Fahrt von der Freun­din zur Arbeits­stel­le

Ist der Arbeits­weg von der Woh­nung der Freun­din mehr als acht­mal so lang wie der Fahr­weg von der eige­nen Woh­nung, liegt bei einem Unfall auf dem Weg von der Woh­nung der Freun­din zur Arbeit kein ver­si­cher­ter Wege­un­fall vor.

Fahrt von der Freun­din zur Arbeits­stel­le

So das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Rhein­land-Pfalz in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Klä­gers, der sich auf dem Weg zur Arbeit von der Woh­nung sei­ner Freun­din aus bei einem Ver­kehrs­un­fall ver­letzt hat. Die Woh­nung der dama­li­gen Ver­lob­ten war rund 55 km von sei­ner Arbeits­stel­le ent­fernt. Der Weg von sei­ner eige­nen Woh­nung hät­te nur etwa 6,5 km betra­gen. Auf dem Weg zur Arbeit erlitt er einen Ver­kehrs­un­fall mit Ver­let­zun­gen im Bereich der Wir­bel­säu­le. Die beklag­te Unfall­kas­se lehn­te die Aner­ken­nung eines Wege­un­falls ab, weil der län­ge­re Weg zur Arbeit nicht durch die betrieb­li­che Tätig­keit geprägt sei. Das Sozi­al­ge­richt Koblenz hat­te die­se Ent­schei­dung auf­ge­ho­ben, da auch der Weg von einem ande­ren Ort als der eige­nen Woh­nung Aus­gangpunkt eines ver­si­cher­ten Weges sein kön­ne, ins­be­son­de­re, wenn wegen der häu­fi­gen Über­nach­tun­gen bei der Freun­din von einer gespal­te­nen Woh­nung aus­zu­ge­hen sei.

Ande­rer Auf­fas­sung ist nun das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Rhein­land-Pfalz gewe­sen. Danach sei davon aus­zu­ge­hen, dass der Klä­ger die Woh­nung der Freun­din nicht wie eine eige­ne Woh­nung genutzt habe, son­dern sich viel­mehr dort nur zu Besuch auf­ge­hal­ten habe. Die Dif­fe­renz zwi­schen dem Arbeits­weg von der eige­nen Woh­nung bzw. dem von der Woh­nung der Freun­din sei unver­hält­nis­mä­ßig, so dass nicht von einem ver­si­cher­ten Arbeits­weg aus­zu­ge­hen sei.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 27. Sep­tem­ber 2012 – L 4 U 225/​10