Das nicht aus­ge­zahl­te Kin­der­geld – und die Reich­wei­te des Einspruchs

Die vor­be­halt­lo­se Fest­set­zung von Kin­der­geld und die Ver­fü­gung über die Nicht­aus­zah­lung sind eigen­stän­di­ge Ver­wal­tungs­ak­te. Rich­tet sich der Ein­spruch nur gegen die ver­wei­ger­te Aus­zah­lung, liegt hier­in nicht zugleich ein Ein­spruch gegen die Festsetzung.

Das nicht aus­ge­zahl­te Kin­der­geld – und die Reich­wei­te des Einspruchs

Zwar ist auch die Ein­spruchs­ein­le­gung als ver­fah­rens­ein­lei­ten­de Wil­lens­er­klä­rung nach den für emp­fangs­be­dürf­ti­ge Wil­lens­er­klä­run­gen gel­ten­den Grund­sät­zen (§§ 133, 157 BGB) aus­leg­bar. Vor­aus­set­zung hier­für ist aber, dass die (Ver­fah­rens-) Erklä­rung aus­le­gungs­be­dürf­tig ist. Hier­an fehlt es, wenn die Erklä­rung nach Wort­laut und Zweck einen ein­deu­ti­gen Inhalt hat1. Ob dies zutrifft, ist revi­si­ons­recht­lich nach­prüf­bar2.

So auch im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall: Die vom Vater im Rah­men des Ein­spruchs­ver­fah­rens gegen den Bescheid vom 22.02.2018 abge­ge­be­ne Stel­lung­nah­me (Schrei­ben vom 21.03.2018) ist nach ihrem Wort­laut und Zweck ein­deu­tig und unmiss­ver­ständ­lich und kann nicht zugleich als Ein­spruch gegen die Fest­set­zung des Kin­der­gel­des aus­ge­legt oder umge­deu­tet wer­den. Der Vater erklärt in die­sem Schrei­ben zunächst, dass die Fami­li­en­kas­se mit Bescheid vom 22.02.2018 sei­nem Antrag auf Fest­set­zung des Kin­der­gel­des ent­spro­chen habe. Des Wei­te­ren macht er gel­tend, der ver­wei­ger­ten Nach­zah­lung kön­ne § 66 Abs. 3 EStG nicht ent­ge­gen­ste­hen, da der Kin­der­geld­an­trag nach sei­nen Unter­la­gen am 29.12.2017 der Fami­li­en­kas­se zuge­gan­gen sei. Er bat die Fami­li­en­kas­se daher nun­mehr um Über­wei­sung des fest­ge­setz­ten Kin­der­gel­des. Die­se Begrün­dung lässt ein­deu­tig den Wil­len und die Ziel­set­zung des Vaters erken­nen, ledig­lich die Nicht­aus­zah­lung anzu­grei­fen. Abge­se­hen davon wäre ein Ein­spruch gegen die erfolg­te vor­be­halts­lo­se Fest­set­zung man­gels Beschwer (§ 350 AO) unzu­läs­sig gewesen.

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Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. April 2021 – III R 50/​20

  1. BFH, Urtei­le vom 14.06.2016 – IX R 11/​15, BFH/​NV 2016, 1676, Rz 22; vom 28.11.2001 – I R 93/​00, BFH/​NV 2002, 613[]
  2. BFH, Urteil vom 11.02.2009 – X R 51/​06, BFHE 226, 1, BStBl II 2009, 892[]

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