Die Son­der­re­ge­lun­gen des Sozialschutzpaketes

Vom Job­cen­ter ist grund­sätz­lich nur die Mie­te von Leis­tungs­emp­fän­gern zu über­neh­men. Dient die Mie­te als Rate dem Abtrag des Kauf­prei­ses, führt das zu einer Ver­mö­gens­bil­dung, die vom Job­cen­ter nicht über­nom­men wer­den darf. Die Son­der­re­ge­lun­gen des Sozi­al­schutz­pa­ke­tes zur Wei­ter­be­wil­li­gung von Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen in Coro­na-Zei­ten dür­fen nicht dazu füh­ren, dass ein Job­cen­ter „sehen­den Auges“ Leis­tun­gen zu Unrecht gewährt.

Die Son­der­re­ge­lun­gen des Sozialschutzpaketes

Mit die­ser Begrün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Wei­ter­be­wil­li­gung von Unter­kunfts­kos­ten ver­wei­gert. Auf die Beschwer­de des Antrags­geg­ners wird der Beschluss des Sozi­al­ge­richts Lüne­burg [1] inso­weit auf­ge­ho­ben, als der Antrags­geg­ner vor­läu­fig ver­pflich­tet wor­den ist, für die Zeit vom 1. Juli 2020 bis 30. Juni 2021 auch die sog Miet­kauf­ra­ten (in den bis­he­ri­gen Leis­tungs­be­wil­li­gun­gen als „Grund­mie­te“ aus­ge­wie­sen) zu übernehmen. 

Ein bereits seit 2013 Hartz-IV bezie­hen­der Mann aus dem Land­kreis Uel­zen lebt mit sei­ner Frau in einem Haus, für wel­ches er einen sog. Miet­kauf­ver­trag geschlos­sen hat­te. Die monat­li­chen Zah­lun­gen aus die­sem Ver­trag wur­den durch das Job­cen­ter bis­her als Mie­te berück­sich­tigt, obwohl sie Kauf­preis­ra­ten für das Haus dar­stell­ten. Nach­dem das Job­cen­ter Klar­heit über die genaue Art der Unter­kunfts­kos­ten erhal­ten hat­te, ver­wei­ger­te es die Wei­ter­be­wil­li­gung. Dem­ge­gen­über ver­lang­te der Mann wei­te­re Leis­tun­gen und berief sich dar­auf, dass Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen auf­grund der Coro­na-Pan­de­mie von Amts wegen unter Annah­me unver­än­der­ter Ver­hält­nis­se für 12 Mona­te wei­ter zu bewil­li­gen sei­en. Damit hat­te er vor dem Sozi­al­ge­richt Lüne­burg Erfolg. Der Antrags­geg­ner hat sich mit der Beru­fung gegen die Ver­pflich­tung durch das Sozi­al­ge­richt Lüne­burg gewehrt, wei­ter­hin die Miet­kauf­ra­ten zu übernehmen.

In sei­ner Ent­schei­dungs­be­grün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men aus­drück­lich fest­ge­stellt, dass die ursprüng­li­che Leis­tungs­be­wil­li­gung feh­ler­haft ist. Denn vom Job­cen­ter sei grund­sätz­lich nur die Mie­te zu über­neh­men ist. Im vor­lie­gen­den Fall dien­ten die Raten jedoch dem Abtrag des Kauf­prei­ses. Damit wür­den sie zu einer Ver­mö­gens­bil­dung füh­ren, die vom Job­cen­ter nicht über­nom­men wer­den dürfe.

Wei­ter ist das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men der Auf­fas­sung, es bestehe auch kein Anspruch auf Fort­be­wil­li­gung der Leis­tun­gen auf­grund der Son­der­re­ge­lun­gen des Sozi­al­schutz­pa­kets. Mit der neu­en Vor­schrift des § 67 Abs. 5 S. 3 SGB II erfol­ge zwar die Wei­ter­be­wil­li­gung von Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen bei bereits seit Län­ge­rem im Bezug ste­hen­den Betrof­fe­nen unter der Annah­me unver­än­der­ter Ver­hält­nis­se ohne Über­prü­fung des wei­te­ren Vor­lie­gens der Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen. Die­se Vor­schrift dür­fe jedoch nicht dazu füh­ren, dass ein Job­cen­ter „sehen­den Auges“ Leis­tun­gen zu Unrecht gewähre.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men, Beschluss vom 22. Sep­tem­ber 2020 – L 11 AS 415/​20 B ER

Die Sonderregelungen des Sozialschutzpaketes
  1. SG Lüne­burg, Beschluss vom 17.07.2020 – S 21 AS 90/​20 ER[]