Das Foto für die elek­tro­ni­sche Gesund­heits­kar­te

Weder daten­schutz­recht­li­che Bestim­mun­gen noch das infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mungs­recht wer­den durch die Ein­füh­rung der elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­te ver­letzt.

Das Foto für die elek­tro­ni­sche Gesund­heits­kar­te

So hat das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Man­nes ent­schie­den, der durch die elek­tro­ni­sche Gesund­heits­kar­te einen Daten­miss­brauch befürch­tet und dar­über hin­aus kein Licht­bild für die Kar­te zur Ver­fü­gung stel­len woll­te. Ein 66-jäh­ri­ger Mann aus dem Land­kreis Kas­sel ver­wehrt sich dage­gen, sei­ner Kran­ken­kas­se ein Foto für die elek­tro­ni­sche Gesund­heits­kar­te zu geben. Fer­ner wen­det er sich gegen die Spei­che­rung und Wei­ter­ga­be von per­sön­li­chen Kran­ken­da­ten durch eine sol­che Kar­te, da er einen Daten­miss­brauch befürch­te. Die Kran­ken­kas­se wies ihn dar­auf hin, dass die neue Gesund­heits­kar­te die bis­he­ri­ge Ver­si­cher­ten­kar­te ablö­se und er sei­ne bis­he­ri­ge Ver­si­cher­ten­kar­te nur noch bis zum März 2014 beim Arzt vor­le­gen kön­ne. Nach­dem in ers­ter Instanz der Kran­ken­kas­se Recht gege­ben wur­de, hat der Klä­ger sein Ziel vor dem Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richt wei­ter ver­folgt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt aus­ge­führt, dass mit dem Licht­bild die Iden­ti­fi­zie­rung des Ver­si­cher­ten ermög­licht wer­de. Die ent­spre­chen­de Anfor­de­rung sei damit eine geeig­ne­te Maß­nah­me, um einer miss­bräuch­li­chen Ver­wen­dung der Ver­si­cher­ten­kar­te ent­ge­gen­zu­wir­ken. Ein Ver­stoß gegen daten­schutz­recht­li­che Bestim­mun­gen oder das infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mungs­recht lie­ge nicht vor. Das All­ge­mein­in­ter­es­se an der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Sach­leis­tungs­sys­tems der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung über­wie­ge die recht­li­che Betrof­fen­heit des Klä­gers.

Über die Pflicht­da­ten wie z.B. Name, Geburts­da­tum, Anschrift und Ver­si­cher­ten­sta­tus hin­aus sei das Erhe­ben, Ver­ar­bei­ten und Nut­zen von Daten nur mit dem Ein­ver­ständ­nis des Ver­si­cher­ten zuläs­sig. Dies gel­te ins­be­son­de­re für Befun­de, Dia­gno­sen und Behand­lungs­be­rich­te. Da der Klä­ger inso­weit kei­ne Ein­wil­li­gung gege­ben habe, sei er recht­lich nicht betrof­fen.

Dar­über hin­aus hat das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­den, dass die soge­nann­te Online­funk­ti­on der elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­te im Sin­ne des Trans­ports admi­nis­tra­ti­ver Daten zwi­schen Arzt und Kran­ken­kas­se zur Über­prü­fung der Gül­tig­keit und Aktua­li­tät recht­lich unbe­denk­lich sei. Dies gel­te jeden­falls im der­zei­ti­gen Ver­fah­rens­sta­di­um, in wel­chem die Pra­xis­taug­lich­keit unter Berück­sich­ti­gung des Daten­schut­zes erprobt wer­de.

Hes­si­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 26. Sep­tem­ber 2013 – L 1 KR 50/​13