Der Auf­zug im Haus eines schwer­be­hin­der­ten Kin­des

Der Ein­bau eines Fahr­stuhls, der es einem behin­der­ten Kind ermög­li­chen soll, sich inner­halb des Hau­ses zu bewe­gen bzw über­haupt das Haus zu ver­las­sen, ist kei­ne pri­vi­le­gier­te Eingliederungshil­femaßnahme nach § 92 Abs 2 Satz 1 Nr 3 SGB XII.

Der Auf­zug im Haus eines schwer­be­hin­der­ten Kin­des

Nach § 92 Abs 2 Satz 1 Nr 3 SGB XII bleibt vor­han­de­nes Ver­mö­gen bei der Hil­fe, die dem behin­der­ten noch nicht ein­ge­schul­ten Men­schen die für ihn erreich­ba­re Teil­nah­me am Leben in der Gemein­schaft ermög­li­chen soll, völ­lig unbe­rück­sich­tigt, und Ein­kom­men wird nur bei den Kos­ten des Lebens­un­ter­halts berück­sich­tigt.

In dem hier von Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Fall bean­trag­ten die Eltern des im Jah­re 2002 gebo­re­nen und in erheb­li­chem Umfang behin­der­ten (unter ande­rem Teil­läh­mung bei­der Bei­ne) Klä­gers im Febru­ar 2005 die Über­nah­me der Kos­ten für den Ein­bau eines Fahr­stuhls; die Kos­ten belie­fen sich nach Anga­ben im Kla­ge­ver­fah­ren auf über 37 000 €. Ein­gliederungshilfe wur­de wegen der Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se der Eltern vom beklag­ten Sozi­al­hil­fe­trä­ger abge­lehnt, weil der Vater des Klä­gers nach eige­nen An­gaben über 37 000 € Ver­mö­gen und meh­re­re Lände­reien besit­ze.

Auch das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te dem Sozi­al­ge­richt Müns­ter sowie in der Beru­fungs­in­stanz das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len in Essen ver­nein­ten einen ent­spre­chen­den Anspruch 1. Man­gels genau­er Fest­stellun­gen des Lan­des­so­zi­al­ge­richts zu den Ver­mö­gens- und Ein­kom­mens­ver­hält­nis­sen der Eltern des Klä­gers wur­de die Sache vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt zur er­neuten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Lan­des­so­zi­al­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Aller­dings fin­det die Vor­schrift über die Pri­vi­le­gie­rung von Ver­mö­gen bei behin­der­ten noch nicht ein­ge­schulten Men­schen kei­ne Anwen­dung. Sys­te­ma­tisch macht die Auf­zäh­lung der übri­gen Fördermaß­nahmen in § 92 Abs 2 Satz 1 SGB XII (heil­päd­ago­gi­sche Maß­nah­men für noch nicht ein­ge­schul­te Kin­der; angemes­sene Schul­bil­dung; schu­li­sche Aus­bil­dung für einen ange­mes­se­nen Beruf oder zur Aus­bil­dung für eine sons­ti­ge ange­messene Tätig­keit, wenn die Leis­tun­gen in beson­de­ren Einrichtun­gen für behin­derte Men­schen er­bracht wer­den; medi­zi­ni­sche Reha­bi­li­ta­ti­on; Leis­tun­gen zur Teil­ha­be am Arbeits­leben; Leis­tun­gen in aner­kann­ten Werk­stät­ten für behin­der­te Men­schen; Hil­fen zum Erwerb prakti­scher Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten, soweit sie in beson­de­ren teil­sta­tio­nä­ren Ein­rich­tun­gen für behin­derte Men­schen erbracht wer­den) deut­lich, dass der Gesetz­ge­ber eine Ein­kom­mens- und Ver­mö­gensprivilegierung nur für spe­zi­fi­sche För­der­maß­nah­men mit dem behin­der­ten Kind vor­ge­se­hen hat, nicht jedoch für Umbau­maß­nah­men im Haus, die es erst ermög­li­chen, das Haus zu ver­las­sen und damit die­se För­der­maß­nah­men zu er­reichen. Inso­weit steht bei wer­ten­der Betrach­tung der Bereich der all­ge­mei­nen Lebens­füh­rung im Vor­dergrund.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 20. Sep­tem­ber 2012 – B 8 SO 15/​11 R

  1. LSG NRW, Urteil vom 20.04.2011 – L 9 SO 30/​10[]