Die Ver­füg­bar­keit bei der Arbeits­ver­mitt­lung

Begehrt ein Arbeit­neh­mer, der sich gegen eine durch sei­nen Arbeit­ge­ber aus­ge­spro­che­ne Kün­di­gung mit dem Ziel der Wei­ter­be­schäf­ti­gung zur Wehr setzt, bis zur Klä­rung der Recht­mä­ßig­keit sei­ner Kün­di­gung Arbeits­lo­sen­geld, muss er sich den Ver­mitt­lungs­be­mü­hun­gen der Bun­des­agen­tur für Arbeit zur Ver­fü­gung stel­len. Fehlt es an der sub­jek­ti­ven Ver­füg­bar­keit, fehlt es für einen Antrag auf einst­wei­li­gen Rechts­schutz schon am Rechts­schutz­be­dürf­nis.

Die Ver­füg­bar­keit bei der Arbeits­ver­mitt­lung

So das Sozi­al­ge­richt Stutt­gart in dem hier vor­lie­gen­den Eil­ver­fah­ren, mit dem sich ein gekün­dig­ter Arbeit­neh­mer gegen eine von der Bun­des­agen­tur für Arbeit ver­häng­te Sperr­zeit gewehrt hat.Dem Antrag­stel­ler war vom Arbeit­ge­ber frist­los, hilfs­wei­se frist­ge­recht gekün­digt wor­den. Dage­gen wand­te er sich mit einer Kün­di­gungs­schutz­kla­ge an das Arbeits­ge­richt. Bei der Bun­des­agen­tur für Arbeit bean­trag­te er Arbeits­lo­sen­geld. Die­se gewähr­te ihm zunächst vor­läu­fig Arbeits­lo­sen­geld, setz­te den Leis­tungs­be­trag für die ers­ten zwölf Wochen jedoch auf 0,00 EUR fest, da noch geprüft wer­den müs­se, ob in die­ser Zeit eine Sperr­zeit ein­ge­tre­ten ist. Im Rah­men des Wider­spruchs­ver­fah­rens gegen den vor­läu­fi­gen Bewil­li­gungs­be­scheid zeig­te sich der Antrag­stel­ler ver­wun­dert über einen durch die Bun­des­agen­tur für Arbeit wäh­rend der vor­läu­fig berück­sich­tig­ten Sperr­zeit unter­brei­te­ten Ver­mitt­lungs­vor­schlag. Er berief sich dar­auf, bis zum Abschluss des Kün­di­gungs­schutz­ver­fah­rens kein neu­es Arbeits­ver­hält­nis bei einem ande­ren Arbeit­ge­ber ein­ge­hen zu dür­fen, da dies sei­ne Bemü­hun­gen um den Erhalt des bis­he­ri­gen Arbeits­plat­zes zunich­te­ma­chen wür­de.

Die Bun­des­agen­tur für Arbeit teil­te dem Antrag­stel­ler dar­auf­hin mit, dass der Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld vor­aus­set­ze, dass er den Ver­mitt­lungs­be­mü­hun­gen der Agen­tur für Arbeit zur Ver­fü­gung ste­he, was nur der Fall sei, wenn eine ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­ti­gung mit min­des­tens 15 Stun­den wöchent­lich aus­ge­übt wer­den kön­ne. Da er vor­ge­tra­gen habe, dass er man­gels Abschlus­ses des Kün­di­gungs­schutz­ver­fah­rens kein neu­es Arbeits­ver­hält­nis bei einem ande­ren Arbeit­ge­ber begrün­den kön­ne, erfül­le er die Vor­aus­set­zun­gen für den Arbeits­lo­sen­geld­be­zug nicht. Im wei­te­ren Ver­lauf hob die Bun­des­agen­tur für Arbeit die Arbeits­lo­sen­geld­be­wil­li­gung aus die­sem Grund wie­der auf.

Mit dem im Novem­ber 2012 gestell­ten Antrag auf einst­wei­li­gen Rechts­schutz begehr­te der Antrag­stel­ler die Ver­pflich­tung der Bun­des­agen­tur für Arbeit zur Gewäh­rung von Arbeits­lo­sen­geld ab Juni 2012. Zur Begrün­dung mach­te er gel­tend, dass er arbeits­los sei, da er vor­über­ge­hend nicht in einem min­des­tens 15 Stun­den wöchent­lich in Anspruch neh­men­den Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis ste­he. Er bemü­he sich auch, sei­ne Beschäf­ti­gungs­lo­sig­keit gericht­lich mit­tels des Kün­di­gungs­schutz­ver­fah­rens zu been­den. Im Übri­gen dür­fe die Bun­des­agen­tur wäh­rend der Ver­hän­gung einer Sperr­zeit kei­ne Ver­mitt­lungs­be­mü­hun­gen anstel­len, wel­che zum einen sein bis­he­ri­ges Arbeits­ver­hält­nis gefähr­de­ten und ihn zum ande­ren im Obsie­gens­fal­le vor dem Arbeits­ge­richt in die Situa­ti­on einer Dop­pel­be­schäf­ti­gung hin­ein­zwäng­ten.

Nach Auf­fas­sung des Sozi­al­ge­richts Stutt­gart kön­ne der Antrag­stel­ler auf ein­fachs­te Wei­se die Gewäh­rung von Arbeits­lo­sen­geld durch die Bun­des­agen­tur für Arbeit her­bei­füh­ren, indem er die­ser sei­ne Bereit­schaft erklä­re, eine min­des­tens 15 Stun­den wöchent­lich umfas­sen­de Beschäf­ti­gung auf­zu­neh­men, wes­halb es für den Antrag auf einst­wei­li­gen Rechts­schutz am Rechts­schutz­be­dürf­nis feh­le.

Soweit Leis­tun­gen für die Zeit vor Antrags­stel­lung bei Gericht bean­sprucht wür­den, feh­le es im Übri­gen auch an einem Anord­nungs­grund, da durch den einst­wei­li­gen Rechts­schutz nur gegen­wär­ti­ge Not­la­gen besei­tigt wer­den soll­ten.

Den Antrag hat das Sozi­al­ge­richt abge­lehnt.

Sozi­al­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 23. Novem­ber 2012 – S 18 AL 5990/​12 ER