Eltern­geld für deut­sche Ehe­frau­en ame­ri­ka­ni­scher Sol­da­ten

Auch deut­sche Ehe­frau­en der in Deutsch­land sta­tio­nier­ten ame­ri­ka­ni­schen Sol­da­ten wer­den grund­sätz­lich vom Anwen­dungs­be­reich des BEEG erfasst, denn nach § 30 Abs 1 SGB I gel­ten die Vor­schrif­ten die­ses Gesetz­bu­ches, zu denen nach § 68 Nr 15a SGB I der ers­te Abschnitt des BEEG – über das Eltern­geld – gehört, für alle Per­so­nen, die ihren Wohn­sitz oder gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in sei­nem Gel­tungs­be­reich haben. Nach § 30 Abs 2 SGB I blei­ben aller­dings die Rege­lun­gen des über- und zwi­schen­staat­li­chen Rechts unbe­rührt. Ihnen steht daher immer dann ein Anspruch auf Eltern­geld zu, wenn sie vor der Geburt des Kin­des in Deutsch­land außer­halb der NATO-Streit­kräf­te Ein­kom­men aus abhän­gi­ger Beschäf­ti­gung oder selbst­stän­di­ger Tätig­keit erzielt haben.

Eltern­geld für deut­sche Ehe­frau­en ame­ri­ka­ni­scher Sol­da­ten

Das NATO-Trup­pen­sta­tut [1] (NATO­TrS­tat) und das Zusatz­ab­kom­men zum NATO-Trup­pen­sta­tut [2] (NATO­TrStatZ­Abk), die in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land auf­grund des Geset­zes vom 18. August 1961 [3] sowie der Bekannt­ma­chung über das Inkraft­tre­ten des NATO­TrS­tat vom 16. Juni 1963 [4] am 1. Juli 1963 in Kraft getre­ten sind und auf­grund ver­schie­de­ner Noten­wech­sel der Par­tei­en des Nord­at­lan­tik­ver­tra­ges nach der deut­schen Wie­der­ver­ei­ni­gung auch für das Gebiet der neu­en Bun­des­län­der und Ber­lin (West) gel­ten, sind zwar zwi­schen­staat­li­ches Recht im Sin­ne des § 30 Abs 2 SGB I. Jedoch schließt Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk in Ver­bin­dung mit den Vor­schrif­ten des NATO­TrS­tat die Anwen­dung des Ers­ten Abschnitts des BEEG im vor­lie­gen­den Fall nicht aus.

Nach Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk wer­den zwi­schen­staat­li­che Abkom­men oder ande­re im Bun­des­ge­biet gel­ten­de Bestim­mun­gen über sozia­le Sicher­heit und Für­sor­ge auf Mit­glie­der einer Trup­pe, eines zivi­len Gefol­ges und auf Ange­hö­ri­ge nicht ange­wen­det, soweit nicht aus­drück­lich etwas ande­res vor­ge­se­hen ist. Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk ist grund­sätz­lich auf die Ehe­frau eines hier sta­tio­nier­ten ame­ri­ka­ni­schen Sol­da­ten anwend­bar, die­se ist Ange­hö­ri­ge im Sin­ne der Vor­schrift, denn sie ist die Ehe­frau eines US-ame­ri­ka­ni­schen Mit­glieds einer Trup­pe der NATO-Streit­kräf­te. Als Ehe­frau erfüllt sie zwei­fels­oh­ne die Vor­aus­set­zun­gen des Ange­hö­ri­gen­be­griffs nach Art I Abs 1 Buchst c NATO­TrS­tat. Ihr Ehe­mann ist Ange­hö­ri­ger der US-Armee, die Trup­pe im Sin­ne des Art I Abs 1 Buchst a NATO­TrS­tat ist.

Über­dies gehört das BEEG mit dem dar­in gere­gel­ten Anspruch auf Eltern­geld zu den im Bun­des­ge­biet gel­ten­den Bestim­mun­gen über sozia­le Sicher­heit und Für­sor­ge. Der Denk­schrift zum NATO­TrS­tat und zu den Zusatz­ver­ein­ba­run­gen [5] ist zu ent­neh­men, dass die ver­trags­schlie­ßen­den Par­tei­en in jener Zeit unter den Begrif­fen der sozia­len Sicher­heit und Für­sor­ge die deut­sche Sozi­al­ver­si­che­rung sowie die deut­schen Bestim­mun­gen über die Betreu­ung von Per­so­nen „in Fäl­len der Not“ ver­stan­den haben [6]. Unter Berück­sich­ti­gung des­sen sind alle bis­he­ri­gen Ent­schei­dun­gen des Bun­des­so­zi­al­ge­richts zum Bun­des­er­zie­hungs­geld und zum Kin­der­geld davon aus­ge­gan­gen, dass sowohl das BErzGG als auch das BKGG zu den im Bun­des­ge­biet gel­ten­den Bestim­mun­gen über sozia­le Sicher­heit und Für­sor­ge gehö­ren [7]. Für das BEEG darf nichts ande­res gel­ten, zumal nach deut­scher Ver­fas­sungs­rechts­la­ge der Begriff der Für­sor­ge nicht nur für Leis­tun­gen des Staa­tes bei Bedürf­tig­keit bzw. Armut gilt. Der auch in Art 74 Abs 1 Nr 7 GG ver­wen­de­te Begriff der öffent­li­chen Für­sor­ge wird nicht beschränkt auf klas­si­sche Sozi­al­leis­tun­gen bei Not wie etwa die Sozi­al­hil­fe ver­stan­den. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts und des Bun­des­so­zi­al­ge­richts fal­len dar­un­ter viel­mehr auch Leis­tun­gen in Not­la­gen „ande­rer Art“, für die es nicht wesent­lich dar­auf ankommt, ob die Betrof­fe­nen sich selbst hel­fen kön­nen, eben­so Leis­tun­gen, für die eine Bedarfs­la­ge nur ganz unspe­zi­fisch oder typi­sie­rend zugrun­de gelegt wird, wie etwa das Kin­der­geld und das Bun­des­er­zie­hungs­geld [8] und damit auch das Eltern­geld [9].

Völ­ker­recht­li­che Ver­trä­ge wie das NATO­TrStatZ­Abk sind, wie jeder ande­re Ver­trags- oder Norm­text auch, zunächst nach dem Wort­laut, d.h. dem übli­chen Wort­sinn, aus­zu­le­gen [10], wobei die rein sprach­li­che Erfas­sung bei meist mehr­spra­chig ver­fass­ten Tex­ten erhöh­te Schwie­rig­kei­ten berei­tet. Spie­gelt der Wort­laut die kla­ren Inten­tio­nen der Ver­trags­par­tei­en nur unzu­rei­chend wider, ist auf ande­re Aus­le­gungs­me­tho­den, ins­be­son­de­re den his­to­ri­schen Wil­len der Ver­trags­par­tei­en, den sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang und schließ­lich den Sinn und Zweck der Ver­trags­klau­sel und/​oder des gesam­ten Ver­trags­werks zurück­zu­grei­fen. Hier­bei kann beson­ders die teleo­lo­gi­sche Aus­le­gung zu einem Vehi­kel für eine dyna­mi­sche Ver­trags­in­ter­pre­ta­ti­on wer­den, die sich vom sub­jek­ti­ven Wil­len der Par­tei­en bei Ver­trags­schluss ent­fernt [11]. In glei­cher Wei­se kann und soll­te der Text eines völ­ker­recht­li­chen Ver­tra­ges aus­ge­legt wer­den, wenn sich ein über­ein­stim­men­des Wort­ver­ständ­nis aller Ver­trags­spra­chen nicht fest­stel­len lässt oder sich das Wort­ver­ständ­nis nach dem Ver­trags­schluss ver­än­dert hat. In die­sen Fäl­len muss der Begriff maß­ge­bend mit Blick auf den Sinn und Zweck des Ver­tra­ges aus­ge­legt wer­den.

Wäh­rend der fran­zö­si­sche Text des Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk ent­spre­chend dem deut­schen Wort­laut von „matie­re de secu­ri­te socia­le et d‚assistance socia­le“ spricht, ent­hält der eng­li­sche Text allein den Begriff „social secu­ri­ty“. Es kann indes im Ergeb­nis dahin­ste­hen, ob die Par­tei­en des NATO­TrStatZ­Abk bei Ver­trags­schluss den Begriff der Für­sor­ge im Sin­ne von staat­li­chen Hil­fe­leis­tun­gen bei wirt­schaft­li­cher Not enger ver­stan­den haben. Denn es ent­spricht Sinn und Zweck sei­nes Art 13 Abs 1, den dort beschrie­be­nen Per­so­nen­kreis unter den soeben dar­ge­leg­ten Vor­aus­set­zun­gen von der Anwen­dung des deut­schen Sys­tems der Sozia­len Sicher­heit und Für­sor­ge aus­zu­schlie­ßen. Dies erfor­dert es gera­de­zu, die­je­ni­gen Berei­che des deut­schen Sozi­al­rechts als erfasst anzu­se­hen, die nach deut­scher Rechts­auf­fas­sung zum Sys­tem der Sozia­len Sicher­heit und Für­sor­ge gehö­ren. Dem­zu­fol­ge ist auch die Leis­tung des Eltern­gel­des dem Bereich des deut­schen Sys­tems der Für­sor­ge im Sin­ne des Art 13 Abs 1 NATO­TrStatZ­Abk zuzu­ord­nen.

Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk erfasst nicht sämt­li­che mög­li­che Ansprü­che des betrof­fe­nen Per­so­nen­krei­ses aus dem bun­des­deut­schen Sys­tem der sozia­len Sicher­heit und Für­sor­ge. Er schließt, wie das Bun­des­so­zi­al­ge­richt bereits ent­schie­den hat [12], als Aus­nah­me­vor­schrift die genann­ten Ansprü­che der Mit­glie­der der Trup­pe, des zivi­len Gefol­ges und der Ange­hö­ri­gen die­ser Per­so­nen nur aus, wenn und soweit deut­sche Sozi­al­rechts­nor­men für die­se Per­so­nen Rech­te oder Pflich­ten allein schon wegen des Umstands begrün­den wür­den, dass sie sich im Bun­des­ge­biet tat­säch­lich auf­hal­ten. Denn es wäre unan­ge­mes­sen, für die­se Per­so­nen allein wegen ihres tat­säch­li­chen Auf­ent­halts in Deutsch­land und ihren Bezie­hun­gen unter­ein­an­der oder zu der jewei­li­gen Trup­pe Rech­te und Pflich­ten durch deut­sche Bestim­mun­gen der sozia­len Sicher­heit und Für­sor­ge zu begrün­den. Hin­ge­gen fin­det deut­sches Sozi­al­recht unein­ge­schränkt Anwen­dung, wenn und soweit sei­ne Nor­men für die Gestal­tung von Rechts­ver­hält­nis­sen zu deut­schen Leis­tungs­trä­gern (§ 12 SGB I) an ande­re Umstän­de (z.B. Bezie­hun­gen die­ser Per­so­nen zu ande­ren inlän­di­schen Rechts­sub­jek­ten) anknüp­fen, ins­be­son­de­re wenn von den von Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk erfass­ten Per­so­nen außer­halb der Mit­glied­schaft zu den Streit­kräf­ten oder ihrem zivi­len Gefol­ge recht­li­che Bezie­hun­gen zur deut­schen Sozi­al­ver­si­che­rung begrün­det wor­den sind [13].

Die­ses enge, rein kol­li­si­ons­recht­li­che Ver­ständ­nis des Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk stimmt über­ein mit den Dar­le­gun­gen der Denk­schrift [14], wonach es der Stel­lung der aus­län­di­schen Streit­kräf­te in Deutsch­land nicht gerecht wer­den wür­de, wenn ihre Mit­glie­der, deren Zuge­hö­rig­keit zu den Streit­kräf­ten auf die mili­tä­ri­sche Orga­ni­sa­ti­on des Ent­sen­de­staa­tes zurück­geht, in die sie ein­ge­ord­net sind, mit ihren Ange­hö­ri­gen sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­lich so behan­delt wür­den, als ob sie bei einem Arbeit­ge­ber oder Dienst­herrn im gewöhn­li­chen Sin­ne in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in abhän­gi­ger Beschäf­ti­gung tätig wür­den. Die Streit­kräf­te, ihre Mit­glie­der und die Ange­hö­ri­gen befän­den sich auf­grund beson­de­rer Abma­chun­gen im Bun­des­ge­biet, die es nicht sinn­voll erschei­nen lie­ßen, die Bezie­hun­gen des ein­zel­nen Mit­glieds zu den Streit­kräf­ten als Beschäf­ti­gung iS des deut­schen Sozi­al­ver­si­che­rungs­rechts anzu­se­hen. Dem­ge­mäß soll­ten die Ent­sen­de­staa­ten und nicht die deut­schen Stel­len für die sozia­le Sicher­heit die­ser Per­so­nen ver­ant­wort­lich sein. Ähn­li­che Über­le­gun­gen gäl­ten für die Betreu­ung die­ser Per­so­nen in Fäl­len der Not. Anders sei es, wenn recht­li­che Bezie­hun­gen zur deut­schen Sozi­al­ver­si­che­rung außer­halb der Mit­glied­schaft zu den Streit­kräf­ten begrün­det wor­den sei­en oder her­ge­stellt wür­den. Es bestehe kein Grund, die­se recht­li­chen Bezie­hun­gen zu beschnei­den, weil es sich gleich­zei­tig um Mit­glie­der der Streit­kräf­te oder Ange­hö­ri­ge han­de­le.

Die­se Kon­zep­ti­on kommt deut­lich in Art 13 Abs 1 Satz 2 und 3 NATO­TrStatZ­Abk zum Aus­druck, wonach Rech­te und Pflich­ten, die die­sen Per­so­nen auf dem Gebiet der sozia­len Sicher­heit wäh­rend eines frü­he­ren Auf­ent­halts im Bun­des­ge­biet erwach­sen sind, unbe­rührt blei­ben und die Zuge­hö­rig­keit zu dem betrof­fe­nen Per­so­nen­kreis fer­ner nicht die Mög­lich­keit aus­schließt, dass in der deut­schen sozia­len Kran­ken- und Ren­ten­ver­si­che­rung zum Zwe­cke der frei­wil­li­gen Wei­ter­ver­si­che­rung Bei­trä­ge geleis­tet wer­den und im Rah­men einer bestehen­den Ver­si­che­rung Rech­te ent­ste­hen und gel­tend gemacht wer­den. Auch dar­auf hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in sei­ner grund­le­gen­den Ent­schei­dung vom 25. Febru­ar 1992 [15] bereits hin­ge­wie­sen. Auch auf den Inhalt des Art 56 Abs 3 sowie den wei­te­ren Inhalt des Art 13 Abs 2 NATO­TrStatZ­Abk, die die­se enge kol­li­si­ons­recht­li­che Aus­le­gung des Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk stüt­zen, hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt bereits auf­merk­sam gemacht [16].

Die­ses Ver­ständ­nis des Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk ent­spricht auch der Rechts­auf­fas­sung, die die Bun­des­re­gie­rung im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren des BEEG geäu­ßert hat. Der ursprüng­li­che, von den Frak­tio­nen der CDU/​CSU und der SPD vor­ge­leg­te, Ent­wurf eines Geset­zes zur Ein­füh­rung des Eltern­gel­des [17] hat­te – anders als etwa § 1 Abs 8 BErzGG – den Per­so­nen­kreis der Ehe­gat­ten oder Lebens­part­ner von Mit­glie­dern der Trup­pe oder des zivi­len Gefol­ges eines NATO-Mit­glied­staa­tes nicht ange­spro­chen. Dem­ge­gen­über hat der Bun­des­rat in sei­ner Stel­lung­nah­me vom 7. Juli 2006 zum Gesetz­ent­wurf [18] die Ergän­zung des § 1 um einen dem § 1 Abs 8 BErzGG glei­chen Abs 8 vor­ge­schla­gen, weil die Ver­sa­gung des Eltern­gel­des für den betrof­fe­nen Per­so­nen­kreis mit der Ziel­set­zung des Eltern­gel­des, ins­be­son­de­re als Ersatz eines aus­fal­len­den Ein­kom­mens, nicht ver­ein­bar sei [19]. Dem ist die Bun­des­re­gie­rung in ihrem Gesetz­ent­wurf vom 25. August 2006 [20] ent­ge­gen­ge­tre­ten. Dem Anlie­gen des Bun­des­ra­tes kön­ne nicht gefolgt wer­den. Auch ohne die vor­ge­schla­ge­ne Ergän­zung des § 1 BEEG sei­en Ansprü­che von Ehe­gat­ten der NATO-Trup­pen­mit­glie­der bzw. der Mit­glie­der des zivi­len Gefol­ges nicht gänz­lich aus­ge­schlos­sen. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts hät­ten Ehe­gat­ten, bei denen zusätz­li­che Umstän­de vor­lä­gen, durch wel­che recht­li­che Bezie­hun­gen zur sozia­len Sicher­heit und Für­sor­ge in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land her­ge­stellt wür­den, durch­aus einen Anspruch auf deut­sche Fami­li­en­leis­tun­gen [21].

Nach alle­dem ent­hält Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk eine Kol­li­si­ons­re­gel, die fest­legt, dass deut­sches Sozi­al­recht – aus­nahms­wei­se – auf die dem inter­nen Bereich der aus­län­di­schen Streit­kräf­te zuge­ord­ne­ten Per­so­nen nicht anzu­wen­den ist, wenn und solan­ge sie sich im Bun­des­ge­biet auf­hal­ten und nur Bezie­hun­gen zum Ent­sen­de­staat oder unter­ein­an­der haben. Deut­sches Sozi­al­recht kann und muss dage­gen unein­ge­schränkt ange­wen­det wer­den, wenn (soweit und solan­ge) die­se Per­so­nen recht­li­che oder tat­säch­li­che Bezie­hun­gen zu Drit­ten, d.h. zu ande­ren, nicht „ent­sand­ten“ Per­so­nen (Rechts­sub­jek­ten) unter­hal­ten, und die­se Bezie­hun­gen in dem jewei­li­gen sozi­al­recht­li­chen Zusam­men­hang rele­vant sind [22].

Wel­cher Art und wel­chen Umfangs die ein Ein­grei­fen des Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk aus­schlie­ßen­den und damit die Anwend­bar­keit des deut­schen Sozi­al­rechts begrün­den­den Rechts­be­zie­hun­gen sein müs­sen, kann sich nur nach dem (strei­ti­gen) Anspruch auf eine Sozi­al­leis­tung bestim­men. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Beklag­ten und des LSG ist dafür kei­nes­wegs stets erfor­der­lich, dass der Ange­hö­ri­ge des NATO-Trup­pen­mit­glieds als abhän­gig Beschäf­tig­ter oder als Selbst­stän­di­ger in alle Zwei­ge der deut­schen Sozi­al­ver­si­che­rung ein­be­zo­gen ist oder war [23]. Es reicht viel­mehr aus, dass für den Anspruch auf die betref­fen­de Sozi­al­leis­tung ein Tat­be­stands­merk­mal erfüllt sein muss und erfüllt ist, das außer­halb des „NATO-Bereichs“ liegt [24]. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat nur in den Fäl­len auf das Erfor­der­nis einer inten­si­ven Bezie­hung zur deut­schen Sozi­al­ver­si­che­rung abge­stellt, in denen es nach den Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen selbst an einem Merk­mal fehlt, das über den NATO-Bereich hin­aus reicht. Beim Eltern­geld gibt es jedoch ein sol­ches Merk­mal. Auf Ange­hö­ri­ge von NATO-Trup­pen­mit­glie­dern ist der Ers­te Abschnitt des BEEG über das Eltern­geld anwend­bar, wenn sie vor der Geburt des betreu­ten Kin­des durch Erwerbs­tä­tig­keit Ein­kom­men außer­halb des Bereichs der NATO-Trup­pen erzielt haben.

Nach der Kon­zep­ti­on des BEEG steht der Anspruch auf Eltern­geld bei Erfül­lung der Vor­aus­set­zun­gen des § 1 Abs 1 BEEG dem Grun­de nach zwar allen Per­so­nen zu, gleich­gül­tig ob sie vor der Geburt des Kin­des erwerbs­tä­tig waren oder nicht. Die Höhe der Leis­tung wird jedoch beson­ders bemes­sen, wenn die Ein­kom­mens­er­satz­funk­ti­on des Eltern­gel­des zum Tra­gen kommt. Wer Ein­kom­men aus nicht­selbst­stän­di­ger oder selbst­stän­di­ger Arbeit (s § 2 Abs 7 und Abs 8 BEEG) erzielt hat, dem wird gemäß § 2 Abs 1 BEEG Eltern­geld in Höhe von 67 Pro­zent des in den zwölf Kalen­der­mo­na­ten vor dem Monat der Geburt des Kin­des durch­schnitt­lich erziel­ten monat­li­chen Ein­kom­mens aus Erwerbs­tä­tig­keit bis zu einem Höchst­be­trag von 1800 € monat­lich für vol­le Mona­te gezahlt. Nach § 2 Abs 2 BEEG ist in den Fäl­len, in denen das durch­schnitt­lich erziel­te monat­li­che Ein­kom­men vor der Geburt gerin­ger als 1000 € war, der Pro­zent­satz von 67% um 0,1 Pro­zent­punk­te für je 2 €, um die das maß­geb­li­che Ein­kom­men den Betrag von 1000 € unter­schrei­tet, auf bis zu 100% zu erhö­hen. Danach erhält eine Per­son, die nur gering­fü­gi­ge Ein­künf­te iS des § 8 SGB IV von bis zu 400 Euro monat­lich hat­te, einen Betrag von 388 Euro als Eltern­geld, der ober­halb des sog Grund­be­tra­ges in Höhe von min­des­tens 300 Euro monat­lich liegt. Letz­te­rer steht nach § 2 Abs 5 Satz 1 BEEG Per­so­nen zu, die vor der Geburt kein Ein­kom­men aus Erwerbs­tä­tig­keit hat­ten.

Hat der anspruch­stel­len­de Ange­hö­ri­ge eines NATO-Trup­pen­mit­glieds vor der Geburt des Kin­des in Deutsch­land außer­halb der NATO-Streit­kräf­te Ein­kom­men aus abhän­gi­ger Beschäf­ti­gung oder selbst­stän­di­ger Tätig­keit erzielt, erfüllt er die Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen nach § 2 Abs 1 in Ver­bin­dung Abs 7 bis 9 BEEG und damit ein Merk­mal, das über den vom NATO­TrStatZ­Abk erfass­ten Bereich hin­aus­reicht. Die­ser Umstand steht einem Durch­grei­fen des Art 13 Abs 1 Satz 1 NATO­TrStatZ­Abk ent­ge­gen und führt zur Anwend­bar­keit des ers­ten Abschnitts des BEEG. Das ist bei der Klä­ge­rin der Fall, denn sie war bis unmit­tel­bar vor der Geburt ihrer Toch­ter in Deutsch­land als Ver­si­che­rungs­mak­le­rin selbst­stän­dig erwerbs­tä­tig. Zudem hat sie aus die­ser Tätig­keit, wie sich aus dem Bescheid des Finanz­am­tes H. vom 2.3.2007 über Ein­kom­mens­steu­er für das Jahr 2005 (vgl dazu § 2 Abs 9 BEEG) ergibt, auch Ein­kom­men erzielt.

Der Klä­ge­rin steht dem Grun­de nach Eltern­geld für die ers­ten zwölf Lebens­mo­na­te ihrer Toch­ter M. zu. Anspruch auf Eltern­geld hat gemäß § 1 Abs 1 BEEG, wer einen Wohn­sitz oder sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in Deutsch­land hat, mit sei­nem Kind in einem Haus­halt lebt, die­ses Kind selbst betreut und erzieht sowie kei­ne oder kei­ne vol­le Erwerbs­tä­tig­keit aus­übt. Nach § 4 Abs 1 Satz 1 BEEG kann Eltern­geld in der Zeit vom Tag der Geburt bis zur Voll­endung des 14. Lebens­mo­nats des Kin­des bezo­gen wer­den, wobei gemäß § 4 Abs 3 Satz 1 BEEG ein Eltern­teil Eltern­geld min­des­tens für zwei und höchs­tens für zwölf Mona­te bezie­hen kann. Mut­ter­schafts­geld für die Zeit ab der Geburt des Kin­des wird nach Maß­ga­be des § 3 Abs 1 BEEG auf das der Mut­ter zuste­hen­de Eltern­geld ange­rech­net. Die Höhe des Eltern­gel­des bestimmt sich nach § 2 BEEG.

Dass die Klä­ge­rin die Grund­vor­aus­set­zun­gen des § 1 Abs 1 BEEG im Anspruchs­zeit­raum von zwölf Mona­ten nach dem Tag der Geburt erfüllt, haben sowohl die Beklag­te als auch die Tat­sa­chen­ge­rich­te ange­nom­men. Auch wenn das LSG nicht zu allen Tat­be­stands­merk­ma­len aus­drück­li­che tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen getrof­fen hat, bestehen kei­ne Zwei­fel an der Erfül­lung der genann­ten Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen, zumal auch ein ord­nungs­ge­mä­ßer Antrag (vgl § 7 BEEG) vor­liegt. Die Höhe des der Klä­ge­rin zuste­hen­den Eltern­gel­des hat die Beklag­te nun­mehr durch beson­de­ren Ver­wal­tungs­akt fest­zu­stel­len.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 30. Sep­tem­ber 2010 – B 10 EG 11/​09 R

  1. Abkom­men zwi­schen den Par­tei­en des Nord­at­lan­tik­ver­trags über die Rechts­stel­lung ihrer Trup­pen (NATO­TrS­tat) vom 19.06.1951, BGBl 1961 II, 1190[]
  2. vom 03.08.1959, BGBl 1961 II, 1218[]
  3. BGBl 1961 II, 1183[]
  4. BGBl 1963 II, 745[]
  5. BT-Drs. III/​2146[]
  6. sie­he BT-Drs. III/​2146 S 234, 235[]
  7. sie­he stell­ver­tre­tend: BSG, Urteil vom 12.07.1988 – 4/​11a REg 4/​87, SozR 6180 Art 13 Nr 5 S 28[]
  8. zu alle­dem sie­he BSG, Urteil vom 25.06.2009 – B 10 EG 8/​08 R, BSGE 103, 291 = SozR 4–7837 § 2 Nr 2, RdNr 38 mwN[]
  9. BSG, aaO, RdNr 39[]
  10. Her­de­gen, Völ­ker­recht, 8. Aufl 2009, S 122 RdNr 28; unter Ver­weis auf Art 31 ff Wie­ner Ver­trags­rechts­kon­ven­ti­on Graf Vitzt­hum in Graf Vitzt­hum – Hrsg – Völ­ker­recht, 4. Aufl 2007, RdNr 123[]
  11. Her­de­gen, aaO[]
  12. grund­le­gend BSG, Urteil vom 25.02.1992 – 4 RA 34/​91, BSGE 70, 138, 143 = SozR 3–6180 Art 13 Nr 2, S 11; BSG Urteil vom 02.10.1997 – 14/​10 RKg 12/​96, SozR 3–6180 Art 13 Nr 8, S. 41[]
  13. sie­he nur BSG SozR 3–6180 Art 13 Nr 8, S. 42[]
  14. BT-Drs. III/​2146, S. 235[]
  15. BSGE 70, 138, 145 = SozR 3–6180 Art 13 Nr 2 S 13[]
  16. BSG aaO[]
  17. BT-Drs. 16/​1889[]
  18. BT-Drs. 16/​2454, S. 9[]
  19. BT-Drs. 16/​2454, aaO[]
  20. BT-Drs. 16/​2454[]
  21. BT-Drs. 16/​2454 S 12[]
  22. vgl BSGE 70, 138, 145 = SozR 3–6180 Art 13 Nr 2 S 13 f[]
  23. vgl dazu BSG, Urtei­le vom 18.07.1989 – 10 RKg 21/​88, SozR 6180 Art 13 Nr 6; und vom 15.12.1992 – 10 RKg 22/​91, SozR 3–6180 Art 13 Nr. 3[]
  24. vgl dazu all­ge­mein BSG SozR 6180 Art 13 Nr 1; BSG SozR 3–6180 Art 13 Nr 5[]