Die „Demenz-Wohn­ge­mein­schaft“ als sta­tio­nä­re Ein­rich­tung

Wer Apart­ments an Demenz­kran­ke ver­mie­tet und deren Pfle­ge fak­tisch an einen bestimm­ten Pfle­ge­dienst kop­pelt, betreibt eine sta­tio­nä­re Ein­rich­tung im Sin­ne des Ber­li­ner Heim­rechts. Das hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin ent­schie­den.

Die „Demenz-Wohn­ge­mein­schaft“ als sta­tio­nä­re Ein­rich­tung

In dem jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin ent­schie­de­nen Fall ist die Klä­ge­rin Eigen­tü­me­rin eines Hau­ses in Ber­lin-Char­lot­ten­burg. In zwei Eta­gen die­ses Hau­ses sind jeweils elf Apart­ments an pfle­ge­be­dürf­ti­ge, an Demenz erkrank­te Per­so­nen ver­mie­tet. Nach Ansicht des Lan­des­am­tes für Gesund­heit und Sozia­les betreibt die Ver­mie­te­rin eine sta­tio­nä­re Ein­rich­tung, weil die Kos­ten für Ser­vice­leis­tun­gen, die die Bewoh­ner von ihr bezie­hen müs­sen, die Brut­to­mie­te um mehr als 20 % über­stie­gen; im Übri­gen sei­en die Mie­ter auch fak­tisch gezwun­gen, sich von einem bestimm­ten, mit der Ver­mie­te­rin koope­rie­ren­den Pfle­ge­dienst ver­sor­gen zu las­sen.

Gegen die­se Fest­stel­lung wand­te sich die Klä­ge­rin mit ihrer Kla­ge, mit der sie gel­tend mach­te: Die zugrun­de geleg­te 20 %-Gren­ze sei dem Gesetz nicht zu ent­neh­men. Sie selbst sei jeden­falls nur gering­fü­gig zu Betreu­ungs­leis­tun­gen ver­pflich­tet; die wesent­li­che Betreu­ung rund um die Uhr wer­de vom Pfle­ge­dienst erbracht. Die freie Wahl des Pfle­ge­diens­tes sei gewähr­leis­tet.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin bestä­tig­te den Bescheid: Die bei­den Eta­gen sei­en sta­tio­nä­re Ein­rich­tun­gen im Sin­ne des Wohn­teil­ha­be­ge­set­zes (WTG) – mit der Kon­se­quenz, dass sie der „Heim­auf­sicht“ des Lan­des­am­tes für Gesund­heit und Sozia­les unter­lie­gen und stren­ge­re Vor­ga­ben für die dor­ti­ge Pfle­ge und die Räum­lich­kei­ten gel­ten. Eine heim­ar­ti­ge Unter­brin­gung lie­ge vor, obwohl die Apart­ment-Ver­mie­tung und die Pfle­ge Gegen­stand ver­schie­de­ner Ver­trä­ge mit unter­schied­li­chen Ver­trags­part­nern sei­en; denn bei­de Ver­ein­ba­run­gen sei­en tat­säch­lich in ihrem Bestand von­ein­an­der abhän­gig. Die pfle­ge­be­dürf­ti­gen und damit auf das Betreu­ungs­per­so­nal ange­wie­se­nen Bewoh­ner könn­ten prak­tisch kei­nen ande­ren als den mit der Klä­ge­rin seit Jah­ren koope­rie­ren­den Dienst mit der Pfle­ge beauf­tra­gen, ohne ihr Apart­ment auf­ge­ben zu müs­sen. Damit ent­spre­che ihre Situa­ti­on der­je­ni­gen „klas­si­scher“ Heim­be­woh­ner, die in dop­pel­ter Hin­sicht – bezüg­lich ihres Auf­ent­hal­tes und ihrer Pfle­ge – abhän­gig und des­halb beson­ders schutz­be­dürf­tig sei­en. Auf die 20%-Grenze kom­me es nicht an.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 21. August 2013 – VG 14 K 80.12