Die Tätig­kei­ten bei einem ambu­lan­ten Pfle­ge­dienst – und die Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflicht

In der Regel han­delt es sich bei Pfle­ge­kräf­ten, die auf Hono­rar­ba­sis für ambu­lan­te Pfle­ge­diens­te tätig sind, nicht um eine selb­stän­di­ge Tätig­keit, son­dern um eine sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung.

Die Tätig­kei­ten bei einem ambu­lan­ten Pfle­ge­dienst – und die Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflicht

Zu die­ser Ent­schei­dung ist das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Alten­pfle­ge­rin gelangt, die mit einem Sta­tus­fest­stel­lungs­an­trag bei der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Bund fest­stel­len las­sen woll­te, dass ihre Tätig­keit für einen Pfle­ge­dienst im Rah­men einer selb­stän­di­gen Tätig­keit erfolg­te. Die 57-Jäh­ri­ge hat für ver­schie­de­ne ambu­lan­te Pfle­ge­diens­te auf Hono­rar­ba­sis Pfle­ge­auf­trä­ge über­nom­men. Für den Pfle­ge­dienst, für den sie den Sta­tus fest­ge­stellt wis­sen woll­te, war sie jeweils nur als Aus­hil­fe tätig gewor­den, wenn dort etwa auf­grund von Krank­heits­aus­fäl­len bei den fest­an­ge­stell­ten Pfle­ge­kräf­ten nicht alle Pati­en­ten auf­ge­sucht wer­den konn­ten. Wur­de die Klä­ge­rin von dem Pfle­ge­dienst ange­fragt, konn­te sie selbst ent­schei­den, ob sie den Auf­trag anneh­men woll­te. Sie plan­te dann die Tour selbst, fuhr die­se mit ihrem eige­nen Pkw ab und stell­te anschlie­ßend eine Rech­nung über die geleis­te­ten Stun­den, die mit einem fes­ten Stun­den­satz ver­gü­tet wur­den. Nach­dem die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung den­noch vom Vor­lie­gen einer abhän­gi­gen Beschäf­ti­gung aus­ge­gan­gen war, hat die Klä­ge­rin vor dem Sozi­al­ge­richt Lübeck Recht bekom­men und ihre Tätig­keit wur­de als selb­stän­dig ein­ge­ord­net. Gegen die­se Ent­schei­dung hat sich die Ren­ten­ver­si­che­rung mit der Beru­fung gewehrt.

Zur Urteils­be­grün­dung hat das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt eine Ent­schei­dung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts vom 6. Juni 2019 [1] her­an­ge­zo­gen. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat­te sich dar­in mit der Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflicht von Pfle­ge­kräf­ten in einer sta­tio­nä­ren Pfle­ge­ein­rich­tung befasst und ent­schie­den, dass auf­grund der weit­ge­hen­den gesetz­li­chen Vor­ga­ben über die Orga­ni­sa­ti­on und Über­wa­chung von Pfle­ge in sta­tio­nä­ren Ein­rich­tun­gen eine selb­stän­di­ge Tätig­keit von Pfle­ge­kräf­ten dort regel­mä­ßig nicht statt­fin­den kön­ne. Dies sei allen­falls in Aus­nah­men denk­bar. Nicht zu ent­schei­den hat­te das Bun­des­so­zi­al­ge­richt bis­her, ob die­se Grund­sät­ze auch für die Tätig­keit für ambu­lan­te Pfle­ge­diens­te gel­ten.

Nach Auf­fas­sung des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts sei dies zu beja­hen. Denn für ambu­lan­te Pfle­ge­diens­te wür­den grund­sätz­lich die glei­chen regu­la­to­ri­schen Vor­ga­ben gel­ten wie für sta­tio­nä­re Ein­rich­tun­gen. Auch hier lie­ge die Gesamt­ver­ant­wor­tung für die Durch­füh­rung und die Qua­li­täts­si­che­rung der Pfle­ge letzt­lich beim Pfle­ge­dienst, sodass eine wei­sungs­freie Tätig­keit der vor Ort ein­ge­setz­ten Pfle­ge­kräf­te im Regel­fall nicht gege­ben sei. Ein beson­de­rer Aus­nah­me­fall lie­ge im Fall der Klä­ge­rin nicht vor.

Aus die­sen Grün­den ist das Urteil des Sozi­al­ge­richts Lübeck auf­ge­ho­ben wor­den.

Das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt hat wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung die Beru­fung zum Bun­des­so­zi­al­ge­richt zuge­las­sen, weil die Über­trag­bar­keit der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts auf die ambu­lan­ten Pfle­ge­diens­te bis­lang nicht höchst­rich­ter­lich geklärt ist und bun­des­weit eine Viel­zahl von Fäl­len betrifft.

Schles­wig-Hol­stei­ni­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 26. August 2020 – L 5 KR 72/​17

  1. BSG, B 12 R 6/​18 R[]