Der Pkw von der Sozi­al­hil­fe

Ein schwer­be­hin­der­ter Mensch hat unab­hän­gig von sei­nen finan­zi­el­len Ver­hält­nis­sen kei­nen Anspruch auf die Fina­zie­rung eines Pkw – weder nach der UN-Behin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on noch nach deut­schem Sozi­al­hil­fe­recht.

Der Pkw von der Sozi­al­hil­fe

Mit die­ser Begrün­dung hat das Säch­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer schwer Geh­be­hin­der­ten die Über­nah­me der Kos­ten für einen Pkw durch den Sozi­al­hil­fe­trä­ge ver­neint. Die 1934 gebo­re­ne, schwer geh­be­hin­der­te Klä­ge­rin bezog 2008 eine Alters- und Wit­wen­ren­te in Höhe von zusam­men knapp 1.200,- € monat­lich; sie ver­füg­te zudem über ein Ver­mö­gen im mitt­le­ren fünf­stel­li­gen Betrag. Gleich­wohl bean­trag­te sie beim über­ört­li­chen Sozi­al­hil­fe­trä­ger die Über­nah­me der monat­li­chen Raten in Höhe von 66,- € für einen Kre­dit, den sie zur Anschaf­fung ihres Pkw auf­ge­nom­men hat­te. Der Antrag wur­de abge­lehnt. Nach­dem die dar­auf­hin ein­ge­reich­te Kla­ge vor dem Sozi­al­ge­richt Leip­zig1 kei­nen Erfolg hat­te, ist Beru­fung ein­ge­legt wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Säch­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts gel­te auch inso­weit das "Nach­rang­prin­zip". Hier­nach wer­den Leis­tun­gen der Sozi­al­hil­fe nur gewährt, soweit der Hil­fe­be­dürf­ti­ge sei­nen Bedarf nicht durch Ein­satz sei­ner Arbeits­kraft, sei­nes Ein­kom­mens und sei­nes Ver­mö­gens decken kann (§ 2 Abs. 1 SGB XII). Dies gel­te sowohl für die Kfz-Hil­fe, mit der behin­der­ten Men­schen die Anschaf­fung eines (behin­der­ten­ge­rech­ten) Kfz erleich­tert wer­den soll, als auch für alle ande­ren in Betracht kom­men­den Anspruchs­grund­la­gen des SGB XII. Neben dem gesetz­lich vor­ge­se­he­nen Schon­ver­mö­gen (§ 90 SGB XII) ver­blei­be der Klä­ge­rin aus­rei­chend Ver­mö­gen, um die noch offe­ne Kre­dit­sum­me von weni­ger als 3.500,- € zu til­gen.

Eine ande­re Bewer­tung sei auch nicht im Lich­te der von Deutsch­land 2009 rati­fi­zier­ten UN-Behin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on (UN-BRK) gebo­ten. Denn die­se ver­pflich­te die Ver­trags­staa­ten nur dazu, behin­der­ten Men­schen Mobi­li­tät zu erschwing­li­chen Kos­ten zu erleich­tern (Art. 20 UN-BRK), und ver­drän­ge den Nach­rang­grund­satz nicht.

Säch­si­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 17. April 2013 – L 8 SO 84/​11

  1. SG Leip­zig, Urteil vom 19.08.2011 – S 3 SO 59/​08 []