Gehalts­nach­zah­lun­gen beim Eltern­geld

Gehalt, das in den 12 Mona­ten vor der Geburt eines Kin­des nach­ge­zahlt wird, erhöht das Eltern­geld auch dann, wenn es sich um eine Nach­zah­lung aus dem vor­an­ge­gan­ge­nen Kalen­der­jahr han­delt. Nicht beim Eltern­geld berück­sich­tigt wer­den dage­gen sol­che Gehalts­nach­zah­lun­gen, die Eltern erst nach der Geburt des Kin­des erhal­ten, wie jetzt das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len in Essen in meh­re­ren Grund­satz­ur­tei­len ent­schied.

Gehalts­nach­zah­lun­gen beim Eltern­geld

Gehalts­nach­zah­lung im Fol­ge­jahr, aber noch vor der Geburt

In dem ers­ten der drei Ver­fah­ren gab das Lan­des­so­zi­al­ge­richt einer beim Erz­bis­tum Köln beschäf­tig­ten Leh­re­rin aus Born­heim Recht, deren Gehalts­er­hö­hung für die Mona­te August sowie Okto­ber bis Dezem­ber 2006 ihr erst im März 2007 drei Mona­te vor der Geburt ihres Soh­nes aus­ge­zahlt wor­den war.

Da die 1562 € Nach­zah­lung ihr im maß­geb­li­chen Bemes­sungs­zeit­raum, den zwölf Mona­ten vor der Geburt ihres Kin­des, zuge­flos­sen sei­en, müs­se die Nach­zah­lung bei der Berech­nung des Eltern­gelds berück­sich­tigt wer­den, das grund­sätz­lich 67 Pro­zent des Net­to­ein­kom­mens im Jahr vor der Geburt beträgt. Die Esse­ner Rich­ter hiel­ten es dabei anders als noch das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Sozi­al­ge­richt Köln 1 für unschäd­lich, dass die Gehalts­nach­zah­lung auf­grund der Nach­zah­lung im Fol­ge­jahr einen so genann­ten "sons­ti­gen Bezug" im Sin­ne von § 38 a Abs. 1 S. 3 EStG dar­stell­te.

Zwar neh­me das Bun­des­el­tern­geld­ge­setz sei­nem Wort­laut nach in § 2 Abs. 7 Satz 3 sons­ti­ge Bezü­ge im Sin­ne des Ein­kom­men­steu­er­rech­tes von den Ein­nah­men aus, die für die Eltern­geld­be­rech­nung zu berück­sich­ti­gen sei­en. Aus­ge­schlos­sen sei­en dadurch bei rein steu­er­recht­li­cher Betrach­tung auch Gehalts­nach­zah­lun­gen im Fol­ge­jahr wie bei der Klä­ge­rin. Mit der Über­nah­me die­ser steu­er­recht­li­chen Rege­lung für die Eltern­geld­be­rech­nung sei der Gesetz­ge­ber aber, so das Lan­des­so­zi­al­ge­richt, über das von ihm eigent­lich ver­folg­te Ziel hin­aus­ge­schos­sen. Wie sich aus den Geset­zes­ma­te­ria­li­en ein­deu­tig erge­be, habe er nur Ein­mal­zah­lun­gen wie Weih­nachts- und Urlaubs­geld oder Boni von der Bemes­sungs­grund­la­ge für das Eltern­geld aus­schlie­ßen wol­len.

Gehalts­nach­zah­lun­gen in den zwölf Mona­ten vor der Geburt des Kin­des habe der Gesetz­ge­ber dage­gen bei sei­nem beschrän­ken­den Ver­weis auf das Steu­er­recht ersicht­lich nicht im Blick gehabt. Viel­mehr sei­en sol­che Gehalts­nach­zah­lun­gen vor der Geburt nach Sinn und Zweck des BEEG eltern­geld­stei­gernd zu berück­sich­ti­gen. Inso­weit sei der zu weit gera­te­ne Wort­laut des Geset­zes ein­schrän­kend aus­zu­le­gen.

Gehalts­nach­zah­lung nach der Geburt

Kei­nen Erfolg hat­ten beim Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len dage­gen zwei wei­te­re Klä­ger, denen eben­falls Gehalt nach­ge­zahlt wor­den war, aller­dings erst nach der Geburt ihres Kin­des.

Der eine Fall betraf eine Phy­sio­the­ra­peuthin aus Aachen 2, die einen Teil des ihr zuste­hen­den Loh­nes für Juli bis Novem­ber 2006 in Höhe von ins­ge­samt 4766 € erst Anfang 2008 in einem arbeits­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren lan­ge nach der Geburt ihres Kin­des im Janu­ar 2007 erstrit­ten hat­te. In dem ande­ren Fall hat­te der Klä­ger, ein Staats­an­walt aus Müns­ter, vom Lan­des­amt für Besol­dung und Ver­sor­gung eben­falls erst nach der Geburt sei­nes Soh­nes schon vor­her fäl­li­ge Steu­er­gut­schrif­ten von 1140 € und Fami­li­en­zu­schlä­ge vom 315 € aus­ge­zahlt bekom­men.

Das Esse­ner Lan­des­so­zi­al­ge­richt urteil­te in bei­den Fäl­len, der Gesetz­ge­ber habe unter Ande­rem aus Grün­den der Ver­wal­tungs­ver­ein­fa­chung für die Höhe des Eltern­gelds nur Ein­kom­men berück­sich­ti­gen wol­len, das den Eltern im Bemes­sungs­zeit­raum, also in den zwölf Mona­ten vor der Geburt des Kin­des, zuge­flos­sen sei. Ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken der Klä­ger gegen die­se Rege­lung ließ das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len letzt­lich nicht gel­ten: Da das Eltern­geld steu­er­fi­nan­ziert sei, habe der Gesetz­ge­ber bei sei­ner Aus­ge­stal­tung einen grö­ße­ren Spiel­raum als etwa beim Arbeits­lo­sen­geld, das die Ver­si­cher­ten mit eige­nen Bei­trä­gen finan­zie­ren und bei dem gemäß § 131 Abs. 1 Satz 2 SGB III auch nach­träg­lich zuflie­ßen­de Nach­zah­lun­gen noch berück­sich­tigt wer­den.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len, Urtei­le vom 26. August 2009 – L 13 EG 25/​09 und L 13 EG 5/​09

  1. SG Köln, Gerichts­be­scheid vom 06.04.2009 – S 23 EG 57/​08[]
  2. SG Aachen, Urteil vom 16.12.2008 – S 13 EG 30/​07[]