Die Bil­dung einer Pflegesatzkommission

Die hes­si­schen Lan­des­ver­bän­de der Pfle­ge­kas­sen, der Ver­band der pri­va­ten Kran­ken­kas­sen, sowie der Lan­des­wohl­fahrts­ver­band Hes­sen sind als Sozi­al­trä­ger gesetz­lich ver­pflich­tet, an der Bil­dung einer Pfle­ge­satz­kom­mis­si­on mit­zu­wir­ken. Die bis­he­ri­ge Total­ver­wei­ge­rung ist rechtswidrig.

Die Bil­dung einer Pflegesatzkommission

So das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Kla­ge von Pfle­ge­heim­be­trei­bern, mit dem Ziel, kol­lek­ti­ve Ver­ein­ba­run­gen über die Pfle­ge­sät­ze tref­fen zu kön­nen. Die für die Ver­gü­tung maß­geb­li­chen Pfle­ge­sät­ze wer­den grund­sätz­lich zwi­schen den Trä­gern der Pfle­ge­hei­men und den Pfle­ge­kas­sen sowie wei­te­ren Leis­tungs­trä­gern ver­ein­bart. Nach einer Geset­zes­än­de­rung im Jah­re 1995 kön­nen die Pfle­ge­sät­ze (sowie Ver­fah­rens­vor­ga­ben und mate­ri­el­le Grund­la­gen für die Pfle­ge­satz­ver­hand­lun­gen) auch durch soge­nann­te Pfle­ge­satz­kom­mis­sio­nen ver­ein­bart wer­den. In Hes­sen ist jedoch auf­grund der Ver­wei­ge­rung der Pfle­ge­kas­sen­ver­bän­de und des Lan­des­wohl­fahrts­ver­ban­des Hes­sen Sozi­al­hil­fe­trä­ger bis­lang kei­ne Pfle­ge­satz­kom­mis­si­on gebil­det worden. 

Die Pfle­ge­heim­be­trei­ber – wie z.B. Arbei­ter­wohl­fahrt, Cari­tas­ver­bän­de, Dia­ko­ni­sches Werk und Deut­sches Rotes Kreuz – hal­ten indi­vi­du­el­le Ver­gü­tungs­ver­hand­lun­gen für jedes ein­zel­ne Pfle­ge­heim durch die ört­li­chen Ver­trags­par­tei­en für zu schwer­fäl­lig. Auch sehen sie sich ange­sichts der star­ken Ver­hand­lungs­po­si­ti­on der Ver­bän­de der Pfle­ge­kas­sen und Sozi­al­hil­fe­trä­ger im Nach­teil. Daher sei – wie gesetz­lich vor­ge­se­hen – eine Pfle­ge­satz­kom­mis­si­on zu bil­den, die kol­lek­ti­ve Ver­ein­ba­run­gen über die Pfle­ge­sät­ze tref­fen kön­ne. Die Pfle­ge­heim­be­trei­ber erho­ben Kla­ge gegen die hes­si­schen Lan­des­ver­bän­de der Pfle­ge­kas­sen, den Ver­band der pri­va­ten Kran­ken­kas­sen sowie den Lan-des­wohl­fahrts­ver­band Hes­sen, weil die­se bis­lang die Mit­wir­kung an der Bil­dung einer lan­des­wei­ten Pfle­ge­kom­mis­si­on ver­wei­ger­ten. Die hes­si­schen Lan­des­ver­bän­de der Pfle­ge­kas­sen sowie der hes­si­sche Lan­des­wohl­fahrts­ver­band ver­tra­ten hin­ge­gen die Auf­fas­sung, dass indi­vi­du­el­le Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­run­gen vor­ran­gig und aus­rei­chend sei­en. Auf­grund der gro­ßen regio­na­len Unter­schie­de kön­ne auch kaum ein gemein­sa­mer Nen­ner für kol­lek­ti­ve Ver­ein­ba­run­gen ge-fun­den wer­den. Auch das Hes­si­sche Sozi­al­mi­nis­te­ri­um habe bis­lang kei­ne auf­sichts­recht­li­chen Maß­nah­men wegen der Errich­tung einer Pfle­ge­satz­kom­mis­si­on ein­ge­lei­tet. Daher haben die Pfle­ge­heim­be­trei­ber auf die Mit­wir­kung an der Errich­tung einer Pfle­ge­satz­kom­mis­si­on geklagt.

Nach Auf­fas­sung des Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts ste­he die Errich­tung einer Pfle­ge­satz­kom­mis­si­on nicht im Belie­ben der Betei­lig­ten. Das erge­be sich aus Norm­text, Geset­zes­his­to­rie, sys­te­ma­ti­scher Stel­lung des § 86 SGB XI im Bereich des Leis­tungs­er­brin­gungs­rechts der sta­tio­nä­ren Pfle­ge sowie aus der Funk­ti­on und dem Zweck einer Pfle­ge­satz­kom­mis­si­on. Der Gesetz­ge­ber habe viel­mehr das Ver­fah­ren zur Bestim­mung der Pfle­ge­sät­ze ver­ein­fa­chen und neben indi­vi­du­el­len durch kol­lek­ti­ve Pfle­ge­satz­ver­ein­ba­run­gen ermög­li­chen wol­len. Mit der Geset­zes­än­de­rung im Jah­re 1995 habe er ein ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nes Gegen­ge­wicht zu dem eher sozi­al­trä­ger­freund­li­chen Ver­fah­ren der indi­vi­du­el­len Pfle­ge­satz­ver­ein­ba­rung geschaf­fen. Denn im Rah­men der Pfle­ge­satz­kom­mis­si­on könn­ten die Pfle­ge­ein­rich­tun­gen kol­lek­tiv agie­ren und damit ihre Ver­hand­lungs­po­si­ti­on stärken.

Die Sozi­al­trä­ger sei­en gesetz­lich ver­pflich­tet, an der Bil­dung einer Pfle­ge­satz­kom­mis­si­on mit­zu­wir­ken. Die bis­he­ri­ge Total­ver­wei­ge­rung sei rechts­wid­rig. Nicht nach­voll­zieh­bar sei zudem – so das Lan­des­so­zi­al­ge­richt – die Untä­tig­keit des Hes­si­schen Sozi­al­mi­nis­te­ri­ums, das bis­her kei­ne auf­sichts­recht­li­chen Maß­nah­men ein­ge­lei­tet habe.

Hes­si­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 31. Janu­ar – L 8 P 25/​09