Der Heim­ver­trag und der Tod des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen

Heim­ver­trä­ge mit Bewoh­nern, die sta­tio­nä­re Leis­tun­gen der sozia­len Pfle­ge­ver­si­che­rung erhal­ten, enden stets mit dem Ster­be­tag des Bewoh­ners, ent­schied jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt. Ver­ein­ba­run­gen, die eine Fort­gel­tung des Ver­tra­ges dar­über hin­aus vor­se­hen und zur Fort­zah­lung des Hei­ment­gelts bezüg­lich der Unter­kunft und der geson­dert bere­chen­ba­ren Inves­ti­ti­ons­kos­ten ver­pflich­ten, dür­fen, so das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, mit Leis­tungs­emp­fän­gern der Pfle­ge­ver­si­che­rung nicht geschlos­sen wer­den und sind unwirk­sam. Die Kla­ge meh­re­rer Heim­trä­ger gegen ent­spre­chen­de heim­auf­sichts­recht­li­che Anord­nun­gen ist damit auch in letz­ter Instanz vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig erfolg­los geblie­ben.

Der Heim­ver­trag und der Tod des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen

Die Klä­ge­rin­nen betrei­ben voll­sta­tio­nä­re Pfle­ge­ein­rich­tun­gen in Sach­sen-Anhalt. Nach ihrem Mus­ter­ver­trag ende­te der Heim­ver­trag erst zwei Wochen nach dem auf den Ster­be­tag des Bewoh­ners fol­gen­den Tag, falls der Heim­platz nicht zuvor neu belegt wur­de. Für den Zeit­raum der Fort­gel­tung des Ver­tra­ges muss­ten die Unter­kunfts- und die antei­li­gen Inves­ti­ti­ons­kos­ten wei­ter­ge­zahlt wer­den. Nur erspar­te Auf­wen­dun­gen wur­den ange­rech­net. Der Beklag­te bean­stan­de­te die­se Ver­trags­klau­sel. Sie sei rechts­wid­rig, soweit sie Leis­tungs­emp­fän­ger der Pfle­ge­ver­si­che­rung betref­fe. Deren Zah­lungs­pflicht ende nach dem Pfle­ge­ver­si­che­rungs­recht mit dem Ster­be­tag. Gegen die Anord­nun­gen des beklag­ten Lan­des­ver­wal­tungs­amt Sach­sen-Anhalt, ihre Heim­ver­trä­ge dar­an anzu­pas­sen, berie­fen die Klä­ge­rin­nen sich auf eine inzwi­schen außer Kraft getre­te­ne und durch eine ver­gleich­ba­re Rege­lung im Wohn- und Betreu­ungs­ver­trags­ge­setz ersetz­te Vor­schrift des Heim­ge­set­zes, die Ver­ein­ba­run­gen über eine Fort­gel­tung des Heim­ver­tra­ges in begrenz­tem Umfang zuließ. Die Kla­gen der Klä­ge­rin­nen blie­ben vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Mag­de­burg und dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Sach­sen-Anhalt in Mag­de­burg1 erfolg­los. Die Revi­sio­nen der Klä­ge­rin­nen hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nun eben­falls zurück­ge­wie­sen:

Das Pfle­ge­ver­si­che­rungs­recht trifft für Heim­ver­trä­ge mit Bewoh­nern, die sta­tio­nä­re Leis­tun­gen der sozia­len Pfle­ge­ver­si­che­rung emp­fan­gen, eine spe­zi­el­le, abschlie­ßen­de Rege­lung. Danach endet der Heim­ver­trag eben­so wie die Ver­pflich­tung zur Zah­lung des Hei­ment­gelts stets mit dem Ster­be­tag des Leis­tungs­emp­fän­gers. Dies schließt eine Anwen­dung der all­ge­mei­nen, Fort­gel­tungs­ver­ein­ba­run­gen zulas­sen­den heim­recht­li­chen Rege­lung aus. Sie ist nur anzu­wen­den auf Ver­trä­ge mit Bewoh­nern, die kei­ne sta­tio­nä­ren Leis­tun­gen der Pfle­ge­ver­si­che­rung erhal­ten. Mit der Spe­zi­al­re­ge­lung für Ver­trä­ge mit Leis­tungs­emp­fän­gern der Pfle­ge­ver­si­che­rung will der Gesetz­ge­ber eine Dop­pel­fi­nan­zie­rung von Leer­stän­den ver­hin­dern, da die­se in der Pra­xis bereits bei den Ver­hand­lun­gen der Pfle­ge­satz­par­tei­en im Rah­men der Aus­las­tungs­kal­ku­la­ti­on berück­sich­tigt wür­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 2. Juni 2010 – 8 C 24.09

  1. OVG LSA – 3 L 55/​06 []