Das Urteil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts – Anhö­rungs­rü­ge oder Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de?

Eine Anhö­rungs­rü­ge ist – ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich – nach § 178a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SGG nur statt­haft, wenn ein Rechts­mit­tel oder ein ande­rer Rechts­be­helf gegen die ange­grif­fe­ne Ent­schei­dung nicht gege­ben ist.

Das Urteil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts – Anhö­rungs­rü­ge oder Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de?

Da auch die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de einen Rechts­be­helf in die­sem Sin­ne dar­stellt [1], kann Anhö­rungs­rü­ge gegen Urtei­le des Lan­des­so­zi­al­ge­richts grund­sätz­lich nicht zuläs­sig erho­ben wer­den: Hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt die Revi­si­on nicht ohne­hin zuge­las­sen, kön­nen die­se näm­lich mit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ange­grif­fen wer­den, nach­dem § 160a Abs. 1 Satz 1 SGG dies­be­züg­lich kei­ne Beschrän­kun­gen vor­sieht.

Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt hat­te die Anhö­rungs­rü­ge daher – wie gesche­hen – zwin­gend als unzu­läs­sig zu ver­wer­fen, so dass kein Raum für einen ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Ver­stoß gegen Grund- oder grund­rechts­glei­che Rech­te war.

Vor die­sem Hin­ter­grund war im hier ent­schie­de­nen FAll schließ­lich die Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen das Urteil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts und das vor­an­ge­gan­ge­ne Urteil des Sozi­al­ge­richts nicht frist­ge­recht erho­ben. Die Anhö­rungs­rü­ge gegen das Urteil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts war nicht geeig­net, die Monats­frist aus § 93 Abs. 1 Satz 1 BVerfGG offen­zu­hal­ten, nach­dem sie aus den oben genann­ten Grün­den offen­sicht­lich nicht statt­haft und die­ser Zusam­men­hang für einen Beschwer­de­füh­rer unschwer zu erken­nen war [2].

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 11. August 2017 – 1 BvR 237/​17

  1. vgl. BVerfGK 11, 390, 393[]
  2. vgl. BVerfGE 91, 93, 106[]