Die Mit­glieds­be­schei­ni­gung der Kran­ken­kas­se

Eine Mit­glieds­be­schei­ni­gung nach § 175 SGB V stellt kei­nen Ver­wal­tungs­akt mit einer Rege­lung zur Ver­si­che­rungs­pflicht in der GKV dar.

Die Mit­glieds­be­schei­ni­gung der Kran­ken­kas­se

Schon in der Ver­gan­gen­heit hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt bezüg­lich Beschei­ni­gun­gen über die Zuge­hö­rig­keit zur Ersatz­kas­se nach § 517 Abs 2 RVO ent­schie­den, dass die­se kei­ne Rege­lung über die Ver­si­che­rungs­pflicht ent­hal­ten 1; viel­mehr bestä­tig­ten die­se ledig­lich die Mit­glied­schaft bei der Ersatz­kas­se und konn­ten auch schon aus­ge­stellt wer­den, wenn (noch) kei­ne Ver­si­che­rungs­pflicht bestand 2. Eben­so hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in sog Begrü­ßungs­schrei­ben, mit denen der (ver­meint­li­che) Beginn einer Kran­ken­kas­sen­mit­glied­schaft mit­ge­teilt wur­de, kei­nen Ver­wal­tungs­akt gese­hen, mit dem die Ver­si­che­rungs­pflicht fest­ge­stellt wur­de, da die Auf­nah­me als Mit­glied bei einer Ersatz­kas­se häu­fig vor Ein­tritt in eine ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung bean­tragt wur­de. In der Regel bestä­tig­te die Ersatz­kas­se dar­auf­hin schrift­lich die Mit­glied­schaft, ohne den Zeit­punkt des Ein­tritts in die Beschäf­ti­gung abzu­war­ten oder gar zu über­prü­fen, ob die Vor­aus­set­zun­gen der Ver­si­che­rungs­pflicht tat­säch­lich erfüllt wur­den. Das BSG hat dahin­ste­hen las­sen, ob in einem sol­chen Schrei­ben eine Ersatz­kas­sen bin­den­de Bestä­ti­gung über die Zuge­hö­rig­keit des Betref­fen­den zum auf­nah­me­be­rech­tig­ten Per­so­nen­kreis gese­hen wer­den kann. Jeden­falls lag dar­in – auch aus der Sicht des die Mit­glied­schaft Bean­tra­gen­den – kein Ver­wal­tungs­akt über das Vor­lie­gen der Ver­si­che­rungs­pflicht, wenn es zur Auf­nah­me der vor­ge­se­he­nen Beschäf­ti­gung nicht kam und die Kas­se hier­von bei Abfas­sung des Schrei­bens kei­ne Kennt­nis hat­te 3. Dem­entspre­chend hat das BSG auch ein ähn­li­ches Schrei­ben bei frei­wil­li­ger Wei­ter­ver­si­che­rung in der Kran­ken­ver­si­che­rung nicht als Ver­wal­tungs­akt gewer­tet, weil im Zeit­punkt der Erklä­rung der Behör­de noch völ­lig offen war, ob das Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis über­haupt zur Ent­ste­hung gelan­gen wür­de 4.

Die in der vor­ste­hend dar­ge­stell­ten Recht­spre­chung ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze sind auch auf die Mit­glieds­be­schei­ni­gung nach § 175 SGB V 5 anzu­wen­den. Die­se Beschei­ni­gung ist aus Anlass der Aus­übung des Kran­ken­kas­sen­wahl­rechts von der gewähl­ten Kran­ken­kas­se aus­zu­stel­len 6: Gemäß § 173 Abs 1 SGB V 7 sind Ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge und Ver­si­che­rungs­be­rech­tig­te Mit­glied der von ihnen gewähl­ten Kran­ken­kas­se, soweit nichts Abwei­chen­des bestimmt ist. Bei Ein­tritt der Ver­si­che­rungs­pflicht hat der Betrof­fe­ne grund­sätz­lich ein Wahl­recht, jeden­falls dann, wenn inner­halb der letz­ten 18 Mona­te vor Beginn der Ver­si­che­rungs­pflicht eine Mit­glied­schaft in der GKV bei einer ande­ren Kran­ken­kas­se nicht bestand (vgl § 175 Abs 2 S 2 SGB V 8). Nach § 175 Abs 1 S 1 SGB V ist die Aus­übung des Wahl­rechts gegen­über der gewähl­ten Kran­ken­kas­se zu erklä­ren, die nach § 175 Abs 2 SGB V nach Aus­übung des Wahl­rechts – auch bei Ein­tritt einer Ver­si­che­rungs­pflicht – unver­züg­lich eine Mit­glieds­be­schei­ni­gung aus­zu­stel­len hat. Der Ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge hat die­se unver­züg­lich der zur Mel­dung ver­pflich­te­ten Stel­le vor­zu­le­gen (§ 175 Abs 3 S 1 SGB V). Wird die­se Beschei­ni­gung nicht spä­tes­tens zwei Wochen nach Ein­tritt der Ver­si­che­rungs­pflicht vor­ge­legt, so hat die zur Mel­dung ver­pflich­te­te Stel­le den Ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen ab Ein­tritt der Ver­si­che­rungs­pflicht bei der Kran­ken­kas­se anzu­mel­den, bei der zuletzt eine Ver­si­che­rungs­pflicht bestand; bestand vor Ein­tritt der Ver­si­che­rungs­pflicht kei­ne Ver­si­che­rung, hat die zur Mel­dung ver­pflich­te­te Stel­le den Ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen ab Ein­tritt der Ver­si­che­rungs­pflicht bei einer nach § 173 SGB V wähl­ba­ren Kran­ken­kas­se anzu­mel­den und den Ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen unver­züg­lich über die gewähl­te Kran­ken­kas­se zu unter­rich­ten (§ 175 Abs 3 S 2 SGB V). Für die Fäl­le, in denen eine Mit­glieds­be­schei­ni­gung nicht vor­ge­legt wird und kei­ne Mel­dung erfolgt, legen die Spit­zen­ver­bän­de der Orts, Betriebs, Innungs- und Ersatz­kas­sen gemein­sam und ein­heit­lich Regeln über die Zustän­dig­keit fest (§ 175 Abs 3 S 3 SGB V 9). Zudem haben die Spit­zen­ver­bän­de nach § 175 Abs 6 SGB V ua einen Vor­druck für die Mit­glieds­be­schei­ni­gun­gen fest­zu­le­gen 10. Bei die­sem ein­fa­chen Ver­fah­ren bleibt es stets, wenn über­haupt erst­mals eine Kran­ken­kas­se zu wäh­len ist oder die frü­he­re Mit­glied­schaft bei einer ande­ren Kran­ken­kas­se mehr als 18 Mona­te vor Beginn der Ver­si­che­rungs­pflicht geen­det hat. Will dem­ge­gen­über ein Ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger bei unver­än­der­tem Fort­be­stehen des schon bis­her Ver­si­che­rungs­pflicht begrün­den­den Sach­ver­halts an Stel­le der bis­he­ri­gen einer ande­ren Kran­ken­kas­se bei­tre­ten, ist dies nur im Rah­men eines mehr­glied­ri­gen Ver­fah­rens mög­lich, das die Begrün­dung der neu­en Mit­glied­schaft mit der Lösung der unmit­tel­bar vor­an­ge­hen­den bei einer ande­ren Kran­ken­kas­se ver­zahnt 11. § 175 Abs 4 SGB V erfor­dert hier­zu zunächst die Kün­di­gung der Mit­glied­schaft (Satz 2), wor­auf­hin die bis­he­ri­ge Kran­ken­kas­se unver­züg­lich eine Kün­di­gungs­be­stä­ti­gung aus­zu­stel­len hat (Satz 3). Erst nach deren Vor­la­ge kann die gewähl­te neue Kran­ken­kas­se ihrer Pflicht zur unver­züg­li­chen Aus­stel­lung einer Mit­glieds­be­schei­ni­gung nach­kom­men (Abs 2 S 2). Schließ­lich wird die Kün­di­gung erst dann wirk­sam, wenn das Mit­glied inner­halb der Kün­di­gungs­frist eine Mit­glied­schaft bei der neu­en Kran­ken­kas­se durch die­se Mit­glieds­be­schei­ni­gung nach­weist (Abs 4 S 4) 12.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt braucht im vor­lie­gen­den Fall nicht zu ent­schei­den, ob einer Beschei­ni­gung nach § 175 SGB V gene­rell kei­ne Ver­wal­tungs­akt­qua­li­tät zukommt. Denn bereits nach ihrem typi­schen, auch vor­lie­gend ver­wen­de­ten Wort­laut stellt eine sol­che Beschei­ni­gung allen­falls die getrof­fe­ne Kran­ken­kas­sen­wahl fest, nicht jedoch die – vor­lie­gend allein streit­ge­gen­ständ­li­che – Ver­si­che­rungs­pflicht 13. Ent­schei­dend ist inso­weit, ob mit der Mit­glieds­be­schei­ni­gung im Sin­ne von § 31 S 1 SGB X eine Rege­lung mit Rechts­wir­kung nach außen bezüg­lich der Ver­si­che­rungs­pflicht in der GKV getrof­fen wird. Dabei ist für die Aus­le­gung der Beschei­ni­gung maß­ge­bend, wie der Emp­fän­ger sie ihrem objek­ti­ven Sinn­ge­halt nach ver­ste­hen durf­te. Aus­zu­ge­hen ist vom Emp­fän­ger­ho­ri­zont eines ver­stän­di­gen Betei­lig­ten, der die Zusam­men­hän­ge berück­sich­tigt, wel­che die Behör­de erkenn­bar in ihre Ent­schei­dung ein­be­zo­gen hat 14.

Nach die­sem Maß­stab stellt eine Mit­glieds­be­schei­ni­gung nach § 175 SGB V in der durch die Spit­zen­ver­bän­de der Kran­ken­kas­sen fest­ge­leg­ten Form 15 kei­nen Ver­wal­tungs­akt zur Fra­ge der Ver­si­che­rungs­pflicht in der GKV dar. Schon deren Wort­laut ent­hält kei­ne Erklä­rung zum ver­si­che­rungs­recht­li­chen Sta­tus, viel­mehr wird unter der Über­schrift "Mit­glieds­be­schei­ni­gung nach § 175 SGB V" die For­mu­lie­rung "Herr/​Frau … ist ab/​seit dem … Mit­glied der (Name der Kran­ken­kas­se)" ver­wen­det, was eine Kran­ken­kas­sen­mit­glied­schaft nach §§ 173 ff SGB V meint und nicht kon­gru­ent ist mit einer ver­si­che­rungs­recht­li­chen Mit­glied­schaft Ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger in der GKV, deren Beginn und Ende in §§ 186 ff SGB V gere­gelt ist 16. Ent­spre­chend hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt bereits zu einer Beschei­ni­gung nach § 517 Abs 2 RVO zwi­schen der Fra­ge der Ver­si­che­rungs­pflicht und Kran­ken­kas­sen­mit­glied­schaft unter­schie­den 17. Die­se Unter­schei­dung ist im Rah­men des § 175 SGB V bereits des­halb gebo­ten, weil das Kran­ken­kas­sen­wahl­recht nach § 173 Abs 1 SGB V sowohl Ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen als auch Ver­si­che­rungs­be­rech­tig­ten – also nach § 9 SGB V zur frei­wil­li­gen Ver­si­che­rung Berech­tig­ten – zusteht. Auch frei­wil­lig Ver­si­cher­ten ist, wie sich unzwei­deu­tig aus § 175 Abs 2 S 2 SGB V ergibt, unver­züg­lich nach der Aus­übung des Wahl­rechts eine Mit­glieds­be­schei­ni­gung aus­zu­stel­len (§ 175 Abs 2 S 1 SGB V).

Die bereits im Wort­laut der Beschei­ni­gung zum Aus­druck kom­men­de inhalt­li­che Beschrän­kung auf eine Aus­sa­ge zur Kran­ken­kas­sen­mit­glied­schaft und nicht zur Ver­si­che­rungs­pflicht, ergibt sich – aus Sicht eines ver­stän­di­gen Emp­fän­gers – zugleich aus den regel­mä­ßig mit der Aus­stel­lung der Mit­glieds­be­schei­ni­gung ver­bun­de­nen Umstän­den, ins­be­son­de­re aus deren Funk­ti­on im Ver­fah­ren des Kran­ken­kas­sen­wech­sels oder der erst­ma­li­gen Kran­ken­kas­sen­wahl, die auf den Nach­weis der aus­ge­üb­ten Wahl beschränkt ist. So regelt § 175 SGB V schon der Über­schrift nach die "Aus­übung des Wahl­rechts" 18 und nicht die Ver­si­che­rungs­pflicht, wofür ande­re Ver­fah­ren mit spe­zi­el­len Zustän­dig­kei­ten zur Ver­fü­gung ste­hen (vgl § 7a und § 28h Abs 2 SGB IV; sie­he auch § 28p Abs 1 SGB IV). In die­sem Zusam­men­hang zielt das in § 175 SGB V gere­gel­te for­ma­li­sier­te Ver­fah­ren beim Kran­ken­kas­sen­wech­sel unter unver­än­der­tem Fort­be­stand des die Ver­si­che­rungs­pflicht begrün­den­den Sach­ver­halts dar­auf ab, die Mit­wir­kungs­hand­lun­gen aller Betei­lig­ten zu koor­di­nie­ren und Klar­heit dar­über zu schaf­fen, zu wel­chem Zeit­punkt ein Wech­sel der Mit­glied­schaft ein­ge­tre­ten ist. Hier­zu die­nen die Erklä­rungs- und Nach­weis­pflich­ten der gekün­dig­ten bis­he­ri­gen Kran­ken­kas­se, der gewähl­ten neu­en Kran­ken­kas­se – also die Mit­glieds­be­schei­ni­gung – und des Ver­si­cher­ten 19. Dem­ge­gen­über dient die Mit­glieds­be­schei­ni­gung im hier vor­lie­gen­den ver­ein­fach­ten Ver­fah­ren dem "Zweck der Vor­la­ge bei der zur Mel­dung ver­pflich­te­ten Stel­le" (§ 175 Abs 2 S 3, Abs 3 S 1 SGB V), also in ers­ter Linie der Infor­ma­ti­on die­ser Stel­le über die aus­ge­üb­te Kran­ken­kas­sen­wahl, damit die­se die Mel­dung bei der rich­ti­gen (der gewähl­ten) Kran­ken­kas­se vor­neh­men und den Gesamt­so­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trag an die­se abfüh­ren kann.

Dass die Mit­glieds­be­schei­ni­gung gera­de bei erst­ma­li­ger Kran­ken­kas­sen­wahl kei­ne Ent­schei­dung über die Ver­si­che­rungs­pflicht ent­hält, kann ein ver­stän­di­ger Emp­fän­ger auch dar­aus ent­neh­men, dass die­se schon vor Beginn der Ver­si­che­rungs­pflicht aus­ge­stellt wer­den kann, wenn das Wahl­recht zuläs­si­ger­wei­se 20 bereits vor Ein­tritt in eine ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung aus­ge­übt wird. Der Annah­me einer Prü­fung auch der Ver­si­che­rungs­pflicht wider­spricht zugleich die Ver­pflich­tung der ange­gan­ge­nen Kran­ken­kas­se, die Mit­glieds­be­schei­ni­gung "unver­züg­lich" aus­zu­stel­len (§ 175 Abs 2 S 1 SGB V). Selbst wenn dies die Durch­füh­rung von Ermitt­lun­gen der Kran­ken­kas­se zu den Vor­aus­set­zun­gen des Wahl­rechts nicht aus­zu­schlie­ßen ver­mag 21, so ergibt doch bereits der durch § 175 Abs 3 S 1 und S 2 SGB V gesetz­te enge Zeit­rah­men, dass eine abschlie­ßen­de Klä­rung auch der Ver­si­che­rungs­pflicht regel­mä­ßig nicht erfol­gen kann. Die­ser Zeit­rah­men stellt sicher, dass selbst bei Ein­tritt der Ver­si­che­rungs­pflicht die kraft Wahl zustän­di­ge Kran­ken­kas­se inner­halb von zwei Wochen nach Ein­tritt der Ver­si­che­rungs­pflicht fest­steht 22. Sähe man in der Mit­glieds­be­schei­ni­gung nach § 175 SGB V als sol­cher einen Ver­wal­tungs­akt über das Vor­lie­gen von Ver­si­che­rungs­pflicht, wären die Kran­ken­kas­sen erst nach ver­wal­tungs­auf­wän­di­gen, län­ger dau­ern­den Ver­fah­ren zur Bestä­ti­gung einer aus­ge­üb­ten Kran­ken­kas­sen­wahl in der Lage 23. Dem ange­streb­ten Zweck, kurz­fris­tig die zustän­di­ge Kran­ken­kas­se fest­zu­le­gen, lie­fe dies zuwi­der.

Auch im vor­lie­gen­den Ein­zel­fall ist die von der Beklag­ten aus­ge­stell­te Mit­glieds­be­schei­ni­gung nicht als Ver­wal­tungs­akt mit einer Rege­lung zur Ver­si­che­rungs­pflicht Frau K. in der GKV aus­zu­le­gen. Inso­weit bringt schon der vom LSG fest­ge­stell­te Wort­laut durch die Über­schrift "Zur Vor­la­ge beim neu­en Arbeit­ge­ber oder der Arbeits­agen­tur" und dem wei­te­ren Text "Frau K. … ist Mit­glied der AOK Hes­sen gemäß § 175 SGB V seit 07.01.2007" deut­li­cher noch als eine Beschei­ni­gung in der von den Spit­zen­ver­bän­den der Kran­ken­kas­sen fest­ge­leg­ten Form zum Aus­druck, dass es sich um eine Bestä­ti­gung über die Kran­ken­kas­sen­wahl "gemäß § 175 SGB V" han­delt, die unab­hän­gig von einem kon­kre­ten Ver­si­che­rungs­pflicht­tat­be­stand (Ver­si­che­rungs­pflicht auf­grund einer Beschäf­ti­gung oder als Leis­tungs­emp­fän­ger) aus­ge­stellt wor­den ist. Unter­stri­chen wird die­ses zusätz­lich durch das dem Klä­ger zu 1. aus­ge­hän­dig­te Begleit­schrei­ben, wonach die aus­ge­füll­te Mit­glieds­be­schei­ni­gung der rei­bungs­lo­sen Anmel­dung durch "das Arbeits­amt" die­nen soll­te. Danach fehl­te erkenn­bar ein Rege­lungs­wil­le der Beklag­ten hin­sicht­lich der Fest­stel­lung der Ver­si­che­rungs­pflicht Frau K. in der zum 7.01.2008 ange­streb­ten Beschäf­ti­gung.

Die Mit­glieds­be­schei­ni­gung kann auch nicht als Ver­wal­tungs­akt mit dem Inhalt aus­ge­legt wer­den, dass Frau K."die Auf­nah­me als Pflicht­mit­glied zuge­sagt wird, sobald eine Mel­dung eines sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses durch einen Arbeit­ge­ber ein­geht". Ein sol­cher auf Durch­füh­rung einer Kran­ken­kas­sen­mit­glied­schaft gerich­te­ter Ver­wal­tungs­akt wür­de bereits den mit der vom LSG zurück­ge­wie­se­nen Beru­fung ange­foch­te­nen Aus­spruch des SG, das die Ver­si­che­rungs­pflicht Frau K. zur Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung seit dem 9.07.2008 fest­ge­stellt hat, nicht tra­gen. Bezo­gen auf die des­halb in der Revi­si­on allein strei­ti­ge Fra­ge der Ver­si­che­rungs­pflicht könn­te der der Mit­glieds­be­schei­ni­gung vom LSG bei­geleg­te Inhalt allen­falls als auf­schie­bend beding­ter Ver­wal­tungs­akt über die Fest­stel­lung der Ver­si­che­rungs­pflicht ver­stan­den wer­den. Der hier­für erfor­der­li­che Rege­lungs­wil­le gera­de in Bezug auf die Fest­stel­lung von Ver­si­che­rungs­pflicht kann jedoch – wie gezeigt – auf Grund­la­ge der tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des LSG nicht ange­nom­men wer­den. Aus die­sem Grun­de stellt die strei­ti­ge Mit­glieds­be­schei­ni­gung auch kei­ne Zusi­che­rung (§ 34 SGB X) auf Erlass eines die Ver­si­che­rungs­pflicht fest­stel­len­den Ver­wal­tungs­akts für den Fall jed­we­der künf­ti­ger Auf­nah­me einer ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäf­ti­gung dar, wobei offen­blei­ben kann, ob hier­auf die erfolg­te gericht­li­che Fest­stel­lung der Ver­si­che­rungs­pflicht über­haupt gestützt wer­den könn­te.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 27. Juni 2012 – B 12 KR 11/​10 R

  1. BSG Urteil vom 22.06.1966 – 3 RK 103/​63 – Breit­haupt 1967, 1, 2, inso­weit in SozR Nr 4 zu § 2 AVG nicht abge­druckt[]
  2. BSG SozR 2200 § 517 Nr 9 S 26; vgl auch BSGE 19, 178 = SozR Nr 1 zu § 518 RVO; BSGE 24, 256 = SozR Nr 2 zu § 518 RVO; vgl auch F. Kirch­hof, VSSR 1992, 165, 170 f[]
  3. BSG SozR 32200 § 306 Nr 2 S 7; vgl auch BSG Urteil vom 16.10.1968 – 3 RK 8/​65 – SGb 1969, 176, 178, inso­weit in SozR Nr 61 zu § 165 RVO nicht abge­druckt; zu einem Begrü­ßungs­schrei­ben bei frei­wil­li­gem Bei­tritt zur Unfall­ver­si­che­rung vgl BSGE 23, 248, 251 = SozR Nr 2 zu § 539 RVO aF[]
  4. BSGE 14, 104, 106 f = SozR Nr 3 zu § 313a RVO[]
  5. in der hier anwend­ba­ren Fas­sung durch das GKVWSG vom 26.03.2007, BGBl I 378[]
  6. zum Fol­gen­den BSG Urteil vom 21.12.2011 – B 12 KR 21/​10 R – RdNr 19, zur Ver­öf­fent­li­chung in SozR 42500 § 175 Nr 3 vor­ge­se­hen[]
  7. idF des Geset­zes zur Reform der Arbeits­för­de­rung vom 24.03.1997, BGBl I 594[]
  8. vgl auch BSG SozR 42500 § 175 Nr 2 RdNr 20[]
  9. s Ziff 5.4 der Gemein­sa­men Ver­laut­ba­rung der Spit­zen­ver­bän­de der Kran­ken­kas­sen zum Kran­ken­kas­sen­wahl­recht vom 06.03.2007[]
  10. für den Aus­stel­lungs­zeit­punkt der hier strei­ti­gen Beschei­ni­gung sie­he Anla­ge 1 der Gemein­sa­men Ver­laut­ba­rung vom 06.03.2007[]
  11. vgl BSG SozR 42500 § 175 Nr 2 RdNr 20 f[]
  12. hier­zu BSG Urteil vom 09.11.2011 – B 12 KR 3/​10 R[]
  13. so auch LSG Baden-Würt­tem­berg, Urtei­le vom 01.03.2011 – L 11 KR 2278/​09; sowie vom 28.02.2003 – L 4 KR 4661/​01; wohl auch Blö­cher in juris­PK-SGB V, 2. Aufl 2012, § 175 RdNr 28, wonach der Rege­lungs­ge­halt der Beschei­ni­gung sich auf die Abga­be einer wirk­sa­men Wahl­rechts­er­klä­rung durch den Wäh­len­den bezie­hen soll; einen Ver­wal­tungs­akt ableh­nend Koke­moor, SGb 2003, 433, 439; Auf­schie­bend beding­ter Ver­wal­tungs­akt oder Inhalt auf die Aus­sa­ge zur Wähl­bar­keit der ange­gan­ge­nen Kran­ken­kas­se beschränkt: K. Peters in Kas­se­ler Komm, Stand Ein­zel­kom­men­tie­rung April 2012, § 175 SGB V RdNr 22; im Ein­zel­fall aA zu einem Begrü­ßungs­schrei­ben LSG Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 18.01.2007 – L 16 KR 227/​06; zu einer "Beschei­ni­gung" LSG Rhein­land-Pfalz, Beschluss vom 10.02.2004 – L 1 ER 4/​04 KRNZS 2005, 167; die Mit­glied­schaft fest­stel­len­der Ver­wal­tungs­akt: Sonn­hoff in Hauck/​Noftz, SGB V, Stand 4/​2012, K § 175 RdNr 22[]
  14. BSGE 108, 86 = SozR 41500 § 54 Nr 21, RdNr 18 mwN; Engel­mann in von Wulffen, SGB X, 7. Aufl 2010, § 31 RdNr 26 mwN[]
  15. Anla­ge 1 der Gemein­sa­men Ver­laut­ba­rung vom 06.03.2007[]
  16. sie­he auch K. Peters, aaO, § 175 SGB V RdNr 3; Blö­cher, aaO, § 173 RdNr 8, 18[]
  17. BSG SozR 2200 § 517 Nr 9 S 25 f[]
  18. sie­he auch Gesetz­ent­wurf der Frak­tio­nen der CDU/​CSU, SPD und FDP zum Gesund­heits­Struk­tur­ge­setz vom 05.11.1992, BT-Drucks 12/​3608 S 113 zu § 175[]
  19. BSG Urteil vom 09.11.2011 – B 12 KR 3/​10 R; vgl auch BSG SozR 42500 § 175 Nr 2 RdNr 21; BSG SozR 42500 § 175 Nr 1 RdNr 18 f[]
  20. vgl dazu auch Bericht des Aus­schus­ses für Gesund­heit zum Ent­wurf des Gesund­heits­Struk­tur­ge­set­zes vom 08.12.1992, BT-Drucks 12/​3937 S 17 zu Art 1 Nr 99 und Beschluss­emp­feh­lung des Aus­schus­ses vom 07.12.1992, BT-Drucks 12/​3930 S 63; Koke­moor, SGb 2003, 433, 434[]
  21. vgl Blö­cher, aaO, § 175 RdNr 29[]
  22. BSG SozR 42500 § 175 Nr 1 RdNr 19[]
  23. vgl zu einem Begrü­ßungs­schrei­ben bereits BSG SozR 32200 § 306 Nr 2 S 7[]