Eltern­as­sis­tenz für behin­der­te Men­schen

Behin­der­te Eltern haben im Bedarfs­fall Anspruch auf eine sog. Eltern­as­sis­tenz nach sozi­al­hil­fe­recht­li­chen Vor­schrif­ten.

Eltern­as­sis­tenz für behin­der­te Men­schen

In einem jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richt Min­den zu ent­schei­den­den Fall lei­det die 1972 gebo­re­ne, ver­hei­ra­te­te Antrag­stel­le­rin an einer spas­ti­schen Läh­mung aller vier Glied­ma­ßen und ist auf einen Roll­stuhl ange­wie­sen. Im April die­ses Jah­res brach­te sie einen gesun­den Sohn zur Welt. Bereits vor der Geburt ihres Soh­nes hat­te sie beim Land­schafts­ver­band West­fa­len-Lip­pe bean­tragt, ihr Ein­glie­de­rungs­hil­fe zur Beschäf­ti­gung einer Hilfs­per­son zu gewäh­ren, die sie ab Mit­te August 2009 zur Ver­sor­gung und Betreu­ung ihres Kin­des benö­ti­ge. Zu die­sem Zeit­punkt ende näm­lich die Eltern­zeit ihres Ehe­man­nes. Die Antrag­stel­le­rin wies aus­drück­lich dar­auf hin, es gehe ihr inso­weit dar­um, ihren eige­nen Hil­fe­be­darf bei der Ver­sor­gung ihres Kin­des zu decken; des­halb bean­tra­ge sie die Kos­ten­über­nah­me im Rah­men der Ein­glie­de­rungs­hil­fe für behin­der­te Men­schen. Der Land­schafts­ver­band West­fa­len-Lip­pe hielt sich nicht für zustän­dig und gab den Antrag an die Stadt Bün­de als Trä­ge­rin der Jugend­hil­fe ab.

Da sich der LWL und die Stadt Bün­de auch in der Fol­ge­zeit nicht über die Zustän­dig­keit eini­gen konn­ten, wand­te sich die Antrag­stel­le­rin am 17. Juli 2009 an das Ver­wal­tungs­ge­richt Min­den, das ihr nun vor­läu­fig eine monat­li­che Hil­fe in Höhe von 1.400,00 € zusprach.

Die Antrag­stel­le­rin kön­ne, so das Ver­wal­tungs­ge­richt, vom LWL im Rah­men der Ein­glie­de­rungs­hil­fe die Kos­ten für eine soge­nann­te Eltern­as­sis­tenz ver­lan­gen. Nach den Vor­schrif­ten des SGB XII sei es näm­lich ins­be­son­de­re Auf­ga­be der Ein­glie­de­rungs­hil­fe, die Fol­gen einer Behin­de­rung zu besei­ti­gen und behin­der­te Men­schen soweit wie mög­lich am Leben in der Gemein­schaft teil­ha­ben zu las­sen. Des­halb sei der Antrag­stel­le­rin genau so wie einem nicht behin­der­ten Eltern­teil die per­sön­li­che Betreu­ung und Ver­sor­gung ihres Kin­des in ihrem eige­nen Haus­halt zu ermög­li­chen. Soweit der LWL die Antrag­stel­le­rin auf eine Betreu­ung des Kin­des außer­halb des elter­li­chen Haus­halts ver­wie­sen habe, lie­ge dies damit gänz­lich neben der Sache.

Aus for­mel­len Grün­den – näm­lich auf­grund des bestehen­den Zustän­dig­keits­streits zwi­schen dem LWL und der Stadt Bün­de – hat das Gericht unge­ach­tet der grund­sätz­lich bestehen­den Zah­lungs­ver­pflich­tung des Land­schafts­ver­ban­des West­fa­len-Lip­pe vor­läu­fig die Stadt Bün­de zur Über­nah­me der Kos­ten für die Eltern­as­sis­tenz ange­wie­sen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Min­den, Beschluss vom 31. Juli 2009 – 6 L 382/​09