Der Unfall wäh­rend der Arbeit – mit dem nicht auf dem Betriebs­ge­län­de ein­ge­setz­ten eige­nen Hund

Kommt es auf dem Betriebs­ge­län­de beim Unter­neh­mer zu einem Beiß­vor­fall mit sei­nem nur aus pri­va­ten Grün­den gehal­te­nen Hund, tritt die gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung nicht ein.

Der Unfall wäh­rend der Arbeit – mit dem nicht auf dem Betriebs­ge­län­de ein­ge­setz­ten eige­nen Hund

Mit die­ser Begrün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Aner­ken­nung als Arbeits­un­fall abge­lehnt und damit die Ent­schei­dung des Sozi­al­ge­richts Stutt­gart 1 bestä­tigt. Am Unfall­tag hol­te der Klä­ger als Unter­neh­mer eines Auto­ser­vice für das Fahr­zeug eines Kun­den Zünd­ker­zen aus dem Lager. Auf dem Weg von dort zur Werk­statt über­sah er sei­nen Hund, der nicht zur Bewa­chung des Betriebs­ge­län­des ein­ge­setzt war. Der Klä­ger stol­per­te über ihn und ver­such­te sich beim Sturz mit den Hän­den auf dem Boden abzu­stüt­zen. Dabei geriet sei­ne rech­te Hand in das Maul des Tie­res, wel­ches instink­tiv zubiss. Hier­durch kam es zu einer bak­te­ri­el­len Ent­zün­dung und in der Fol­ge einem Kom­plex Regio­na­len Schmerz­syn­drom (CRPS). Die beklag­te Trä­ge­rin der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung, bei wel­cher der Klä­ger frei­wil­lig ver­si­chert war, lehn­te die Aner­ken­nung des Unfalls als Arbeits­un­fall ab. Dar­auf­hin hat der Unter­neh­mer Kla­ge beim Sozi­al­ge­richt Stutt­gart ein­ge­reicht. Nach­dem dort die Kla­ge abge­wie­sen wor­den war, hat der Klä­ger sein Ziel vor dem Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg wei­ter ver­folgt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg aus­ge­führt, dass der Gang des Klä­gers vom Lager zur Werk­statt als ver­si­cher­te Ver­rich­tung den Gesund­heits­scha­den ver­ur­sach­te. Denn hier­bei stol­per­te er, wodurch die Beiß­re­ak­ti­on des Hun­des aus­ge­löst wur­de. Es liegt damit eine not­wen­di­ge, in tat­säch­li­cher Hin­sicht nicht nur neben­säch­li­che Bedin­gung für den Ereig­nis­ab­lauf vor.

Dane­ben ver­wirk­lich­te sich durch den reflex­ar­ti­gen Biss als unver­si­cher­te Mit­ur­sa­che das durch den anwe­sen­den Pri­vat­hund geschaf­fe­ne Risi­ko, wel­ches in den Haf­tungs­be­reich des Klä­gers fällt. Die­se pri­vat geschaf­fe­ne spe­zi­fi­sche Tier­ge­fahr präg­te den Gesche­hens­ab­lauf der­art über­ra­gend, dass der betrieb­lich gesetz­ten Ursa­che kei­ne recht­lich wesent­li­che Bedeu­tung zukommt.

Im Rah­men des Schutz­zwe­ckes zu berück­sich­ti­gen ist zudem, dass der Klä­ger als Unter­neh­mer anders als Beschäf­tig­te maß­geb­li­chen Ein­fluss auf gefähr­den­de Situa­tio­nen im Bereich der Betriebs­stät­te hat.

Aus die­sen Grün­den besteht kein Ver­si­che­rungs­schutz nach dem Recht der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 21. März 2019 – L 6 U 3979/​18

  1. SG Stutt­gart, Urteil vom 25.10.2018 – S 21 U 2104/​16[]