Effek­ti­ver Rechts­schutz – im sozi­al­hil­fe­recht­li­chen Eil­ver­fah­ren

Die Gewähr­leis­tung effek­ti­ven Rechts­schut­zes ver­langt grund­sätz­lich die Mög­lich­keit eines Eil­ver­fah­rens, wenn ansons­ten dem Betrof­fe­nen eine erheb­li­che, über Rand­be­rei­che hin­aus­ge­hen­de Ver­let­zung sei­ner Rech­te droht, die durch die Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che nicht mehr besei­tigt wer­den kann1.

Effek­ti­ver Rechts­schutz – im sozi­al­hil­fe­recht­li­chen Eil­ver­fah­ren

Dies gilt gleich­falls für Anfech­tungs- wie für Vor­nah­me­sa­chen2.

Hier­aus erge­ben sich Anfor­de­run­gen an die Aus­le­gung und Anwen­dung der jewei­li­gen Geset­zes­be­stim­mun­gen über den Eil­rechts­schutz3.

Hin­sicht­lich des fach­ge­richt­lich begrün­de­ten Erfor­der­nis­ses der Glaub­haft­ma­chung eines Anord­nungs­an­spruchs bedeu­tet dies, dass die Anfor­de­run­gen an des­sen Vor­lie­gen, gemes­sen an der dro­hen­den Rechts­ver­let­zung, nicht über­spannt wer­den dür­fen4.

Die Ent­schei­dun­gen dür­fen sowohl auf eine Fol­genab­wä­gung wie auch auf eine sum­ma­ri­sche Prü­fung der Erfolgs­aus­sich­ten in der Haupt­sa­che gestützt wer­den, erfor­der­li­chen­falls unter ein­ge­hen­der tat­säch­li­cher und recht­li­cher Prü­fung des im Haupt­sa­che­ver­fah­ren gel­tend gemach­ten Anspruchs. Hier­bei ist dem Gewicht der in Fra­ge ste­hen­den und gege­be­nen­falls mit­ein­an­der abzu­wä­gen­den Grund­rech­te Rech­nung zu tra­gen, um eine etwai­ge Ver­let­zung von Grund­rech­ten nach Mög­lich­keit zu ver­hin­dern5. Je gewich­ti­ger die dro­hen­de Grund­rechts­ver­let­zung und je höher ihre Ein­tritts­wahr­schein­lich­keit ist, des­to inten­si­ver hat die tat­säch­li­che und recht­li­che Durch­drin­gung der Sache bereits im Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes zu erfol­gen6. Ist eine der dro­hen­den Grund­rechts­ver­let­zung ent­spre­chen­de Klä­rung der Sach- und Rechts­la­ge im Eil­ver­fah­ren nicht mög­lich – etwa weil es dafür wei­te­rer, in der Kür­ze der zur Ver­fü­gung ste­hen­den Zeit nicht zu ver­wirk­li­chen­der tat­säch­li­cher Auf­klä­rungs­maß­nah­men bedürf­te, ist es von Ver­fas­sungs wegen nicht zu bean­stan­den, wenn die Ent­schei­dung über die Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes dann auf der Grund­la­ge einer Fol­genab­wä­gung erfolgt7.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 14. März 2019 – 1 BvR 169/​19

  1. BVerfGE 126, 1, 27; vgl. auch BVerfGE 93, 1, 13 []
  2. BVerfGE 126, 1, 27 f. []
  3. vgl. BVerfGE 49, 220, 226; 77, 275, 284 []
  4. vgl. BVerfG, Beschluss vom 24.09.2002 – 2 BvR 857/​02, Rn. 11; ent­spre­chend zum Anord­nungs­grund BVerfGE 93, 1, 15; BVerfG, Beschluss vom 12.09.2016 – 1 BvR 1630/​16, Rn. 9 []
  5. vgl. BVerfGE 126, 1, 27 f. []
  6. vgl. BVerfGE 79, 69, 75; BVerfG, Beschluss vom 06.02.2013 – 1 BvR 2366/​12, Rn. 3; Beschluss vom 14.09.2016 – 1 BvR 1335/​13, Rn.20; Beschluss vom 26.06.2018 – 1 BvR 733/​18, Rn. 4 []
  7. BVerfG, Beschluss vom 06.02.2013 – 1 BvR 2366/​12, Rn. 2 f.; vgl. auch BVerfG, Beschluss vom 26.06.2018 – 1 BvR 733/​18, Rn. 3 f. []