Feta­les Alko­hol­syn­drom – und die Kos­ten eines Begleit­hun­des

Ein Haus­tier wird allein durch die för­der­li­chen Aus­wir­kun­gen in ver­schie­de­nen Lebens­be­rei­chen nicht zum Hilfs­mit­tel. Im Gegen­satz zum Blin­den­hund ist ein Begleit- oder Assis­tenz­hund kein Hilfs­mit­tel der GKV.

Feta­les Alko­hol­syn­drom – und die Kos­ten eines Begleit­hun­des

Mit die­ser Begrün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den, dass die Gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung nicht die Kos­ten für einen Begleit­hund tra­gen muss. Begehrt hat­te die Kos­ten­über­nah­me ein Grund­schü­ler aus dem nörd­li­chen Nie­der­sach­sen. Der Jun­ge wur­de als vier­tes von sechs Kin­dern einer alko­hol­kran­ken Mut­ter gebo­ren. In der Schwan­ger­schaft hat­te die Frau in erheb­li­chen Men­gen Alko­hol getrun­ken und alle Hilfs­an­ge­bo­te abge­lehnt. Nach der Geburt wur­de das Kind in Obhut genom­men und lebt seit­dem bei Pfle­ge­el­tern. Wegen des Alko­hol­kon­sums der Mut­ter bestehen bei dem Jun­gen ein feta­len Alko­hol­syn­drom (FAS) und eine Ent­wick­lungs­ver­zö­ge­rung. Er ist dadurch sehr zap­pe­lig und neigt zum Rede­schwall. In der Schu­le beglei­tet ihn eine Inte­gra­ti­ons­hel­fe­rin, die ihn schon im Kin­der­gar­ten unter­stützt hat.

Die behan­deln­de Kin­der­ärz­tin ver­ord­ne­te dem Jun­gen einen Behin­der­ten­be­gleit­hund. Sie begrün­de­te dies damit, dass Begleit­hun­de Kin­dern mit FAS hel­fen könn­ten indem sie etwa bei Unru­he­zu­stän­den die Pfo­te auf­leg­ten oder Rede­flüs­se unter­brä­chen. Ein Hund gäbe Gebor­gen­heit und för­de­re auch den Kon­takt zu ande­ren Kin­dern.

Die Kran­ken­kas­se lehn­te eine Kos­ten­über­nah­me ab, da ein sol­cher Hund nicht in den Auf­ga­ben­be­reich der Gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung gehö­re. Es han­de­le sich viel­mehr um all­ge­mei­ne Haus­tier­hal­tung. Die Pfle­ge­el­tern kauf­ten für den Jun­gen hier­nach einen Gol­den Retrie­ver und begehr­ten des­sen Aus­bil­dung zum Begleit­hund. Eine Aus­bil­dung kos­tet bis zu 30.000 €.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men aus­ge­führt, dass im Gegen­satz zum Blin­den­hund ein Begleit- oder Assis­tenz­hund kein Hilfs­mit­tel der GKV sei. Ziel des Behin­de­rungs­aus­gleichs sei vor­nehm­lich der Aus­gleich von Funk­ti­ons­ver­lus­ten wie z.B. des Sehens. Zwar ste­he die posi­ti­ve Wir­kung des Hun­des außer Fra­ge, da der Klä­ger in Gegen­wart des Gol­den Retrie­vers deut­lich ruhi­ger sei. Jedoch wer­de ein Haus­tier allein durch die för­der­li­chen Aus­wir­kun­gen in ver­schie­de­nen Lebens­be­rei­chen nicht zum Hilfs­mit­tel, da hier­durch kein Grund­be­dürf­nis erschlos­sen wer­de.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men, Urteil vom 18. Febru­ar 2020 – L 16 KR 253/​18