Die Tarif­un­fä­hig­keit der "CGZP" – und die Bei­trags­nach­for­de­rung der Sozi­al­ver­si­che­rung bei Zeit­ar­beits­un­ter­neh­men

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat jetzt auf die Revi­si­on einer erlaub­te Arbeit­neh­mer­über­las­sung betrei­ben­den GmbH ent­schie­den, dass über deren Kla­ge gegen die Nach­for­de­rung von Gesamt­so­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen in Höhe von über 75 000 Euro in der Tat­sa­chen­in­stanz erneut ver­han­delt wer­den muss. Die Nach­for­de­rung von Bei­trä­gen auch für Zei­ten vor dem Beschluss des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) über die Tarif­un­fä­hig­keit der "Tarif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Gewerk­schaf­ten für Zeit­ar­beit und Per­so­nal­ser­vice-Agen­­tu­ren" (CGZP) ist zwar bun­des­recht­lich grund­sätz­lich zuläs­sig, jeden­falls die genaue Höhe der For­de­rung muss jedoch wei­ter geprüft wer­den.

Die Tarif­un­fä­hig­keit der

Es han­delt sich um die ers­te Ent­schei­dung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts im Nach­gang zu der vom Bun­des­ar­beits­ge­richt mit Beschluss vom 14. Dezem­ber 2010 1 getrof­fe­nen Fest­stel­lung, dass die CGZP nicht die Min­dest­vor­aus­set­zun­gen erfüllt, um als Gewerk­schafts-Spit­zen­­or­ga­­ni­­sa­ti­on wirk­sa­me Tarif­ver­trä­ge abschlie­ßen zu kön­nen. Dar­auf­hin hat­te die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund bei über 3000 Arbeit­ge­bern für Zei­ten vom 1. Dezem­ber 2005 bis 31. Dezem­ber 2009 Bei­trags­nach­for­de­run­gen von zusam­men mehr als 220 Mio Euro gel­tend macht.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat sein Urteil damit begrün­det, dass sich die Klä­ge­rin zwar auf­grund der vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­fah­ren in der Arbeits­ge­richts­bar­keit und beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt grund­sätz­lich nicht erfolg­reich auf Ver­trau­ens­schutz nach dem deut­schen Recht – auch nicht nach Sozi­al­ver­si­che­rungs­recht – beru­fen kann. Wegen unwirk­sa­mer tarif­li­cher Rege­lun­gen besteht ein Anspruch der beschäf­tig­ten Leih­ar­beit­neh­mer auf ein gleich hohes Arbeits­ent­gelt wie es die Stamm­be­schäf­tig­ten des Ent­leih­un­ter­neh­mens erhal­ten, wonach sich dann auch die Bei­trags­hö­he rich­tet. Aller­dings lässt sich der­zeit noch nicht ver­fah­rens­feh­ler­frei ent­schei­den, in wel­cher Höhe und für wel­che Zeit­räu­me genau Bei­trä­ge nach­zu­zah­len sind:

Vor einer abschlie­ßen­den Ent­schei­dung müs­sen zunächst die betrof­fe­nen Beschäf­tig­ten und alle inso­weit von den nach­ge­for­der­ten Bei­trä­gen begüns­tig­ten ande­ren Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger als not­wen­dig Bei­gela­de­ne am Rechts­streit betei­ligt wer­den.

Dar­über hin­aus müs­sen Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen dazu nach­ge­holt wer­den, wel­che Bei­trä­ge auf wel­che kon­kre­ten Ent­gelt­an­sprü­che ent­fal­len und wel­che Bei­trags­an­tei­le dar­über hin­aus­ge­hend auf einer (an sich grund­sätz­lich zuläs­si­gen) Schät­zung beru­hen. Sol­len zudem – wie hier – über die vier­jäh­ri­ge Ver­jäh­rungs­frist hin­aus Bei­trä­ge wegen vor­sätz­li­cher Vor­ent­hal­tung unter Beru­fung auf die 30-jäh­ri­ge Ver­jäh­rungs­frist nach­er­ho­ben wer­den, bedarf es genaue­rer Fest­stel­lun­gen zum Vor­satz, also zum Bei­spiel zu Kennt­nis und Ver­hal­ten der im Betrieb ver­ant­wort­li­chen Per­so­nen.

  1. BSG, Beschlüs­se vom 14.12.2010 – 1 ABR 19/​10, BAGE 136, 302 = AP Nr 6 zu § 2 TVG Tarif­fä­hig­keit[]