­den nach einem Punk­te­sys­tem bewer­tet; die gesetz­li­che Höchst­ren­te wur­de ab einer Bewer­tung der Schä­di­gung mit 45 (von 100) Punk­ten gezahlt. Alle Ansprü­che gegen die Fir­ma Grü­nen­thal GmbH erlö­schen (§ 23 Abs. 1 StHG).

Eine Rei­he Geschä­dig­ter – so auch die Mut­ter des Klä­gers des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens – wider­spra­chen in der Fol­ge­zeit der Ein­brin­gung des Gel­des aus dem mit der Fir­ma Grü­nen­thal GmbH geschlos­se­nen Ver­gleich in die Stif­tung und bean­trag­ten die Aus­zah­lung des antei­li­gen Betra­ges für den Klä­ger; zugleich begehr­ten sie Kapi­ta­lent­schä­di­gung und Ren­te aus den staat­li­cher­seits ein­ge­brach­ten Mit­teln. Die auf Aus­zah­lung der Ver­gleichs­sum­me gerich­te­te Kla­ge blieb erfolg­los. Der Bun­des­ge­richts­hof ent­schied, dass die Ent­schä­di­gungs­an­sprü­che con­ter­gan­ge­schä­dig­ter Kin­der aus dem mit der Fir­ma Grü­nen­thal GmbH geschlos­se­nen Ver­gleich durch Leis­tungs­an­sprü­che aus dem Gesetz über die Errich­tung einer Stif­tung "Hilfs­werk für behin­der­te Kin­der" ersetzt wor­den sei­en und die­se Rege­lung mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar sei. Die (auch) von dem Klä­ger erho­be­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de wies das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt als unbe­grün­det zurück 3. Die Umge­stal­tung der pri­vat­recht­li­chen Ansprü­che aus dem Ver­gleich in gesetz­li­che Leis­tungs­an­sprü­che unter Über­füh­rung der Ver­gleichs­sum­me in das Stif­tungs­ver­mö­gen sei ver­fas­sungs­ge­mäß; auch sei die inhalt­li­che Aus­ge­stal­tung der ein­zel­nen Vor­schrif­ten des Stif­tungs­ge­set­zes, soweit sie zur ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Prü­fung gestellt wor­den sei­en, ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den.

Das Stif­tungs­ge­setz wur­de in der Fol­ge­zeit mehr­fach geän­dert. Die ers­ten Ände­rungs­ge­set­ze beschränk­ten sich im Kern dar­auf, die lau­fen­den Con­ter­gan­ren­ten mit Blick auf den Anstieg der Lebens­hal­tungs­kos­ten und die Ent­wick­lung der Net­to­ein­kom­men line­ar zu erhö­hen. Durch das Gesetz über die Con­ter­gan­stif­tung für behin­der­te Men­schen (Con­ter­gan­stif­tungs­ge­setz – Cont­StifG) vom 13.10.2005 4 wur­de u.a. die Stif­tung umbe­nannt in "Con­ter­gan­stif­tung für behin­der­te Men­schen" und der Stif­tungs­zweck auf die Leis­tungs­er­brin­gung und Hil­fe an die­sen Per­so­nen­kreis beschränkt. Durch das Ers­te Gesetz zur Ände­rung des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes vom 26.06.2008 5 wur­den die monat­li­chen Con­ter­gan­ren­ten ver­dop­pelt und der Höchst­be­trag auf nun­mehr 1.090 € monat­lich fest­ge­setzt. Das Zwei­te Gesetz zur Ände­rung des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes vom 25.06.2009 6 kon­kre­ti­sier­te u.a. den Stif­tungs­zweck dahin, dass auch die Hil­fe­stel­lung durch För­de­rung von For­schungs- und Erpro­bungs­vor­ha­ben nur den durch Con­ter­gan geschä­dig­ten Men­schen zugu­te kom­men sol­le, führ­te eine nach der Schwe­re der Schä­di­gung gestaf­fel­te jähr­li­che Son­der­zah­lung ein, deren Höchst­be­trag nach den Leis­tungs­richt­li­ni­en 3 680 € jähr­lich beträgt, und kop­pel­te die Erhö­hung der monat­li­chen Con­ter­gan­ren­te an die Ren­ten­an­pas­sun­gen in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung. Im Zusam­men­hang mit die­ser Geset­zes­än­de­rung wur­den die Richt­li­ni­en für die Gewäh­rung von Leis­tun­gen wegen Con­ter­gan-Scha­dens­fäl­len neu gefasst. Ver­fas­sungs­be­schwer­den gegen das Ers­te und das Zwei­te Gesetz zur Ände­rung des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes mit dem Ziel der Erhö­hung der Leis­tun­gen nahm das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 7 nicht zur Ent­schei­dung an.

Durch das zwi­schen­zeit­lich in Kraft getre­te­ne Drit­te Gesetz zur Ände­rung des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes vom 26.06.2013 8 wur­den zum 1.01.2013 die monat­li­chen Con­ter­gan­ren­ten nahe­zu ver­fünf­facht, und zwar auf einen Höchst­be­trag von 6.912 € monat­lich, Leis­tun­gen zur Deckung spe­zi­fi­scher Bedar­fe ein­ge­führt, für die Mit­tel in Höhe von bis zu 30 Mio. € jähr­lich bereit­ge­stellt wur­den. Wei­ter­hin wur­de der sozi­al­hil­fe­recht­li­che Über­gang von Unter­halts­an­sprü­chen der leis­tungs­be­rech­tig­ten Per­son sowie der Ein­satz von Ver­mö­gen beschränkt.

Der Aus­gangs­sach­ver­halt[↑]

Dem Klä­ger, des­sen Fehl­bil­dun­gen mit zunächst 85,94, dann mit 89,56 und zuletzt mit 97,39 Punk­ten bewer­tet wur­den, wur­de neben der Kapi­ta­lent­schä­di­gung eine monat­li­che Ren­te in Höhe des jewei­li­gen gesetz­li­chen Höchst­be­tra­ges gezahlt.

Unter Bezug­nah­me auf den Ende 2003 ver­brei­te­ten Doku­men­tar­film "Con­ter­gan: Die Eltern" wand­te sich die Mut­ter des Klä­gers mit Schrei­ben vom 22.06.2004 erst­mals an das Minis­te­ri­um für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend und bean­stan­de­te eine unzu­rei­chen­de Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Schwerst­ge­schä­dig­ten und wei­te­ren Geschä­dig­ten, mahn­te die Ori­en­tie­rung der Leis­tun­gen an der Bemes­sung von Schmer­zens­geld an und for­der­te eine Nach­bes­se­rung der Leis­tun­gen an die Schwerst­ge­schä­dig­ten. Gegen einen Bescheid der Stif­tung vom 04.11.2010, durch den der Grad der Schä­di­gung auf 97, 39 Punk­te fest­ge­stellt wor­den war, leg­te der Klä­ger am 7.12 2010 Wider­spruch ein, soweit durch die­sen Bescheid die monat­li­che Ren­te und die jähr­li­che Son­der­zah­lung nicht erhöht wor­den waren, und bean­trag­te in der Fol­ge­zeit u.a. eine Ver­dop­pe­lung sei­ner Ren­ten­zah­lung sowie der jähr­li­chen Son­der­zah­lung, eine Dyna­mi­sie­rung der Ren­te in Abhän­gig­keit von der Infla­ti­ons­ra­te sowie die Fest­stel­lung, dass die­se bei der Inan­spruch­nah­me von Sozi­al­leis­tun­gen anrech­nungs­frei blei­ben sol­le.

Zur Begrün­dung mach­te er ins­be­son­de­re gel­tend, dass die undif­fe­ren­zier­te Zah­lung der Höchst­ren­te an alle Con­ter­gan­ge­schä­dig­ten mit einer Schä­di­gung, die mit 45 Punk­ten und mehr bewer­tet wor­den sei, rechts­wid­rig sei. Spä­tes­tens seit dem Film "Con­ter­gan: Die Eltern" sei bekannt, dass sich die Lebens­si­tua­ti­on der Con­ter­gan­ge­schä­dig­ten mit einer Bepunk­tung bis zu 79, 99 fun­da­men­tal von der Lebens- und Hil­fe­be­darfs­si­tua­ti­on der schwerst- und ins­be­son­de­re vier­fach Con­ter­gan­ge­schä­dig­ten unter­schei­de und daher eine wei­te­re Dif­fe­ren­zie­rung vor­ge­nom­men wer­den müs­se. Die undif­fe­ren­zier­te Leis­tungs­ge­wäh­rung wider­spre­che ins­be­son­de­re der Ver­tei­lung der Leis­tun­gen nach Schmer­zens­geld­kri­te­ri­en. Der Anspruch auf Leis­tungs­er­hö­hung fol­ge aus dem Stif­tungs­zweck der Beklag­ten, eine dau­er­haf­te, wirk­sa­me Hil­fe auf Lebens­zeit zu gewähr­leis­ten sowie die Con­ter­gan­ge­schä­dig­ten gegen­über dem Ver­gleich mit der Fir­ma Grü­nen­thal GmbH bes­ser­zu­stel­len. Für die Schwerst­ge­schä­dig­ten ab 80 Punk­ten sei die­ser Stif­tungs­zweck nicht erreicht wor­den; er – der Klä­ger – habe viel­mehr von der Stif­tung weni­ger an Leis­tun­gen erhal­ten als er bei einer Ein­mal­zah­lung aus dem mit der Fir­ma Grü­nen­thal GmbH geschlos­se­nen Ver­gleich hät­te erwirt­schaf­ten kön­nen.

Undif­fe­ren­ziert und daher will­kür­lich sei auch die Bemes­sung der jähr­li­chen Son­der­zah­lun­gen, wel­che der Lin­de­rung von Fol­ge- und Spät­schä­den die­nen soll­ten, die bei den ein­zel­nen Geschä­dig­ten­grup­pen durch­aus unter­schied­lich aus­fie­len. Die Leis­tun­gen bewirk­ten kei­nen Aus­gleich für die Viel­zahl der Beein­träch­ti­gun­gen in allen Lebens­be­rei­chen; durch die Zah­lun­gen ein­schließ­lich der Leis­tun­gen der gesetz­li­chen Pfle­ge­geld­zah­lun­gen sei gera­de an der unters­ten Gren­ze sicher­ge­stellt, dass Pfle­ge und Betreu­ung ein­schließ­lich der Haus­halts­füh­rung durch einen frem­den Drit­ten finan­zier­bar sei­en. Der Klä­ger kri­ti­sier­te wei­ter­hin, dass die Richt­li­ni­en­kom­pe­tenz für die Umset­zung des Stif­tungs­zwe­ckes stif­tungs­rechts­wid­rig bei der minis­te­ria­len Auf­sichts­be­hör­de und nicht bei der Beklag­ten selbst lie­ge; damit fun­gie­re die Auf­sichts­be­hör­de qua­si selbst als Stif­tung.

Die Beklag­te wies den Wider­spruch mit Wider­spruchs­be­scheid vom 29.06.2011 als unbe­grün­det zurück, weil allein eine Erhö­hung der finan­zi­el­len Leis­tun­gen über das in den Stif­tungs­richt­li­ni­en vor­ge­schrie­be­ne Maß hin­aus erstrebt wer­de, wofür nach der Geset­zes­la­ge kein Raum bestehe.

Der Klä­ger hat am 2.08.2011 Kla­ge gegen die Con­ter­gan­stif­tung (Beklag­te) und die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land erho­ben, mit der er sei­ne Begeh­ren aus dem Ver­wal­tungs­ver­fah­ren wei­ter­ver­folgt hat. Zur Begrün­dung hat er sein Vor­brin­gen aus dem Ver­wal­tungs­ver­fah­ren wie­der­holt und ver­tieft. Stif­tungs­rechts­wid­rig gebe das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend der hier­nach nicht wirk­lich auto­no­men Beklag­ten Anwei­sung, eine aus­ge­hend vom Stif­tungs­zweck zu gerin­ge Leis­tung aus­zu­be­zah­len. Der Stif­tungs­zweck kön­ne nicht durch Richt­li­ni­en als Ver­wal­tungs­an­wei­sun­gen ein­ge­engt wer­den. Wegen der undif­fe­ren­zier­ten Leis­tungs­ge­wäh­rung hät­ten die Schwerst­ge­schä­dig­ten die weni­ger Geschä­dig­ten, die gleich­wohl die Höchst­ren­te erhal­ten hät­ten, aus ihrem Anteil mit­fi­nan­ziert; dies ver­sto­ße gegen Art. 3 und 14 GG.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt Köln 9 hat das Ver­fah­ren hin­sicht­lich der gel­tend gemach­ten Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen abge­trennt und auf den ordent­li­chen Rechts­weg ver­wie­sen. Es hat wei­ter Ansprü­che gegen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land abge­trennt und an das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin ver­wie­sen. Hin­sicht­lich des ver­blie­be­nen Streit­ge­gen­stan­des hat es mit Urteil vom 17.01.2013 die Kla­ge gegen die Beklag­te in Bezug auf Begeh­ren mit Bezug zu künf­ti­gen Geset­zes­än­de­run­gen als unzu­läs­sig und im Übri­gen als unbe­grün­det abge­wie­sen. Dem Klä­ger stün­den die begehr­ten Ansprü­che auf Erhö­hung der lau­fen­den Ren­ten­zah­lun­gen, der jähr­li­chen Son­der­zah­lung und eine an der Infla­ti­ons­ra­te aus­ge­rich­te­te Dyna­mi­sie­rung der Ren­te nicht zu. Zwi­schen den Betei­lig­ten ste­he nicht im Streit, dass dem Klä­ger sowohl die nach dem Gesetz mög­li­che Höchst­zah­lung in Bezug auf die monat­li­che Ren­te als auch der in den Richt­li­ni­en fest­ge­setz­te Höchst­be­trag der jähr­li­chen Son­der­zah­lung bewil­ligt wor­den sei­en.

Die hier­ge­gen gerich­te­te Sprung­re­vi­si­on hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nun zurück­ge­wie­sen: Der Klä­ger hat weder einen Anspruch auf eine Erhö­hung bzw. Ver­dop­pe­lung sei­ner lau­fen­den Con­ter­gan­ren­te oder deren Dyna­mi­sie­rung nach Maß­ga­be der Infla­ti­ons­ra­te noch auf eine Ver­dop­pe­lung der jähr­li­chen Son­der­zah­lung.

Erhö­hung der Con­ter­gan­ren­te[↑]

Für das Begeh­ren des Klä­gers auf zusätz­li­che Ren­ten­zah­lun­gen fehlt es an der erfor­der­li­chen Rechts­grund­la­ge. Dem Gesetz über die Con­ter­gan­stif­tung für behin­der­te Men­schen (Con­ter­gan­stif­tungs­ge­setz – Cont­StifG) vom 13.10.2005 4 lässt sich ein sol­cher Anspruch nicht ent­neh­men; er folgt ins­be­son­de­re auch nicht aus dem Zweck der Stif­tung, den durch Con­ter­gan Geschä­dig­ten eine Unter­stüt­zung und Hil­fe zu gewäh­ren. Die inso­weit abschlie­ßen­den Rege­lun­gen des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes sind auch ver­fas­sungs­ge­mäß.

Nach den Bestim­mun­gen des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes ergibt sich kein Anspruch des Klä­gers auf zusätz­li­che Ren­ten­leis­tun­gen.

Nach § 13 Abs. 1 Cont­StifG steht den durch Con­ter­gan geschä­dig­ten Per­so­nen (§ 12 Cont­StifG) neben einer Kapi­ta­lent­schä­di­gung, die hier nicht im Streit steht, eine lebens­läng­li­che Ren­te zu. § 13 Abs. 2 Satz 1 Cont­StifG bestimmt für die Höhe die­ser Ren­te, dass sie sich nach der Schwe­re des Kör­per­scha­dens und der hier­durch her­vor­ge­ru­fe­nen Kör­per­funk­ti­ons­stö­run­gen rich­tet. § 13 Abs. 2 Satz 2 Cont­StifG regelt für die monat­li­che Ren­te einen Min­dest- und einen Höchst­be­trag. Nach § 13 Abs. 6 Satz 4 Cont­StifG wird der so gezo­ge­ne Rah­men durch Richt­li­ni­en aus­ge­füllt, die das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend erlässt. Leis­tun­gen nach dem Con­ter­gan­stif­tungs­ge­setz wer­den grund­sätz­lich nicht auf ande­re Sozi­al­leis­tun­gen ange­rech­net (§ 18 Abs. 1 Cont­StifG; enger noch § 18 Cont­StifG, a.F.; § 21 Abs. 2 StHG).

Zwi­schen den Betei­lig­ten steht außer Streit, dass der Klä­ger seit Errich­tung der Stif­tung wegen der Schwe­re sei­nes Kör­per­scha­dens in die Grup­pe der­je­ni­gen Leis­tungs­emp­fän­ger ein­ge­ord­net war, für die der Höchst­be­trag der monat­li­chen Ren­te zu gewäh­ren war, und dass er die­se Leis­tun­gen auch tat­säch­lich erhal­ten hat­te. Eine wei­te­re Erhö­hung die­ser Ren­ten­leis­tun­gen oder eine Befug­nis zur Abwei­chung von dem durch den Gesetz­ge­ber betrags­mä­ßig gezo­ge­nen Rah­men in Här­te- oder Son­der­fäl­len sieht das Con­ter­gan­stif­tungs­ge­setz nicht vor.

Der Zweck der Stif­tung oder all­ge­mei­ne Grund­sät­ze des Stif­tungs­rechts bil­den kei­ne Rechts­grund­la­ge für zusätz­li­che Leis­tun­gen, wel­che den gesetz­lich fest­ge­leg­ten Höchst­be­trag über­schrei­ten.

Die "Con­ter­gan­stif­tung für behin­der­te Men­schen" (bis Okto­ber 2005: Stif­tung "Hilfs­werk für behin­der­te Kin­der") ist eine durch Gesetz errich­te­te Stif­tung öffent­li­chen Rechts, deren Zweck es u.a. ist, Leis­tun­gen an behin­der­te Men­schen zu erbrin­gen (§ 2 Nr. 1 Cont­StifG). Die­se Zweck­be­stim­mung ist kei­ne selb­stän­di­ge Anspruchs­grund­la­ge. Der all­ge­mei­ne Stif­tungs­zweck wird durch die Rege­lun­gen des Stif­tungs­ge­set­zes zu den Leis­tun­gen wegen Con­ter­gan-Scha­dens­fäl­len (§§ 11 ff. Cont­StifG) kon­kre­ti­siert und nach der Geset­zes­sys­te­ma­tik abschlie­ßend aus­ge­formt. Der im Gesetz nie­der­ge­leg­te Stif­tungs­zweck prägt zwar die Aus­le­gung und Anwen­dung der stif­tungs­ge­setz­li­chen Rege­lun­gen, soweit die­se aus­le­gungs­be­dürf­tig und ‑fähig sind. Er kann aber kei­nen Anspruch auf Leis­tun­gen jen­seits oder gegen die die­se aus­drück­lich gesetz­lich regeln­den Bestim­mun­gen begrün­den. Der gesetz­lich bestimm­te Stif­tungs­zweck und das der Stif­tung gewid­me­te Ver­mö­gen bil­den den Rah­men, der durch Ent­schei­dun­gen zur Umset­zung des Stif­tungs­zwecks (und durch eine geeig­ne­te Stif­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on) aus­zu­fül­len ist 10. Auch der Grund­satz der Stif­tungs­au­to­no­mie gestat­tet es bei einer Stif­tung des öffent­li­chen Rechts den an Gesetz und Recht gebun­de­nen (Art.20 Abs. 3 GG) Stif­tungs­or­ga­nen nicht, unter Beru­fung auf den Stif­tungs­zweck von den Bestim­mun­gen des Stif­tungs­ge­set­zes abzu­wei­chen; der mög­li­che Aus­nah­me­fall der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der stif­tungs­ge­setz­li­chen Rege­lun­gen liegt hier nicht vor.

Kei­ne ande­re Beur­tei­lung recht­fer­tigt die Beru­fung des Klä­gers auf einen der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ent­nom­me­nen Stif­tungs­zweck, den durch Con­ter­gan Geschä­dig­ten eine dau­er­haf­te und wirk­sa­me Hil­fe zu gewäh­ren, die an Schmer­zens­geld­kri­te­ri­en und damit an dem jewei­li­gen Hil­fe­be­dürf­tig­keits­grad aus­ge­rich­tet sei, und die mit dem Stif­tungs­ge­setz über­nom­me­ne sozi­al­staat­li­che Ver­ant­wor­tung des Gesetz­ge­bers. Aller­dings hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nem Urteil zur Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des ursprüng­li­chen Stif­tungs­ge­set­zes (Gesetz über die Errich­tung einer Stif­tung "Hilfs­werk für behin­der­te Kin­der" vom 17.12 1971 – StHG – 11) aus­ge­führt, die am Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren Betei­lig­ten hät­ten zum Aus­druck gebracht, "daß zu gege­be­ner Zeit geprüft wer­den müs­se, ob die Leis­tun­gen noch mit dem Ziel des Stif­tungs­ge­set­zes, den Kin­dern eine wirk­sa­me und dau­er­haf­te Hil­fe zu gewäh­ren, ver­ein­bar sei­en", und sei­ner Auf­fas­sung Aus­druck ver­lie­hen, es oblie­ge dem Gesetz­ge­ber, "auch in Zukunft dar­über zu wachen, daß die Leis­tun­gen der Stif­tung – sei es in Form von Ren­ten­er­hö­hun­gen oder in sons­ti­ger Wei­se – der über­nom­me­nen Ver­ant­wor­tung gerecht wer­den" 12. Es han­delt sich indes nicht um die Ent­schei­dung tra­gen­de Aus­füh­run­gen, wel­che den Stif­tungs­zweck unab­hän­gig von der – vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Übri­gen gebil­lig­ten – Aus­ge­stal­tung durch den Gesetz­ge­ber mit Rechts­kraft- oder Bin­dungs­wir­kung (§ 31 BVerfGG) fest­le­gen. Sie beto­nen viel­mehr die all­ge­mei­ne Ein­stands­pflicht des Staa­tes für die sozia­le Für­sor­ge und das Gebot der sozia­len Soli­da­ri­tät 13, für die dem Gesetz­ge­ber ein grund­sätz­lich wei­ter Gestal­tungs­spiel­raum zuzu­bil­li­gen ist. Eine Ver­let­zung von Gebo­ten der sozia­len Soli­da­ri­tät durch (evi­dent) unzu­rei­chen­de Leis­tun­gen an die durch Con­ter­gan Geschä­dig­ten wür­de einen ent­spre­chen­den Nach­bes­se­rungs­be­darf des Gesetz­ge­bers bewir­ken; die­ser folg­te aber aus der Ver­fas­sung und nicht aus der Nicht­er­fül­lung eines gesetz­lich fest­ge­leg­ten Stif­tungs­zwe­ckes.

Aus den stif­tungs­recht­li­chen Erwä­gun­gen lässt sich kein Anspruch auf Ren­ten­zah­lun­gen ablei­ten, die die gesetz­li­che Höchst­gren­ze über­schrei­ten. Ein sol­cher ergibt sich auch nicht aus dem Vor­brin­gen des Klä­gers, der Stif­tung feh­le es an der erfor­der­li­chen Auto­no­mie und Auf­sicht, weil das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend durch den Erlass der Richt­li­nie bestim­mend auf die Leis­tungs­hö­he ein­wir­ke, oder dass die Stif­tung ihre sons­ti­gen Auf­ga­ben, ins­be­son­de­re bei der For­schung und der Bera­tung, nicht aus­rei­chend erfüllt habe. Abge­se­hen davon, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Grund­struk­tu­ren der Stif­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on, zu der bereits in § 14 Abs. 6 StHG die Richt­li­ni­en­be­fug­nis des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums rech­ne­te, als ver­fas­sungs­ge­mäß gese­hen hat 14 und es für gro­be Ver­säum­nis­se der Stif­tung an ent­spre­chen­den tatrich­ter­li­chen Fest­stel­lun­gen fehlt (§ 137 Abs. 2 VwGO), berech­tig­te die­ses Vor­brin­gen des Klä­gers selbst dann, wenn es als zutref­fend unter­stellt wür­de, die beklag­te Stif­tung nicht zu höhe­ren Leis­tun­gen.

Die stif­tungs­recht­li­chen Bestim­mun­gen zur Ren­ten­hö­he ste­hen im Ein­klang mit dem Grund­ge­setz. Ins­be­son­de­re sind sie mit dem Sozi­al­staats­prin­zip (Art.20 Abs. 1 GG) und dem Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 GG) ver­ein­bar und ver­let­zen den Klä­ger auch nicht in sei­nem Eigen­tums­grund­recht (Art. 14 Abs. 1 GG) oder wei­te­ren grund­ge­setz­lich ver­bürg­ten Rech­ten.

Das Sozi­al­staats­prin­zip (Art.20 Abs. 1 GG) des Grund­ge­set­zes wird durch die Fest­le­gung einer Höchst­ren­te durch den Gesetz­ge­ber nicht ver­letzt.

Das Sozi­al­staats­prin­zip begrün­det die Pflicht des Staa­tes, für eine gerech­te Sozi­al­ord­nung zu sor­gen 15 und die Min­dest­vor­aus­set­zun­gen für ein men­schen­wür­di­ges Dasein sei­ner Bür­ger zu schaf­fen 16. Die sozia­le Hil­fe für die Mit­bür­ger, die wegen kör­per­li­cher oder geis­ti­ger Gebre­chen an ihrer per­sön­li­chen und sozia­len Ent­fal­tung gehin­dert und außer­stan­de sind, sich selbst zu unter­hal­ten, gehört zu den selbst­ver­ständ­li­chen Pflich­ten des Sozi­al­staa­tes. Dem Gesetz­ge­ber steht ein wei­ter Ent­schei­dungs- und Gestal­tungs­spiel­raum zu, ob und in wel­chem Umfang sozia­le Hil­fe unter Berück­sich­ti­gung der vor­han­de­nen Mit­tel und ande­rer gleich­ran­gi­ger Staats­auf­ga­ben gewährt wer­den kann und soll 17. Bei Ver­wirk­li­chung sei­nes Schutz­auf­tra­ges, durch sozia­le Hil­fen wegen kör­per­li­cher Gebre­chen an ihrer per­sön­li­chen und sozia­len Ent­fal­tung gehin­der­te Men­schen soweit als mög­lich in die Gesell­schaft ein­zu­glie­dern, ihre ange­mes­se­ne Betreu­ung in der Fami­lie oder durch Drit­te zu för­dern sowie die not­wen­di­gen Pfle­ge­ein­rich­tun­gen zu schaf­fen, liegt es indes grund­sätz­lich in der Gestal­tungs­frei­heit des Gesetz­ge­bers, den ihm geeig­net erschei­nen­den Weg zu bestim­men. Er hat zu ent­schei­den, inwie­weit er die erfor­der­li­che Hil­fe durch beson­de­re Leis­tungs­sys­te­me des sozia­len Ent­schä­di­gungs­rechts, über Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen oder durch Für­sor­ge­leis­tun­gen gewähr­leis­tet 18.

Höhe und Zusam­men­set­zung der Stif­tungs­leis­tun­gen sind aller­dings nicht an dem Grund­recht auf ein men­schen­wür­di­ges Exis­tenz­mi­ni­mum (Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art.20 Abs. 1 GG) 19 zu mes­sen. Als beson­de­re Leis­tun­gen der sozia­len Ent­schä­di­gung haben sie nicht die Funk­ti­on, den not­wen­di­gen Lebens­un­ter­halt für Per­so­nen sicher­zu­stel­len, die hier­zu nicht aus eige­nen Kräf­ten und Mit­teln in der Lage sind. Sie ste­hen neben der Grund­si­che­rung, haben nicht in ers­ter Linie Ver­sor­gungs­cha­rak­ter und gewäh­ren inso­weit Zusatz­leis­tun­gen 20. Bei der Ermitt­lung von Ein­kom­men und Ver­mö­gen bei der Exis­tenz­si­che­rung die­nen­den Leis­tun­gen, ins­be­son­de­re den Leis­tun­gen nach dem Bun­des­so­zi­al­hil­fe­ge­setz bzw. jenen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de (SGB II) oder der Sozi­al­hil­fe (SGB XII), blie­ben die monat­li­chen Ren­ten­zah­lun­gen bis zum 30.06.2008 in Höhe der Grund­ren­te nach dem Bun­des­ver­sor­gungs­ge­setz (§ 21 Abs. 2 Satz 2 StHG; § 18 Abs. 1 Satz 2 Cont­StifG, a.F.) und seit­dem in vol­lem Umfang außer Betracht (§ 18 Abs. 1 Cont­StifG, i.d.F. des Ers­ten Geset­zes zur Ände­rung des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes).

In sei­nem Beschluss zum Ers­ten und Zwei­ten Con­ter­gan­stif­tungs­än­de­rungs­ge­setz hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 21 die Grund­sät­ze, an denen eine etwa unzu­rei­chen­de gesetz­li­che Schutz­ge­währ zu mes­sen ist, wie folgt zusam­men­ge­fasst:

"Nur in sel­te­nen Aus­nah­me­fäl­len las­sen sich der Ver­fas­sung kon­kre­te Pflich­ten ent­neh­men, die den Gesetz­ge­ber zu einem bestimm­ten Tätig­wer­den zwin­gen. Ansons­ten bleibt die Auf­stel­lung und nor­ma­ti­ve Umset­zung eines Schutz­kon­zepts dem Gesetz­ge­ber über­las­sen. Ihm kommt ein wei­ter Ein­schät­zungs, Wer­tungs- und Gestal­tungs­spiel­raum zu 22. Nach dem Grund­satz der Gewal­ten­tei­lung und dem demo­kra­ti­schen Prin­zip der Ver­ant­wor­tung des vom Volk unmit­tel­bar legi­ti­mier­ten Gesetz­ge­bers muss die­ser die regel­mä­ßig höchst kom­ple­xe Fra­ge ent­schei­den, wie eine aus der Ver­fas­sung her­zu­lei­ten­de Schutz­pflicht ver­wirk­licht wer­den soll 23. Die Ent­schei­dung, wel­che Maß­nah­men gebo­ten sind, kann vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nur begrenzt nach­ge­prüft wer­den. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt kann erst dann ein­grei­fen, wenn der Gesetz­ge­ber sei­ne Pflicht evi­dent ver­letzt hat 24. Einen Ver­fas­sungs­ver­stoß durch unter­las­se­ne Nach­bes­se­rung eines Geset­zes kann das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ins­be­son­de­re erst dann fest­stel­len, wenn evi­dent ist, dass eine ursprüng­lich recht­mä­ßi­ge Rege­lung wegen zwi­schen­zeit­li­cher Ände­rung der Ver­hält­nis­se ver­fas­sungs­recht­lich untrag­bar gewor­den ist, und wenn der Gesetz­ge­ber gleich­wohl wei­ter­hin untä­tig geblie­ben ist oder offen­sicht­lich fehl­sa­me Nach­bes­se­rungs­maß­nah­men getrof­fen hat 25."

Dem folgt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt. Dem Gesetz­ge­ber ist wei­ter­hin ein hin­rei­chen­der Zeit­raum zur Anpas­sung sei­ner Rege­lun­gen an eine sich ver­än­dern­de Sach­la­ge unter vor­he­ri­ger Auf­klä­rung von Art und Umfang des Anpas­sungs­be­darfs zuzu­bil­li­gen 26.

Nach die­sen Grund­sät­zen kann nicht fest­ge­stellt wer­den, dass das Leis­tungs­sys­tem des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes bis zum 31.12 2012 ver­fas­sungs­wid­rig gewe­sen ist.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 3 hat­te das Leis­tungs­sys­tem des ursprüng­li­chen Stif­tungs­er­rich­tungs­ge­set­zes als ver­fas­sungs­ge­mäß bestä­tigt und dabei auch die Gleich­be­hand­lung aller geschä­dig­ten Per­so­nen mit einer Schä­di­gung, die mit mehr als 45 Punk­ten bewer­tet wor­den war, trotz unter­schied­li­cher Schä­di­gung und das Feh­len einer gesetz­li­chen Bestim­mung zur Dyna­mi­sie­rung der monat­li­chen Ren­ten ver­fas­sungs­recht­lich nicht bean­stan­det 27. Es lässt sich nicht fest­stel­len, dass der Gesetz­ge­ber in der Fol­ge­zeit untä­tig geblie­ben ist oder offen­sicht­lich fehl­sa­me Nach­bes­se­rungs­maß­nah­men getrof­fen hat, obwohl die ursprüng­lich ver­fas­sungs­ge­mä­ße Rege­lung wegen der zwi­schen­zeit­li­chen Ver­än­de­rung der Ver­hält­nis­se ver­fas­sungs­recht­lich untrag­bar gewor­den und dies auch evi­dent gewe­sen ist.

Der Gesetz­ge­ber ist bis zur Neu­fas­sung des Errich­tungs­ge­set­zes durch das Con­ter­gan­stif­tungs­ge­setz im Jahr 2005 nicht untä­tig geblie­ben. Er hat in ins­ge­samt neun Ände­rungs­ge­set­zen zum Stif­tungs­ge­setz die Ren­ten­min­dest- und ‑höchst­wer­te line­ar erhöht (vor 2005 zuletzt durch das Neun­te Gesetz zur Ände­rung des Geset­zes über die Errich­tung einer Stif­tung "Hilfs­werk für behin­der­te Kin­der" vom 21.06.2002 28). Auch soweit hier­durch – bezo­gen auf den Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens des Geset­zes – kein voll­stän­di­ger Aus­gleich der gestie­ge­nen Lebens­hal­tungs­kos­ten her­bei­ge­führt wor­den sein soll­te und die Erhö­hun­gen erst nach­träg­lich bewirkt wur­den, ist weder eine fak­ti­sche Ent­wer­tung der monat­li­chen Ren­ten­zah­lun­gen noch sonst eine unzu­rei­chen­de Anpas­sung fest­zu­stel­len. Den Mate­ria­li­en zu dem Con­ter­gan­stif­tungs­ge­setz 29 las­sen sich kei­ne Hin­wei­se auf eine qua­li­ta­tiv oder quan­ti­ta­tiv erheb­lich ver­än­der­te Bedarfs­la­ge der durch Con­ter­gan Geschä­dig­ten ent­neh­men, die den Gesetz­ge­ber hät­ten ver­an­las­sen müs­sen, sub­stan­ti­el­le Leis­tungs­ver­bes­se­run­gen zu erwä­gen.

Eine sozi­al­staats­wid­ri­ge Unter­ver­sor­gung ins­be­son­de­re der Grup­pe der durch Con­ter­gan Schwerst­ge­schä­dig­ten, der auch der Klä­ger ange­hört, ist auch nicht durch den Doku­men­tar­film "Con­ter­gan: Die Eltern" und das hier­zu erschie­ne­ne Begleit­buch her­vor­ge­tre­ten. Hier­durch mag zwar – auch dies hat das Ver­wal­tungs­ge­richt tatrich­ter­lich nicht fest­ge­stellt – evi­dent gewor­den sein, dass sich die Lebens­la­gen der Betrof­fe­nen, ihre Chan­cen zur Teil­ha­be in Beruf, Gesell­schaft und Pri­vat­be­reich und die Ein­schrän­kun­gen durch schä­di­gungs­be­ding­te Funk­ti­ons­ein­bu­ßen je nach der Kör­per­schä­di­gung teils nach­hal­tig unter­schie­den haben und die Annah­me (auch) des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zumin­dest rela­ti­vie­rungs­be­dürf­tig gewor­den war, ab einer mit 45 Punk­ten und mehr bewer­te­ten Schä­di­gung wür­den die Betrof­fe­nen "sich ohne stän­di­ge frem­de Hil­fe im Leben nicht … behaup­ten kön­nen" 30. Der sozi­al­ge­stal­ten­de Gesetz­ge­ber hät­te in Bezug auf den gesetz­li­chen Ren­ten­rah­men aber nur und erst dann tätig wer­den müs­sen, wenn hier­durch zumin­dest für die schwerst­ge­schä­dig­ten Per­so­nen auch eine sozi­al­staats­wid­ri­ge Unter­ver­sor­gung her­vor­ge­tre­ten wäre, weil die Zusatz­be­las­tun­gen nicht oder nicht hin­rei­chend durch Leis­tun­gen etwa der Kran­ken­ver­si­che­rung, der Pfle­ge­ver­si­che­rung oder der Ein­glie­de­rungs­hil­fe für behin­der­te Men­schen aus­ge­gli­chen wur­den. Hier­für fehlt jeder Anhalt. Der Klä­ger selbst hat­te Mit­te 2004 sein (nicht bezif­fer­tes) Begeh­ren nach Ren­ten­er­hö­hung, Zusatz­ren­te oder ein­ma­li­ge nach­träg­li­che wei­te­re Kapi­ta­lent­schä­di­gung nicht mit einer sozi­al­staats­wid­ri­gen Unter­ver­sor­gung, son­dern damit begrün­det, dass die Schwerst­ge­schä­dig­ten (ab 80 Punk­ten) wegen ihrer schwe­ren Situa­ti­on im Ver­gleich zu den weni­ger Geschä­dig­ten zu gerin­ge Leis­tun­gen erhiel­ten, den weni­ger Geschä­dig­ten im Bereich von 45 bis 80 Punk­ten aber aus Besitz­stands­grün­den die Ren­ten nicht genom­men wer­den könn­ten.

Auch sonst lässt sich in die­sem Zeit­raum weder den all­ge­mein­kun­di­gen Quel­len noch – ihre revi­si­ons­recht­li­che Berück­sich­ti­gungs­fä­hig­keit unter­stellt – den vom Klä­ger bei­gebrach­ten oder benann­ten Unter­la­gen und Quel­len 31 ent­neh­men, dass die durch Con­ter­gan Geschä­dig­ten ins­ge­samt oder doch bestimm­te Teil­grup­pen, z.B. die Schwerst- und Mehr­fach­ge­schä­dig­ten, auch im Zusam­men­wir­ken der ver­schie­de­nen sozi­al­staat­li­chen Hil­fe­sys­te­me in einem Umfan­ge von sozi­al­staat­lich gebo­te­nen Hil­fe­leis­tun­gen abge­schnit­ten gewe­sen wären, dass der Gesetz­ge­ber des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes umge­hend hät­te tätig wer­den müs­sen. Im Lich­te neue­rer Erkennt­nis­se, ins­be­son­de­re der Stu­die der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg 32 mag allen­falls im Rück­blick anzu­neh­men sein, dass bei einer genaue­ren Betrach­tung der sozia­len, ins­be­son­de­re beruf­li­chen und gesund­heit­li­chen Situa­ti­on der durch Con­ter­gan Geschä­dig­ten eine bestehen­de bzw. sich abzeich­nen­de Unter­ver­sor­gung frü­her hät­te erkannt wer­den kön­nen. Auch dies ist indes nicht evi­dent.

Der Gesetz­ge­ber hat auf den Erkennt­nis­fort­schritt in den Fol­ge­jah­ren, aber auch die öffent­li­che The­ma­ti­sie­rung der Ver­ant­wor­tung der Fir­ma Grü­nen­thal GmbH durch einen im Novem­ber 2007 aus­ge­strahl­ten Fern­seh­film mit einer Ver­dop­pe­lung der Min­dest- und Höchst­wer­te für die monat­li­che Ren­te zum 1.07.2008 reagiert (Ers­tes Gesetz zur Ände­rung des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes vom 26.06.2008 5). Der Gesetz­ent­wurf der sei­ner­zei­ti­gen Koali­ti­ons­frak­tio­nen 33 begrün­de­te die­se Ver­dop­pe­lung damit, dass die­se "(a)ngesichts des Umfangs der Beein­träch­ti­gung der Betrof­fe­nen ins­be­son­de­re durch die Fol­ge- und Spät­schä­den, die weder durch die Leis­tun­gen der Con­ter­gan­stif­tung noch durch ergän­zen­de Sozi­al­ge­set­ze aus­rei­chend abge­fan­gen wer­den kön­nen (z.B. Haus­halts­hil­fe, vor­zei­ti­ges Aus­schei­den aus dem Erwerbs­le­ben, Ren­ten­ein­bu­ßen usw.)", sach­ge­recht und begrün­det sei, nach­dem der vor­an­ge­hen­de Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung 34 noch ledig­lich eine mode­ra­te Erhö­hung der Con­ter­gan­ren­te mit Rück­sicht auf die Ent­wick­lung der Lebens­hal­tungs­kos­ten und der Net­to­ein­kom­men um line­ar 5 v.H. vor­ge­se­hen hat­te. Auch dem Koali­ti­ons­ent­wurf lag aber kei­ne Bedarfs­ana­ly­se zugrun­de, aus der die Leis­tungs­er­hö­hung nach Struk­tur, Art und Höhe gezielt abge­lei­tet wor­den wäre; sie lässt sich auch nicht den Stel­lung­nah­men der Sach­ver­stän­di­gen in der im zeit­li­chen Umfeld die­ses Gesetz­ent­wur­fes durch­ge­führ­ten Anhö­rung ent­neh­men 35. Bei­de Gesetz­ent­wür­fe ziel­ten aus­weis­lich ihrer Begrün­dung auch nicht auf die Besei­ti­gung oder Abwen­dung einer ver­fas­sungs­recht­lich bedenk­li­chen Unter­ver­sor­gungs­la­ge; Ziel war die Aus­fül­lung sozi­al­staat­li­cher Ver­ant­wor­tung für die durch Con­ter­gan Geschä­dig­ten. Gegen eine evi­den­te Unter­schrei­tung sei­ner sozi­al­staat­li­chen Schutz­pflich­ten durch den Gesetz­ge­ber strei­tet auch der zu die­sem Gesetz ergan­ge­ne Nicht­an­nah­me­be­schluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 7.

Die Ein­füh­rung einer jähr­li­chen Son­der­zah­lung, die erst­mals auf­grund des Zwei­ten Gesetz zur Ände­rung des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes vom 25.06.2009 6 für das Jahr 2009 gewährt wor­den ist, weist eben­falls nicht auf eine (evi­den­te) ver­fas­sungs­recht­lich bedenk­li­che, sozi­al­staats­wid­ri­ge Unter­ver­sor­gung. Die­se Son­der­zah­lung, für die die Mit­tel aus einer frei­wil­li­gen Zah­lung der Fir­ma Grü­nen­thal GmbH zur Ver­bes­se­rung der Lebens­si­tua­ti­on der con­ter­gan­ge­schä­dig­ten Men­schen in Höhe von 50 Mio. € sowie Mit­tel in glei­cher Höhe aus dem Kapi­tal­stock der Stif­tung stam­men, dient der Ver­bes­se­rung der Lebens­si­tua­ti­on der Geschä­dig­ten und soll die beson­de­ren Bedar­fe der con­ter­gan­ge­schä­dig­ten Men­schen abde­cken 36. Die Begrün­dung des Gesetz­ent­wur­fes geht zwar davon aus, dass die Lebens­si­tua­ti­on der con­ter­gan­ge­schä­dig­ten Men­schen zuneh­mend durch die sehr schmerz­haf­ten Aus­wir­kun­gen ihrer Behin­de­rung sowie die Spät- und Fol­ge­schä­den geprägt und ihre Lebens­qua­li­tät erheb­lich gefähr­det oder ein­ge­schränkt sei 37. Die Bedar­fe, wel­che durch die jähr­li­che Son­der­zah­lung (ganz oder teil­wei­se) gedeckt wer­den sol­len, wer­den aber nach Art oder Höhe nicht bezeich­net; dies hin­dert Rück­schlüs­se auf eine (evi­den­te) Unter­ver­sor­gung. Die durch das Zwei­te Ände­rungs­ge­setz ein­ge­führ­te Dyna­mi­sie­rung der monat­li­chen finan­zi­el­len Unter­stüt­zung nach Maß­ga­be der Ent­wick­lung der gesetz­li­chen Ren­ten sieht der Gesetz­ent­wurf eben­falls ledig­lich als sinn­voll und sys­tem­ge­recht, nicht aber zur Abwen­dung eines Ver­fas­sungs­ver­sto­ßes als gebo­ten 38.

Auch die Ergeb­nis­se einer im Janu­ar 2012 vor­ge­leg­ten, im Auf­trag der Con­ter­gan­stif­tung erstell­ten Inter­na­tio­na­len Stu­die zu Leis­tun­gen und Ansprü­chen tha­li­do­mid­ge­schä­dig­ter Men­schen in 21 Län­dern (erstellt durch die Rechts­an­walts­kanz­lei DLA Pie­per) muss­ten den Gesetz­ge­ber nicht zum Tätig­wer­den ver­an­las­sen. Art und Höhe der jeweils gewähr­ten Leis­tun­gen in ande­ren Län­dern und ihre Ein­bet­tung in das all­ge­mei­ne Leis­tungs­sys­tem sind der­art hete­ro­gen, dass es bereits schwer­fällt, die von der Stu­die ange­streb­te Ver­gleich­bar­keit mit den ent­spre­chen­den Leis­tun­gen in Deutsch­land her­zu­stel­len. Auch soweit in ande­ren Län­dern den Geschä­dig­ten in der Gesamt­schau aller Siche­rungs­sys­te­me nomi­nal höhe­re Leis­tun­gen gewährt wor­den sein soll­ten, wür­de dies für sich allein zudem nicht den Schluss recht­fer­ti­gen, dass in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land die ver­fas­sungs­recht­lich gefor­der­te Grund­ver­sor­gung nicht gewähr­leis­tet (gewe­sen) sei.

Art und Umfang der Leis­tungs­ver­bes­se­run­gen, die der Gesetz­ge­ber – teils rück­wir­kend zum 1.01.2013 – mit dem Drit­ten Gesetz zur Ände­rung des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes vom 26.06.2013 8 u.a. durch die deut­li­che Erhö­hung der Ren­ten­ober­gren­ze und die Ein­füh­rung von Leis­tun­gen zur Deckung spe­zi­fi­scher Bedar­fe bewirkt hat, wei­sen nicht dar­auf, dass Ver­än­de­run­gen in der Lebens­si­tua­ti­on der con­ter­gan­ge­schä­dig­ten Men­schen und ver­än­der­te Hil­fe­be­dar­fe den Gesetz­ge­ber zu einem (deut­lich) frü­he­ren Zeit­punkt zum Han­deln hät­ten ver­an­las­sen müs­sen.

Mit den Leis­tungs­ver­bes­se­run­gen hat der Gesetz­ge­ber auf den Erkennt­nis­fort­schritt reagiert, der sich durch die Ergeb­nis­se der vom Insti­tut für Geron­to­lo­gie der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg durch­ge­führ­ten Stu­die "Wie­der­holt durch­zu­füh­ren­de Befra­gun­gen zu Pro­ble­men, spe­zi­el­len Bedar­fen und Ver­sor­gungs­de­fi­zi­ten von con­ter­gan­ge­schä­dig­ten Men­schen" erge­ben hat. Der Gesetz­ent­wurf der Frak­tio­nen der CDU/​CSU, SPD und FDP 39 geht – gestützt auf die Ergeb­nis­se die­ser Stu­die – davon aus, dass die Lebens­si­tua­ti­on der con­ter­gan­ge­schä­dig­ten Men­schen durch die sehr schmerz­haf­ten Aus­wir­kun­gen ihrer Behin­de­rung mit Fol­ge- und Spät­schä­den geprägt sei und drin­gen­der Hand­lungs­be­darf für die Sicher­stel­lung einer ange­mes­se­nen und zukunfts­ori­en­tier­ten Unter­stüt­zung der älter wer­den­den Betrof­fe­nen bestehe. Der Gesetz­ent­wurf greift damit die sozi­al­po­li­ti­schen, auf eine Ver­bes­se­rung bzw. Opti­mie­rung der Ver­sor­gung und Unter­stüt­zung zie­len­den Hand­lungs­emp­feh­lun­gen des Gut­ach­tens auf. Der End­be­richt des Gut­ach­tens selbst ent­hält sich ver­fas­sungs­recht­li­cher Bewer­tun­gen und in Bezug auf die Quan­ti­fi­zie­rung zusätz­li­cher Leis­tun­gen ein­deu­ti­ger Aus­sa­gen; dies gilt auch für den im Früh­jahr 2012 vor­ge­leg­ten "Zusam­men­fas­sen­den Bericht über die ers­ten Unter­su­chungs­er­geb­nis­se und Ablei­tung ers­ter Hand­lungs­emp­feh­lun­gen", der aller­dings Anga­ben zu unge­deck­ten finan­zi­el­len Belas­tun­gen in ver­schie­de­nen Bedarfs­be­rei­chen mit teils erheb­li­cher Schwan­kungs­brei­te ent­hält. In dem Gesetz­ent­wurf fin­den sich indes kei­ne hin­rei­chen­den Hin­wei­se, dass die vor­ge­nom­me­nen Ände­run­gen vom Gesetz­ge­ber nach Art und Umfang als erfor­der­lich ange­se­hen wor­den sind, um einen Ver­fas­sungs­ver­stoß abzu­wen­den. Der Gesetz­ent­wurf weist – eben­falls im Anschluss an die Ergeb­nis­se des Gut­ach­tens – dar­auf hin, dass in den letz­ten fünf Jah­ren bei den Fol­ge­schä­den als Fol­ge der Abnut­zungs­er­schei­nun­gen und Ver­än­de­run­gen des Bewe­gungs­ap­pa­ra­tes erheb­li­che Ver­schlech­te­run­gen ein­ge­tre­ten sei­en. Die deut­li­che Ver­schlech­te­rung der gesund­heit­li­chen Lage der durch Con­ter­gan Geschä­dig­ten gera­de in den letz­ten Jah­ren, die auch in dem Gut­ach­ten selbst mehr­fach betont wird, spricht dage­gen, die Ergeb­nis­se des Gut­ach­tens in vol­lem Umfang auch auf die Ver­gan­gen­heit zu bezie­hen.

Der Gesetz­ge­ber selbst hat auch dadurch, dass er sich einen Vor­stoß zu einer Erhö­hung der monat­li­chen Ren­ten­leis­tun­gen rück­wir­kend zum 1.01.2012 40 nicht zu eigen gemacht hat 41, zu erken­nen gege­ben, dass jeden­falls er kei­nen – gar ver­fas­sungs­recht­li­chen – Anpas­sungs­be­darf auch für die Ver­gan­gen­heit zu erken­nen ver­moch­te. Dies ist nach der Erkennt­nis­la­ge ver­fas­sungs­recht­lich auch nicht zu bean­stan­den. Dass ein ent­spre­chen­der Erhö­hungs- und Anpas­sungs­be­darf für die Ver­gan­gen­heit sich dem Gesetz­ge­ber als evi­dent hät­te auf­drän­gen müs­sen, ergibt sich nament­lich auch nicht aus dem End­be­richt des Gut­ach­tens bzw. dem Zwi­schen­be­richt; bei­de ent­hal­ten unge­ach­tet kla­rer Erkennt­nis­se zu bestehen­den Unter­ver­sor­gungs­la­gen auch Dif­fe­ren­zie­run­gen, die einen Rück­be­zug der Erkennt­nis­se auf ver­gan­ge­ne Zeit­räu­me, ins­be­son­de­re auch auf die Zeit ab 2004, aus­schlie­ßen.

Nicht fest­zu­stel­len ist, dass der Gesetz­ge­ber sich ohne Wei­te­res zugäng­li­chen Erkennt­nis­quel­len zur Lage der durch Con­ter­gan Geschä­dig­ten ver­schlos­sen oder die erfor­der­li­chen Unter­su­chun­gen in ver­fas­sungs­recht­lich bedenk­li­cher Wei­se ver­zö­gert hät­te. Der Bun­des­tag hat­te aller­dings bereits im Janu­ar 2009 die Bun­des­re­gie­rung auf­ge­for­dert, einen For­schungs­auf­trag zu ver­ge­ben, der bestehen­de Ver­sor­gungs­de­fi­zi­te und künf­ti­ge Unter­stüt­zungs­be­dar­fe con­ter­gan­ge­schä­dig­ter Men­schen unter­sucht 42, und damit wei­te­ren Klä­rungs­be­darf zu erken­nen gege­ben. Zwi­schen die­sem Beschluss und der Vor­la­ge der End­fas­sung des erst Mit­te 2010 in Auf­trag gege­be­nen Gut­ach­tens lagen nahe­zu vier Jah­re. Die­se Dau­er ist ver­fas­sungs­recht­lich aber bereits ange­sichts der Kom­ple­xi­tät und des Umfan­ges des Unter­su­chungs­auf­tra­ges im Ergeb­nis nicht zu bean­stan­den, zumal der Gesetz­ge­ber grund­sätz­lich davon aus­ge­hen durf­te, dass ange­sichts der grund­sätz­li­chen Absi­che­rung durch Con­ter­gan geschä­dig­ter Per­so­nen auch durch die all­ge­mei­nen Sys­te­me der sozia­len Siche­rung sub­stan­ti­el­le Betreu­ungs- und Ver­sor­gungs­lü­cken jeden­falls nicht in einem Umfang bestan­den, der nach der Ver­dop­pe­lung der lau­fen­den Con­ter­gan­ren­ten zum 1.07.2008 eine deut­li­che Beschleu­ni­gung gefor­dert hät­te.

Die gesetz­li­che Höchst­gren­ze für die lau­fen­de Ren­ten­zah­lung ver­stößt auch nicht gegen Art. 3 Abs. 1 GG.

Der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG gebie­tet dem Norm­ge­ber, wesent­lich Glei­ches gleich und wesent­lich Unglei­ches ungleich zu behan­deln 43. Er ist dann ver­letzt, wenn eine Grup­pe von Normadres­sa­ten oder Norm­be­trof­fe­nen im Ver­gleich zu einer ande­ren anders behan­delt wird, obwohl zwi­schen bei­den Grup­pen kei­ne Unter­schie­de von sol­cher Art und sol­chem Gewicht bestehen, dass sie die unter­schied­li­che Behand­lung recht­fer­ti­gen kön­nen 44. Dies gilt sowohl für unglei­che Belas­tun­gen als auch für unglei­che Begüns­ti­gun­gen 45. Der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz ent­hält indes kein ver­fas­sungs­recht­li­ches Gebot, ähn­li­che Sach­ver­hal­te in ver­schie­de­nen Ord­nungs­be­rei­chen mit ande­ren sys­te­ma­ti­schen und sozi­al­ge­schicht­li­chen Zusam­men­hän­gen gleich zu regeln 7.

Nach die­sem Maß­stab schei­det eine Ver­let­zung des Art. 3 Abs. 1 GG durch die gesetz­li­che Ren­ten­ober­gren­ze (§ 13 Abs. 2 Cont­StifG) im Ver­hält­nis zu den Leis­tun­gen ande­rer Rege­lun­gen des sozia­len Ent­schä­di­gungs­rechts aus. Der sozi­al­staat­li­che Gestal­tungs­auf­trag des Gesetz­ge­bers umfasst jen­seits der Siche­rung des men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums grund­sätz­lich auch die Ent­schei­dung, an wel­che tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se er Rechts­fol­gen knüpft, wie er von Rechts wegen zu begüns­ti­gen­de Per­so­nen­grup­pen defi­niert und in wel­chem Umfang er Leis­tun­gen gewährt. Die­se Rege­lun­gen knüp­fen an jeweils beson­de­re Lebens­la­gen oder Scha­dens­er­eig­nis­se an, bei denen die staat­li­che Ein­stands- und Ent­schä­di­gungs­pflicht jeweils an ein spe­zi­el­les "Son­der­op­fer" anknüpft, das mit der Situa­ti­on bei der Con­ter­gan­stif­tung nicht ver­gleich­bar ist; nament­lich ergibt sich aus einer mög­li­chen Schutz­pflicht­ver­let­zung durch eine etwa unzu­rei­chen­de Arz­nei­mit­tel­kon­trol­le in der 1950er Jah­ren kei­ne gestei­ger­te Ent­schä­di­gungs- oder sozi­al­staat­li­che Ein­stands­pflicht des Gesetz­ge­bers oder ein ver­fas­sungs­recht­li­ches Gebot, die durch Con­ter­gan Geschä­dig­ten in Struk­tur und Höhe der Leis­tun­gen Per­so­nen gleich­zu­stel­len, die sich unter Gel­tung des aktu­el­len Arz­nei­mit­tel­haf­tungs­rechts (§§ 84 ff. AMG) ergä­ben 46.

Die gesetz­li­che Ren­ten­ober­gren­ze (§ 13 Abs. 2 Cont­StifG) ver­stößt auch nicht des­we­gen gegen Art. 3 Abs. 1 GG, weil bis zum 31.12 2012 die Staf­fe­lung der Ren­ten­hö­he in den Richt­li­ni­en des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend für die Gewäh­rung von Leis­tun­gen wegen Con­ter­gan-Scha­dens­fäl­len 47 die Per­so­nen­grup­pe in dem Punkt­zahl­be­reich von 45 bis 79, 99 Punk­ten einer­seits, ober­halb von 80 Punk­ten ander­seits gleich behan­delt hat, obgleich jeden­falls für die­sen Per­so­nen­kreis – so der Klä­ger – die schä­di­gungs­be­ding­ten Funk­ti­ons­ein­bu­ßen qua­li­ta­tiv höher sei­en. Selbst wenn inso­weit eine Ver­let­zung des Unter­maß­ver­bo­tes durch eine unzu­rei­chen­de Dif­fe­ren­zie­rung unter­stellt wird, berühr­te dies allein die Richt­li­ni­en, nicht die gesetz­li­che Rege­lung selbst 48. Ist eine Erhö­hung der Ren­ten­ober­gren­ze aus sozi­al­staat­li­chen Grün­den nicht erfor­der­lich, obliegt es dem Richt­li­ni­en­ge­ber, einen etwai­gen Gleich­heits­ver­stoß bei der Ren­ten­staf­fe­lung in dem vom Gesetz­ge­ber gezo­ge­nen Rah­men zu besei­ti­gen, ohne dass der Gesetz­ge­ber zur Erhö­hung der Ren­ten­ober­gren­ze gehal­ten wäre.

Unab­hän­gig davon liegt in der Gleich­be­hand­lung aller Geschä­dig­ten ab 45 Punk­ten trotz unter­schied­li­cher Schä­di­gung kein Ver­stoß gegen Art. 3 Abs. 1 GG. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die­se Gleich­be­hand­lung in sei­nem Urteil vom 08.07.1976 49 mit der Erwä­gung gebil­ligt, dass die Ren­te nicht der Ent­schä­di­gung für die erlit­te­nen Miss­bil­dun­gen die­ne und bei der ver­fas­sungs­recht­lich zuläs­si­gen gene­ra­li­sie­ren­den und typi­sie­ren­den gesetz­li­chen Rege­lung alle Geschä­dig­ten, die 45 Scha­dens­punk­te oder mehr auf­wei­sen, ohne Unter­schied die Höchst­ren­te erhiel­ten, weil die­se Geschä­dig­ten nach Auf­fas­sung der Sach­ver­stän­di­gen sich ohne stän­di­ge frem­de Hil­fe im Leben nicht wer­den behaup­ten kön­nen. Zu Guns­ten des Klä­gers kön­nen der Weg­fall der grund­sätz­li­chen Bin­dungs­wir­kung (§ 31 BVerfGG) die­ses Urteils durch neue­re Erkennt­nis­se, eine unmit­tel­ba­re Ver­ant­wor­tung des Gesetz­ge­bers auch für die Ren­ten­staf­fe­lung sowie der vom Ver­wal­tungs­ge­richt tatrich­ter­lich nicht fest­ge­stell­te Umstand unter­stellt wer­den, dass mit zuneh­men­dem Umfang der Schä­di­gung der Bedarf an Pfle­ge, Assis­tenz sowie Heil- und Hilfs­mit­teln ansteigt und die­se Stei­ge­rung nicht bei Errei­chen einer Schä­di­gungs­punkt­zahl von 45 Punk­ten abbricht oder (wesent­lich) abflacht. Jeden­falls bis zu der Vor­la­ge der Berich­te zu dem For­schungs­vor­ha­ben der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg fehl­te es aber an hin­rei­chend gefes­tig­ten Erkennt­nis­sen, dass sich die evi­den­ten Unter­schie­de der Kör­per­schä­den und der damit ver­bun­de­nen Funk­ti­ons­ein­bu­ßen auch mit erheb­li­chem Gewicht aus­ge­wirkt haben auf die Hil­fe, Bedarfs- und damit poten­ti­el­len Unter­ver­sor­gungs­la­gen, die unter Berück­sich­ti­gung der durch Hil­fe- und Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen aus ande­ren Leis­tungs­sys­te­men, z.B. der Ein­glie­de­rungs­hil­fe für behin­der­te Men­schen (§§ 39 ff. BSHG; §§ 53 ff. SGB XII), der Hil­fen nach dem SGB IX (Reha­bi­li­ta­ti­on und Teil­ha­be behin­der­ter Men­schen) oder der sozia­len Pfle­ge­ver­si­che­rung (SGB XI) bzw. der Hil­fe zur Pfle­ge (§§ 68 ff. BSHG; §§ 61 ff. SGB XII), ver­blie­ben sind. Auch bei einer am Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prin­zip ori­en­tier­ten Gleich­heits­prü­fung lie­ße sich ein Ver­stoß gegen ein ver­fas­sungs­recht­li­ches Gebot wei­te­rer Dif­fe­ren­zie­rung indes nur bei erheb­li­chen Unter­schie­den auch im ander­wei­ti­gen unge­deck­ten Hil­fe- und Unter­stüt­zungs­be­darf aus­ma­chen.

Die gesetz­li­che Ren­ten­ober­gren­ze und das Leis­tungs­sys­tem des § 13 Cont­StifG ste­hen auch mit der Eigen­tums­ga­ran­tie (Art. 14 Abs. 1 GG) im Ein­klang.

Die Ansprü­che, wel­che das Con­ter­gan­stif­tungs­ge­setz infol­ge der eigen­tums­recht­lich unbe­denk­li­chen 3Umwand­lung der Ansprü­che aus dem Ver­gleich mit der Fir­ma Grü­nen­thal GmbH gewährt, genie­ßen dem Grun­de nach eben­falls den Schutz des Art. 14 Abs. 1 GG 50. Die­ser Schutz mag zwar auch nach dem rech­ne­ri­schen Ver­brauch der von der Fir­ma Grü­nen­thal GmbH ein­ge­brach­ten Mit­tel durch Stif­tungs­leis­tun­gen einer ersatz­lo­sen Auf­he­bung des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes oder einer sub­stan­ti­el­len Absen­kung des Leis­tungs­ni­veaus ent­ge­gen­ste­hen. Bereits ein Anspruch auf Dyna­mi­sie­rung der lau­fen­den Ren­ten kann indes aus Art. 14 Abs. 1 GG nicht her­ge­lei­tet wer­den 51. Erst recht umfasst der grund­recht­li­che Eigen­tums­schutz nicht eine aus Steu­er­mit­teln finan­zier­te; vom Sozi­al­staats­grund­satz nicht gefor­der­te Leis­tungs­er­hö­hung oder ein Leis­tungs­ni­veau, das – aus Sicht des Klä­gers – das poli­ti­sche Ziel, den Geschä­dig­ten eine wirk­sa­me und dau­er­haf­te Hil­fe zu gewäh­ren, unab­hän­gig von dem Ver­brauch der aus dem pri­vat­recht­li­chen Ver­gleich stam­men­den Mit­tel nach­hal­tig umsetzt. Nach den vom Ver­wal­tungs­ge­richt Köln über­nom­me­nen Fest­stel­lun­gen des Ent­wur­fes eines Zwei­ten Geset­zes zur Ände­rung des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes 52 wer­den dabei seit 1997 die mehr­fach ange­ho­be­nen Ren­ten aus Bun­des­haus­halts­mit­teln finan­ziert, da der für indi­vi­du­el­le Leis­tun­gen – also Ren­ten und Kapi­ta­lent­schä­di­gung – vor­ge­se­he­ne Rest­be­trag des Stif­tungs­ver­mö­gens bis dahin auf­ge­braucht wor­den war.

Auch aus dem vom Klä­ger vor­ge­nom­me­nen Ver­gleich sei­ner Ver­mö­gens­la­ge bei einer hypo­the­ti­schen Anla­ge des Betra­ges, den er aus dem pri­vat­recht­li­chen Ver­gleich erlangt hät­te, mit den tat­säch­lich von der Stif­tung erhal­te­nen Leis­tun­gen lässt sich kein Anspruch auf höhe­re Leis­tun­gen ablei­ten. Er ver­nach­läs­sigt bereits, dass für die eigen­tums­recht­li­che Umge­stal­tung der pri­vat­recht­li­chen Ansprü­che eine Gesamt­be­trach­tung vor­zu­neh­men ist, bei der gewis­se Nach­tei­le, die für Ein­zel­ne auf­tre­ten mögen, gegen die ins­ge­samt erziel­ten Vor­tei­le abzu­wä­gen sind 53. Bei sei­nen Berech­nun­gen ver­gleicht der Klä­ger zudem den Ver­mö­gens­stand, der sich bei Anspa­rung der Ver­gleichs­sum­me und dar­auf ent­fal­len­der hypo­the­ti­scher Zin­sen (inkl. Zin­ses­zin­sen) erge­ben hät­te, mit der Sum­me der lau­fen­den Zah­lun­gen durch die Stif­tung, ohne die­se in ver­gleich­ba­rer Wei­se hypo­the­tisch zu ver­zin­sen. Dass auch bei ver­gleich­ba­rer Berech­nungs­wei­se die the­sau­ri­er­ten Stif­tungs­leis­tun­gen hin­ter dem ange­spar­ten Betrag aus dem Ver­gleich (deut­lich) zurück­blei­ben, ist vom Ver­wal­tungs­ge­richt tatrich­ter­lich nicht fest­ge­stellt, vom Klä­ger nicht dar­ge­legt und erscheint wegen des lang­jäh­ri­gen Ver­gleichs­zeit­raums und des hohen Zins­an­sat­zes aus­ge­schlos­sen.

Die gesetz­li­che Ren­ten­ober­gren­ze und das Leis­tungs­sys­tem des § 13 Cont­StifG sind auch sonst mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar.

Eine Ver­let­zung staat­li­cher Pflich­ten aus Art. 2 Abs. 2 GG, sich schüt­zend vor das Leben des Ein­zel­nen zu stel­len und auch Risi­ko­vor­sor­ge gegen Gesund­heits­ge­fähr­dun­gen zu tref­fen, durch die Rege­lun­gen zur Ren­ten­hö­he ist eben­falls nicht zu erken­nen und wird von dem Klä­ger sub­stan­ti­iert auch nicht vor­ge­tra­gen. Aus Art. 2 Abs. 2 GG folgt ohne­hin regel­mä­ßig kein ver­fas­sungs­recht­li­cher Anspruch auf Bereit­stel­lung bestimm­ter Gesund­heits­leis­tun­gen 54. Das Vor­brin­gen des Klä­gers zu den aus sei­ner Sicht unzu­rei­chen­den Akti­vi­tä­ten der Stif­tung im Bereich der Erfor­schung der gesund­heit­li­chen Spät- und Fol­ge­schä­den sowie der Infor­ma­ti­on über erkann­te Gesund­heits­ri­si­ken betrifft nicht Art und Höhe der lau­fen­den Ren­ten­leis­tun­gen an die Geschä­dig­ten.

Soweit der Klä­ger aus Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG u.a. den Zweck der Stif­tung, dau­er­haft und wirk­sam Hil­fe für die con­ter­gan­ge­schä­dig­ten Men­schen zu gewäh­ren, bestimm­te Anfor­de­run­gen an die Auto­no­mie und Aus­ge­stal­tung der Stif­tung oder einen Anspruch auf deren auf­ga­ben­ge­rech­te Aus­stat­tung mit Finanz­mit­teln her­lei­tet, kann er damit nicht durch­drin­gen. Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG ist eine Kom­pe­tenz­norm, die den Bun­des­ge­setz­ge­ber ermäch­tigt, auf dem Gebiet der öffent­li­chen Für­sor­ge Bun­des­ge­set­ze zu erlas­sen. Allein aus die­ser Gesetz­ge­bungs­zu­stän­dig­keit fol­gen indes bereits objek­tiv­recht­lich kei­ne Gesetz­ge­bungs­pflich­ten oder ‑auf­trä­ge und erst recht kei­ne sub­jek­tiv-öffent­lich­recht­li­chen Leis­tungs­an­sprü­che oder Rech­te auf Norm­er­lass 55.

Soweit der Klä­ger höhe­re Leis­tun­gen für die Zeit begehrt, in der noch das Gesetz über die Errich­tung einer Stif­tung "Hilfs­werk für behin­der­te Kin­der" anzu­wen­den war (Janu­ar 2004 bis Okto­ber 2005), gel­ten die vor­ste­hen­den Erwä­gun­gen ent­spre­chend. Ins­be­son­de­re ent­hielt auch § 14 Abs. 2 StHG einen Höchst­be­trag für die monat­li­che Ren­te.

Erhö­hung der jähr­li­chen Son­der­zah­lung[↑]

Es besteht auch kein Anspruch eines Con­ter­gan­ge­schä­dig­ten auf Ver­dop­pe­lung der jähr­li­chen Son­der­zah­lung für die Zeit vom 01.01.2009 bis 31.12 2012 oder zumin­dest deren Erhö­hung. Die ein­fach­ge­setz­li­chen Rege­lun­gen des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes sehen kei­ne wei­ter­ge­hen­den Leis­tun­gen vor; sie ver­sto­ßen nicht gegen höher­ran­gi­ges Recht.

Aus dem Stif­tungs­ge­setz oder den Leis­tungs­richt­li­ni­en ergibt sich kein Ver­dop­pe­lungs- oder Erhö­hungs­an­spruch zu Guns­ten des Klä­gers.

Rechts­grund­la­ge für die jähr­li­che Son­der­zah­lung ist § 13 Cont­StifG in der Fas­sung, die die­se Rege­lung durch das Zwei­te Gesetz zur Ände­rung des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes vom 25.06.2009 6 (Cont­StifG 2009) erhal­ten hat. Hier­nach erhal­ten die leis­tungs­be­rech­tig­ten Per­so­nen eine jähr­li­che Son­der­zah­lung, soweit dafür Mit­tel nach § 11 Satz 2 Nr. 1 im Stif­tungs­ver­mö­gen vor­han­den sind (§ 13 Abs. 1 Satz 1 und 2 Cont­StifG), deren Höhe sich nach der Schwe­re des Kör­per­scha­dens und der hier­durch her­vor­ge­ru­fe­nen Funk­ti­ons­stö­run­gen rich­tet. Das Nähe­re regeln die nach § 13 Abs. 6 Cont­StifG von dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend zu erlas­sen­den Richt­li­ni­en. In dem streit­be­fan­ge­nen Zeit­raum legt die "Tabel­le der jähr­li­chen Son­der­zah­lun­gen ab 2009" (Anla­ge 4 der Neu­fas­sung der Richt­li­ni­en für die Gewäh­rung von Leis­tun­gen wegen Con­ter­gan-Scha­dens­fäl­len vom 30.06.2009 56 – Richt­li­ni­en -) die Höhe der jähr­li­chen Son­der­zah­lung fest, und zwar in acht Schä­di­gungs­stu­fen, die nach dem Grad der durch Schä­di­gungs­punk­te bewer­te­ten Schwe­re des Kör­per­scha­dens gestaf­felt sind (ers­te Stu­fe, für die eine jähr­li­che Son­der­zah­lung gewährt wird: 10 – 19,99 Schä­di­gungs­punk­te). Der Klä­ger erhält den Höchst­be­trag der nach der Tabel­le vor­ge­se­he­nen Son­der­zah­lung in Höhe von 3 680 €, die bei einer mit 80 und mehr Punk­ten bewer­te­ten Schä­di­gung gezahlt wird. Er macht auch nicht gel­tend, dass ihm nach aus­drück­li­chen Rege­lun­gen des Stif­tungs­ge­set­zes oder der Richt­li­ni­en wei­ter­ge­hen­de Leis­tun­gen zustün­den.

Der Klä­ger hat aus dem Stif­tungs­zweck oder all­ge­mei­nen Grund­sät­zen des Stif­tungs­rechts kei­nen Anspruch auf eine jähr­li­che Son­der­zah­lung, die über die ihm nach § 13 Abs. 1, 2 und 6 Cont­StifG i.V.m. Anla­ge 4 der Richt­li­ni­en gewähr­ten Leis­tun­gen hin­aus­geht. Die­se Bestim­mun­gen kon­kre­ti­sie­ren den Leis­tungs­um­fang ohne Rechts­ver­stoß gegen das Stif­tungs­recht.

Der Stif­tungs­zweck des § 2 Abs. 1 Nr. 1 Cont­StifG, durch Con­ter­gan Geschä­dig­ten Leis­tun­gen zu erbrin­gen, wird auch für die jähr­li­che Son­der­zah­lung durch die wei­te­ren Rege­lun­gen des Geset­zes, ins­be­son­de­re zum Stif­tungs­ver­mö­gen (§ 4 Abs. 1 Cont­StifG) und des­sen Ver­wen­dung (§ 11 Satz 2 Nr. 1 Cont­StifG), zu Art und Umfang der Leis­tun­gen (§ 13 Abs. 1 und 2 Cont­StifG) und die Ermäch­ti­gung zu deren Kon­kre­ti­sie­rung durch die Leis­tungs­richt­li­ni­en (§ 13 Abs. 6 Cont­StifG) durch den Gesetz­ge­ber kon­kre­ti­siert. Die­se Bestim­mun­gen begren­zen wegen des Vor­rangs des Geset­zes den Rück­griff auf all­ge­mei­ne, über­grei­fen­de Grund­sät­ze des Stif­tungs­rechts und schlie­ßen es auch aus, Art oder Umfang der Leis­tungs­ge­wäh­rung unmit­tel­bar aus dem Stif­tungs­zweck her­zu­lei­ten. Nicht zu ver­tie­fen ist dabei, inwie­weit dies bei Stif­tun­gen des pri­va­ten Rechts mög­lich wäre. Die Beklag­te jeden­falls ist eine Stif­tung öffent­li­chen Rechts, bei der der Gesetz­ge­ber befugt ist, den Stif­tungs­zweck fest­zu­le­gen und die Mit­tel und Wege sei­ner Ver­wirk­li­chung zu kon­kre­ti­sie­ren. Für einen über­grei­fen­den, auch den Gesetz­ge­ber selbst bin­den­den Stif­tungs­zweck, nach dem nicht nur die gesetz­lich vor­ge­se­he­nen, son­dern kraft all­ge­mei­nen Stif­tungs­rechts geset­zes­un­ab­hän­gig alle für eine wirk­sa­me und dau­er­haf­te Hil­fe aus Sicht ein­zel­ner Betrof­fe­ner erfor­der­li­chen Leis­tun­gen zu erbrin­gen sind, ist bereits des­we­gen kein Raum; dafür gibt auch das Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum Stif­tungs­ge­setz 1974 3 kei­nen Anhalt.

Mit Stif­tungs­recht ver­ein­bar ist auch die Ermäch­ti­gung an das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend, auf der Grund­la­ge der zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tel die Maß­stä­be zur Bemes­sung der Leis­tun­gen fest­zu­le­gen (§ 13 Abs. 6 Satz 2 Cont­StifG). Das umfang­rei­che Vor­brin­gen des Klä­gers zu der aus sei­ner Sicht unzu­rei­chen­den Auto­no­mie der Stif­tung sowie einer Ver­mi­schung von Steue­rungs- und Auf­sichts­funk­tio­nen geht dar­an vor­bei, dass die­se vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 57 nicht bean­stan­de­te Richt­li­ni­en­be­fug­nis vom Gesetz­ge­ber selbst ein­ge­räumt wor­den ist, dem bei der Aus­ge­stal­tung einer öffent­lich-recht­li­chen Stif­tung ein wei­ter Spiel­raum zuzu­bil­li­gen ist 58. Für einen Miss­brauch der Stif­tungs­form durch den Gesetz­ge­ber ist hier nichts ersicht­lich. Die Fest­le­gung der genau­en Höhe der Leis­tun­gen obliegt nach § 13 Abs. 6 Cont­StifG einem demo­kra­tisch unmit­tel­bar ver­ant­wort­li­chen Minis­te­ri­um. Die Stif­tun­gen zukom­men­de Auto­no­mie ist aber bei Stif­tun­gen des öffent­li­chen Rechts, die – wie hier die Beklag­te – für die Leis­tun­gen in nicht uner­heb­li­chem Umfang auch Steu­er­mit­tel ver­wen­den, in Aus­gleich zu brin­gen mit der demo­kra­ti­schen Kon­trol­le und Steue­rung durch par­la­men­ta­risch ver­ant­wort­li­che Instan­zen. Die Ermäch­ti­gung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend ist hier­für ein jeden­falls recht­lich zuläs­si­ges Mit­tel.

Die Fest­le­gung der gestaf­fel­ten Leis­tungs­hö­he durch die Richt­li­ni­en, deren genaue Rechts­na­tur hier nicht abschlie­ßend zu bestim­men ist, ver­stößt auch nicht gegen den sozi­al­recht­li­chen Geset­zes­vor­be­halt. Unge­ach­tet der Bedeu­tung, wel­che die Stif­tungs­leis­tun­gen ins­ge­samt, aber auch die jähr­li­che Son­der­zah­lung für die betrof­fe­nen Geschä­dig­ten haben, han­delt es sich jeden­falls nicht um Leis­tun­gen zur Siche­rung des Grund­rechts auf ein men­schen­wür­di­ges Exis­tenz­mi­ni­mum, die durch den Gesetz­ge­ber selbst in einem trans­pa­ren­ten, ratio­na­len Ver­fah­ren auf der Grund­la­ge nach­voll­zieh­ba­rer Bedarfs­er­mitt­lun­gen fest­zu­le­gen sind 59. Über­dies hat der Gesetz­ge­ber für die jähr­li­che Son­der­zah­lung das zur Ver­fü­gung ste­hen­de Gesamt­vo­lu­men (§ 4 Abs. 1 Nr. 2 und 3 i.V.m. § 11 Satz 2 Nr. 1 Cont­StifG) und den Ver­tei­lungs­schlüs­sel (§ 13 Abs. 2 Satz 1 Cont­StifG) (Schwe­re des Kör­per­scha­dens und dadurch her­vor­ge­ru­fe­ne Kör­per­funk­ti­ons­stö­run­gen) hin­rei­chend bestimmt fest­ge­legt und so die dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend ver­lie­he­ne Kon­kre­ti­sie­rungs­be­fug­nis hin­rei­chend bestimmt.

Die in der Tabel­le zur jähr­li­chen Son­der­zah­lung (Anla­ge 4 der Richt­li­nie) vor­ge­nom­me­ne Staf­fe­lung der Leis­tung füllt den vom Gesetz gezo­ge­nen Rah­men in zumin­dest ver­tret­ba­rer Wei­se aus. Nicht zu prü­fen ist, ob dies die gerech­tes­te und zweck­mä­ßigs­te Lösung ist oder auch eine ande­re, aus Sicht des Klä­gers mög­li­cher­wei­se vor­zugs­wür­di­ge­re Aus­ge­stal­tung recht­lich nicht zu bean­stan­den gewe­sen wäre. Der Richt­li­ni­en­ge­ber hat sich für die Leis­tungs­be­mes­sung ersicht­lich an der Begrün­dung des Ent­wur­fes für ein Zwei­tes Gesetz zur Ände­rung des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes 38 ori­en­tiert, nach dem sich die Höhe der Son­der­zah­lun­gen im Ein­zel­fall ergibt aus dem zur Ver­fü­gung ste­hen­den Betrag von ins­ge­samt 100 Mio. €, aus den künf­tig hier­aus erwirt­schaf­te­ten Erträ­gen, aus der Anzahl der leis­tungs­be­rech­tig­ten Per­so­nen, der Lauf­zeit der Son­der­zah­lun­gen von 25 Jah­ren sowie einer Punk­te­ta­bel­le, die sich an der Punk­te­ta­bel­le für Kapi­ta­lent­schä­di­gung ori­en­tiert und durch die im Ver­gleich zur Con­ter­gan­ren­te stär­ke­re Dif­fe­ren­zie­rung eine gerech­te­re Ver­tei­lung anstrebt. Die­se Fak­to­ren berück­sich­ti­gen ver­tret­bar auch die gesetz­li­chen Ver­tei­lungs­vor­ga­ben.

Die in der Richt­li­nie für den Klä­ger fest­ge­leg­te Höhe der jähr­li­chen Son­der­zah­lung ver­stößt auch weder gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz noch das Gebot des § 13 Abs. 2 Satz 1 Cont­StifG, die Leis­tung an der Schwe­re des Kör­per­scha­dens und der hier­durch her­vor­ge­ru­fe­nen Kör­per­funk­ti­ons­stö­run­gen aus­zu­rich­ten.

Der Richt­li­ni­en­ge­ber hat bei der jähr­li­chen Son­der­zah­lung deut­lich stär­ker dif­fe­ren­ziert als bei der Con­ter­gan­ren­te und ins­be­son­de­re die dort vom Klä­ger bean­stan­de­te Gleich­stel­lung aller Geschä­dig­ten, deren Schä­di­gung mit mehr als 45 Punk­ten bewer­tet wor­den ist, nicht über­nom­men. Es ist vom Ver­wal­tungs­ge­richt tatrich­ter­lich nicht fest­ge­stellt, nicht erkenn­bar; und vom Klä­ger auch nicht sub­stan­ti­iert vor­ge­tra­gen, dass inner­halb der Grup­pe der Schwerst­ge­schä­dig­ten, deren Schä­di­gung mit mehr als 80 Punk­ten bewer­tet wor­den ist, in Bezug auf die Bedarfs- und Unter­ver­sor­gungs­la­gen Unter­schie­de von sol­cher Art und sol­chem Gewicht erkenn­bar waren oder sind, dass zur Wah­rung des aus dem Gleich­heits­satz fol­gen­den Unter­maß­ver­bo­tes eine wei­ter­ge­hen­de Dif­fe­ren­zie­rung ange­zeigt gewe­sen wäre. Dem­ge­gen­über greift auch der Hin­weis des Klä­gers nicht durch, die Mehr­leis­tun­gen im Ver­gleich zur Grup­pe mit bis zu 80 Schä­di­gungs­punk­ten von 460 € jähr­lich erlau­be bei einer auf den wöchent­li­chen Pfle­ge­be­darf bezo­ge­nen Berech­nung eine allen­falls gering­fü­gi­ge Ver­bes­se­rung der Betreu­ungs­si­tua­ti­on. Die jähr­li­che Son­der­zah­lung hat schon wegen der für sie zur Ver­fü­gung ste­hen­den begrenz­ten Mit­tel allen­falls Ergän­zungs­funk­ti­on und ist nicht bestimmt oder geeig­net (gewe­sen), etwa bestehen­de Unter­ver­sor­gungs­la­gen voll­stän­dig aus­zu­glei­chen.

Auch der all­ge­mei­ne Zweck der jähr­li­chen Son­der­zah­lung, die beson­de­ren Bedar­fe der con­ter­gan­ge­schä­dig­ten Men­schen in Zukunft abzu­de­cken und die Lebens­si­tua­ti­on der leis­tungs­be­rech­tig­ten Per­so­nen zu ver­bes­sern 60, gebie­tet schon des­we­gen nicht eine wei­te­re "Sprei­zung" durch die Ein­füh­rung einer Emp­fän­ger­grup­pe im Bereich jen­seits von 80 Schä­di­gungs­punk­ten oder eine expo­nen­ti­el­le Stei­ge­rung der Son­der­zah­lung, weil bei Erlass des Geset­zes kla­re, dif­fe­ren­zier­te Erkennt­nis­se zu den Bedarfs- und Unter­ver­sor­gungs­la­gen fehl­ten und mit Blick auf den bereits ein­ge­lei­te­ten Maß­nah­men zur Auf­klä­rung der Lebens- und Ver­sor­gungs­la­ge der Geschä­dig­ten auch kein Ermitt­lungs­de­fi­zit bestand.

Die Rege­lun­gen des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes zur jähr­li­chen Son­der­zah­lung sind mit dem Grund­ge­setz auch inso­weit ver­ein­bar, als sie der vom Klä­ger begehr­ten Ver­dop­pe­lung bzw. Erhö­hung der Son­der­zah­lung ent­ge­gen­ste­hen.

Das Sozi­al­staats­prin­zip (Art.20 Abs. 1 GG) gebot kei­ne Ver­dop­pe­lung der jähr­li­chen Son­der­zah­lung für die Zeit vom 01.01.2009 bis 31.12 2012; vom Klä­ger nicht sub­stan­ti­iert ange­grif­fen ist dabei, dass der Gesetz­ge­ber die­se beson­de­ren Leis­tun­gen erst rück­wir­kend zum 1.01.2009 ein­ge­führt hat.

Der Gesetz­ge­ber hat mit der Ein­füh­rung der jähr­li­chen Son­der­zah­lung durch das Zwei­te Gesetz zur Ände­rung des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes vom 25.06.2009 6 im Anschluss an die Ver­dop­pe­lung der gesetz­li­chen Min­dest- und Höchst­wer­te für die Con­ter­gan­ren­ten zum 1.07.2008 durch das Ers­te Gesetz zur Ände­rung des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes vom 26.06.2008 5 die Lebens­si­tua­ti­on der con­ter­gan­ge­schä­dig­ten Men­schen ver­bes­sern wol­len 61. Unmit­tel­ba­rer Anstoß für die Ein­füh­rung der jähr­li­chen Son­der­zah­lung war dabei die Bereit­schaft der Fir­ma Grü­nen­thal GmbH, zu die­sem Zweck einen Betrag in Höhe von 50 Mio. € über die Con­ter­gan­stif­tung zur Ver­fü­gung zu stel­len. Weder die­ser Zah­lung der Fir­ma Grü­nen­thal GmbH noch der Ent­schei­dung, wei­te­re Mit­tel in glei­cher Höhe aus dem Kapi­tal­stock der Stif­tung an die leis­tungs­be­rech­tig­ten Per­so­nen aus­zu­zah­len, um die beson­de­ren Bedar­fe der con­ter­gan­ge­schä­dig­ten Men­schen in Zukunft abzu­de­cken, lag indes ein kla­re, dif­fe­ren­zier­te und auch nach dem Grad der Schä­di­gung dif­fe­ren­zie­ren­de Betrach­tung die­ser beson­de­ren Bedarfs­la­gen oder der Unter­ver­sor­gungs­la­gen zugrun­de, die sich aus recht­li­chen Leis­tungs­be­gren­zun­gen oder sys­te­ma­ti­schen Umset­zungs­schwie­rig­kei­ten bei den ande­ren sozia­len Siche­rungs­sys­te­men erge­ben. Die­se Erkennt­nis­se sind erst­mals mit den Ergeb­nis­sen der Stu­die der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg in einer Wei­se gewon­nen wor­den, die dem Gesetz­ge­ber nach Art und Umfang eine ziel­ge­rich­te­te und pass­ge­naue­re Anpas­sung des Leis­tungs­sys­tems des Con­ter­gan­stif­tungs­ge­set­zes ermög­lich­te. Bei der bestehen­den Erkennt­nis­la­ge bestand nach den vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt für die Anpas­sung sozi­al­staat­li­cher Leis­tun­gen ent­wi­ckel­ten Grund­sät­zen kein Anlass für eine wei­te­re Erhö­hung des für die jähr­li­che Son­der­zah­lung zur Ver­fü­gung ste­hen­den Finanz­vo­lu­mens aus dem Kapi­tal­stock der Stif­tung bzw. aus Haus­halts­mit­teln oder eine Kon­zen­tra­ti­on die­ser Mit­tel auf die beson­ders schwer geschä­dig­ten Per­so­nen.

Für die Ver­fas­sungs­kon­for­mi­tät im Übri­gen wird auf die Grün­de ver­wie­sen, aus denen die gesetz­li­che Ren­ten­ober­gren­ze mit der Ver­fas­sung im Ein­klang steht. Sie gel­ten für die gesetz­li­che Aus­ge­stal­tung der jähr­li­chen Son­der­zah­lung zumin­dest ent­spre­chend. Nicht zu ver­tie­fen ist dabei, ob auch der von der Fir­ma Grü­nen­thal GmbH in die Stif­tung ein­ge­brach­te; vom Gesetz­ge­ber für die jähr­li­che Son­der­zah­lung bestimm­te Betrag durch Art. 14 Abs. 1 GG geschütz­te Leis­tungs­an­sprü­che aus­ge­löst hat.

Dyna­mi­sie­rung der Con­ter­gan­ren­te[↑]

Dem Con­ter­gan­ge­schä­dig­ten steht auch kein Anspruch auf Anpas­sung der lau­fen­den Ren­ten­leis­tun­gen nach Maß­ga­be der Infla­ti­ons­ra­te zu.

So ist für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bereits nicht erkenn­bar, dass ihm die Erhö­hun­gen der Con­ter­gan­ren­te, die sich aus der zum 1.07.2009 in § 13 Abs. 2 Satz 4 Cont­StifG ein­ge­füg­ten Anpas­sungs­klau­sel nach Maß­ga­be der Ent­wick­lung der Ren­ten in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung erge­ben hat­ten, nicht gewährt wor­den wären.

inem Anspruch auf eine wei­ter­ge­hen­de Anpas­sung der Con­ter­gan­ren­te (Dif­fe­renz zwi­schen einer Ren­ten­er­hö­hung und der Infla­ti­ons­ra­te) und eine for­mel­ge­bun­de­ne Dyna­mi­sie­rung auch für vor­an­ge­hen­de Zeit­räu­me fehlt es an einer gesetz­li­chen Grund­la­ge. Aus dem vom Klä­ger her­an­ge­zo­ge­nen Stif­tungs­zweck einer wirk­sa­men und dau­er­haf­ten Hil­fe kann ein sol­cher Anspruch für den Klä­ger schon des­we­gen nicht fol­gen, weil er für die Zeit bis zum 30.06.2009 einen Ver­stoß gegen die gesetz­lich fest­ge­leg­te Ren­ten­ober­gren­ze bewirkt hät­te und für die Zeit ab dem 1.07.2009 die aus­drück­li­che gesetz­li­che Anpas­sungs­re­ge­lung des § 13 Abs. 2 Satz 4 Cont­StifG ent­ge­gen­steht.

Sowohl das Feh­len einer for­mel­ge­bun­de­nen Ren­ten­an­pas­sungs­re­ge­lung (bis 30.06.2009) als auch die zum 1.07.2009 in das Gesetz ein­ge­füg­te Erhö­hungs­re­ge­lung des § 13 Abs. 2 Satz 4 Cont­StifG sind mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat den Ein­wand feh­len­der Dyna­mi­sie­rung der Ren­ten aus­drück­lich als nicht gerecht­fer­tigt zurück­ge­wie­sen 62 und dabei dar­auf ver­wie­sen, dass die Ren­ten nach dem Stif­tungs­ge­setz nicht in ers­ter Linie Ver­sor­gungs­cha­rak­ter hät­ten, son­dern Zusatz­leis­tun­gen gewähr­ten. Die nach­fol­gen­de Wie­der­ga­be von Äuße­run­gen der am Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren Betei­lig­ten, dass zu gege­be­ner Zeit geprüft wer­den müs­se, ob die Leis­tun­gen noch mit dem Ziel des Stif­tungs­ge­set­zes, den Geschä­dig­ten eine wirk­sa­me und dau­er­haf­te Hil­fe zu gewäh­ren, ver­ein­bar sei­en, und der Gesetz­ge­ber, sobald dies nicht mehr der Fall sei, nicht umhin kom­me, die Leis­tun­gen ange­mes­sen zu erhö­hen oder die Ren­te zu dyna­mi­sie­ren, legt weder den Stif­tungs­zweck – gar mit ver­fas­sungs­ge­richt­li­cher Bin­dungs­wir­kung – für Gesetz­ge­ber oder Gerich­te fest noch ent­hält sie einen ver­fas­sungs­recht­li­chen Dyna­mi­sie­rungs­auf­trag. Das Refe­rat die­ser Äuße­run­gen ent­hält viel­mehr einen Appell des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, dass sich der Gesetz­ge­ber sei­ner sozi­al­po­li­ti­schen Ver­ant­wor­tung für den betrof­fe­nen Per­so­nen­kreis bewusst sein und ent­spre­chend han­deln wer­de. Art und Umfang bin­den­der ver­fas­sungs­recht­li­cher Pflich­ten des Gesetz­ge­bers erwei­tert dies nicht; nament­lich folgt hier­aus kein Anspruch auf eine bestimm­te Berech­nung peri­odi­scher Ren­ten­er­hö­hun­gen oder einen voll­stän­di­gen, ande­ren Emp­fän­gern von Leis­tun­gen nicht gewähr­ten Infla­ti­ons­aus­gleich. Jeden­falls seit dem Zeit­punkt, zu dem die lau­fen­den Con­ter­gan­ren­ten nach Ver­brauch des Stif­tungs­ka­pi­tals durch Zuwen­dun­gen aus dem Bun­des­haus­halt finan­ziert wer­den, schei­det durch die Nicht­dy­na­mi­sie­rung auch ein Sub­stanz­ver­lust der im Stif­tungs­ge­setz ein­ge­räum­ten, eigen­tums­recht­lich geschütz­ten Ansprü­che aus 63.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 19. Juni 2014 – 10 C 1.2014 -

  1. im Anschluss an BVerfG, Urteil vom 08.07.1976 – 1 BvL 19/​75 u.a., BVerfGE 42, 263; Beschluss vom 26.02.2010 – 1 BvR 1541, 2685/​09, NJW 2010, 1943[]
  2. BGBl I, S.2018[]
  3. BVerfG, Urteil vom 08.07.1976 – 1 BvL 19/​75 u.a., BVerfGE 42, 263[][][][]
  4. BGBl I S. 2967[][]
  5. BGBl I S. 1078[][][]
  6. BGBl I S. 1534[][][][]
  7. BVerfG, Beschluss vom 26.02.2010 – 1 BvR 1541, 2685/​09 – NJW 2010, 1943[][][]
  8. BGBl I S. 1847[][]
  9. VG Köln, Urteil vom 17.01.2013 – 26 K 4264/​11[]
  10. vgl. Stober/​Kluth, Ver­wal­tungs­recht II, 7. Aufl.2010, § 87 Rn. 11; v. Campenhausen/​Stumpf, in: v. Campenhausen/​Rich­ter, Stif­tungs­rechts-Hand­buch, 4. Aufl.2014, § 17 Rn. 5 und § 20 Rn. 1 f.[]
  11. BGBl I S.2018[]
  12. BVerfG, Urteil vom 08.07.1976 – 1 BvL 19/​75 u.a., BVerfGE 42, 263, 311, 312[]
  13. s.a. BVerfG, ebd., S. 298[]
  14. BVerfG, Urteil vom 08.07.1976 a.a.O., 305 ff.[]
  15. vgl. BVerfG, Beschluss vom 13.01.1982 – 1 BvR 848/​77 u.a., BVerfGE 59, 231[]
  16. BVerfG, Beschluss vom 29.05.1990 – 1 BvL 20/​86 u.a., BVerfGE 82, 60, 80[]
  17. BVerfG, Beschluss vom 18.06.1975 – 1 BvL 4/​74, BVerfGE 40, 121, 133[]
  18. BVerfG, Beschluss vom 18.06.1975 a.a.O.[]
  19. dazu BVerfG, Urteil vom 09.02.2010 – 1 BvL 1/​09 u.a., BVerfGE 125, 175; vom 18.07.2012 – 1 BvL 10/​10, 1 BVL 2/​11, BVerfGE 132, 134[]
  20. BVerfG, Urteil vom 08.07.1976 a.a.O., 311[]
  21. BVerfG, Beschluss vom 26.02.2010 – 1 BvR 1541, 2685/​09 – NJW 2010, 1943 Rn.20[]
  22. vgl. BVerfGE 77, 170, 214; 79, 174, 202; 88, 203, 262; 96, 56, 64; 106, 166, 177; 121, 317, 356[]
  23. vgl. BVerfGE 56, 54, 81[]
  24. vgl. BVerfGE 56, 54, , 80 f.; 77, 170, 214 f.; 79, 174, 202; 85, 191, 212; 92, 26, 46; BVerfG, Beschlüs­se vom 26.05.1998 – 1 BvR 180/​88; NJW 1998, 3264 ff.; und vom 29.07.2009 – 1 BvR 1606/​08 12[]
  25. vgl. BVerfGE 56, 54, 81 f.[]
  26. s. nur BVerfG, Urteil vom 10.04.1997 – 2 BvF 1/​95, BVerfGE 95, 335, 405; Beschluss vom 15.12 1999 – 1 BvR 1904/​95 u.a., BVerfGE 101, 331, 350 f.[]
  27. BVerfG, ebd., 309, 311[]
  28. BGBl I S. 2190[]
  29. BT-Drs. 15/​5654, Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung; 15/​5851, Beschluss­emp­feh­lung und Bericht[]
  30. BVerfG, Urteil vom 08.07.1976 – 1 BvL 19/​75 u.a., BVerfGE 42, 263, 309[]
  31. z.B. W. Frei­tag, Con­ter­gan. Eine genea­lo­gi­sche Stu­die des Zusam­men­hangs wis­sen­schaft­li­cher Dis­kur­se und bio­gra­phi­scher Erfah­run­gen, 2005; Zichner/​Rauschmann/​Thomann, Hrsg., Die Con­ter­gan­ka­ta­stro­phe – Eine Bilanz nach 40 Jah­ren, 2005[]
  32. Insti­tut für Geron­to­lo­gie der Ruprecht Karls Uni­ver­si­tät Hei­del­berg, Con­ter­gan. Wie­der­holt durch­zu­füh­ren­de Befra­gun­gen zu Pro­ble­men, spe­zi­el­len Bedar­fen und Ver­sor­gungs­de­fi­zi­ten von con­ter­gan­ge­schä­dig­ten Men­schen. End­be­richt an die Con­ter­gan­stif­tung für behin­der­te Men­schen, 2012[]
  33. BT-Drs. 16/​8743 S. 4[]
  34. BT-Drs. 16/​8653[]
  35. Deut­scher Bun­des­tag – Aus­schuss für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend, Pro­to­koll Nr. 16/​57 der öffent­li­chen Anhö­rung vom 28.05.2008 zu dem Antrag der Frak­tio­nen der CDU/​CSU und SPD "Ange­mes­se­ne und zukunfts­ori­en­tier­te finan­zi­el­le Unter­stüt­zung der Con­ter­gan­ge­schä­dig­ten sicher­stel­len", BT-Drs. 16/​8754, und zu dem Antrag der Frak­ti­on Bünd­nis 90/​Die Grü­nen "Für einen umfas­sen­den Ansatz beim Umgang mit den Fol­gen des Con­ter­gan-Medi­zin­skan­dals", BT-Drs. 16/​8748[]
  36. Gesetz­ent­wurf der Frak­tio­nen der CDU/​CSU und SPD, BT-Drs. 16/​12413, S. 1, 7[]
  37. BT-Drs. 12/​12413, S. 7[]
  38. BT-Drs. 16/​12413, S. 11[][]
  39. BT-Drs. 17/​12678, S. 1[]
  40. Antrag der Frak­ti­on Die Lin­ke "Lebens­si­tua­ti­on der durch Con­ter­gan geschä­dig­ten Men­schen mit einem Drit­ten Con­ter­gan­stif­tungs­än­de­rungs­ge­setz und wei­te­ren Maß­nah­men spür­bar ver­bes­sern" vom 17.10.2010, BT-Drs. 17/​11041, S. 2[]
  41. BVerwG, Beschluss­emp­feh­lung und Bericht des Aus­schus­ses für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend vom 24.04.2013, BT-Drs. 17/​13279, S. 3[]
  42. BT-Drs. 16/​11223, Antrag "Ange­mes­se­ne und zukunfts­ori­en­tier­te Unter­stüt­zung der Con­ter­gan­ge­schä­dig­ten sicher­stel­len"; BT-Prot 16/​200 vom 22.01.2009, S. 21677, Annah­me des Antra­ges[]
  43. BVerfG, Beschluss vom 15.07.1998 – 1 BvR 1554/​89 u.a., BVerfGE 98, 365, 385[]
  44. stRspr, BVerfG, Beschluss vom 21.06.2011 – 1 BvR 2035/​07, BVerfGE 129, 49, 68 f.[]
  45. BVerfG, Beschluss vom 21.07.2010 – 1 BvR 611, 2464/​07, BVerfGE 126, 400, 416[]
  46. vgl. BVerfG, Beschluss vom 26.02.2010 a.a.O.[]
  47. s. für den streit­be­fan­ge­nen Zeit­raum zuletzt Bekannt­ma­chung der Neu­fas­sung der Richt­li­ni­en vom 30.06.2009, BAnz, Amt­li­cher Teil vom 03.07.2009 S. 2313[]
  48. s. bereits BVerfG, Urteil vom 08.07.1976 – 1 BvL 19/​75 u.a., BVerfGE 42, 263, 309[]
  49. BVerfG, Urteil vom 08.07.1976, a.a.O.[]
  50. BVerfG, Beschluss vom 26.02.2010 – 1 BvR 1541, 2685/​09 – NJW 2010, 1943 Rn. 31[]
  51. vgl. BVerfG, Urteil vom 08.07.1976 a.a.O., 311[]
  52. BT-Drs. 16/​12413, S. 7[]
  53. BVerfG, Urteil vom 08.07.1976 a.a.O., 302[]
  54. BVerfG, Beschluss vom 06.12 2005 – 1 BvR 347/​98, BVerfGE 115, 25, 44[]
  55. s. statt vie­ler Sei­ler, in: Epping/​Hillgruber, GG-Kom­men­tar, 2009 Art. 70 Rn. 4; Jarass/​Pieroth, GG-Kom­men­tar 13. Aufl.2014, Art. 70 Rn. 22[]
  56. BAnz vom 03.07.2009, S. 2313[]
  57. BVerfG, Urteil vom 08.07.1976 a.a.O.[]
  58. vgl. BVerfG, Urteil vom 14.07.1959 – 2 BvF 1/​58, BVerfGE 10, 20, 45 ff., 49 ff.[]
  59. BVerfG, Urtei­le vom 09.02.2010 – 1 BvL 1/​09 u.a., BVerfGE 125, 175; und vom 18.07.2012 – 1 BvL 10/​10, 1 BvL 2/​11, BVerfGE 132, 134; s.a. oben Rn. 33 ff.[]
  60. BT-Drs. 16/​12413, S. 1 und 7[]
  61. BT-Drs. 16/​12413, S. 1[]
  62. BVerfG, Urteil vom 08.07.1976 – 1 BvL 19/​75 u.a., BVerfGE 42, 263, 311[]
  63. vgl. auch BVerfG, Beschluss vom 26.02.2010 – 1 BvR 1541, 2685/​09 – NJW 2010, 1943 Rn. 31[]