Einst­wei­li­ger Rechts­schutz im Sozi­al­recht

Die Gewähr­leis­tung effek­ti­ven Rechts­schut­zes ver­langt grund­sätz­lich die Mög­lich­keit eines Eil­ver­fah­rens, wenn ansons­ten dem Betrof­fe­nen eine erheb­li­che, über Rand­be­rei­che hin­aus­ge­hen­de Ver­let­zung sei­ner Rech­te droht, die durch die Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che nicht mehr besei­tigt wer­den kann [1].

Einst­wei­li­ger Rechts­schutz im Sozi­al­recht

Hier­aus erge­ben sich für die Gerich­te Anfor­de­run­gen an die Aus­le­gung und Anwen­dung der jewei­li­gen Geset­zes­be­stim­mun­gen über den Eil­rechts­schutz [2].

Aller­dings besteht kei­ne Ver­pflich­tung der Fach­ge­rich­te, eine Rege­lungs­an­ord­nung für die gesam­te (vor­aus­sicht­li­che) Dau­er des anhän­gi­gen Haupt­sa­che­ver­fah­rens bezie­hungs­wei­se über den gesam­ten Streit­ge­gen­stand zu tref­fen. Ein sol­cher Grund­satz kann aus Art.19 Abs. 4 GG auch nicht abge­lei­tet wer­den, weil Rege­lungs­an­ord­nun­gen im einst­wei­li­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren nur der Schaf­fung sol­cher voll­ende­ter Tat­sa­chen zuvor­kom­men sol­len, die dann, wenn sich eine Maß­nah­me bei end­gül­ti­ger rich­ter­li­cher Prü­fung als rechts­wid­rig erweist, nicht mehr rück­gän­gig gemacht wer­den kön­nen [3].

Wel­che einst­wei­li­ge Rege­lung zur Errei­chung die­ses Zwecks not­wen­dig ist, kann nur im Ein­zel­fall bestimmt wer­den (vgl. § 86b Abs. 2 Satz 4 SGG i.V.m. § 938 Zivil­pro­zess­ord­nung); es han­delt sich in der Regel um eine vor­läu­fi­ge Rege­lung, die sich auf einen begrenz­ten Zeit­raum bezieht, nach dem die Sach­la­ge erneut zu bewer­ten ist.

Dem­entspre­chend kann jeder­zeit ein neu­er Antrag auf einst­wei­li­gen Rechts­schutz zur Abwen­dung wesent­li­cher Nach­tei­le gestellt wer­den.

Im Umkehr­schluss muss eine Rege­lungs­an­ord­nung nicht grund­sätz­lich für die vor­aus­sicht­li­che Dau­er eines Haupt­sa­che­ver­fah­rens bezie­hungs­wei­se den gesam­ten Streit­ge­gen­stand getrof­fen wer­den.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 9. Juni 2020 – 1 BvR 1182/​20

  1. vgl. BVerfGE 79, 69, 74; 126, 1, 27[]
  2. vgl. BVerfGE 49, 220, 226; 77, 275, 284[]
  3. vgl. BVerfGE 37, 150, 153; 65, 1, 70[]