Das behin­der­ten­ge­rech­te Kraft­fahr­zeug – Ein­glie­de­rungs­hil­fe in Form der Kfz-Hil­fe

Nach § 6 Abs 1 KfzHV wird Hil­fe zur Beschaf­fung eines Kfz in der Regel als Zuschuss geleis­tet, des­sen näher gere­gel­te Höhe sich nach dem Ein­kom­men des behin­der­ten Men­schen rich­tet. Nach § 6 Abs 3 KfzHV sind Ein­kom­men (unter ande­rem) im Sin­ne des Abs 1 das monat­li­che Net­to-Arbeits­ent­gelt, Net­to-Arbeits­ein­kom­men und ver­gleich­ba­re Lohn­er­satz­leis­tun­gen des behin­der­ten Men­schen (S 1). Die Ermitt­lung des Ein­kom­mens rich­tet sich nach den für den zustän­di­gen Trä­ger maß­geb­li­chen Rege­lun­gen (S 2).

Das behin­der­ten­ge­rech­te Kraft­fahr­zeug – Ein­glie­de­rungs­hil­fe in Form der Kfz-Hil­fe

Inso­weit bestehen für das Bun­des­so­zi­al­ge­richt kei­ne Beden­ken gegen die Auf­fas­sung, dass im Rah­men des Leis­tungs­rechts der Bun­des­agen­tur für Arbeit auf die Rege­lun­gen in § 14 Abs 1 und 2 SGB IV (hier idF der Bekannt­ma­chung vom 12.11.2009, BGBl I 3710, mWv 1.09.2009) zurück­zu­grei­fen ist. Nach die­sen Vor­schrif­ten, die nach § 1 Abs 1 SGB IV (idF ab 1.09.2009) für die dort auf­ge­führ­ten Ver­si­che­rungs­zwei­ge ein­schließ­lich der Arbeits­för­de­rung gel­ten, ist unter dem Net­to-Arbeits­ent­gelt das (nur) um die gesetz­li­chen Abzü­ge ver­min­der­te Brut­to­ar­beits­ent­gelt zu ver­ste­hen. Von dem so ermit­tel­ten Net­to-Arbeits­ent­gelt ist grund­sätz­lich auch bei der Kfz-Hil­fe durch einen der Ver­si­che­rungs­trä­ge­rim Sin­ne von § 1 Abs 1 SGB IV aus­zu­ge­hen 1. Danach muss­te die Bun­des­agen­tur für Arbeit bei der Ermitt­lung des maß­geb­li­chen Net­to­ein­kom­mens die monat­li­che Selbst­be­tei­li­gung des Behin­der­ten an den Kos­ten einer Pfle­ge­as­sis­tenz nicht als Abzugs­pos­ten berück­sich­ti­gen.

Ande­res gilt u.U. bei einer Leis­tungs­pflicht des Trä­gers der Sozi­al­hil­fe, der nach Maß­ga­be der für ihn gel­ten­den Vor­schrif­ten ggfs. einen höhe­ren als den von der Bun­des­agen­tur für Arbeit gezahl­ten Zuschuss zu den Beschaf­fungs­kos­ten des Kfz zu zah­len hat. Dabei ist ins­be­son­de­re zu beach­ten, dass bei der Gewäh­rung des Zuschus­ses zu den Beschaf­fungs­kos­ten eines Kfz im Rah­men der Ein­glie­de­rungs­hil­fe eine höhen­mä­ßi­ge Begren­zung nach der KfzHV nicht statt­fin­det.

Die Trä­ger der Sozi­al­hil­fe sind Reha-Trä­ger nicht nur für Leis­tun­gen zur Teil­ha­be am Arbeits­le­ben, son­dern auch zur Teil­ha­be am Leben in der Gemein­schaft (vgl § 5 Nr 2 und 4, § 6 Abs 1 Nr 7 SGB IX). Die begehr­te Leis­tung – hier Hil­fe zur Beschaf­fung eines Kfz – kann wie im vor­lie­gen­den Fall zugleich der Ein­glie­de­rung behin­der­ter Men­schen die­nen. Denn bei der Ein­glie­de­rungs­hil­fe geht es um Hil­fen für behin­der­te Men­schen, die in ihrer Fähig­keit, an der Gesell­schaft teil­zu­ha­ben, ein­ge­schränkt sind (§ 53 Abs 1 SGB XII).

Ein­glie­de­rungs­hil­fe in Form einer Hil­fe zur Beschaf­fung eines Kfz kommt für den Sozi­al­hil­fe­trä­ger sowohl unter dem Aspekt sei­ner Zustän­dig­keit für Leis­tun­gen zur Teil­ha­be am Arbeits­le­ben als auch der Teil­ha­be am Leben in der Gemein­schaft in Betracht. Dies ergibt sich aus § 8 Ein­glie­de­rungs­hil­fe­VO. Dient die Hil­fe zur Beschaf­fung eines Kfz als Ein­glie­de­rungs­hil­fe zur Teil­ha­be am Leben in der Gemein­schaft, wird die Leis­tung (= Hil­fe) vom Trä­ger der Sozi­al­hil­fe „in ange­mes­se­nem Umfang gewährt”. Soweit die Leis­tung von Ein­glie­de­rungs­hil­fe für behin­der­te Men­schen vom zumut­ba­ren Ein­satz von Ein­kom­men abhängt (§ 2 Abs 1, § 19 Abs 3, § 20 S 1 SGB XII), sind ggf die Bestim­mun­gen zum Ein­kom­men im Elf­ten Kapi­tel des SGB XII (§§ 82 ff) zu berück­sich­ti­gen. Die Ange­mes­sen­heits­prü­fung und der zumut­ba­re Ein­satz eige­ner Mit­tel erfolgt nach den für den Trä­ger der Sozi­al­hil­fe maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten, ohne dass die höhen­mä­ßi­gen Beschrän­kun­gen des § 6 KfzHV in die­sem Fall Anwen­dung fin­den.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 14. Mai 2014 – B 11 AL 6/​13 R

  1. vgl BSG SozR 3 – 5765 § 6 Nr 1