Das vom Arzt ver­ord­ne­te Tan­dem

Ver­si­cher­te haben grund­sätz­lich einen Anspruch gegen­über der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se auf die Gewäh­rung von Hilfs­mit­teln – jedoch nur, soweit die Hilfs­mit­tel nicht als Gebrauchs­ge­gen­stän­de des täg­li­chen Lebens anzu­se­hen sind. Bei einem Tan­dem han­delt es sich um einen Gebrauchs­ge­gen­stand des täg­li­chen Lebens, des­sen Anschaf­fungs­kos­ten nicht von der Kran­ken­kas­se zu erstat­ten sind.

Das vom Arzt ver­ord­ne­te Tan­dem

Mit die­ser Begrün­dung hat das Sozi­al­ge­richt Mainz in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines an einer spas­ti­schen Tetrapa­re­se lei­den­den min­der­jäh­ri­gen Klä­gers den Antrag auf Kos­ten­er­stat­tung für ein Tan­dem abge­lehnt. Der behan­deln­de Arzt hat­te dem Klä­ger zum Trai­ning alter­nie­ren­der Bewe­gungs­ab­läu­fe, Ver­bes­se­rung der phy­sio­lo­gi­schen Bewe­gungs­mus­ter und Tonus­re­gu­la­ti­on ein Tan­dem ver­ord­net, bei wel­chem der vor­de­re Fah­rer in halb lie­gen­der Posi­ti­on die Bei­ne nach vor­ne hin bewegt, wäh­rend der hin­te­re Fah­rer die klas­si­sche sit­zen­de Posi­ti­on ein­nimmt. Der Klä­ger erwarb dar­auf­hin in einem her­kömm­li­chen Fahr­rad­la­den ein ent­spre­chen­des, seri­en­mä­ßig her­ge­stell­tes Tan­dem. Sei­nen Antrag auf Erstat­tung der Kos­ten lehn­te die beklag­te Kran­ken­kas­se aber ab.

Nach Auf­fas­sung des Sozi­al­ge­richts Mainz haben Ver­si­cher­te zwar grund­sätz­lich einen Anspruch gegen­über der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se auf die Gewäh­rung von Hilfs­mit­teln, nach der gesetz­li­chen Rege­lung besteht die­ser Anspruch jedoch nur, soweit die Hilfs­mit­tel nicht als Gebrauchs­ge­gen­stän­de des täg­li­chen Lebens anzu­se­hen sind. Ein Gegen­stand ist ein Hilfs­mit­tel, wenn er sei­ner Kon­zep­ti­on nach der Siche­rung des Erfolgs einer Kran­ken­be­hand­lung oder der Vor­beu­gung oder dem Aus­gleich einer Behin­de­rung dient. Ist dies nicht der Fall, muss der Gegen­stand zumin­dest den Bedürf­nis­sen erkrank­ter oder behin­der­ter Men­schen beson­ders ent­ge­gen­kom­men und von kör­per­lich nicht beein­träch­tig­ten Men­schen prak­tisch nicht genutzt wer­den. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat dies­be­züg­lich bereits ent­schie­den, dass Fahr­rä­der in Form des übli­chen Zwei­ra­des und seri­en­mä­ßig her­ge­stell­te Lie­ge­drei­rä­der als Gebrauchs­ge­gen­stän­de des täg­li­chen Lebens zu bewer­ten sind. Etwas ande­res kann nur gel­ten, wenn es sich um eine indi­vi­du­ell für den behin­der­ten Men­schen ange­fer­tig­te Kon­struk­ti­on han­de­le. Unter Bezug­nah­me auf die­se Recht­spre­chung urteil­te das Sozi­al­ge­richt, dass auch das von dem Klä­ger erwor­be­ne, seri­en­mä­ßig her­ge­stell­te Tan­dem einen Gebrauchs­ge­gen­stand des täg­li­chen Lebens dar­stel­le und wies die Kla­ge ab.

Sozi­al­ge­richt Mainz, Urteil vom 25. Febru­ar 2013 – S 14 KR 379/​12