Ein­frie­ren von Samen­zel­len

Gesetz­lich Kran­ken­ver­si­cher­te haben auch dann kei­nen Anspruch auf Kos­ten­über­nah­me des Ein­frie­rens und Lagerns von Samen­zel­len durch die gesetz­li­che Kran­ken­kas­se, wenn auf­grund einer bevor­ste­hen­den Hoden­krebs­ope­ra­ti­on und Che­mo­the­ra­pie Zeu­gungs­un­fä­hig­keit droht.

Ein­frie­ren von Samen­zel­len

In einem beim Sozi­al­ge­richt Aachen anhän­gi­gen Rechts­streit hat­te der Klä­ger sich zur Begrün­dung sei­ner Kla­ge auf ein Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts in einem Bei­hil­fe­st­reit gestützt, wonach es sich bei den Kos­ten der sog. "Kryo­kon­ser­vie­rung" um sol­che han­de­le, die im unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang mit einem Krank­heits­fall, näm­lich dem Hoden­kar­zi­nom, stün­den. Sie dien­ten letzt­lich der Ver­mei­dung und Mini­mie­rung mit hoher Wahr­schein­lich­keit zu erwar­ten­der Behand­lungs­ri­si­ken, wie etwa Zeu­gungs­un­fä­hig­keit.

Dies, so das Sozi­al­ge­richt Aachen in sei­ner Urteils­be­grün­dung, las­se sich auf das Recht der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen nicht über­tra­gen. Zwar gel­te auch hier, dass zur Kran­ken­be­hand­lung auch Leis­tun­gen zur Her­stel­lung der Zeu­gungs­fä­hig­keit gehö­ren, wenn die­se durch Krank­heit oder wegen einer durch Krank­heit erfor­der­li­chen Ste­ri­li­sa­ti­on ver­lo­ren gegan­gen ist. Wel­che Maß­nah­men hier­für in Betracht kom­men bestim­me aller­dings der Gemein­sa­me Bun­des­aus­schuss in ent­spre­chen­den Richt­li­ni­en. In die­sen sei die Kryo­kon­ser­vie­rung aus­ge­schlos­sen, wes­we­gen eine Über­nah­me der Kos­ten durch die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen aus­schei­de.

Die vom Klä­ger benann­te Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts sei dage­gen aus­drück­lich und aus­schließ­lich auf Grund­la­ge des beam­ten­recht­li­chen Bei­hil­fe­rechts in Rhein­land-Pfalz ergan­gen. Der im Rah­men der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung vor­ge­se­he­ne Aus­schluss bestimm­ter Maß­nah­men gel­te dort nicht. Eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Ungleich­be­hand­lung sei hier­in, so das Sozi­al­ge­richt Aachen wei­ter, aber nicht zu sehen. Dem Gesetz­ge­ber ste­he bei der Aus­ge­stal­tung ver­schie­de­ner Leis­tungs­sys­te­me ein wei­ter Spiel­raum zu. Dar­über hin­aus sei aber auch im Bei­hil­fe­recht des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len die Über­nah­me der Kos­ten für die Kryo­kon­ser­vie­rung aus­ge­schlos­sen.

Sozi­al­ge­richt Aachen, Urteil vom 3. Novem­ber 2009 – S 13 KR 115/​09