Der MKG-Chir­urg als Beleg­arzt

Nach der der­zei­ti­gen Rechts­la­ge kön­nen Ver­trags­zahn­ärz­te (Fach­zahn­ärz­te für Mund‑, Kie­fer- und Gesichts­chir­ur­gie) kei­ne beleg­ärzt­li­che Tätig­keit in der Wei­se aus­üben, dass sie bestimm­te im Rah­men der sta­tio­nä­ren ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung von Ver­si­cher­ten anfal­len­de chir­ur­gi­sche Leis­tun­gen gegen­über der Kas­sen­zahn­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung (KZÄV) abrech­nen.

Der MKG-Chir­urg als Beleg­arzt

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt lässt dabei offen, ob sich die Begren­zung der beleg­ärzt­li­chen Tätig­keit auf den ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gungs­sek­tor – unter Aus­schluss des ver­trags­zahn­ärzt­li­chen Sek­tors – bereits aus der Wen­dung des § 121 Abs 2 SGB V ergibt, wonach Beleg­ärz­te im Sin­ne die­ses Gesetz­buchs nicht am Kran­ken­haus ange­stell­te Ver­trags­ärz­te sind, die berech­tigt sind, ihre Pati­en­ten im Kran­ken­haus unter Inan­spruch­nah­me der hier­für bereit­ge­stell­ten Diens­te, Ein­rich­tun­gen und Mit­tel voll­sta­tio­när oder teil­sta­tio­när zu behan­deln. Aus dem Merk­mal „berech­tigt“ hat­te in der Vor­in­stanz das Sozi­al­ge­richt Mar­burg abge­lei­tet, es bedür­fe eines eige­nen Aner­ken­nungs­ver­fah­rens für die Aus­übung der beleg­zahn­ärzt­li­chen Tätig­keit, damit davon aus­ge­gan­gen wer­den kön­ne, dass ein Ver­trags­zahn­arzt ent­spre­chend „berech­tigt“ ist. Die­se wort­laut­be­zo­ge­ne Aus­le­gung erscheint dem Bun­des­so­zi­al­ge­richt nicht zwin­gend, weil eini­ges dar­auf hin­deu­tet, dass sich die in § 121 Abs 2 SGB V ange­spro­che­ne „Berech­ti­gung“ vor­ran­gig auf das Rechts­ver­hält­nis zwi­schen dem Arzt und dem Kran­ken­haus bezieht, an dem die­ser kraft eines abge­schlos­sen Beleg­arzt­ver­tra­ges tätig sein darf.

Gleich­wohl kön­nen die Rege­lun­gen des § 121 SGB V (ähn­lich auch § 18 Abs 1 Kran­ken­haus­ent­gelt­ge­setz) über die beleg­ärzt­li­che Tätig­keit ins­ge­samt nicht auf den ver­trags­zahn­ärzt­li­chen Bereich über­tra­gen wer­den, weil es inso­weit an den gesetz­li­chen Grund­la­gen fehlt. Soweit die Klä­ge­rin das gegen­tei­li­ge Ergeb­nis aus der gene­rel­len Ver­wei­sung des § 72 Abs 1 Satz 2 SGB V ablei­tet, wonach die in den Vor­schrif­ten des Ers­ten Kapi­tels für Ärz­te gel­ten­den Rege­lun­gen ent­spre­chend auch für Zahn­ärz­te gel­ten, kann ihr nicht gefolgt wer­den.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat bereits mit sei­nem Urteil vom 09.04.2008 [1] aus­ge­führt, dass die Über­tra­gung der für Ärz­te gel­ten­den Vor­schrif­ten auf Zahn­ärz­te nicht nur dann aus­ge­schlos­sen ist, wenn das Gesetz aus­drück­lich von ver­trags­ärzt­li­chen bzw ver­trags­zahn­ärzt­li­chen Rege­lun­gen spricht, son­dern immer schon dann, wenn sich aus dem Zusam­men­hang der maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten bzw dem Sinn­ge­halt der jeweils zu regeln­den Mate­rie ergibt, dass eine Anwen­dung auf den zahn­ärzt­li­chen Bereich nicht in Betracht kommt. Die Rege­lun­gen des § 121 in den Abs 1, 3 und 4 sowie des § 115 SGB V und des § 115b SGB V bezie­hen sich ihrem Sinn­ge­halt nach auf die ver­trags­ärzt­li­che Tätig­keit und gel­ten für den zahn­ärzt­li­chen Ver­sor­gungs­be­reich nicht ent­spre­chend. Schon die in der Grund­vor­schrift des § 121 Abs 1 ange­spro­che­nen Ver­trags­par­tei­en nach § 115 Abs 1 SGB V, die auf­ge­for­dert sind, auf eine leis­tungs­fä­hi­ge und wirt­schaft­li­che beleg­ärzt­li­che Behand­lung der Ver­si­cher­ten hin­zu­wir­ken, sind nach dem Wort­laut der Norm auf der Sei­te der Leis­tungs­er­brin­ger nur die Kran­ken­häu­ser und die KÄV, nicht aber auch die KZÄV. Aller­dings wäre es theo­re­tisch mög­lich, jeweils über die Gene­ral­ver­wei­sung des § 72 Abs 1 Satz 2 SGB V immer dort, wo in § 115 SGB V von KÄV und Ver­trags­ärz­ten die Rede ist, auch die KZÄV die Ver­trags­zahn­ärz­te ein­zu­be­zie­hen, doch zeigt sich spä­tes­tens bei der Rege­lung des § 115 Abs 3 SGB V über die erwei­ter­te Schieds­stel­le zur Fest­set­zung des Inhalts der soge­nann­ten drei­sei­ti­gen Ver­trä­ge zwi­schen Kran­ken­kas­sen, Kran­ken­häu­sern und Ver­trags­ärz­ten, dass eine Betei­li­gung der KZÄV bzw von Ver­trags­zahn­ärz­ten nicht vor­ge­se­hen ist. Der Norm liegt ersicht­lich die Vor­stel­lung zugrun­de, dass die­se Schieds­stel­le mit Ver­tre­tern der Ver­trags­ärz­te und der Ver­bän­de der Kran­ken­kas­sen und der zustän­di­gen Kran­ken­haus­ge­sell­schaf­ten besetzt ist. Hät­te der Gesetz­ge­ber je nach Bedarfs­la­ge auch die KZÄV ein­be­zie­hen wol­len, hät­ten zwin­gend Rege­lun­gen dar­über getrof­fen wer­den müs­sen, wie sich zah­len­mä­ßig die Ver­tre­ter der Zahn­ärz­te zu denen der Ärz­te ver­hal­ten. Ver­gleich­ba­re Rege­lun­gen mit ent­spre­chen­der Ziel­set­zung ent­hält etwa § 91 Abs 2a SGB V hin­sicht­lich der Über­tra­gung von Stim­men der Leis­tungs­er­brin­ger­sei­te, soweit Beschlüs­se des gemein­sa­men Bun­des­aus­schus­ses (G‑BA) nur einen Leis­tungs­sek­tor (zB die zahn­ärzt­li­che Ver­sor­gung) betref­fen. Zudem fehlt für die Annah­me, es gebe drei­sei­ti­ge Ver­trä­ge ins­be­son­de­re zur För­de­rung der Naht­lo­sig­keit zwi­schen der ambu­lan­ten und der sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung iS des § 115 Abs 1 SGB V auch für den zahn­ärzt­li­chen Bereich mit der Fol­ge, dass in for­mel­ler wie in mate­ri­el­ler Hin­sicht jeweils anstel­le oder neben der aus­drück­lich genann­ten KÄV die KZÄV zur Mit­wir­kung beru­fen wer­den, jeder Anhalts­punkt. Auch der in § 115 Abs 5 SGB V nor­mier­te Auf­trag zur Abga­be von Rah­men­emp­feh­lun­gen zum Inhalt der Ver­trä­ge nach Abs 1 rich­tet sich nur an die Kas­sen­ärzt­li­che Bun­des­ver­ei­ni­gung (KÄBV) und nicht an die KZÄBV. Der im Bun­des­ge­setz­blatt I 1988, Nr 62 S 2477, 2513 ver­öf­fent­lich­te Wort­laut, der „die Kas­sen­ärzt­li­chen Bun­des­ver­ei­ni­gun­gen“ (Plu­ral) anspricht, weicht vom Wort­laut des Gesetz­ent­wurfs [2], der Beschluss­emp­feh­lung des zustän­di­gen Bun­des­tags­aus­schus­ses vom 15.11.1988 [3] und dem Beschluss des Deut­schen Bun­des­ta­ges vom 25.11.1988 ab, wie er dem Bun­des­rat zuge­lei­tet wor­den ist. Dort ist jeweils nur „die Kas­sen­ärzt­li­che Bun­des­ver­ei­ni­gung“ (Sin­gu­lar) ange­spro­chen [4]. Wie die feh­ler­haf­te Wen­dung im Plu­ral in das Gesetz­blatt gelangt ist, lässt sich heu­te nicht mehr nach­voll­zie­hen. Dass nur die KÄBV gemeint ist, ergibt sich aus der Begrün­dung der Regie­rungs­frak­tio­nen CDU/​CSU und FDP zu § 123 Abs 5 idF des Gesetz­ent­wurfs [5], in der auch der Sin­gu­lar ver­wandt wird und jeder Hin­weis auf die zahn­ärzt­li­che Ver­sor­gung fehlt.

Vor die­sem nor­ma­ti­ven Hin­ter­grund erweist sich das Feh­len eines spe­zi­el­len Aner­ken­nungs­ver­fah­rens im BMV‑Z, das etwa der Rege­lung der §§ 38 ff BMV‑Ä ent­spricht, als Indiz dafür, dass für eine beleg­zahn­ärzt­li­che Tätig­keit ein Rege­lungs­be­reich tat­säch­lich nicht gese­hen wird. Die Erwäh­nung der sta­tio­nä­ren ver­trags­zahn­ärzt­li­chen Behand­lung in § 2 Abs 2 Buchst b BMV‑Z hat dem­ge­gen­über kei­ne eigen­stän­di­ge Bedeu­tung.

Auch die Klä­ge­rin stellt nicht in Abre­de, dass die Grund­la­ge der beleg­ärzt­li­chen Tätig­keit des ihr ange­hö­ren­den Dr. F. die Beleg­arzt­an­er­ken­nung durch die KÄV Hes­sen ist, und dass von vorn­her­ein für eine aus­schließ­lich beleg­zahn­ärzt­li­che Tätig­keit kei­ne Not­wen­dig­keit bzw kein aus­rei­chen­der Tätig­keits­um­fang besteht. Nur die zahn­ärzt­li­chen Leis­tun­gen, die im Zusam­men­hang mit der MKG-Chir­ur­gie ste­hen, kom­men über­haupt für eine voll­sta­tio­nä­re Leis­tungs­er­brin­gung in Betracht, mit der sich allein die Rege­lun­gen über die beleg­ärzt­li­che Tätig­keit befas­sen. Ein Zahn­arzt, der nicht Fach­arzt für MKG-Chir­ur­gie ist und ent­spre­chend die hier betrof­fe­nen gro­ßen kie­fer­chir­ur­gi­schen Ein­grif­fe schon berufs­recht­lich nicht durch­füh­ren darf, wird von vorn­her­ein kei­ne sta­tio­nä­re zahn­ärzt­li­che Tätig­keit aus­üben kön­nen. Betrof­fen ist also aus­schließ­lich die Grup­pe der dop­pelt appro­bier­ten Ärz­te für MKG sowie Zahn­ärz­te. Dabei ver­kennt das Bun­des­so­zi­al­ge­richt nicht, dass genu­in zahn­ärzt­li­che, nicht ein­mal not­wen­dig oral­chir­ur­gi­sche Leis­tun­gen in beson­de­ren Kon­stel­la­tio­nen, zB bei schwer behin­der­ten und/​oder an Demenz lei­den­den Pati­en­ten nur unter Nar­ko­se­be­din­gun­gen erbracht wer­den kön­nen, die in zahl­rei­chen Pra­xen nicht zur Ver­fü­gung ste­hen. Die betrof­fe­nen Pati­en­ten wer­den in die­sen Fäl­len aber nicht voll­sta­tio­när mit Zahn­fül­lun­gen oder Zahn­ersatz ver­sorgt, son­dern in Pra­xen oder ambu­lan­ten Ope­ra­ti­ons­zen­tren, in denen Voll­nar­ko­sen ver­ab­reicht und über­wacht wer­den kön­nen.

Auch aus den Vor­schrif­ten der ver­trags­zahn­ärzt­li­chen Gebüh­ren­ord­nun­gen lässt sich nicht ablei­ten, dass der Gesetz­ge­ber zumin­dest inzi­dent von der Mög­lich­keit einer beleg­zahn­ärzt­li­chen Tätig­keit aus­geht. Unab­hän­gig von der Erwä­gung, ob der Bewer­tungs­aus­schuss berech­tigt wäre, nur sta­tio­när erbring­ba­re ver­trags­zahn­ärzt­li­che Leis­tun­gen zu bewer­ten, ist das auch tat­säch­lich nicht gesche­hen. Zu der von der Klä­ge­rin auf­ge­führ­ten Norm­kol­li­si­on könn­te es näm­lich nur kom­men, wenn der Bewer­tungs­aus­schuss Leis­tun­gen bewer­tet hät­te, die einer­seits nur sta­tio­när erbring­bar sind und zugleich nur von Ver­trags­zahn­ärz­ten, also nicht von MKG-Chir­ur­gen ohne ver­trags­zahn­ärzt­li­che Zulas­sung abge­rech­net wer­den kön­nen. Sol­che Leis­tungs­po­si­tio­nen sind nicht ersicht­lich und zumin­dest von der Klä­ge­rin in den hier betrof­fe­nen Behand­lungs­fäl­len nicht erbracht und berech­net wor­den. Dabei ist nicht maß­geb­lich, ob es sich um (auch) zahn­ärzt­li­che Leis­tun­gen han­delt, die also außer einem Arzt auch ein Ver­trags­zahn­arzt erbrin­gen darf. Die­se Leis­tun­gen, die sowohl von Ärz­ten als auch Zahn­ärz­ten erbracht wer­den dür­fen, wer­fen kei­ne Pro­ble­me auf, weil der zur beleg­ärzt­li­chen Ver­sor­gung zuge­las­se­ne Arzt sie als ver­trags­ärzt­li­che Leis­tun­gen erbringt und abrech­net. Das gilt etwa für die hier betrof­fe­nen Dys­gnathie­ope­ra­tio­nen, die Dr. F. auf der Grund­la­ge des EBM‑Ä gegen­über der KÄV abrech­nen kann. Zu (auch) zahn­ärzt­li­chen Leis­tun­gen wer­den die­se erst über die Ver­wei­sung des Bema‑Z auf die GOÄ in Ziff 3 der All­ge­mei­nen Bestim­mun­gen. Danach wer­den zahn­ärzt­li­che Leis­tun­gen, die nicht im Bema‑Z ent­hal­ten sind, nach der GOÄ berech­net. Das gilt nach Buchst b der All­ge­mei­nen Bestim­mun­gen ua für die Leis­tun­gen der MKG-Chir­ur­gie nach Abschnitt L IX GOÄ. Dort sind die von Dr. F. erbrach­ten Leis­tun­gen (ua Ziff 2640, 2642) auf­ge­führt. Es han­delt sich danach pri­mär um ärzt­li­che Leis­tun­gen, die zusätz­lich auch zur Zahn­heil­kun­de gehö­ren [6]. Die feh­len­de Abrech­nungs­mög­lich­keit über die KZÄV hat also nicht zur Fol­ge, dass die Klä­ge­rin beleg­ärzt­lich kei­ne Dys­gnathie­ope­ra­tio­nen durch­füh­ren könn­te, son­dern nur, dass ihr im Rah­men der voll­sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung der Ver­si­cher­ten kei­ne Opti­on eröff­net ist, die Leis­tun­gen je nach dem Kri­te­ri­um der höhe­ren Ver­gü­tung bei der KÄV oder der KZÄV abzu­rech­nen. Die­ses – ein­ge­schränk­te – (vgl Ziff 4 der All­ge­mei­nen Bestim­mun­gen des Bema‑Z) Wahl­recht hin­sicht­lich des Abrech­nungs­we­ges ist dem Gesetz­ge­ber nicht in der Wei­se vor­ge­ge­ben, dass er allein zu des­sen Rea­li­sie­rung ein für die Ver­sor­gung der Ver­si­cher­ten selbst nicht erfor­der­li­ches zahn­ärzt­li­ches Beleg­arzt­sys­tem schaf­fen müss­te.

Aus dem sog Abrech­nungs­wahl­recht der zur ver­trags­ärzt­li­chen wie zur ver­trags­zahn­ärzt­li­chen Ver­sor­gung zuge­las­se­nen MKG-Chir­ur­gen lässt sich ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ge­rin nichts für die ver­meint­li­che Not­wen­dig­keit einer beleg­zahn­ärzt­li­chen Tätig­keit her­lei­ten. Nach der Recht­spre­chung des Senats muss den MKG-Chir­ur­gen aus ver­fas­sungs­recht­li­chen oder gesetz­li­chen Grün­den nicht zwin­gend ermög­licht wer­den, alle chir­ur­gi­schen Leis­tun­gen, die von Ärz­ten und Zahn­ärz­ten erbracht wer­den dür­fen, nach eige­ner Wahl bei der KÄV bzw der KZÄV abzu­rech­nen. In sei­nem Urteil vom 08.05.1996 [7] hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt im Zusam­men­hang mit der ver­trags­zahn­ärzt­li­chen Wirt­schaft­lich­keits­prü­fung und spe­zi­ell der Ein­be­zie­hung der MKG-Chir­ur­gen in die Grup­pe der Zahn­ärz­te aus­ge­führt, dass die an der ver­trags­zahn­ärzt­li­chen Ver­sor­gung teil­neh­men­den MKG-Chir­ur­gen infol­ge ihrer Dop­pel­zu­las­sung oral­chir­ur­gi­sche Leis­tun­gen als ärzt­li­che oder als zahn­ärzt­li­che Leis­tun­gen erbrin­gen kön­nen [8]. Dass die­se Aus­sa­ge beschrei­ben­den Cha­rak­ter hat, las­sen die die­sem Satz fol­gen­den Aus­füh­run­gen erken­nen. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt nimmt dort näm­lich kri­tisch zur Auf­spal­tung von Behand­lungs­fäl­len in der Form Stel­lung, dass etwa Wur­zel­spit­zen­re­sek­tio­nen über die KÄV und die damit ver­bun­de­nen Zys­tek­to­mien über die KZÄV abge­rech­net wer­den. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat ledig­lich klar­ge­stellt, dass auch sei­ne deut­lich for­mu­lier­ten recht­li­chen Beden­ken gegen eine sol­che Auf­spal­tung nichts dar­an ändern, dass der Ver­gleichs­grup­pen­durch­schnitt als Maß­stab für die Wirt­schaft­lich­keit der Leis­tungs­er­brin­gung unge­eig­net ist, wenn tat­säch­lich mit Dul­dung von KÄV und KZÄV in die­ser Wei­se abge­rech­net wird. Als Beleg für ein der Gestal­tung durch die Bewer­tungs­aus­schüs­se (§ 87 Abs 2 SGB V) von vorn­her­ein ent­zo­ge­nes Abrech­nungs­wahl­recht der MKG-Chir­ur­gen je nach wirt­schaft­lich inter­es­san­te­ren Ver­gü­tungs­be­din­gun­gen kann die­ses Urteil des­halb nicht her­an­ge­zo­gen wer­den. Es ist weder kraft Geset­zes noch im Kon­text der grund­recht­lich geschütz­ten Berufs­aus­übungs­frei­heit des Art 12 Abs 1 GG gebo­ten, dass jeder Arzt für MKG die Frei­heit haben muss, jede ärzt­li­che bzw auch zahn­ärzt­li­che Leis­tung im Rah­men der sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung der Ver­si­cher­ten nach eige­ner Ein­schät­zung bzw erwar­te­ter Hono­rie­rung als ärzt­li­che bzw zahn­ärzt­li­che Leis­tung abzu­rech­nen. Solan­ge gewähr­leis­tet ist, dass den sta­tio­när auf einer Beleg­ab­tei­lung ver­sorg­ten Pati­en­ten alle Leis­tun­gen ange­bo­ten wer­den kön­nen, auf die sie – hier etwa für die Behand­lung von Dys­gnathien – ange­wie­sen sind, ist die ver­trags­ärzt­li­che bzw ver­trags­zahn­ärzt­li­che Ver­sor­gung der Ver­si­cher­ten aus­rei­chend gesi­chert.

Zutref­fend hat das Baye­ri­sche LSG in die­sem Zusam­men­hang auch dar­auf hin­ge­wie­sen [9], dass in der ver­trags­ärzt­li­chen Gesamt­ver­gü­tung rech­ne­risch bzw kal­ku­la­to­risch Antei­le für nur sta­tio­när erbring­ba­re Leis­tun­gen ent­hal­ten sind, weil eben Leis­tun­gen im Rah­men der beleg­ärzt­li­chen Tätig­keit aus der ver­trags­ärzt­li­chen Gesamt­ver­gü­tung hono­riert wer­den (§ 121 Abs 3 Satz 1 SGB V). Unter ande­rem aus dem Feh­len von nähe­ren Rege­lun­gen über die beleg­zahn­ärzt­li­che Tätig­keit in den Bun­des­man­tel­ver­trä­gen sowie der nicht vor­ge­se­he­nen Ein­be­zie­hung der ver­trags­zahn­ärzt­li­chen Tätig­keit in die Vor­ga­ben für die drei­sei­ti­gen Ver­trä­ge der nach §§ 115, 115b SGB V ist zu schlie­ßen, dass in der ver­trags­zahn­ärzt­li­chen Gesamt­ver­gü­tung kei­ne Ver­gü­tungs­an­tei­le für nur sta­tio­när erbring­ba­re ver­trags­zahn­ärzt­li­che Leis­tun­gen ent­hal­ten sind. Das wäre – wie oben auf­ge­zeigt – nur der Fall, wenn es in den spe­zi­fisch ver­trags­zahn­ärzt­li­chen Regel­wer­ken Leis­tun­gen gebe, die ihrem Inhalt nach nicht von Ärz­ten für MKG-Chir­ur­gie im Rah­men der ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung erbracht wer­den dür­fen. Solan­ge das nicht der Fall ist, sind sta­tio­nä­re Leis­tun­gen im Rah­men der ver­trags­zahn­ärzt­li­chen Ver­sor­gung nicht berech­nungs­fä­hig.

Nach der Recht­spre­chung des Senats zur Kal­ku­la­ti­on der ver­trags­ärzt­li­chen Gesamt­ver­gü­tun­gen muss bei Aus­hand­lung der Ver­gü­tung min­des­tens prin­zi­pi­ell fest­ste­hen, wel­che von Ärz­ten bzw Zahn­ärz­ten gene­rell erbring­ba­ren Leis­tun­gen mit der Gesamt­ver­gü­tung abge­gol­ten wer­den sol­len. Dar­aus hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt abge­lei­tet, dass auch Leis­tun­gen, die auf der Grund­la­ge des § 135 Abs 1 SGB V vom G‑BA mit einer posi­ti­ven Richt­li­ni­en­emp­feh­lung ver­se­hen sind, erst dann Gegen­stand der ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung wer­den kön­nen, wenn ent­spre­chen­de Leis­tungs­po­si­tio­nen dafür geschaf­fen wor­den sind [10]. Ent­spre­chen­des gilt für den Bereich der sta­tio­nä­ren ver­trags­zahn­ärzt­li­chen Behand­lung. Soweit die Ver­trags­part­ner ent­spre­chen­de Rege­lun­gen nicht geschaf­fen haben, ist davon aus­zu­ge­hen, dass sta­tio­nä­re zahn­ärzt­li­che Leis­tun­gen nicht Gegen­stand der ver­trags­zahn­ärzt­li­chen Gesamt­ver­gü­tung sind und des­halb für die Hono­rie­rung ent­spre­chen­der Leis­tun­gen nach § 121 Abs 3 SGB V die Gesamt­ver­gü­tung auch nicht zur Ver­fü­gung steht.

Es bedarf in die­sem Zusam­men­hang kei­ner nähe­ren Dar­le­gung, dass die Aner­ken­nung als Beleg­arzt, die die KÄV Hes­sen Dr. F. erteilt hat, die Klä­ge­rin nicht zur Abrech­nung zahn­ärzt­li­cher Leis­tun­gen berech­tigt. Der KÄV fehlt von vorn­her­ein jede Kom­pe­tenz, auf den Sta­tus des Dr. F. in sei­ner Eigen­schaft als Ver­trags­zahn­arzt ein­zu­wir­ken. Gera­de des­halb bedür­fen MKG-Chir­ur­gen, die für eine ange­mes­se­ne Ver­sor­gung der Pati­en­ten auch spe­zi­fisch zahn­ärzt­li­che Kennt­nis­se und Erfah­run­gen benö­ti­gen [11], der Zulas­sung auch zur ver­trags­zahn­ärzt­li­chen Ver­sor­gung. Die­se wäre nicht erfor­der­lich, wenn schon die ver­trags­ärzt­li­che Zulas­sung in Ver­bin­dung mit einer zahn­ärzt­li­chen Appro­ba­ti­on den MKG-Chir­ur­gen berech­ti­gen wür­de, zahn­ärzt­li­che Leis­tun­gen bei der KZÄV abzu­rech­nen, ohne die­ser anzu­ge­hö­ren. Das ist aber gera­de nicht der Fall. Erst die Zulas­sung und – als deren Rechts­fol­ge (§ 95 Abs 3 SGB V) – die Mit­glied­schaft in der KZÄV ermög­li­chen eine ver­trags­zahn­ärzt­li­che Leis­tungs­ab­rech­nung. Des­halb könn­te – vor­be­halt­lich aus­drück­li­cher abwei­chen­der Rege­lun­gen – auch nur die KÄV bzw KZÄV, der der MKG-Chir­urg ange­hört, sei­ne Leis­tungs­be­rech­ti­gung auch auf sta­tio­nä­re Behand­lun­gen im ärzt­li­chen wie im zahn­ärzt­li­chen Bereich aus­deh­nen.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 12. Dezem­ber 2012 – B 6 KA 15/​12 R

  1. BSG, Urteil vom 09.04.2008 – B 6 KA 29/​07BSGE 100, 144 = SozR 4–2500 § 85 Nr 41, RdNr 15 ff[]
  2. BT-Drucks 11/​2237 S 44 []
  3. BT-Drucks 11/​3320 S 79[]
  4. BR-Drucks 555/​88 S 36 []
  5. BT-Drucks 11/​2237 S 201[]
  6. vgl dazu all­ge­mein Liebold/​Raff/​Wissing, BEMA‑Z Kom­men­tar, zu Ziff 3 All­ge­mei­ne Bestim­mun­gen[]
  7. BSG SozR 3–2500 § 106 Nr 36[]
  8. BSG, aaO, S 204[]
  9. Bay. LSG, Urteil vom 05.03.2008 – L 12 KA 5008/​06[]
  10. BSGE 79, 239 = SozR 3–2500 § 87 Nr 14[]
  11. vgl BSGE 85, 145, 147 = SozR 3–5525 § 20 Nr 1[]