Der Wech­sel des Pfle­ge­heims

Ist der Wech­sel eines Pfle­ge­heims in Bezug auf die Über­nah­me unge­deck­ter Pfle­ge­heim­kos­ten mit unver­hält­nis­mä­ßi­gen Mehr­kos­ten ver­bun­den, besteht kein Wunsch- und Wahl­recht des Hil­fe­emp­fän­gers.

Der Wech­sel des Pfle­ge­heims

In einem vom Sozi­al­ge­richt Karls­ru­he ent­schie­de­nen Fall ist die Klä­ge­rin seit dem 2. Okto­ber 2009 in die Pfle­ge­stu­fe I ein­ge­stuft und erhält seit­her von der Pfle­ge­kas­se (Deut­sche Ange­stell­ten­kran­ken­kas­se – Pfle­ge­kas­se – W.) monat­li­che Pfle­ge­leis­tun­gen. In der Zeit vom 4. Sep­tem­ber 2009 bis zum 30.September 2010 war sie voll­sta­tio­när im L‑Heim, einem Alten­pfle­ge­heim, in einem Ein­zel­zim­mer unter­ge­bracht. Ab dem 5. Okto­ber 2009 bewil­lig­te die Beklag­te Hil­fe zur Pfle­ge nach den Bestim­mun­gen des SGB XII Sozi­al­hil­fe unter Berück­sich­ti­gung eines Tages­sat­zes für die Heim­kos­ten in Höhe von 76,73 EUR. Am 30. Sep­tem­ber 2010 wech­sel­te die Klä­ge­rin – ohne vor­he­ri­ge Rück­spra­che mit dem Beklag­ten – in das Senio­ren­haus St. K., O.-R.. Die dor­ti­gen Heim­kos­ten für ein Ein­zel­zim­mer in der Pfle­ge­stu­fe I belau­fen sich auf kalen­der­täg­lich 86,04 EUR. Der Beklag­te setz­te die Hil­fe­leis­tun­gen für die Zeit ab dem 1. Okto­ber 2010 neu fest. Dabei berück­sich­tig­te er hin­sicht­lich der Heim­kos­ten einen Tages­satz von 76,79 EUR und lehn­te die Über­nah­me der Mehr­kos­ten im Senio­ren­haus St. K. ab. Nach erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren hat die Klä­ge­rin Kla­ge vor dem Sozi­al­ge­richt Karls­ru­he erho­ben.

Nach Auf­fas­sung des Sozi­al­ge­richts hat die Klä­ge­rin kei­nen Anspruch auf Gewäh­rung höhe­rer Hil­fe zur Pfle­ge unter Über­nah­me des vol­len Tages­sat­zes von 86,04 EUR für ihre voll­sta­tio­nä­re Unter­brin­gung im Senio­ren­haus St. K..

Nach § 61 Abs. 1 Satz 1 SGB XII ist Per­so­nen, die wegen einer kör­per­li­chen, geis­ti­gen oder see­li­schen Krank­heit oder Behin­de­rung für die gewöhn­li­chen und regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­den Ver­rich­tun­gen im Ablauf des täg­li­chen Lebens auf Dau­er, vor­aus­sicht­lich für min­des­tens sechs Mona­te, in erheb­li­chem oder höhe­rem Maße der Hil­fe bedür­fen, Hil­fe zur Pfle­ge zu leis­ten. Die Hil­fe zur Pfle­ge umfasst nach § 61 Abs. 2 Satz 1 SGB XII unter ande­rem die sta­tio­nä­re Pfle­ge. Zwi­schen den Betei­lig­ten ist unstrei­tig, dass die Klä­ge­rin auf­grund ihrer gesund­heit­li­chen Situa­ti­on zum leis­tungs­be­rech­tig­ten Per­so­nen­kreis des § 61 SGB XII gehört.

Gemäß § 1 Satz 1 SGB XII ist es Auf­ga­be der Sozi­al­hil­fe, den Leis­tungs­be­rech­tig­ten die Füh­rung eines Lebens zu ermög­li­chen, das der Wür­de des Men­schen ent­spricht. Die Leis­tun­gen der Sozi­al­hil­fe rich­ten sich nach der Beson­der­heit des Ein­zel­fal­les, ins­be­son­de­re nach der Art des Bedarfs, den ört­li­chen Ver­hält­nis­sen, den eige­nen Kräf­ten und Mit­teln der Per­son oder des Haus­hal­tes bei der Hil­fe zum Lebens­un­ter­halt (§ 9 Abs. 1 SGB XII). Wün­schen der Leis­tungs­be­rech­tig­ten, die sich auf die Gestal­tung der Leis­tung rich­ten, soll ent­spro­chen wer­den, soweit sie ange­mes­sen sind (§ 9 Abs. 2 Satz 1 SGB XII). Nach § 9 Abs. 2 Satz 2 SGB XII soll Wün­schen der Leis­tungs­be­rech­tig­ten, u.a. den Bedarf sta­tio­när zu decken, nur ent­spro­chen wer­den, wenn dies nach der Beson­der­heit des Ein­zel­fal­les erfor­der­lich ist, weil anders der Bedarf nicht oder nicht aus­rei­chend gedeckt wer­den kann, und wenn mit der Ein­rich­tung Ver­ein­ba­run­gen nach den Vor­schrif­ten des Zehn­ten Kapi­tels SGB XII bestehen. Der Trä­ger der Sozi­al­hil­fe soll in der Regel Wün­schen nicht ent­spre­chend, deren Erfül­lung mit unver­hält­nis­mä­ßi­gen Mehr­kos­ten ver­bun­den wären (§ 9 Abs. 2 Satz 3 SGB XII).

Ori­en­tiert an die­sen recht­li­chen Bestim­mun­gen sind die ange­foch­te­nen Beschei­de nicht zu bean­stan­den: Für die Zeit vom 1.10.2010 bis zum 10.11.2010 schei­tert der gel­tend gemach­te Anspruch schon dar­an, dass der Beklag­te bis zu die­sem Zeit­punkt kei­ne Kennt­nis von einem höhe­ren Heim­kos­ten­be­darf der Klä­ge­rin hat­te (§ 18 Abs. 1 SGB XII). Zwar hat­te das L‑Heim ihm bereits mit Schrei­ben vom 14.10.2010, dort ein­ge­gan­gen am 18.10.2010, mit­ge­teilt, dass die Klä­ge­rin am 30.09.2010 ver­zo­gen war; posi­ti­ve Kennt­nis vom Umzug in das Senio­ren­haus St. K. erhielt er indes erst auf­grund des am 10.11.2010 bei ihm ein­ge­gan­ge­nen Schrift­sat­zes der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Klä­ge­rin vom 9.11.2010.

Anders ist inso­weit auch nicht auf­grund des Urteils des Bun­des­so­zi­al­ge­richts vom 2. Febru­ar 2012 1 zu ent­schei­den, denn die­ses betraf allein den Umfang der Pfle­ge­be­dürf­tig­keit der dor­ti­gen Klä­ge­rin, d.h. die rück­wir­ken­de Erhö­hung der Pfle­ge­stu­fe durch die Pfle­ge­kas­se auch für Zei­ten vor der qua­li­fi­zier­ten Kennt­nis des dor­ti­gen Sozi­al­hil­fe­trä­gers.

Unge­ach­tet des­sen hat der Beklag­te durch die ange­foch­te­nen Beschei­de zu Recht den Bedarfs­be­rech­nun­gen bei der Hil­fe zur Pfle­ge für die Zeit ab dem 1.10.2010 als Heim­kos­ten nur täg­li­che Auf­wen­dun­gen von 76,79 EUR zugrun­de gelegt, wie sie bei einem wei­te­ren Ver­bleib der Klä­ge­rin im L‑Heim ange­fal­len wären, und die dar­über hin­aus­ge­hen­den tat­säch­li­chen Heim­kos­ten der Klä­ge­rin im Senio­ren­haus St. K. als unver­hält­nis­mä­ßi­ge Mehr­kos­ten abge­lehnt. Die­se Ent­schei­dung des Beklag­ten hält sich im Rah­men des § 9 Abs. 2 SGB XII.

Das Wunsch­recht des Leis­tungs­be­rech­tig­ten aus § 9 Abs. 2 SGB XII wird bedeut­sam, wenn ein Anspruch auf eine Sozi­al­leis­tung dem Grun­de nach besteht und meh­re­re Hand­lungs­al­ter­na­ti­ven in Betracht zu zie­hen sind. Das Wunsch- und Wahl­recht ist von zen­tra­ler ermes­sens­lei­ten­der Bedeu­tung. Aller­dings darf es nicht zu einer grund­rechts­glei­chen Norm über­höht wer­den, die das Grund­ge­setz unmit­tel­bar umsetzt. Es schafft eben kei­nen unmit­tel­ba­ren Rechts­an­spruch auf Ver­wirk­li­chung der Wün­sche 2.Dabei wird das Wunsch­recht durch die Ange­mes­sen­heit des Hil­fe­wun­sches begrenzt. Ent­schei­dungs­pa­ra­me­ter sind inso­weit Begleit­um­stän­de, die mit einem Hil­fe­wunsch ver­bun­den wer­den. Einem Wunsch­recht des Hil­fe­su­chen­den ist aber dann nicht Rech­nung zu tra­gen, wenn abzu­schät­zen ist, dass erheb­li­che Fol­ge­kos­ten ent­ste­hen wer­den, wie sich die Situa­ti­on häu­fig bei „über­teu­er­ten“ Unter­kunfts­kos­ten dar­stellt. Nach § 9 Abs. 2 SGB XII braucht der Trä­ger der Sozi­al­hil­fe Wün­schen eines Hil­fe­emp­fän­gers dann nicht zu ent­spre­chen, wenn deren Erfül­lung mit unver­hält­nis­mä­ßi­gen Mehr­kos­ten ver­bun­den wäre. Nach die­ser Vor­schrift hat der Sozi­al­hil­fe­trä­ger einen Kos­ten­ver­gleich zwi­schen der gewünsch­ten Leis­tung und ande­ren geeig­ne­ten und zumut­ba­ren Hil­fe­an­ge­bo­ten vor­zu­neh­men 3. Bei der Beur­tei­lung der Ange­mes­sen­heit ist ein Kos­ten­ver­gleich zwi­schen den gewünsch­ten und den ande­ren geeig­ne­ten und zumut­ba­ren Hilfs­an­ge­bo­ten vor­zu­neh­men d.h. ein Kos­ten­ver­gleich, in dem die Kos­ten der gewünsch­ten Hil­fe den Kos­ten gegen­über­ge­stellt wer­den, die durch die vom Sozi­al­hil­fe­trä­ger kon­kret ange­bo­te­ne Hil­fe ver­ur­sacht wer­den 4. § 9 Abs. 2 Satz 3 SGB XII bezieht sich dabei auf die Fäl­le, in denen meh­re­re Maß­nah­men dem Bedarf ange­mes­sen sind, der Hil­fe­su­chen­de sich aber für eine Ein­rich­tung mit höhe­ren Pfle­ge­sät­zen ent­schei­det. Sind die Kos­ten der gewünsch­ten Unter­brin­gung unver­hält­nis­mä­ßig höher als sol­che in einer gleich geeig­ne­ten und zumut­ba­ren Ein­rich­tung, braucht der Sozi­al­hil­fe­trä­ger dem Wunsch des Hil­fe­su­chen­den mit­hin nicht zu ent­spre­chen. Denn bei den Leis­tun­gen der Sozi­al­hil­fe han­delt es sich um die Ver­tei­lung steu­er­fi­nan­zier­ter Leis­tun­gen, die in ihrer End­lich­keit nicht belie­big ver­teilt wer­den kön­nen 5. Ob der Wunsch des Hil­fe­su­chen­den „ange­mes­sen“ ist und ob er unver­tret­ba­re Mehr­kos­ten erfor­dert, unter­liegt in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht der vol­len gericht­li­chen Nach­prü­fung 6.

Mit der Unter­brin­gung im L‑Heim, W., bestand eine geeig­ne­te und zumut­ba­re voll­sta­tio­nä­re Unter­brin­gungs­mög­lich­keit, die den objek­tiv erfor­der­li­chen Hil­fe­be­darf der Klä­ge­rin, auch in Bezug auf Unter­kunft, Pfle­ge, Ernäh­rung und Frei­zeit­ge­stal­tung, voll­stän­dig abge­deck­te. Ein Wech­sel in das Senio­ren­haus St. K., O.-R., zum 1.10.2010 war auf­grund des Gesamt­ergeb­nis­ses des Ver­fah­rens weder aus medi­zi­ni­schen noch aus pfle­ge­ri­schen oder sons­ti­gen Grün­den not­wen­dig. Für die­se Über­zeu­gung stützt sich das Sozi­al­ge­richt sowohl auf das Vor­brin­gen der Klä­ge­rin und deren Toch­ter C. A. im Verwaltungs‑, Wider­spruchs- und Kla­ge­ver­fah­ren wie auch die vom Beklag­ten und dem Gericht ein­ge­hol­ten Aus­künf­te der Heim­lei­tung des L‑Heims, fer­ner auf den im Inter­net unter www.pflegelotse.de und www.pflege-navigator.de abruf­ba­ren MDK-Trans­pa­renz­be­richt über die Pfle­ge­ein­rich­tung vom 03.01.2011.

Danach ergibt sich – ent­ge­gen dem Vor­brin­gen der Klä­ge­rin im Wider­spruchs­ver­fah­ren – kein Anhalt dafür, dass ein Umzug in das Senio­ren­haus St. K. zu ihrem Schutz vor einer Bedro­hung durch eine aggres­si­ve Mit­be­woh­ne­rin oder vor der „bis­wei­len an das Her­ri­sche gren­zen­den Lei­tung“ erfor­der­lich war. Denn unge­ach­tet des­sen, dass die Klä­ge­rin die­se Vor­wür­fe nicht näher sub­stan­ti­iert hat, ins­be­son­de­re kei­ne kon­kre­ten Vor­gän­ge aggres­si­ven Ver­hal­tens, sei es der Mit­be­woh­ne­rin, sei es der Heim­lei­tung oder von Ange­hö­ri­gen des Pfle­ge­per­so­nals, ggf. auch nach Datum bezeich­net hat, ste­hen die­sen Vor­wür­fen sowohl die glaub­haf­te Aus­kunft der Heim­lei­tung des L‑Heims vom Novem­ber 2011 ent­ge­gen als ins­be­son­de­re auch der Inhalt des MDK-Trans­pa­renz­be­richts vom Janu­ar 2011. Danach sind der Heim­lei­tung kei­ne Vor­fäl­le bekannt gewor­den, bei denen die Klä­ge­rin von ande­ren Heim­be­woh­nern aggres­siv ange­gan­gen oder bedrängt wor­den wäre. Dage­gen spricht zur Über­zeu­gung des Gerichts auch der Umstand, dass nach den auch inso­weit glaub­haf­ten Bekun­dun­gen der Heim­lei­tung die Klä­ge­rin an vie­len Ange­bo­ten der sozia­len Betreu­ung im L‑Heim teil­ge­nom­men und auch regen Kon­takt zu ande­ren Bewoh­nern gepflegt hat. Soweit die Heim­lei­tung in ihrer Aus­kunft vom Novem­ber 2011 den Umgang des Pfle­ge­per­so­nals mit den Heim­be­woh­nern als „sehr respekt­voll, zuge­wandt und empha­tisch“ bezeich­net und aus­ge­führt hat, die Mit­ar­bei­ter sei­en trotz der sehr hohen Erwar­tungs­hal­tung der Klä­ge­rin und ihrer Ange­hö­ri­gen sehr um die Klä­ge­rin bemüht gewe­sen, wird dies – im Ergeb­nis – durch den MDK-Trans­pa­renzsbe­richt vom Janu­ar 2011 gestützt. Danach ergab die MDK-Prü­fung in allen Qua­li­täts­be­rei­chen, auch für die sozia­le Betreu­ung und All­tags­ge­stal­tung, die Ein­zel­no­te 1,0 (= sehr gut). Die­sel­be Note resul­tier­te auch aus der Befra­gung meh­re­rer Heim­be­woh­ner nach Höf­lich­keit und Freund­lich­keit der Mit­ar­bei­ter des L‑Heims durch den MDK. Vor die­sem Hin­ter­grund erach­tet das erken­nen­de Gericht die vor­ge­nann­ten Vor­wür­fe der Klä­ge­rin, die die­se zudem im Kla­ge­ver­fah­ren auch nicht wie­der­holt hat, nicht nur als nicht erwie­sen, son­dern als wider­legt.

Glei­ches gilt in Bezug auf die von der Klä­ge­rin gerüg­ten Män­gel bei der Ver­sor­gung mit fri­schem Gemü­se, Salat und fri­schem Obst wie auch in Bezug auf die Mög­lich­kei­ten, bei gutem Wet­ter in unmit­tel­ba­rer Nähe des L‑Heims im Frei­en einen Sitz­platz zu fin­den. Denn den Anga­ben der Klä­ge­rin bzw. ihrer Toch­ter in Bezug auf die Ver­sor­gung mit Gemü­se, Salat und Obst ste­hen eben­falls die Aus­künf­te der Heim­lei­tung des L‑Heims im Ver­wal­tungs- und Kla­ge­ver­fah­ren wie auch die zu den Akten gelang­ten Spei­se­plä­ne für das Mit­tag- und Abend­essen ent­ge­gen. Danach haben sowohl die Heim­lei­tung als auch die Mit­ar­bei­ter des L‑Heims in Gesprä­chen mit den Heim­be­woh­nern und/​oder deren Ange­hö­ri­gen ver­sucht, die indi­vi­du­el­len Essens­wün­sche zu ermit­teln und die­se zu erfül­len. Dies geschah durch Erstel­len einer indi­vi­du­el­len Essen­kar­te, die wöchent­lich eva­lu­iert und ange­passt wur­de. Aus den akten­kun­di­gen Spei­se­plä­nen ergibt sich, dass zu jedem Mit­tag­essen Gemü­se, Salat und – nahe­zu täg­lich – Obst, dies teil­wei­se in pas­sier­ter Form als Apfel­mus oder Pfir­sich­kom­pott, oder als Frucht­des­sert gereicht wur­de. Eben­so glaub­haft hat die Heim­lei­tung gegen­über dem Beklag­ten bekun­det, dass sie dem Wunsch der Klä­ge­rin nach fri­schem Obst umge­hend durch das Ange­bot von Äpfeln, Bir­nen, Bana­nen und Kiwi nach­ge­kom­men ist, die Klä­ge­rin die­se Ange­bo­te aber ins­ge­samt abge­lehnt hat. Soweit die Klä­ge­rin im Kla­ge­ver­fah­ren vor­ge­tra­gen hat, sie kön­ne wegen ihrer Behin­de­run­gen Äpfel nicht schä­len und Oran­gen sei­en ihr zu sau­er, steht dies einem aus­rei­chen­den Ange­bot von Obst nicht ent­ge­gen. Hin­zu kommt, dass nach dem MDK-Trans­pa­renz­be­richt im L‑Heim bei Ein­schrän­kun­gen der selbst­stän­di­gen Nah­rungs­ver­sor­gung erfor­der­li­che Maß­nah­men durch­ge­führt wer­den und der Ernäh­rungs­zu­stand der Heim­be­woh­ner im Rah­men der Ein­wir­kungs­mög­lich­kei­ten der Ein­rich­tung als „sehr gut“ bezeich­net wird. Auch ist die Dar­bie­tung von Spei­sen und Geträn­ken an den indi­vi­du­el­len Fähig­kei­ten der Bewoh­ner ori­en­tiert und wird die Nah­rung nur bei tat­säch­li­cher Not­wen­dig­keit klein geschnit­ten oder als pas­sier­te Kost ser­viert.

Schließ­lich recht­fer­tig­ten auch die von der Klä­ge­rin bemän­gel­ten Sitz­mög­lich­kei­ten im Frei­en kei­nen Umzug in das – teu­re­re – Senio­ren­haus St. K.. Inso­weit ist bereits das eige­ne Vor­brin­gen der Klä­ge­rin in sich nicht kon­sis­tent: So hat sie in der Wider­spruchs­be­grün­dung zu dem – hier nicht streit­ge­gen­ständ­li­chen – Bescheid vom 22.03.2011 ange­ge­ben, sie sei noch beweg­lich und gehe bei ent­spre­chen­dem Wet­ter ger­ne ins Freie, wobei sie aktu­ell hier­zu einen Rol­la­tor benut­ze. Dem gegen­über wird im Schrift­satz ihrer Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten vom 5.12.2011 vor­ge­tra­gen, sie kön­ne sich kaum noch fort­be­we­gen. Unge­ach­tet die­ses wider­sprüch­li­chen Vor­brin­gens erach­tet das Sozi­al­ge­richt auf­grund der auch inso­weit glaub­haf­ten Aus­künf­te der Heim­lei­te­rin des L‑Heims eine aus­rei­chen­de Anzahl von Sitz­ge­le­gen­hei­ten im Frei­en für gege­ben. So sind – dies ist zwi­schen den Betei­lig­ten unstrei­tig und unzwei­fel­haft – vor dem Haus zwei Sitz­bän­ke für bis zu acht Per­so­nen vor­han­den. Außer­dem gibt es für die ins­ge­samt 48 Bewoh­ner wei­te­re min­des­tens acht Sitz­mög­lich­kei­ten im klei­nen Innen­hof, wei­ter im Gar­ten hin­ter dem L‑Heim, in dem grund­sätz­lich Gar­ten­mö­bel und Son­nen­schir­me für wenigs­tens zwan­zig Per­so­nen zur Ver­fü­gung ste­hen. Wenn das erken­nen­de Gericht dar­über hin­aus berück­sich­tigt, dass nach den auch inso­weit glaub­haf­ten Anga­ben der Heim­lei­tung ein Teil der Bewoh­ner im Roll­stuhl sitzt und sich mit die­sem bewegt, ist der Vor­wurf der Klä­ge­rin hin­sicht­lich einer unzu­rei­chen­den Anzahl von Sitz­mög­lich­kei­ten im Frei­en schon im Ansatz nicht zutref­fend. Auch der MDK-Trans­pa­renz­be­richt vom Janu­ar 2011 stützt die von der Klä­ge­rin erho­be­nen Vor­wür­fe nicht.

Soweit schließ­lich in der Kla­ge­be­grün­dung eine ins­ge­samt unzu­rei­chen­de Aus­stat­tung des L‑Heims in den Raum gestellt wird, hat die Klä­ge­rin auch die­ses Vor­brin­gen nicht näher sub­stan­ti­iert. Über­dies spre­chen die von der Heim­lei­tung mit der Aus­kunft vom Febru­ar 2011 gegen­über dem Beklag­ten vor­ge­leg­ten Licht­bil­der inso­weit eine deut­lich ande­re Spra­che.

Aus eben die­sen Grün­den ergibt sich kein Anhalt dafür, dass es sich bei dem L‑Heim um eine im Ver­gleich zum Senio­ren­heim St. K. grund­sätz­lich unge­eig­ne­te oder allen­falls bedingt geeig­ne­te und/​oder der Klä­ge­rin nicht zumut­ba­re Pfle­ge­ein­rich­tung han­delt. Sons­ti­ge medi­zi­ni­sche oder pfle­ge­ri­sche Grün­de, die einen Wech­sel der Pfle­ge­ein­rich­tung am 30.09.2010 not­wen­dig gemacht hät­ten, sind weder vor­ge­tra­gen noch auf­grund des Gesamt­ergeb­nis­ses des Ver­fah­rens sonst erwie­sen.

Mit einem Tages­pfle­ge­be­darf der Pfle­ge­stu­fe I von – unstrei­tig – 86,04 EUR ent­ste­hen für die Unter­brin­gung der Klä­ge­rin im Senio­ren­haus St. K. gegen­über den Heim­kos­ten im L‑Heim von täg­lich 76,79 EUR Mehr­auf­wen­dun­gen von kalen­der­täg­lich 9,25 EUR. Das sind bezo­gen auf einen Kalen­der­mo­nat mit 30 Tagen 277,50 EUR und bezo­gen auf einen Kalen­der­mo­nat mit 31 Tagen 286,25 EUR, im Mit­tel somit 282,13 EUR monat­lich. Die­ser Mehr­auf­wand ist „unver­hält­nis­mä­ßig“ im Sin­ne des § 9 Abs. 2 Satz 3 SGB XII, denn er ent­spricht unter Berück­sich­ti­gung der vom Beklag­ten tat­säch­lich erbrach­ten Hil­fe­leis­tun­gen, bezo­gen auf die Zeit ab dem 1. Janu­ar 2011, monat­li­chen Mehr­kos­ten von 37,5 % für einen Kalen­der­mo­nat mit 30 Tagen und von 35,1 % für einen Kalen­der­mo­nat mit 31 Tagen. Für einen sol­chen unver­hält­nis­mä­ßi­gen Mehr­auf­wand muss der Beklag­te des­halb auch unter Berück­sich­ti­gung des Wunsch- und Wahl­rechts eines Hil­fe­emp­fän­gers nicht ein­ste­hen.

Aus eben die­sen Grün­den sind die ange­foch­te­nen Beschei­de recht­mä­ßig und muss­te das Begeh­ren der Klä­ge­rin erfolg­los blei­ben.

Sozi­al­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 17. Febru­ar 2012 – S 1 SO 3144/​11

  1. BSG, Urteil vom 02.02.2012 – B 8 SO 5/​10 R[]
  2. vgl. Spell­brink in juris­PK-SGB XII, 1. Aufl., Stand Sept. 2011 § 9, Rn. 16[]
  3. vgl. BVerw­GE 94, 127, 130; 94, 202, 209; 97, 53, 57, 60; 97, 103 ff.; fer­ner LSG Baden-Würt­tem­berg vom 22.11.2007 – L 7 SO 3132/​06 und vom 02.09.2010 – L 7 SO 1357/​10 ER‑B[]
  4. vgl. LSG Baden-Würt­tem­berg vom 22.11.2007 – L 7 SO 3132/​06, m.w.N.[]
  5. vgl. Wah­ren­dorf in Grube/​Wahrendorf, SGB XII, 3. Auf­la­ge 2010, § 9, Rn. 36[]
  6. vgl. Ficht­ner in Fichtner/​Wenzel, SGB XII, 4. Auf­la­ge 2009, § 9, Rn. 9 sowie Spell­brink, a.a.O., Rn. 17[]