Der zwei­te Roll­stuhl für die Schu­le

Eine Kran­ken­ver­si­che­rung ist für die Aus­stat­tung eines geh­un­fä­hi­gen Schü­lers mit einem zwei­tem Aktiv­roll­stuhl für den Schul­be­such nicht leis­tungs­pflich­tig, wenn das Hilfs­mit­tel unter den gege­be­nen Umstän­den des Ein­zel­falls nicht erfor­der­lich (§ 33 Abs 1 Satz 1 SGB V) und des­halb auch kran­ken­ver­si­che­rungs­recht­lich nicht wirt­schaft­lich ist.

Der zwei­te Roll­stuhl für die Schu­le

So die Ent­schei­dung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts in dem hier vor­lie­gen­den Fall, in dem der über­ört­li­che Sozi­al­hil­fe­trä­gers gegen die Kran­ken­kas­se geklagt hat, damit die­se einen Teil der Kos­ten für den Aktiv­roll­stuhl nebst Zube­hör als Zweit­ver­sor­gung zwecks Besuchs einer För­der­schu­le erstat­tet. Der ver­si­cher­te Schü­ler ist auf­grund erheb­li­cher Funk­ti­ons­ein­schrän­kun­gen wegen einer spas­ti­schen Diple­gie dau­er­haft auf einen Roll­stuhl ange­wie­sen. Die Beklag­te ver­sorg­te ihn zuletzt im Jah­re 2002 mit einer Sitz­scha­le nach Maß nebst Zim­mer­un­ter­ge­stell für den häus­li­chen Bereich und im Jah­re 2005 mit einem Aktiv­roll­stuhl (Modell Brix 1.123). Am 6. Mai 2005 bean­trag­te er bei der beklag­ten Kran­ken­kas­se unter Vor­la­ge einer ver­trags­ärzt­li­chen Ver­ord­nung und eines Kos­ten­vor­anschlags die Zweit­ver­sor­gung mit einem falt­ba­ren Aktiv­roll­stuhl zur Ermög­li­chung des Besuchs der Städ­ti­schen För­der­schu­le für kör­per­li­che und moto­ri­sche Ent­wick­lung in Ols­berg, die er an jedem Schul­tag von sei­nem Wohn­ort Schmal­len­berg aus auf­sucht. Die­ser Roll­stuhl soll­te in der Schu­le depo­niert wer­den, weil das mit dem Schü­ler­spe­zi­al­ver­kehr beauf­trag­te Unter­neh­men den vor­han­de­nen Roll­stuhl mit dem ein­ge­setz­ten Fahr­zeug nicht trans­por­tie­ren konn­te. Die Kran­ken­kas­se lei­te­te den Leis­tungs­an­trag am 9.5.2005 an den nach ihrer Auf­fas­sung leis­tungs­recht­lich zustän­di­gen Reha­bi­li­ta­ti­ons­trä­ger wei­ter. Die­ser gewähr­te dem Schü­ler im Wege der Lei­he das begehr­te Hilfs­mit­tel unter Hin­weis auf sei­ne nach­ran­gi­ge Leis­tungs­ver­pflich­tung als zweit­an­ge­gan­ge­ner Reha­bi­li­ta­ti­ons­trä­ger gemäß § 14 SGB IX und ver­lang­te von der Kran­ken­kas­se die Erstat­tung der dafür auf­ge­wen­de­ten Kos­ten in Höhe von 2.119,42 €. Der von der Kran­ken­kas­se zur Ver­fü­gung gestell­te Roll­stuhl ver­blieb in der Schu­le, wäh­rend der gelie­fer­te zwei­te Roll­stuhl (Modell Juni­or 2) in der Woh­nung des Schü­lers ver­wen­det wur­de.

Die nach Ableh­nung der Erstat­tung erho­be­ne Zah­lungs­kla­ge hat das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Sozi­al­ge­richt Müns­ter abge­wie­sen [1]. Hier­ge­gen wur­de vor dem Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len in Essen Beru­fung ein­ge­legt. Der ver­si­cher­te Schü­ler wird seit Schul­jah­res­be­ginn 2007/​2008 im Roll­stuhl sit­zend zur Schu­le hin und zurück trans­por­tiert. Da seit die­sem Zeit­punkt der zwei­te Roll­stuhl ent­behr­lich ist, aber eine Rück­for­de­rung die­ses Hilfs­mit­tels aus Sicht des Reha­bi­li­ta­ti­ons­trä­gers nicht mehr in Betracht kam, wur­de der Erstat­tungs­an­spruch wäh­rend des Beru­fungs­ver­fah­rens mit Rück­sicht auf die zwei­jäh­ri­ge Nut­zungs­dau­er auf 700 € beschränkt. Vom Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len ist daher das erst­in­stanz­li­che Urteil geän­dert und die Kran­ken­kas­se zur Zah­lung von 700 € ver­ur­teilt [2] wor­den. Dage­gen hat nun­mehr die Kran­ken­kas­se Revi­si­on zum Bun­des­so­zi­al­ge­richt ein­ge­legt und erhielt Recht:

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts sind die Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen des Erstat­tungs­an­spruchs nach § 14 Abs 4 Satz 1 SGB IX hier nicht erfüllt, weil der Ver­si­cher­te die begehr­te Leis­tung von der Kran­ken­kas­se nach den Vor­schrif­ten des SGB V als dem für den Bereich der GKV ein­schlä­gi­gen mate­ri­el­len Recht (§ 7 Satz 2 SGB IX) nicht bean­spru­chen konn­te (§ 33 Abs 1 SGB V). Die Kran­ken­kas­se war für die Zweit­ver­sor­gung des Bei­ge­la­de­nen mit dem wei­te­ren Aktiv­roll­stuhl nicht leis­tungs­pflich­tig, weil das Hilfs­mit­tel unter den gege­be­nen Umstän­den die­ses Fal­les nicht erfor­der­lich (§ 33 Abs 1 Satz 1 SGB V) und des­halb auch kran­ken­ver­si­che­rungs­recht­lich nicht wirt­schaft­lich war (§ 2 Abs 1 Satz 1, § 12 Abs 1 SGB V). Die Aus­stat­tung des Schü­lers durch die Kra­ken­kas­se mit dem ers­ten Aktiv­roll­stuhl war hier zum mit­tel­ba­ren Behin­de­rungs­aus­gleich im Bereich der Mobi­li­tät aus­rei­chend.

Nach § 33 Abs 1 Satz 1 SGB V[3] haben Ver­si­cher­te Anspruch auf Ver­sor­gung mit Hör­hil­fen, Kör­per­er­satz­stü­cken, ortho­pä­di­schen und ande­ren Hilfs­mit­teln, die im Ein­zel­fall erfor­der­lich sind, um den Erfolg der Kran­ken­be­hand­lung zu sichern (1. Vari­an­te), einer dro­hen­den Behin­de­rung vor­zu­beu­gen (2. Vari­an­te) oder eine Behin­de­rung aus­zu­glei­chen (3. Vari­an­te), soweit die Hilfs­mit­tel nicht als all­ge­mei­ne Gebrauchs­ge­gen­stän­de des täg­li­chen Lebens anzu­se­hen oder nach § 34 Abs 4 SGB V (Rechts­ver­ord­nung zu Heil- und Hilfs­mit­teln von gerin­gem oder umstrit­te­nem the­ra­peu­ti­schen Nut­zen oder gerin­gem Abga­be­preis) aus­ge­schlos­sen sind. Die begehr­te Zweit­ver­sor­gung mit einem wei­te­ren Roll­stuhl dien­te hier ersicht­lich nicht der Siche­rung des Erfolgs der Kran­ken­be­hand­lung und auch nicht der Vor­beu­gung gegen eine dro­hen­de Behin­de­rung, son­dern allein dem Aus­gleich der Fol­gen der seit Geburt vor­han­de­nen Behin­de­run­gen des Bei­ge­la­de­nen (3. Vari­an­te). Der Roll­stuhl ist als spe­zi­ell für das Mobi­li­täts­be­dürf­nis geh­be­hin­der­ter Men­schen ent­wi­ckel­tes und her­ge­stell­tes Hilfs­mit­tel kein all­ge­mei­ner Gebrauchs­ge­gen­stand des täg­li­chen Lebens und auch nicht durch die Rechts­ver­ord­nung nach § 34 Abs 4 SGB V von der Leis­tungs­pflicht der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung aus­ge­schlos­sen. Die Beklag­te hat ihre Leis­tungs­pflicht nach § 33 Abs 1 SGB V jedoch schon mit der Bereit­stel­lung des ers­ten Roll­stuhls voll­stän­dig erfüllt.

Grund­sätz­lich bemisst sich die Leis­tungs­pflicht der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung nach § 33 Abs 1 SGB V gemäß stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts danach, ob ein Hilfs­mit­tel zum unmit­tel­ba­ren oder zum mit­tel­ba­ren Behin­de­rungs­aus­gleich bean­sprucht wird. Im Vor­der­grund steht zumeist der Aus­gleich der aus­ge­fal­le­nen oder beein­träch­tig­ten Kör­per­funk­ti­on selbst, wie es zB bei Pro­the­sen, Hör­ge­rä­ten und Seh­hil­fen der Fall ist. Bei die­sem sog unmit­tel­ba­ren Behin­de­rungs­aus­gleich gilt das Gebot eines mög­lichst weit­ge­hen­den Aus­gleichs des Funk­ti­ons­de­fi­zits, und zwar unter Berück­sich­ti­gung des aktu­el­len Stands des medi­zi­ni­schen und tech­ni­schen Fort­schritts. Daher kann die Ver­sor­gung mit einem fort­schritt­li­chen, tech­nisch wei­ter­ent­wi­ckel­ten Hilfs­mit­tel nicht mit der Begrün­dung abge­lehnt wer­den, der bis­her erreich­te Ver­sor­gungs­stan­dard sei aus­rei­chend, solan­ge ein Aus­gleich der Behin­de­rung nicht voll­stän­dig im Sin­ne des Gleich­zie­hens mit einem nicht behin­der­ten Men­schen erreicht ist [4].

Dane­ben kön­nen Hilfs­mit­tel den Zweck haben, die direk­ten und indi­rek­ten Fol­gen der Behin­de­rung aus­zu­glei­chen (sog mit­tel­ba­rer Behin­de­rungs­aus­gleich). In die­sem Fall hat die gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung nur für den Basis­aus­gleich ein­zu­ste­hen; es geht dabei nicht um einen Aus­gleich im Sin­ne des voll­stän­di­gen Gleich­zie­hens mit den letzt­lich unbe­grenz­ten Mög­lich­kei­ten eines nicht behin­der­ten Men­schen. Denn Auf­ga­be der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ist in allen Fäl­len allein die medi­zi­ni­sche Reha­bi­li­ta­ti­on (vgl § 1 SGB V sowie § 6 Abs 1 Nr 1 iVm § 5 Nr 1 und 3 SGB IX), also die mög­lichst weit­ge­hen­de Wie­der­her­stel­lung der Gesund­heit und der Organ­funk­tio­nen ein­schließ­lich der Siche­rung des Behand­lungs­er­folgs, um ein selbst­stän­di­ges Leben füh­ren und die Anfor­de­run­gen des All­tags meis­tern zu kön­nen. Eine dar­über hin­aus­ge­hen­de beruf­li­che oder sozia­le Reha­bi­li­ta­ti­on ist hin­ge­gen Auf­ga­be ande­rer Sozi­al­leis­tungs­sys­te­me (vgl zB § 5 Nr 2 SGB IX: Leis­tun­gen zur Teil­ha­be am Arbeits­le­ben oder § 5 Nr 4 SGB IX: Leis­tun­gen zur Teil­ha­be am Leben in der Gemein­schaft). Ein Hilfs­mit­tel zum mit­tel­ba­ren Behin­de­rungs­aus­gleich ist von der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung daher nur zu gewäh­ren, wenn es die Aus­wir­kun­gen der Behin­de­rung im gesam­ten täg­li­chen Leben besei­tigt oder mil­dert und damit ein all­ge­mei­nes Grund­be­dürf­nis des täg­li­chen Lebens betrifft [5]. Zu den Grund­be­dürf­nis­sen eines jeden Men­schen gehö­ren die kör­per­li­chen Grund­funk­tio­nen (zB Gehen, Ste­hen, Sit­zen, Grei­fen, Sehen, Hören, Nah­rungs­auf­nah­me, Aus­schei­dung) sowie die ele­men­ta­re Kör­per­pfle­ge, das selbst­stän­di­ge Woh­nen und die Erschlie­ßung eines gewis­sen kör­per­li­chen und geis­ti­gen Frei­raums, wozu auch die Auf­nah­me von Infor­ma­tio­nen und die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit ande­ren zur Ver­mei­dung von Ver­ein­sa­mung zählt [6].

Als sol­ches all­ge­mei­nes Grund­be­dürf­nis des täg­li­chen Lebens ist in Bezug auf die Mobi­li­tät nur die Erschlie­ßung des Nah­be­reichs um die Woh­nung eines Ver­si­cher­ten aner­kannt, nicht aber das dar­über hin­aus­rei­chen­de Inter­es­se an sport­li­cher Fort­be­we­gung oder an der Erwei­te­rung des Akti­ons­raums [7]. Maß­ge­bend für den von der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung inso­weit zu gewähr­leis­ten­den Basis­aus­gleich ist der Bewe­gungs­ra­di­us, den ein Nicht­be­hin­der­ter übli­cher­wei­se noch zu Fuß erreicht [8]. Dazu haben die Kran­ken­kas­sen die Ver­si­cher­ten so aus­zu­stat­ten, dass sie sich nach Mög­lich­keit in der eige­nen Woh­nung bewe­gen und die Woh­nung ver­las­sen kön­nen, um bei einem kur­zen Spa­zier­gang „an die fri­sche Luft zu kom­men“ oder um die – übli­cher­wei­se im Nah­be­reich der Woh­nung lie­gen­den – Stel­len zu errei­chen, an denen All­tags­ge­schäf­te zu erle­di­gen sind [9]. Dage­gen kön­nen die Ver­si­cher­ten – von beson­de­ren zusätz­li­chen qua­li­ta­ti­ven Momen­ten abge­se­hen – grund­sätz­lich nicht bean­spru­chen, den Radi­us der selbst­stän­di­gen Fort­be­we­gung in Kom­bi­na­ti­on von Auto und Roll­stuhl (erheb­lich) zu erwei­tern, auch wenn im Ein­zel­fall die Stel­len der All­tags­ge­schäf­te nicht im Nah­be­reich lie­gen, dafür also län­ge­re Stre­cken zurück­zu­le­gen sind, wel­che die Kräf­te eines Roll­stuhl­fah­rers mög­li­cher­wei­se über­stei­gen [10]. Eben­so wenig rech­net die sport­li­che Betä­ti­gung stän­di­ger Recht­spre­chung des Senats zufol­ge zu den Grund­be­dürf­nis­sen, für die die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung ihre Ver­si­cher­ten mit Hilfs­mit­teln zum Behin­de­rungs­aus­gleich aus­zu­stat­ten hat [11].

Die Ein­stands­pflicht der Kran­ken­kas­sen für Mobi­li­täts­hil­fen zum mit­tel­ba­ren Behin­de­rungs­aus­gleich reicht bei Kin­dern und Jugend­li­chen aller­dings wei­ter, wenn dies ent­we­der zum Schul­be­such im Rah­men der Schul­pflicht oder zur Inte­gra­ti­on in der kind­li­chen und jugend­li­chen Ent­wick­lungs­pha­se erfor­der­lich ist; dar­auf hat auch das Lan­des­so­zi­al­ge­richt zutref­fend abge­stellt. So kön­nen die Kran­ken­kas­sen bei Kin­dern und Jugend­li­chen zwar grund­sätz­lich über die sonst gel­ten­den Gren­zen hin­aus zur Gewäh­rung von Hilfs­mit­teln ver­pflich­tet sein, soweit es zur Her­stel­lung oder Siche­rung der Schul­fä­hig­keit eines Schü­lers bzw dem Erwerb einer ele­men­ta­ren Schul­aus­bil­dung oder zur För­de­rung ihrer Inte­gra­ti­on in den Kreis gleich­alt­ri­ger Kin­der und Jugend­li­cher erfor­der­lich ist. Das hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt bereits früh für den Schul­weg [12] und den Schul­sport [13] ent­schie­den und spä­ter auf alle säch­li­chen Mit­tel erstreckt, die einem behin­der­ten Kind oder Jugend­li­chen die Teil­nah­me am gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen all­ge­mein­bil­den­den Unter­richt ermög­li­chen [14]. Mit glei­cher Ziel­rich­tung hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt dies spä­ter auf die­je­ni­gen Hilfs­mit­tel erstreckt, die eine Teil­nah­me an den all­ge­mein übli­chen Frei­zeit­be­tä­ti­gun­gen Gleich­alt­ri­ger ermög­li­chen sol­len [15]. Als nicht aus­rei­chend ange­se­hen wur­de aber auch bei Kin­dern oder Jugend­li­chen einer­seits die sport­li­che Betä­ti­gung im Fami­li­en­kreis [16] und zum ande­ren das Bedürf­nis nach sport­li­cher Betä­ti­gung an sich [17].

Nach die­sen Grund­sät­zen, die vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt in sei­nem Urteil vom 18. Mai 2011 [18] noch­mals zusam­men­ge­fasst hat, hät­te der Schü­ler die Zweit­ver­sor­gung mit dem wei­te­ren Roll­stuhl nur dann auf Kos­ten der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ver­lan­gen kön­nen, wenn der bereits vor­han­de­ne Roll­stuhl nicht oder nur unter einem unzu­mut­ba­ren Auf­wand an jedem Schul­tag von der Woh­nung zu der För­der­schu­le in Ols­berg und zurück hät­te trans­por­tiert wer­den kön­nen und des­halb das all­ge­mei­ne Grund­be­dürf­nis des Schü­lers auf Siche­rung sei­ner Schul­fä­hig­keit und Ermög­li­chung der Teil­nah­me am Unter­richt im Zuge der Schul­pflicht hier nicht gewähr­leis­tet gewe­sen wäre. Nur unter sol­chen wid­ri­gen Umstän­den wäre die Zweit­ver­sor­gung „im Ein­zel­fall erfor­der­lich“ gewe­sen. Das war hier nicht der Fall.

Aller­dings ergibt sich der Aus­schluss der Zweit­ver­sor­gung auf Kos­ten der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung nicht bereits aus der durch den Bun­des­aus­schuss der Ärz­te und Kran­ken­kas­sen (§ 91 SGB V, ab 1.1.2004: Gemein­sa­mer Bun­des­aus­schuss) nach § 92 Abs 1 Satz 2 Nr 6 SGB V erlas­se­nen Richt­li­nie über die Ver­ord­nung von Hilfs­mit­teln in der ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung [19], die nach § 91 Abs 9 SGB V in der bis zum 30.6.2008 gül­ti­gen – und hier maß­geb­li­chen – Fas­sung des GKV-Moder­ni­sie­rungs­ge­set­zes und eben­so nach § 91 Abs 6 SGB V in der ab 1.7.2008 gül­ti­gen Fas­sung des GKV-Wett­be­werbs­stär­kungs­ge­set­zes [20] für die Ver­si­cher­ten, die Kran­ken­kas­sen und die Leis­tungs­er­brin­ger unmit­tel­bar ver­bind­lich ist. Die Zweit­ver­sor­gung wäre im vor­lie­gen­den Fall durch die HilfsM-RL nicht gene­rell aus­ge­schlos­sen, sodass ein zur Rechts­wid­rig­keit einer Rege­lung der HilfsM-RL füh­ren­der Ver­stoß gegen höher­ran­gi­ges Recht von vorn­her­ein aus­schei­det, der vor­lie­gen wür­de, wenn ein nach § 33 SGB V begrün­de­ter Anspruch auf Ver­sor­gung mit einem Hilfs­mit­tel durch eine sol­che Rege­lung der HilfsM-RL aus­ge­schlos­sen wäre. Des­halb bedurf­te es an die­ser Stel­le kei­ner abschlie­ßen­den Ent­schei­dung zu der Fra­ge, ob und ggf unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Leis­tungs­be­gren­zun­gen im Bereich der Ver­sor­gung mit Hilfs­mit­teln (§ 33 SGB V) in der HilfsM-RL über­haupt ange­ord­net wer­den dür­fen. Nach Abschnitt A III Nr 21 der HilfsM-RL vom 17.6.1992 [21], die nach Maß­ga­be spä­te­rer Ände­run­gen bis zum 6.2.2009 gül­tig war und hier ein­schlä­gig ist [22], konn­te eine Mehr­fach­ver­sor­gung mit funk­ti­ons­glei­chen Hilfs­mit­teln an sich nur dann ver­ord­net wer­den, wenn dies aus hygie­ni­schen Grün­den not­wen­dig oder auf­grund beson­de­rer Bean­spru­chung durch den Ver­si­cher­ten zweck­mä­ßig und wirt­schaft­lich ist. Bei­des ist hier nicht der Fall.

Die­se Bestim­mung war jedoch nicht als abschlie­ßend zu ver­ste­hen, weil sie ersicht­lich lücken­haft ist und der sich aus § 33 SGB V erge­ben­den Rechts­la­ge nur unvoll­kom­men ent­spricht, bei rein wört­li­cher Aus­le­gung also rechts­wid­rig und damit unwirk­sam wäre. Eine Mehr­fach­ver­sor­gung mit einem Hilfs­mit­tel kann im Ein­zel­fall zB auch wegen feh­len­der oder unzu­mut­ba­rer Trans­por­tier­bar­keit eines Hilfs­mit­tels sowie aus sons­ti­gen medi­zi­ni­schen oder tech­ni­schen Grün­den in Betracht kom­men. Die Lücken­haf­tig­keit der Rege­lung hat auch der Gemein­sa­me Bun­des­aus­schuss erkannt und des­halb mit Wir­kung ab 7.2.2009 unter Abschnitt A § 6 Abs 7 fol­gen­de Vor­schrift in die HilfsM-RL nF vom 16.10.2008 auf­ge­nom­men:

„Eine Mehr­fach­aus­stat­tung mit Hilfs­mit­teln kann nur dann ver­ord­net wer­den, wenn dies aus medi­zi­ni­schen, hygie­ni­schen oder sicher­heits­tech­ni­schen Grün­den not­wen­dig oder auf­grund der beson­de­ren Bean­spru­chung durch den Ver­si­cher­ten zweck­mä­ßig und wirt­schaft­lich ist. Als Mehr­fach­aus­stat­tung sind funk­ti­ons­glei­che Hilfs­mit­tel anzu­se­hen. Hin­wei­se hier­zu erge­ben sich aus dem Hilfs­mit­tel­ver­zeich­nis.“

Die­se Vor­schrift stellt ledig­lich eine Klar­stel­lung der nach § 33 SGB V ohne­hin bestehen­den Rechts­la­ge dar, ist also nicht als kon­sti­tu­ti­ve Rege­lung zu ver­ste­hen. Dem­ge­mäß ist die­se Vor­schrift in ent­spre­chen­der Wei­se auch auf die HilfsM-RL vom 17.6.1992 und deren lücken­haf­te Rege­lung in Abschnitt A III Nr 21 anzu­wen­den. Dies gilt im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang umso mehr, als sich die grund­sätz­li­che Mög­lich­keit der Zweit­ver­sor­gung zur Siche­rung der Schul­fä­hig­keit eines Schü­lers auch aus dem Hilfs­mit­tel­ver­zeich­nis (§ 139 SGB V) ergibt, das zur Kon­kre­ti­sie­rung der Ver­ord­nungs­fä­hig­keit von Hilfs­mit­teln stets her­an­zu­zie­hen ist, wie sich nun­mehr auch aus Abschnitt A § 6 Abs 7 Satz 3 HilfsM-RL nF aus­drück­lich ergibt. So fin­det sich im Hilfs­mit­tel­ver­zeich­nis, auf das auch schon die HilfsM-RL vom 17.6.1992 mehr­fach Bezug genom­men hat (vgl Abschnitt A II Nr 8 und 8.2), in der Pro­dukt­grup­pe 18 unter Zif­fer 3.1 eine Son­der­re­ge­lung, wonach bei Kin­dern und Jugend­li­chen neben dem für den stän­di­gen Gebrauch zu Hau­se zu gewäh­ren­den Kran­ken- oder Behin­der­ten­fahr­zeug im Bedarfs­fall ein wei­te­res für den außer­häus­li­chen Gebrauch zur Ver­fü­gung gestellt wer­den kann, um die Fort­be­we­gung im Schul­be­reich sicher­zu­stel­len. Die Begrif­fe „Bedarfs­fall“ und „Erfor­der­lich­keit im Ein­zel­fall“ sind inhalts­gleich.

Die Mög­lich­keit der Zweit­ver­sor­gung zu Las­ten der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung schei­det hier jedoch aus, weil ein „Bedarfs­fall“ nicht vor­liegt. Der Aus­schluss der Zweit­ver­sor­gung auf Kos­ten der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ergibt sich aus der jeder­zei­ti­gen Trans­por­tier­bar­keit des Roll­stuhls unter für den Bei­ge­la­de­nen zumut­ba­ren Bedin­gun­gen. Zwar ent­hält das Beru­fungs­ur­teil kei­ne aus­drück­li­chen Fest­stel­lun­gen des Lan­des­so­zi­al­ge­richts zu der Fra­ge, ob der im Jah­re 2005 bereit­ge­stell­te Aktiv­roll­stuhl des Fabri­kats „Brix 1.123“ für die stän­di­ge Mit­nah­me zu Ein­satz­or­ten außer­halb der Woh­nung kon­zi­piert ist. Aller­dings ergibt sich aus dem Umstand, dass der Schü­ler seit dem Schul­jah­res­be­ginn 2007/​2008 in die­sem Roll­stuhl sit­zend zur Schu­le und zurück trans­por­tiert wird und der vom Klä­ger gewähr­te zwei­te Roll­stuhl seit die­sem Zeit­punkt prak­tisch nicht mehr benö­tigt wur­de, dass die Erst­aus­stat­tung jeder­zeit zum Trans­port geeig­net war. Dass der Ver­si­cher­te hier­für Hil­fe benö­tigt (zB durch die Eltern, den Schul­bus­fah­rer, den Schul­bus­be­glei­ter oder Mit­ar­bei­ter der Schu­le), ist uner­heb­lich, weil er auch für das Umset­zen vom Roll­stuhl in das Fahr­zeug und vom Fahr­zeug in den zwei­ten Roll­stuhl die Hil­fe Drit­ter benö­tig­te, er durch die Zweit­ver­sor­gung also nicht von frem­der Hil­fe unab­hän­gig gewor­den wäre.

Nicht aus­schlag­ge­bend ist hin­ge­gen der Umstand, dass der Roll­stuhl des Schü­lers sei­ner­zeit mit dem vom Schul­trä­ger orga­ni­sier­ten Schü­ler­spe­zi­al­ver­kehr tat­säch­lich nicht trans­por­tiert wor­den ist und man­gels aus­rei­chen­der Lade­ka­pa­zi­tät der ein­ge­setz­ten Fahr­zeu­ge auch nicht hät­te mit­ge­nom­men wer­den kön­nen. Wäre der Schü­ler­spe­zi­al­ver­kehr mit Fahr­zeu­gen orga­ni­siert wor­den, die über eine aus­rei­chen­de Lade­ka­pa­zi­tät ver­fü­gen, wie es im Bereich des Land­schafts­ver­bands Rhein­land seit jeher der Fall ist, hät­te es der Zweit­ver­sor­gung nicht bedurft. Der vom Schul­trä­ger zu ver­ant­wor­ten­de „Man­gel“ des Schü­ler­spe­zi­al­ver­kehrs führt nicht zu einem Anspruch des Schüü­lers gegen die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung auf Zweit­ver­sor­gung, sodass der gel­tend gemach­te Erstat­tungs­an­spruch des Reha­bi­li­ta­ti­ons­trä­gers als über­ört­li­cher Sozi­al­hil­fe­trä­ger nicht begrün­det ist.

Der täg­li­che Trans­port des Roll­stuhls wäre auch unter für den Schü­ler zumut­ba­ren Bedin­gun­gen mög­lich gewe­sen. Ein Schul­trä­ger in Nord­rhein-West­fa­len hat grund­sätz­lich auch die aus der Mit­nah­me für den Schul­be­such erfor­der­li­cher Hilfs­mit­tel resul­tie­ren­den Mehr­kos­ten zu tra­gen. Einer geson­der­ten Vor­schrift über die Berech­ti­gung geh­un­fä­hi­ger Schü­ler, auf Kos­ten des Schul­trä­gers den erfor­der­li­chen Roll­stuhl täg­lich vom Wohn­ort zur Schu­le und zurück trans­por­tie­ren zu las­sen, bedurf­te es nicht. Die dem ent­ge­gen­ste­hen­de Aus­le­gung des Lan­des­rechts von Nord­rhein-West­fa­len durch das Lan­des­so­zi­al­ge­richt ist für das Bun­des­so­zi­al­ge­richt nicht ver­bind­lich (§ 162 SGG), weil sie auf der Ver­let­zung von Bun­des­recht beruht. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt ist daher an der eigen­stän­di­gen Aus­le­gung des ein­schlä­gi­gen Lan­des­rechts nicht gehin­dert.

Nach § 92 Abs 1 Satz 1 iVm § 94 Abs 1 SchulG NRW [23], das am 1.8.2005 in Kraft getre­ten ist (§ 133 Abs 1 Satz 1 SchulG), gehö­ren zu dem vom Schul­trä­ger zu tra­gen­den Sach­kos­ten auch die Schü­ler­fahr­kos­ten. Gemäß § 97 Abs 1 Satz 1 SchulG wer­den Schü­le­rin­nen und Schü­ler der all­ge­mein bil­den­den Schu­len (§§ 11, 14 bis 18 SchulG), der För­der­schu­len (§ 20 SchulG), der Schu­le für Kran­ke (§ 21 SchulG) und des Berufs­kol­legs in Voll­zeit­form (§ 22 SchulG), die ihren Wohn­sitz in Nord­rhein-West­fa­len haben, die Kos­ten erstat­tet, die für ihre wirt­schaft­lichs­te Beför­de­rung zur Schu­le und zurück not­wen­dig ent­ste­hen. Die Anfor­de­run­gen an die wirt­schaft­lichs­te Beför­de­rung, die Ent­fer­nun­gen und die sons­ti­gen Umstän­de, bei denen Fahr­kos­ten not­wen­dig ent­ste­hen, Vor­aus­set­zun­gen und Höchst­be­trag für die Erstat­tung und für den zumut­ba­ren Eigen­an­teil sowie Aus­nah­men für schwer­be­hin­der­te Schü­le­rin­nen und Schü­ler und für Schü­le­rin­nen und Schü­ler mit son­der­päd­ago­gi­schem För­der­be­darf sind in der nach § 97 Abs 4 SchulG zu erlas­sen­den Rechts­ver­ord­nung zu regeln. Zur Aus­füh­rung die­ser Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung hat das zustän­di­ge Minis­te­ri­um für Schu­le und Wei­ter­bil­dung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len die Schü­ler­fahr­kos­ten­ver­ord­nung (SchfkVO) [24] erlas­sen, die eben­falls am 1.8.2005 in Kraft getre­ten ist (§ 21 Abs 1 Satz 1 SchfkVO). Danach sind Schü­ler­fahr­kos­ten die Kos­ten, die für die wirt­schaft­lichs­te, der Schü­le­rin oder dem Schü­ler zumut­ba­re Art der Beför­de­rung zu den Schu­len im Sin­ne von § 97 SchulG und zurück not­wen­dig ent­ste­hen (§ 1 SchfkVO, inhalt­lich wie­der­holt in § 5 Abs 1 und § 12 Abs 1 und 4 SchfkVO). Dabei ent­schei­det der Schul­trä­ger über die Art und den Umfang der Schü­ler­be­för­de­rung; eine Pflicht zur Beför­de­rung obliegt ihm jedoch nicht (§ 3 SchfkVO). Der Schul­trä­ger der besuch­ten Schu­le über­nimmt die Schü­ler­fahr­kos­ten auf Antrag unab­hän­gig vom Wohn­sitz oder gewöhn­li­chen Auf­ent­halt der Schü­le­rin oder des Schü­lers (Schul­trä­ger­prin­zip), wobei er auch über das zweck­mä­ßigs­te Ver­fah­ren zu ent­schei­den hat (§ 4 Abs 1 SchfkVO). Dabei kom­men nach § 12 Abs 2 SchfkVO drei Vari­an­ten für die wirt­schaft­lichs­te Beför­de­rung in Betracht: Öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel, durch den Schul­trä­ger ange­mie­te­te geeig­ne­te Kraft­fahr­zeu­ge eines zuver­läs­si­gen Beför­de­rungs­un­ter­neh­mers bzw geeig­ne­te Kraft­fahr­zeu­ge des Schul­trä­gers (Schü­ler­spe­zi­al­ver­kehr) oder von den Eltern oder der Schü­le­rin oder dem Schü­ler gestell­te bzw ange­mie­te­te Fahr­zeu­ge (Pri­vat­fahr­zeu­ge). Ist die Beför­de­rung mit öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln oder mit Schü­ler­spe­zi­al­ver­keh­ren nicht mög­lich oder ist die Benut­zung die­ser Ver­kehrs­mit­tel nicht zumut­bar (§ 13 Abs 2 bis 4 SchfkVO), so hat der Schul­trä­ger die Kos­ten einer Beför­de­rung mit Pri­vat­fahr­zeu­gen (ein­schließ­lich Taxen und Miet­wa­gen) nach § 16 SchfkVO zu tra­gen, sofern nur durch die­se Art der Beför­de­rung der regel­mä­ßi­ge Schul­be­such gewähr­leis­tet ist (§ 15 Abs 1 SchfkVO). Dabei ent­schei­det der Schul­trä­ger jeweils im Ein­zel­fall über die wirt­schaft­lichs­te Form der Beför­de­rung (§ 12 Abs 3 SchfkVO).

Soweit hier­nach der Schul­trä­ger beim Schü­ler­spe­zi­al­ver­kehr die Mit­nah­me von Roll­stüh­len tat­säch­lich nicht vor­ge­se­hen oder eine zu gerin­ge Lade­ka­pa­zi­tät bereit­ge­stellt hat, sind der Schü­ler bzw sei­ne Eltern berech­tigt, die Fahr­ten in Pri­vat­fahr­zeu­gen zu orga­ni­sie­ren (§ 12 Abs 2 Nr 3 SchfkVO), bei denen der Roll­stuhl mit­ge­nom­men wer­den kann. Hier­zu gehö­ren auch Fahr­ten mit für den Roll­stuhl­trans­port geeig­ne­ten Taxen und Miet­fahr­zeu­gen, wie sich aus § 15 Abs 1 SchfkVO ergibt. Nur die Mög­lich­keit der jeder­zei­ti­gen Mit­nah­me des Roll­stuhls erfüllt die Kri­te­ri­en einer wirt­schaft­li­chen Beför­de­rung geh­un­fä­hi­ger Schü­ler „unter zumut­ba­ren Bedin­gun­gen“ (§ 1, § 12 Abs 4, § 15 Abs 1 SchfkVO). Des­halb ist auch der Ein­wand unbe­grün­det, in der SchfkVO fin­de sich kei­ne geson­der­te Rege­lung über die Mit­nah­me von für den Schul­be­such erfor­der­li­chen medi­zi­ni­schen Hilfs­mit­teln. Eine sol­che Rege­lung hät­te zudem nur dekla­ra­to­ri­schen Cha­rak­ter, zumal sich die Trans­port­pflicht mit­tel­bar auch schon aus dem Ver­bot der Benach­tei­li­gung behin­der­ter Men­schen (Art 3 Abs 3 Satz 2 GG) ergibt.

Mit die­ser Ent­schei­dung setzt sich das Bun­des­so­zi­al­ge­richt nach eige­nem Bekun­den auch nicht in Wider­spruch zu sei­nem Urteil vom 2. August 1979 [25], der in einem ähn­lich gela­ger­ten Fall den Anspruch eines Schü­lers auf Ver­sor­gung mit einem zwei­ten Roll­stuhl für den Schul­be­such bejaht hat­te, weil nach den Gege­ben­hei­ten des dama­li­gen Fal­les die täg­li­che Trans­por­tier­bar­keit des vor­han­de­nen Roll­stuhls unter für den Ver­si­cher­ten zumut­ba­ren Bedin­gun­gen ver­neint wor­den war.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 3. Novem­ber 2011 – B 3 KR 4/​11 R

  1. SG Müns­ter, Urteil vom 20.01.2009 – S 16 KR 65/​06[]
  2. LSG Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 13.01.2011 – L 5 KR 22/​09[]
  3. in der im – für den Erstat­tungs­an­spruch maß­geb­li­chen – Zeit­punkt der Leis­tungs­er­brin­gung durch den Klä­ger gel­ten­den Fas­sung des Art 1 Nr 20 Buchst a aa des Geset­zes zur Moder­ni­sie­rung der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV-Moder­ni­sie­rungs­ge­setz – GMG) vom 14.11.2003, BGBl I 2190[]
  4. vgl BSGE 93, 183 = SozR 4–2500 § 33 Nr 8, RdNr 4 – C‑Leg II[]
  5. stRspr, vgl zuletzt etwa BSGE 105, 170 = SozR 4–2500 § 36 Nr 2, RdNr 14 ff – Hör­ge­rä­te­fest­be­trag; BSG, Urteil vom 07.10.2010 – B 3 KR 13/​09 R, BSGE 107, 44 = SozR 4–2500 § 33 Nr 31, RdNr 16 f – Trep­pen­steig­hil­fe; BSG, Urteil vom 07.10.2010 – B 3 KR 5/​10 R, SozR 4–2500 § 33 Nr 32, RdNr 13 – The­ra­pie­drei­rad II; jeweils mwN[]
  6. BSG SozR 4–2500 § 33 Nr 6 RdNr 12 – Note­book-PC für blin­den Schü­ler[]
  7. stRspr, vgl zuletzt BSG, Urteil vom 18.05.2011 – B 3 KR 10/​10 R, SozR 4–2500 § 33 Nr 35 – Sport­roll­stuhl[]
  8. BSG SozR 3–2500 § 33 Nr 29, 31 und 32 sowie BSG SozR 3–1200 § 33 Nr 1; stRspr[]
  9. BSG SozR 3–2500 § 33 Nr 31 – Roll­stuhl-Bike II[]
  10. BSGE 91, 60 RdNr 15 = SozR 4–2500 § 33 Nr 3 RdNr 16 – Roll­stuhl-Lade­boy; eben­so BSG SozR 3–2500 § 33 Nr 29 – schwenk­ba­rer Auto­sitz und BSGE 98, 213 = SozR 4–2500 § 33 Nr 15, RdNr 14 – behin­de­rungs­ge­rech­ter PKW-Umbau; BSG SozR 3–2500 § 33 Nr 31 S 187 – Roll­stuhl-Bike II[]
  11. vgl etwa BSG SozR 4–2500 § 33 Nr 2 – The­ra­pie-Tan­dem bei über­stei­ger­tem Bewe­gungs­drang; zuletzt noch­mals bekräf­tigt mit BSG, Urteil vom 07.10.2010 – B 3 KR 5/​10 R, SozR 4–2500 § 33 Nr 32 – The­ra­pie­drei­rad II sowie BSG, Urteil vom 18.05.2011 – B 3 KR 10/​10 R, SozR 4–2500 § 33 Nr 35 – Sport­roll­stuhl[]
  12. BSG, Urteil vom 02.08.1979, SozR 2200 § 182b Nr 13 – Falt­roll­stuhl[]
  13. BSG, Urteil vom 22.07.1981, SozR 2200 § 182 Nr 73 – Sport­bril­le[]
  14. BSG, Urteil vom 26.05.1983, SozR 2200 § 182b Nr 28 – Mikro­port­an­la­ge; Urteil vom 06.02.1997, SozR 3–2500 § 33 Nr 22 – behin­de­rungs­ge­recht aus­ge­stat­te­ter PC; Urteil vom 30.01.2001, SozR 3–2500 § 33 Nr 40 – kein Note­book für Jura­stu­di­um; Urteil vom 22.07.2004, SozR 4–2500 § 33 Nr 6 – Note­book-PC für blin­den Schü­ler[]
  15. BSG, Urteil vom 16.04.1998, SozR 3–2500 § 33 Nr 27 – Roll­stuhl-Bike I; Urteil vom 23.07.2002, SozR 3–2500 § 33 Nr 46 – behin­der­ten­ge­rech­tes Drei­rad[]
  16. vgl zuletzt BSG, Urteil vom 12.08.2009, SozR 4–2500 § 33 Nr 25 – Roll­fiets[]
  17. vgl etwa BSG, Urteil vom 26.03.2003, SozR 4–2500 § 33 Nr 2 – The­ra­pie-Tan­dem bei über­stei­ger­tem Bewe­gungs­drang[]
  18. BSG, Urteil vom 18.05.2011 – B 3 KR 10/​10 R – SozR 4–2500 § 33 Nr 35[]
  19. HilfsM-RL in der hier maß­geb­li­chen Fas­sung vom 19.10.2004, BAnz Nr 2 vom 05.01.2005, S 89[]
  20. BGBl I 378 vom 26.03.2007[]
  21. BAnz Nr 183 b vom 29.09.1992[]
  22. ab 07.02.2009 gilt die Richt­li­nie des Gemein­sa­men Bun­des­aus­schus­ses über die Ver­ord­nung von Hilfs­mit­teln in der ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung (hilfsm ‑RL nF) vom 16.10.2008, BAnz Nr 61 vom 06.02.2009, S 462[]
  23. Schul­ge­setz für das Land Nord­rhein-West­fa­len (SchulG) vom 15.2.2005, GV NRW 2005, 102[]
  24. SchfkVO vom 16.04.2005, GV NRW 2005, 420[]
  25. BSG, Urteil vom 02.08.1979 – 11 RK 7/​78, SozR 2200 § 182b Nr 13[]