Die Ver­pflich­tung zur elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­te

Jeder Ver­si­cher­te ist gesetz­lich ver­pflich­tet, ab dem 1. Janu­ar 2014 zum Nach­weis sei­nes Ver­si­che­rungs­schut­zes die elek­tro­ni­sche Gesund­heits­kar­te zu nut­zen. Weder die Spei­che­rung die­ser Daten noch das Pho­to ver­let­zen das Sozi­al­ge­heim­nis des Ver­si­cher­ten oder sein Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung. Ein Anspruch auf Aus­stel­lung eines ander­wei­ti­gen Ver­si­che­rungs­nach­wei­ses besteht nicht.

Die Ver­pflich­tung zur elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­te

So das Sozi­al­ge­richt Ber­lin in dem hier vor­lie­gen­den Eil­ver­fah­ren, mit dem ein Ver­si­cher­ter sei­ne Kran­ken­kas­se dazu ver­pflich­ten woll­te, ihm eine Beschei­ni­gung über sei­nen Ver­si­che­rungs­schutz aus­zu­stel­len, die er anstel­le der elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­te bei sei­nen Ärz­ten vor­le­gen kann.

Zum 1. Janu­ar 2014 wird die Nut­zung der seit Jah­ren umstrit­te­nen elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­te Pflicht für alle Ver­si­cher­ten. Bereits seit eini­gen Mona­ten weh­ren sich Ver­si­cher­te vor allem wegen daten­schutz­recht­li­cher Beden­ken auch vor dem Sozi­al­ge­richt Ber­lin gegen die Ein­füh­rung der Kar­te. Bis­her wur­den die ent­spre­chen­den Rechts­schutz­an­trä­ge wegen feh­len­der Dring­lich­keit abge­wie­sen. Erst­mals lehn­te das Sozi­al­ge­richt einen Antrag nun auch aus inhalt­li­chen Grün­den ab.

In dem hier vor­lie­gen­den Fall war der in Ber­lin woh­nen­de Antrag­stel­ler noch im Besitz einer alten Kran­ken­ver­si­cher­ten­kar­te, die zum 30. Sep­tem­ber 2013 ungül­tig wur­de. Trotz mehr­fa­cher Auf­for­de­rung wei­ger­te er sich, sei­ner Kran­ken­kas­se zur Anfer­ti­gung der neu­en elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­te die ange­for­der­ten Per­so­nal­an­ga­ben und ein Licht­bild zu über­sen­den. Zur Begrün­dung gab er an, die "bio­me­trisch ange­leg­ten Kran­ken­kar­ten" nicht nut­zen zu wol­len und ver­wies auf die dage­gen erho­be­ne öffent­li­che Kri­tik.

Im Rah­men eines Eil­ver­fah­rens vor dem Sozi­al­ge­richt Ber­lin bean­trag­te er, die Kran­ken­kas­se zu ver­pflich­ten, ihm eine Beschei­ni­gung über sei­nen Ver­si­che­rungs­schutz aus­zu­stel­len, die er anstel­le der elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­te bei sei­nen Ärz­ten vor­le­gen kön­ne.

Nach Auf­fas­sung des Sozi­al­ge­richts Ber­lin sei der Antrag­stel­ler ver­pflich­tet, ab dem 1. Janu­ar 2014 zum Nach­weis sei­nes Ver­si­che­rungs­schut­zes die elek­tro­ni­sche Gesund­heits­kar­te zu nut­zen. Die­se Nut­zungs­pflicht beschrän­ke zwar die all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit des Antrag­stel­lers, sei jedoch durch das Inter­es­se der Soli­dar­ge­mein­schaft an einer effek­ti­ven Leis­tungs­er­brin­gung und Abrech­nung der Behand­lungs­kos­ten gerecht­fer­tigt.

Der Antrag­stel­ler sei auch zur Mit­wir­kung ver­pflich­tet. Ohne die Über­sen­dung der Per­so­nal­da­ten und eines Licht­bil­des kön­ne die Kran­ken­kas­se sei­ne Kar­te nicht erstel­len.

Bei der Erwei­te­rung der Kran­ken­ver­si­che­rungs­kar­te zur elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­te ände­re sich nichts am Umfang der Daten, die zwin­gend auf der Kar­te ent­hal­ten sei­en. Weder die Spei­che­rung die­ser Daten noch das Pho­to ver­letz­ten das Sozi­al­ge­heim­nis des Antrag­stel­lers oder sein Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung (abge­lei­tet aus Art. 2 Abs. 1 und 1 Abs. 1 Grund­ge­setz). Das All­ge­mein­in­ter­es­se an der Dar­stel­lung des Licht­bil­des und der Spei­che­rung der Daten über­wie­ge erheb­lich das Indi­vi­dual­in­ter­es­se des Antrag­stel­lers. Der damit ver­bun­de­ne Ein­griff in das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung müs­se hin­ge­nom­men wer­den. Die zwin­gend anzu­ge­ben­den Per­so­nal­da­ten beträ­fen kei­ne höchst­per­sön­li­chen oder sen­si­blen Ver­hält­nis­se des Ver­si­cher­ten. Das Ver­si­che­rungs­sys­tem kön­ne im übri­gen nur funk­tio­nie­ren, wenn sich alle Ver­si­cher­ten bei der Inan­spruch­nah­me von Leis­tun­gen aus­wei­sen wür­den.

Der Umstand, dass die elek­tro­ni­sche Gesund­heits­kar­te tech­nisch geeig­net sei, wei­te­re Anga­ben und Funk­tio­na­li­tä­ten auf­zu­neh­men, ste­he der Nut­zung nicht ent­ge­gen. Zum einen sei­en die­se erwei­ter­ten Mög­lich­kei­ten noch gar nicht ein­ge­führt. Zum ande­ren sei die erwei­ter­te tech­ni­sche Nut­zung laut Gesetz nur bei ent­spre­chen­der Zustim­mung der Ver­si­cher­ten zuläs­sig.

Sozi­al­ge­richt Ber­lin, Beschluss vom 7. Novem­ber 2013 – S 81 KR 2176/​13 ER