Die elek­tro­ni­sche Gesund­heits­kar­te und der Daten­schutz

Die Pflicht­an­ga­ben auf der elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­te sind iden­tisch mit den Anga­ben auf der bis­he­ri­gen Kran­ken­ver­si­che­rungs­kar­te. Im übri­gen kann der Ver­si­cher­te selbst über die Infor­ma­tio­nen bestim­men, die auf der elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­te gespei­chert wer­den. Durch die Ein­füh­rung der elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­te kann ein Ver­si­cher­ter daher nicht beschwert sein. Es ist des­halb ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich, dass eine Befrei­ung von der Pflicht zur elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­te gesetz­lich nicht vor­ge­se­hen ist.

Die elek­tro­ni­sche Gesund­heits­kar­te und der Daten­schutz

Mit die­ser Begrün­dung hat das Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf die Kla­ge eines Ver­si­cher­ten gegen die Ein­füh­rung der elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­te abge­wie­sen. Der 32-jäh­ri­ge, aus Wup­per­tal stam­men­de Klä­ger hat­te in dem Recht­streit gegen die Ber­gi­sche Kran­ken­kas­se Solin­gen daten­schutz­recht­li­che Beden­ken gegen die beab­sich­tig­te Ein­füh­rung der elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­te erho­ben.

Die Daten­spei­che­rung auf der elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­te wird gegen­über der bis­he­ri­gen Krankenversicherungs­karte so erwei­tert, dass auf frei­wil­li­ger Basis neben den schon heu­te gespei­cher­ten Daten (wie Name, Anschrift, Gül­tig­keits­dau­er) nun auch ver­trau­li­che per­so­nen­be­zo­ge­ne, den Gesund­heits­zu­stand betref­fen­de Anga­ben auf der Kar­te hin­ter­legt wer­den kön­nen. Zu die­sen Daten gehö­ren z.B. Anga­ben zur Ver­sor­gung im Not­fall, ein elek­tro­ni­scher Arzt­brief oder Anga­ben zur Medi­ka­men­ten­ein­nah­me. Der­zeit ver­fügt der Klä­ger noch über eine bis zum Ende des Jah­res gül­ti­ge Kran­ken­ver­si­che­rungs­kar­te.

Nach Auf­fas­sung des Sozi­al­ge­richts Düs­sel­dorf hat der Klä­ger gegen die Beklag­te kei­nen Anspruch auf Befrei­ung von der elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­te. Eine Befrei­ung von der Pflicht zur elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­te sei gesetz­lich nicht vor­ge­se­hen. Dies sei auch ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich. Der Ver­si­cher­te bestim­me selbst über die Infor­ma­tio­nen, die auf der elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­te gespei­chert wür­den. Allein im Hin­blick auf Pflicht­an­ga­ben sei der Klä­ger jedoch nicht beschwert, da die­se iden­tisch sei­en mit den Anga­ben auf der bis­he­ri­gen Kran­ken­ver­si­che­rungs­kar­te. Die elek­tro­ni­sche Gesund­heits­kar­te wei­se im Übri­gen nur nach, dass der Klä­ger in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ver­si­chert sei. Der Sach­leis­tungs­an­spruch des Klä­gers wer­de durch die elek­tro­ni­sche Gesund­heits­kar­te nicht berührt.

Dage­gen gebe es für das Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf kei­ne Ver­an­las­sung im Hin­blick auf den kon­kre­ten Streit­ge­gen­stand, auf die (datenschutz-)rechtlichen Beden­ken bezüg­lich der wei­te­ren jedoch frei­wil­li­gen und erst zukünf­ti­gen Spei­cher­mög­lich­kei­ten auf elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­ten im All­ge­mei­nen ein­zu­ge­hen. Es sei nicht Auf­ga­be des Gerichts, die Recht­mä­ßig­keit der Ein­füh­rung der elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­te umfas­send zu prü­fen, son­dern die kon­kre­te Beschwer des Klä­gers.

Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 28. Juni 2012 – S 9 KR 111/​09