Der Sport­un­fall und die gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung

Bestimm­te Sport­ler sind für ihre Sport­un­fäl­le gesetz­lich abge­si­chert. Berufs­sport­ler, wie zB Fuß­ball­pro­fis, sind als Beschäf­tig­te ihres Ver­eins in der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung ver­si­chert, fer­ner Schü­ler im Rah­men des Schul­sports (§ 2 Abs 1 Nr 1 und Nr 8b Sieb­tes Buch Sozi­al­ge­setz­buch – Gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung – SGB VII). Auch nor­ma­le Beschäf­tig­te (= Arbeit­neh­mer) sind als Be­triebssportler unfall­ver­si­chert, wenn sie an einem regel­mä­ßig statt­fin­den­den Betriebs­sport teil­neh­men, der vor allem dem Aus­gleich der beruf­li­chen Belas­tun­gen dient und unter­neh­mens­be­zo­gen orga­ni­siert ist 1.

Der Sport­un­fall und die gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung

In zwei Revi­si­ons­ver­fah­ren hat­te ges­tern das Bun­des­so­zi­al­ge­richt über die Fra­ge zu ent­schei­den, ob die jewei­li­ge Klä­ge­rin bei ihrem Sport­un­fall gesetz­lich unfallver­sichert war.

Die Klä­ge­rin des ers­ten, gegen die Ver­wal­tungs-Berufs­ge­nos­sen­schaft gerich­te­ten Rechts­streits war eine inter­na­tio­nal erfolg­rei­che Kader­ath­le­tin des Deut­schen Judo­bun­des und Mit­glied der Natio­nal­mann­schaft. Zum Zeit­punkt ihres Sport­unfalls am 27. Sep­tem­ber 1990 war sie bei der Volks­wa­gen AG als Steu­er- und Zollsach­bearbeiterin beschäf­tigt und zur Hälf­te ihrer regu­lä­ren Arbeits­zeit für die Sport­aus­übung unter Fort­zah­lung des vol­len Arbeits­ent­gel­tes von ihrer Büro­tä­tig­keit frei­ge­stellt.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat das Urteil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Nie­der­sach­sen-Bre­men, in dem die Aner­ken­nung des Sport­unfalls als Arbeits­un­fall ver­neint wor­den war, auf­ge­ho­ben und die Sache zur erneu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Lan­des­so­zi­al­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Die tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Lan­des­so­zi­al­ge­richts rei­chen für eine abschlie­ßen­de Ent­schei­dung nicht aus, weil unklar geblie­ben ist, ob das Judo­trai­ning zu den arbeits­ver­trag­li­chen Pflich­ten des Klä­ge­rin gehör­te. Denn auch die Aus­übung von Sport kann Gegen­stand von arbeits­ver­trag­li­chen Pflich­ten sein und aus der blo­ßen Ver­wen­dung des Begriffs „Frei­stel­lung” kann nichts her­ge­lei­tet wer­den. Ent­schei­dend ist, ob die Sport­aus­übung dem Direk­ti­ons- und Wei­sungs­recht des Unter­neh­mens unter­steht und in des­sen Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on ein­ge­glie­dert ist.

Die Klä­ge­rin im zwei­ten, die Unfall­kas­se des Bun­des betref­fen­den Rechts­streit gehör­te dem Leis­tungs­ka­der des Sport­clubs Che­mie Hal­le an und war Schü­le­rin der Kin­der- und Jugend­sport­schu­le „Fried­rich-Engels” Hal­le, als sie am 8. Sep­tem­ber 1981 in der Turn­hal­le des Sport­clubs bei einem Flick-Flack stürz­te und sich eine Dis­tor­si­on der Hals­wir­bel­säu­le zuzog.

Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt hat gegen­über dem Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger einen Arbeits­un­fall fest­ge­stellt. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat die Revi­si­on des Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gers zurück­gewiesen. Das Sport­trai­ning der Klä­ge­rin war in den Lehr­plan der Schu­le inte­griert und damit dem orga­ni­sa­to­ri­schen Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Schu­le zuzu­ord­nen. Trai­nings­lei­tung und Über­wa­chung erfolg­ten durch Sport­leh­rer und die Schu­le war für die Durch­füh­rung des Trai­nings auf­grund der engen per­so­nel­len und orga­ni­sa­to­ri­schen Ver­flech­tung von Schu­le und Sport­club mit­ver­ant­wort­lich. Dem steht auch nicht ent­ge­gen, dass das Trai­ning in der Sport­hal­le des Sport­clubs absol­viert wur­de, weil Unter­richt und ande­re Schul­ver­an­stal­tun­gen auch außer­halb des Schul­ge­bäu­des statt­fin­den kön­nen und der Schutz­be­reich der Schü­ler­un­fall­ver­si­che­rung nicht auf das Schul­ge­län­de beschränkt ist.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urtei­le vom 30. Juni 2009 – B 2 U 22/​08 R und B 2 U 19/​08 R

  1. vgl zuletzt BSG, Urteil vom 13.12.2005 – B 2 U 29/​04 R