Die Kos­ten­über­nah­me eines Psy­cho­the­ra­peu­ten nach dem Heil­prak­ti­ker­ge­setz

Es fehlt die gene­rel­le Qua­li­fi­ka­ti­on zur Aus­übung der Heil­kun­de im Bereich der Psy­cho­the­ra­pie, wenn ein The­ra­peut zwar die Erlaub­nis zur Aus­übung der Psy­cho­the­ra­pie nach dem Heil­prak­ti­ker­ge­setz besitzt – aber kei­ne Appro­ba­ti­on nach dem Psy­cho­the­ra­peu­ten­ge­setz. Daher besteht für einen Ver­si­cher­ten in der Gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung kein Anspruch auf Kos­ten­über­nah­me für eine Behand­lung bei einem The­ra­peu­ten, dem die­se Qua­li­fi­ka­ti­on fehlt.

Die Kos­ten­über­nah­me eines Psy­cho­the­ra­peu­ten nach dem Heil­prak­ti­ker­ge­setz

So die Ent­schei­dung des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Baden-Würt­tem­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Klä­gers, der die Erstat­tung von Kos­ten für psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Behand­lun­gen begehrt, die von einem The­ra­peu­ten durch­ge­führt wer­den, der weder über eine Appro­ba­ti­on nach dem Psy­cho­the­ra­peu­ten­ge­setz noch über eine Zulas­sung zur ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung ver­fügt. Der 1961 gebo­re­ne Klä­ger ist Mit­glied der beklag­ten Kran­ken­kas­se. Nach einer vom Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger bewil­lig­ten sta­tio­nä­ren Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­me, bei der auf psych­ia­tri­schem Fach­ge­biet eine mit­tel­gra­di­ge depres­si­ve Epi­so­de mit beglei­ten­der Angst­sym­pto­ma­tik dia­gnos­ti­ziert wur­de, hat der Klä­ger die bereits begon­ne­nen ambu­lan­ten Psy­cho­the­ra­pie (kogni­ti­ve Ver­hal­tens­the­ra­pie) fort­ge­führt. Aller­dings wün­sche der Klä­ger aus per­sön­li­chen Grün­den einen Wech­sel des The­ra­peu­ten. Der Klä­ger bean­trag­te am 05.05.2009 die Kos­ten­über­nah­me für eine pri­va­te Psy­cho­the­ra­pie bei Dr. M.. Die­ser ver­fügt über eine Erlaub­nis zur Aus­übung der Psy­cho­the­ra­pie nach dem Heil­prak­ti­ker­ge­setz, nicht aber über eine Appro­ba­ti­on nach dem Psy­cho­the­ra­peu­ten­ge­setz. Die­sen Antrag lehn­te die Beklag­te nach Ein­ho­lung einer Stel­lung­nah­me des Medi­zi­ni­schen Diens­tes der Kran­ken­kas­sen (MDK), der die bean­trag­te Maß­nah­me nicht befür­wor­tet hat­te, mit Bescheid vom 18.06.2009 ab. Nach erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren ist auch die Kla­ge vor dem Sozi­al­ge­richt Ulm abge­wie­sen wor­den. Dage­gen hat der Klä­ger Beru­fung ein­ge­legt.

Nach Auf­fas­sung des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Baden-Würt­tem­berg schei­tert ein Anspruch des Klä­gers auf Kos­ten­er­stat­tung (für die Ver­gan­gen­heit) bzw Kos­ten­über­nah­me (für die Zukunft) schon dar­an, dass dem The­ra­peu­ten, den der Klä­ger in Anspruch genom­men hat und wei­ter in Anspruch neh­men will, die gene­rel­le Qua­li­fi­ka­ti­on zur Aus­übung der Heil­kun­de im Bereich der Psy­cho­the­ra­pie fehlt 1. Nach § 28 Abs 3 SGB V wird die psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Behand­lung einer Krank­heit durch Psy­cho­the­ra­peu­ten, soweit sie zur psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Behand­lung zuge­las­sen sind, und durch Ver­trags­ärz­te durch­ge­führt. Psy­cho­the­ra­peu­ten sind nach der Legal­de­fi­ni­ti­on in § 28 Abs 3 Satz 1 SGB V nur Psy­cho­lo­gi­sche Psy­cho­the­ra­peu­ten und Kin­der- und Jugend­li­chen­psy­cho­the­ra­peu­ten. Dies sind Per­so­nen, denen nach den Vor­schrif­ten des Psy­cho­the­ra­peu­ten­ge­set­zes die Appro­ba­ti­on erteilt wor­den ist. Dazu gehört Dr. M. nicht. Er kann des­halb selbst in Fäl­len des Unver­mö­gens oder der rechts­wid­ri­gen Ableh­nung einer Kran­ken­kas­se nicht von Ver­si­cher­ten der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung in Anspruch genom­men wer­den 2. Inso­weit kommt es auf die Fra­ge, ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die Kos­ten einer Behand­lung durch appro­bier­te, aber nicht zur ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung zuge­las­se­ne Psy­cho­the­ra­peu­ten von der Kran­ken­kas­se zu über­neh­men sind, nicht an 3. Dr. M. fehlt nicht nur die Zulas­sung zur ver­trags­ärzt­li­chen Ver­sor­gung, son­dern auch die Appro­ba­ti­on nach dem Psy­cho­the­ra­peu­ten­ge­setz.

Dar­über hin­aus ist nicht fest­stell­bar, dass Dr. M. ein nach der Psy­cho­the­ra­pie-Richt­li­nie des Gemein­sa­men Bun­des­aus­schus­ses (GBA) aner­kann­tes Ver­fah­ren ange­wen­det hat bzw anwen­det. Die von ihm erwähn­te „tie­fen­psy­cho­lo­gisch ori­en­tier­te Ver­hal­tens­the­ra­pie“ gehört jeden­falls nicht dazu. Dies hat das Sozi­al­ge­richt zutref­fend ent­schie­den. Aner­kannt sind nach der Psy­cho­the­ra­pie-RL psy­cho­ana­ly­tisch begrün­de­te Ver­fah­ren (§ 14 Psy­cho­the­ra­pie-RL) iS von tie­fen­psy­cho­lo­gisch fun­dier­ter Psy­cho­the­ra­pie (§ 14a Psy­cho­the­ra­pie-RL) und ana­ly­ti­scher Psy­cho­the­ra­pie (§ 14b Psy­cho­the­ra­pie-RL) sowie Ver­hal­tens­the­ra­pie (§ 15 Psy­cho­the­ra­pie-RL). Ande­re Ver­fah­ren bedür­fen ent­spre­chend dem auch für psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Ver­fah­ren gel­ten­den § 135 SGB V 4 zunächst der Aner­ken­nung durch den GBA (§ 17 Psy­cho­the­ra­pie-RL).

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 6. Juli 2012 – L 11 KR 4261/​11

  1. vgl hier­zu BSG 10.02.2004 – B 1 KR 10703 B[]
  2. vgl BSG 10.02.2004 – B 1 KR 10703 B[]
  3. LSG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 26.06.2012 – L 11 KR 3528/​11, zur Kos­ten­über­nah­me für die Behand­lung durch einen Heil­prak­ti­ker[]
  4. dazu vgl BSG, 28.10.2009 – B 6 KA 11/​09 R, BSGE 105, 26-46 = SozR 4 – 2500 § 92 Nr 8[]