Gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gung als Haus­meis­ter für eine Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft

Eine gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gung als Haus­meis­ter und Rei­ni­gungs­kraft für eine Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft stellt kei­ne gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gung im Pri­vat­haus­halt im Sin­ne von § 8a SGB IV dar.

Gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gung als Haus­meis­ter für eine Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft

Eine Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft kann nicht ver­lan­gen, den von ihr für die als Haus­meis­ter und Rei­ni­gungs­kraft beschäf­tig­ten Per­so­nen zu ent­rich­ten­den Gesamt­so­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trag nach den für gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gun­gen in Pri­vat­haus­hal­ten gel­ten­den Bei­trags­sät­zen ( § 249b S 2 SGB V, § 172 Abs 3a SGB VI, jeweils iVm § 8a SGB IV) fest­zu­set­zen.

Als zweck­be­zo­ge­ner Per­so­nen­ver­band ist eine Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft aus dem Bereich des "Pri­va­ten" im Sin­ne von § 8a SGB IV her­aus­ge­löst, weil sie spe­zi­ell durch das Woh­nungs­ei­gen­tums­recht als Rechts­sub­jekt gegen­über den Eigen­tü­mern ver­selbst­stän­digt ist, sich durch (indi­vi­du­el­le) Son­der­be­rei­che einer­seits und über die jewei­li­gen Pri­vat­wohn­be­rei­che hin­aus­ge­hen­de Gemein­schafts­be­rei­che ande­rer­seits aus­zeich­net sowie durch einen Ver­wal­ter han­delt. Beschäf­ti­gen die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer durch die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft Per­so­nen zur Über­wa­chung und Säu­be­rung der gemein­schaft­lich genutz­ten Berei­che, liegt kei­ne durch einen pri­va­ten Haus­halt begrün­de­te Beschäf­ti­gung für Tätig­kei­ten vor, die sonst gewöhn­lich durch Haus­halts­mit­glie­der erle­digt wer­den. Das gesetz­ge­be­ri­sche Ziel, durch sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che Ver­güns­ti­gun­gen einen Bei­trag zur Bekämp­fung von Schwarz­ar­beit in pri­va­ten Haus­hal­ten zu leis­ten, in denen zuvor in gro­ßer Zahl Tätig­kei­ten in der Ille­ga­li­tät statt­ge­fun­den hat­ten (vgl BT-Drucks 15/​26 S 23 f), erfor­dert kei­ne Ein­be­zie­hung von Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaf­ten; sie unter­lie­gen bereits auf­grund der für sie gel­ten­den Son­der­vor­schrif­ten einem höhe­ren Maß an Publi­zi­tät (z.B. durch Doku­men­ta­ti­ons­pflich­ten). Die Behand­lung die­ser Gemein­schaf­ten im Ein­kom­men­steu­er­recht ist für das Sozi­al­ver­si­che­rungs­recht ohne Belang.

Die hier­durch auf­tre­ten­de Begüns­ti­gung nur von Pri­vat­haus­hal­ten ver­stößt nach Ansicht des Bun­des­so­zi­al­ge­richts auch nicht gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz.

Eine Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft kann nicht bean­spru­chen, dass die­se Bei­trä­ge, die jeweils als pau­scha­ler Gesamt­so­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trag ent­rich­tet wer­den, nach den für gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gun­gen im Pri­vat­haus­halt iS des § 8a S 2 SGB IV gel­ten­den nied­ri­ge­ren Bei­trags­sät­zen zu erhe­ben 1.

§ 8a SGB IV in sei­ner seit 1.04.2003 unver­än­dert gel­ten­den Fas­sung des Zwei­ten Geset­zes für moder­ne Dienst­leis­tun­gen am Arbeits­markt vom 23.12.2002 2 ent­hält nach sei­ner Über­schrift spe­zi­el­le Rege­lun­gen für "Gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gung in Pri­vat­haus­hal­ten". Nach Satz 1 der Rege­lung gilt § 8 SGB IV, wenn "gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gun­gen aus­schließ­lich in Pri­vat­haus­hal­ten aus­ge­übt" wer­den. Nach § 8a S 2, der den Anknüp­fungs­tat­be­stand für die bei­trags­recht­li­chen Rege­lun­gen des § 249b S 2 SGB V und des § 172 Abs 3a SGB VI ent­hält, liegt eine gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gung im Pri­vat­haus­halt vor, "wenn die­se durch einen pri­va­ten Haus­halt begrün­det ist und die Tätig­keit sonst gewöhn­lich durch Mit­glie­der des pri­va­ten Haus­halts erle­digt wird".

Im hier vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Fall stan­den die genann­ten Per­so­nen in der Zeit ab 1.04.2003 in einer (ent­gelt-)gering­fü­gi­gen Beschäf­ti­gung zur Eigen­tü­mer­ge­mein­schaft. Als Arbeit­ge­be­rin gering­fü­gig Beschäf­tig­ter hat­te die Eigen­tü­mer­ge­mein­schaft für sie in der GKV Pau­schal­bei­trä­ge nach einem Bei­trags­satz von 11 % bzw – ab 1.07.2006 – 13 % des Arbeits­ent­gelts (vgl § 249b S 1 SGB V) zu ent­rich­ten und in der GRV nach einem Bei­trags­satz von 12 % bzw – ab 1.07.2006 – 15 % des Arbeits­ent­gelts (vgl § 172 Abs 3 S 1 SGB VI).

Eine Fest­set­zung der Bei­trä­ge nach den nied­ri­ge­ren Pau­schal­bei­trags­sät­zen von 5 % des Arbeits­ent­gelts in der GKV (vgl § 249b S 2 SGB V) und von 5 % des Arbeits­ent­gelts in der GRV (vgl § 172 Abs 3a SGB VI) kann die Eigen­tü­mer­ge­mein­schaft nicht ver­lan­gen, weil gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gun­gen für eine Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft, die sich auf Auf­ga­ben im Rah­men der Ver­wal­tung des gemein­schaft­li­chen Eigen­tums bezie­hen, kei­ne sol­chen "im Pri­vat­haus­halt" iS des § 8a S 2 SGB IV dar­stel­len. Das ergibt eine Aus­le­gung die­ser Bestim­mung. Auch wenn ein ein­deu­ti­ger Wort­sinn des Begriffs "Pri­vat­haus­halt" bzw "pri­va­ter Haus­halt" nicht zu ermit­teln ist, folgt die­ses enge Ver­ständ­nis jeden­falls aus dem mit § 8a SGB IV und den hier­an anknüp­fen­den mel­de­recht­li­chen und vor allem bei­trags­recht­li­chen Rege­lun­gen des § 249b S 2 SGB V und § 172 Abs 3a SGB VI ver­folg­ten Zweck. Die Aus­le­gung (und Anwen­dung) des in § 35a EStG für "haus­halts­na­he Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se" und "haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen" gere­gel­ten Steu­er­ermä­ßi­gungs­tat­be­stan­des durch die Finanz­ge­rich­te und die Finanz­ver­wal­tung führt hier nicht zu einer ande­ren Beur­tei­lung. Die Aus­le­gung des § 8a SGB IV durch den Senat benach­tei­ligt die Eigen­tü­mer­ge­mein­schaft als Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft auch nicht gleich­heits­wid­rig.

Ent­ge­gen der vom LSG, der Beklag­ten und einem Teil der Lite­ra­tur 3 ver­tre­te­nen Auf­fas­sung ist eine Anwen­dung des § 8a SGB IV auf gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gun­gen für eine Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft im Bereich der Ver­wal­tung des gemein­schaft­li­chen Eigen­tums nicht schon nach dem Wort­laut die­ser Vor­schrift von vorn­her­ein zwin­gend aus­ge­schlos­sen. Anders als für den damit ver­bun­de­nen Topos "gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gung" fin­det sich für den Begriff "Pri­vat­haus­halt" bzw "pri­va­ter Haus­halt" selbst kei­ne gesetz­li­che Fest­le­gung für den Bereich des SGB IV oder das übri­ge Sozi­al­ver­si­che­rungs­recht (etwa im Sin­ne einer Legal­de­fi­ni­ti­on). Auch ist nicht erkenn­bar, dass der Gesetz­ge­ber hier­für an gesetz­li­che Defi­ni­tio­nen in ande­ren Geset­zen ange­knüpft hat.

Aller­dings deu­tet der Geset­zes­text des § 8a S 2 SGB IV gleich­wohl dar­auf hin, dass hier­von erfass­te gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gun­gen (gera­de) durch Mit­glie­der eines "pri­va­ten Haus­halts" begrün­det wor­den sein müs­sen. Dazu gehört eine Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft als im Rah­men der Ver­wal­tung (nur) des Gemein­schafts­ei­gen­tums Berech­tig­te und Ver­pflich­te­te jeden­falls nicht. Für die­se Betrach­tung lässt sich anfüh­ren, dass eine gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gung "im Pri­vat­haus­halt" nach § 8a S 2 SGB IV auch (zwei­tens) zur Vor­aus­set­zung hat, dass die in gering­fü­gi­ger Beschäf­ti­gung aus­ge­üb­te Tätig­keit eine sol­che ist, die sonst gewöhn­lich durch Mit­glie­der des "pri­va­ten Haus­halts" erle­digt wird, und die­se Beschrän­kung (nur) auf Mit­glie­der des "pri­va­ten Haus­halts" auch im Zusam­men­hang mit der ers­ten Vor­aus­set­zung des § 8a S 2 SGB IVBegrün­dung der gering­fü­gi­gen Beschäf­ti­gung "durch einen pri­va­ten Haus­halt" – Bedeu­tung erlan­gen könn­te.

Eine enge Aus­le­gung des Begriffs "Pri­vat­haus­halt" bzw "pri­va­ter Haus­halt" dahin, dass die Ver­hält­nis­se einer Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft im Bereich der Ver­wal­tung des gemein­schaft­li­chen Eigen­tums hier­von nicht erfasst wer­den, ist jedoch jeden­falls unter teleo­lo­gi­schen Gesichts­punk­ten gebo­ten.

Mit den zum 1.04.2003 ein­ge­führ­ten Son­der­re­ge­lun­gen für gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gun­gen in Pri­vat­haus­hal­ten (vgl § 8a SGB IV; im Bei­trags­recht: § 249b S 2 SGB V, § 172a Abs 3a SGB VI) wur­de ein wei­te­rer Weg zur Bewäl­ti­gung des Pro­blems der ille­ga­len Beschäf­ti­gung ein­ge­schla­gen. Im Hin­blick dar­auf, dass gera­de in pri­va­ten Haus­hal­ten in gro­ßer Zahl Tätig­kei­ten aus­ge­übt wur­den, die ohne sozi­al­recht­li­che Absi­che­rung in der Ille­ga­li­tät statt­fan­den, soll­ten Ein­künf­te aus bis­her an der Sozi­al­ver­si­che­rung vor­bei aus­ge­üb­ter Schwarz­ar­beit lega­li­siert wer­den; ent­spre­chen­de Beschäf­tig­te oder selbst­stän­dig Täti­ge soll­ten moti­viert wer­den, dies zukünf­tig legal und damit unter dem Dach der Sozi­al­ver­si­che­rung zu tun 4. Beschäf­ti­gun­gen in pri­va­ten Haus­hal­ten, die durch Dienst­leis­tungs­agen­tu­ren oder ande­re Unter­neh­men begrün­det wer­den, soll­ten dem­ge­gen­über von den Neu­re­ge­lun­gen nicht erfasst wer­den 5. Die­sem Hin­weis in der Geset­zes­be­grün­dung lässt sich ent­neh­men, dass die Ver­fas­ser des Gesetz­ent­wurfs, der im Ver­mitt­lungs­aus­schuss noch ver­än­dert wur­de, für die letzt­ge­nann­ten Arbeit­ge­ber einer gering­fü­gi­gen Beschäf­ti­gung kei­nen gesetz­li­chen Hand­lungs­be­darf sahen und als Grund dafür ange­nom­men haben, dass ille­ga­le gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gun­gen hier weni­ger häu­fig vor­ka­men. Aus Art und Struk­tur der zur Ver­wirk­li­chung des oben beschrie­be­nen Ziels ein­ge­setz­ten Steue­rungs­in­stru­men­te (= Ein­füh­rung eines ver­ein­fach­ten Mel­de- und Bei­trags­ab­füh­rungs­ver­fah­rens in der Gestalt des Haus­halts­scheck­ver­fah­rens, vgl § 28a Abs 7 und 8, § 28f Abs 1 S 2, Abs 3 S 1 Halbs 2, § 28h Abs 3 S 1 SGB IV; Abse­hen von Betriebs­prü­fun­gen, vgl § 28p Abs 10 SGB IV; Schaf­fung bei­trags­recht­li­cher Pri­vi­le­gie­run­gen, vgl § 249b S 2 SGB V, § 172 Abs 3a SGB VI) ergibt sich zudem, dass der Gesetz­ge­ber die Ursa­chen der Ille­ga­li­tät gering­fü­gi­ger Beschäf­ti­gun­gen in Pri­vat­haus­hal­ten in der Kom­ple­xi­tät und (von Betrof­fe­nen so emp­fun­de­nen) Kom­pli­ziert­heit der Rege­lungs­ma­te­rie sah. Letz­te­res mani­fes­tier­te sich in der Ver­gan­gen­heit zum einen in den umfang­rei­chen Arbeit­ge­ber­pflich­ten – ins­be­son­de­re den Mel­de- und Doku­men­ta­ti­ons­pflich­ten sowie der Pflicht zur selbst­stän­di­gen Berech­nung und Abfüh­rung der Bei­trä­ge -, zum ande­ren in der finan­zi­el­len Belas­tung pri­va­ter Arbeit­ge­ber durch neben dem Arbeits­ent­gelt zu zah­len­de hohe Sozi­al­ab­ga­ben und die (bis dahin) feh­len­de Absetz­bar­keit der Lohn­kos­ten von der Steu­er­schuld des pri­va­ten Arbeit­ge­bers 6. Sol­che Kau­sal­be­zie­hun­gen bestan­den dem­ge­gen­über nicht, wenn gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gun­gen durch Dienst­leis­tungs­agen­tu­ren oder ande­re Unter­neh­men als (exter­ne) Arbeit­ge­ber begrün­det wur­den, weil bei gewerb­li­chen Arbeit­ge­bern seit jeher eine steu­er­li­che Absetz­bar­keit der Lohn­kos­ten bestand und sol­che Arbeit­ge­ber die durch das "nor­ma­le" Mel­de- und Bei­trags­ab­füh­rungs­ver­fah­ren gestell­ten Anfor­de­run­gen ohne­hin beherr­schen und die­ses schon bis­her prak­ti­zie­ren muss­ten.

Im Hin­blick auf die genann­ten Vor­stel­lun­gen des Gesetz­ge­bers zum Zweck des § 8a SGB IV und der dar­an anknüp­fen­den Rege­lun­gen über das Mel­de- und Bei­trags­ab­füh­rungs­ver­fah­ren sowie der bei­trags­recht­li­chen Rege­lun­gen wer­den von dem Norm­pro­gramm die­ser Bestim­mun­gen neben Dienst­leis­tungs­agen­tu­ren und ande­ren Unter­neh­men als (exter­nen) Arbeit­ge­bern typi­scher­wei­se auch Gemein­schaf­ten von Woh­nungs­ei­gen­tü­mern, die (nur) im Rah­men der Ver­wal­tung gemein­schaft­li­chen Eigen­tums berech­tigt und ver­pflich­tet sind (vgl § 10 Abs 6 Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft), nicht erfasst. Für die Ver­fol­gung des Ziels einer "Lega­li­sie­rung von Ein­künf­ten aus bis­her an der Sozi­al­ver­si­che­rung vor­bei aus­ge­üb­ter Schwarz­ar­beit" bzw der Moti­va­ti­on Beschäf­tig­ter, Dienst­leis­tun­gen in pri­va­ten Haus­hal­ten nun­mehr "legal und damit unter dem Schutz der Sozi­al­ver­si­che­rung" zu erbrin­gen 7 bestand bei Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaf­ten ähn­lich wie bei Dienst­leis­tungs­agen­tu­ren und ande­ren Unter­neh­men als (exter­nen) Arbeit­ge­bern kein beson­de­rer Bedarf.

Die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft ist ein zweck­be­zo­ge­ner und im Umfang der ihr zuer­kann­ten Teil­rechts­fä­hig­keit (vgl § 10 Abs 6 S 1 bis 3 WEG; zuvor bereits BGHZ 163, 154, 160 ff mwN)) gegen­über den ein­zel­nen Woh­nungs­ei­gen­tü­mern ver­selbst­stän­dig­ter Per­so­nen­ver­band. Ihre Rechts­fä­hig­keit erfasst sowohl das Außen­ver­hält­nis der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft zu Drit­ten als auch das Innen­ver­hält­nis zu den Woh­nungs­ei­gen­tü­mern selbst. Sie kann inner­halb des durch die Ver­wal­tung des gemein­schaft­li­chen Eigen­tums gesteck­ten Rah­mens gegen­über Drit­ten und Woh­nungs­ei­gen­tü­mern Rech­te erwer­ben und Pflich­ten ein­ge­hen (vgl § 10 Abs 6 S 1 WEG). Die Ver­wal­tung des Gemein­schafts­ei­gen­tums obliegt ua einem Ver­wal­ter, des­sen Bestel­lung nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann (vgl § 20 WEG). Soweit die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft in die­sem Zusam­men­hang mit gering­fü­gig Beschäf­tig­ten Arbeits­ver­trä­ge abschließt, tritt sie zwar nicht – wie Dienst­leis­tungs­agen­tu­ren oder ande­re Unter­neh­men – als (exter­ner) "gewerb­li­cher" Arbeit­ge­ber von Beschäf­ti­gun­gen in für sie in jeder Hin­sicht frem­den Haus­hal­ten auf. Denn das gemein­schaft­li­che Eigen­tum, auf des­sen Ver­wal­tung sich die gering­fü­gi­gen Beschäf­ti­gun­gen bezie­hen, steht im Mit­ei­gen­tum der jewei­li­gen Woh­nungs­ei­gen­tü­mer (vgl § 1 Abs 2 und 3 WEG) und berührt damit durch­aus wirt­schaft­lich auch eige­ne Ange­le­gen­hei­ten der­je­ni­gen, die von den erbrach­ten Diens­ten pro­fi­tie­ren. Aus der recht­li­chen Ver­selbst­stän­di­gung einer Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft gegen­über dem Rechts­kreis der ein­zel­nen Woh­nungs­ei­gen­tü­mer und deren – im Umfang des Son­der­ei­gen­tums an der Woh­nung und des Teil­ei­gen­tums an nicht zu Wohn­zwe­cken die­nen­den Räu­men des Gebäu­des begrün­de­ten – eige­nen Haus­hal­ten sowie aus der Beschrän­kung ihrer Befug­nis­se auf das Gemein­schafts­ei­gen­tum folgt jedoch, dass eine Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft (gleich­wohl) kei­nen "Pri­vat­haus­halt" bzw "pri­va­ten Haus­halt" in dem § 8a S 2 SGB IV vom Gesetz­ge­ber bei­geleg­ten Sin­ne führt. Gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gun­gen, die der Erfül­lung von – der von der jewei­li­gen pri­va­ten Sphä­re los­ge­lös­ten und spe­zi­ell der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft über­tra­ge­nen – Auf­ga­ben im Zusam­men­hang mit der Ver­wal­tung des gemein­schaft­li­chen Eigen­tums die­nen, sind weder durch einen "pri­va­ten Haus­halt" begrün­det noch ist die in ihnen ver­rich­te­te Tätig­keit eine sol­che, die sonst gewöhn­lich durch Mit­glie­der des "pri­va­ten Haus­halts" erle­digt wird. Hin­zu­kommt, dass die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft hin­sicht­lich der gemein­schafts­be­zo­ge­nen Rech­te und Pflich­ten auf­grund der für sie gel­ten­den, ein gewis­ses Maß an Publi­zi­tät und die Ein­hal­tung for­mel­ler Erfor­der­nis­se gebie­ten­den Son­der­vor­schrif­ten, ins­be­son­de­re über die zwin­gen­de Bestel­lung eines – auch mit den Anfor­de­run­gen des Mel­de- und Bei­trags­ab­füh­rungs­ver­fah­rens in der Sozi­al­ver­si­che­rung ver­trau­ten – Ver­wal­ters schon bis­her einer grö­ße­ren Kon­trol­le unter­lag und bei der Bewäl­ti­gung des Pro­blems der ille­ga­len Beschäf­ti­gung im haus­wirt­schafts­be­zo­ge­nen Bereich (in einem wei­ter ver­stan­de­nen Sin­ne) des­halb weit weni­ger im Fokus stand.

Ent­ge­gen der von der Eigen­tü­mer­ge­mein­schaft ver­tre­te­nen Auf­fas­sung folgt auch aus der Aus­le­gung (und Anwen­dung) des § 35a EStG, die die­se Vor­schrift durch die Finanz­ge­rich­te und die Finanz­ver­wal­tung fin­det, kei­ne ande­re Beur­tei­lung. Die Behand­lung durch eine Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft begrün­de­ter gering­fü­gi­ger Beschäf­ti­gun­gen im Ein­kom­men­steu­er­recht ist für die Aus­le­gung des § 8a S 2 SGB IV in dem von ihm gere­gel­ten sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Zusam­men­hang uner­gie­big und ohne Bedeu­tung.

Durch eine Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft begrün­de­te gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gun­gen wer­den (gera­de) nicht als "haus­halts­na­he Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se" iS des § 35a Abs 1 S 1 EStG ange­se­hen. § 35a EStG in sei­ner seit dem 1.01.2003 (jeden­falls inso­weit) unver­än­dert gel­ten­den Fas­sung unter­schei­det zwi­schen "haus­halts­na­hen Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­sen" (vgl § 35a Abs 1 EStG) – iS des § 8a SGB IV (dort S 1 Nr 1) – und "haus­halts­na­hen Dienst­leis­tun­gen" (vgl § 35a Abs 2 EStG). "Haus­halts­na­he Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se" sind nach Ansicht der Finanz­be­hör­den bei Begrün­dung durch eine Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft oder einen Ver­mie­ter im Rah­men sei­ner Ver­miet­er­tä­tig­keit von der Steu­er­be­güns­ti­gung nach § 35a Abs 1 EStG aus­ge­nom­men 8, fal­len aber unter die "haus­halts­na­hen Dienst­leis­tun­gen", die nach § 35a Abs 2 EStG (eben­falls) steu­er­be­güns­tigt sind 9. Die­se Zuord­nung durch eine Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft begrün­de­ter gering­fü­gi­ger Beschäf­ti­gun­gen zu dem Steu­er­ermä­ßi­gungs­tat­be­stand des § 35a Abs 2 EStG – und nicht zu dem­je­ni­gen des § 35a Abs 1 EStG – spricht dafür, dass sol­che gering­fü­gi­gen Beschäf­ti­gun­gen (gera­de) auch im Steu­er­recht, das inso­weit (vgl § 35a Abs 1 S 1 Nr 1 EStG) an § 8a SGB IV anknüpft, nicht als gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gun­gen "im Pri­vat­haus­halt" im Sin­ne die­ser Vor­schrift behan­delt wer­den. Tätig­kei­ten auf­grund gering­fü­gi­ger Beschäf­ti­gun­gen, die durch eine Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft begrün­det wer­den, wer­den mit § 35a Abs 2 EStG viel­mehr durch einen ande­ren (zusätz­li­chen) Steu­er­ermä­ßi­gungs­tat­be­stand erfasst, der "für haus­halts­na­he Tätig­kei­ten gewährt wird, die nicht im Rah­men eines Arbeits­ver­hält­nis­ses erbracht wer­den" 10. Auch soweit schließ­lich zur Aus­le­gung des § 8a S 2 SGB IV auf ein Urteil des Finanz­ge­richts Baden-Würt­tem­berg zu § 35a EStG hin­ge­wie­sen wird 11, führt dies nicht zu einer ande­ren Beur­tei­lung der hier zu prü­fen­den sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Fra­ge. Das Urteil befasst sich näm­lich (aus­schließ­lich) mit der Steu­er­ermä­ßi­gung nach § 35a Abs 2 EStG für "haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen" bei einer Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft.

Die Anwen­dung des § 8a SGB IV über gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gun­gen in Pri­vat­haus­hal­ten auf gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gun­gen, die durch eine Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft begrün­det wer­den, ist auch nicht im Hin­blick auf Art 3 Abs 1 GG gebo­ten. Die­ser ist näm­lich nur ver­letzt, wenn durch eine Norm eine Grup­pe von Normadres­sa­ten im Ver­gleich zu ande­ren Normadres­sa­ten ver­schie­den behan­delt wird, obwohl zwi­schen bei­den Grup­pen kei­ne Unter­schie­de von sol­cher Art und sol­chem Gewicht bestehen, dass sie die unglei­che Behand­lung recht­fer­ti­gen kön­nen 12.

Durch die auf­ge­zeig­te Aus­le­gung des § 8a S 2 SGB IV wird die Eigen­tü­mer­ge­mein­schaft als Gemein­schaft von Woh­nungs­ei­gen­tü­mern ledig­lich gegen­über Ange­hö­ri­gen (ein­zel­ner) pri­va­ter Haus­hal­te benach­tei­ligt. Wäh­rend Ange­hö­ri­ge (ein­zel­ner) pri­va­ter Haus­hal­te hin­sicht­lich der von ihnen begrün­de­ten gering­fü­gi­gen Beschäf­ti­gun­gen ein ver­ein­fach­tes Mel­de- und Bei­trags­ab­füh­rungs­ver­fah­ren in der Gestalt des Haus­halts­scheck­ver­fah­rens anwen­den dür­fen und von bei­trags­recht­li­chen Ver­güns­ti­gun­gen in der Form eines nied­ri­ge­ren Bei­trags­sat­zes pro­fi­tie­ren, hat die Eigen­tü­mer­ge­mein­schaft als Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft die für gering­fü­gi­ge Beschäf­ti­gun­gen all­ge­mein gel­ten­den mel­de­recht­li­chen Ver­pflich­tun­gen zu erfül­len und Pau­schal­bei­trä­ge nach höhe­ren Bei­trags­sät­zen zu ent­rich­ten.

Die­se Dif­fe­ren­zie­rung zu Las­ten der Eigen­tü­mer­ge­mein­schaft als Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft ist aber durch einen sach­li­chen Grund gerecht­fer­tigt. Wie bereits erör­tert ging es dem Gesetz­ge­ber mit der Ein­füh­rung des § 8a SGB IV dar­um, "Ein­künf­te aus bis­her an der Sozi­al­ver­si­che­rung vor­bei aus­ge­üb­ter Schwarz­ar­beit zu lega­li­sie­ren" und gering­fü­gig Beschäf­tig­te "zu moti­vie­ren, dies zukünf­tig legal und unter dem Dach der Sozi­al­ver­si­che­rung zu tun". Wenn der Gesetz­ge­ber in die­sem Zusam­men­hang für (ein­zel­nen) pri­va­ten Haus­hal­ten ange­hö­ren­de (pri­va­te) Arbeit­ge­ber gering­fü­gi­ger Beschäf­ti­gun­gen einen Hand­lungs­be­darf ange­nom­men hat, für eine Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft als Arbeit­ge­ber gering­fü­gi­ger Beschäf­ti­gun­gen hin­ge­gen nicht, ist das im Hin­blick auf die in die­sem Zusam­men­hang bestehen­de Ein­schät­zungs­prä­ro­ga­ti­ve des Gesetz­ge­bers und sei­nen sozi­al­po­li­ti­schen Gestal­tungs­spiel­raum nicht zu bean­stan­den.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 29.8.2012 – B 12 R 4/​10 R

  1. eben­so im Ergeb­nis Ritt­we­ger in: Rolfs/​Giesen/​Kreikebohm/​Udsching, Sozi­al­recht Schwer­punkt­kom­men­tar, 2007, § 8a SGB IV RdNr 10; Ehm, Kom­pass 2008, 12; Dan­kel­mann in: Eichenhofer/​Wenner, Kom­men­tar zum SGB I, IV, X, 2012, § 8a SGB IV RdNr 7; aA Wilhelmy/​Wilhelmy, Der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer 2006, 121[]
  2. BGBl I 4621[]
  3. in die­se Rich­tung gehend Mar­sch­ner in: Kreike­bohm, SGB IV, 2008, § 8a RdNr 6 ff; Knos­pe in: Hauck/​Noftz, SGB IV, K § 8a RdNr 7, Stand Ein­zel­kom­men­tie­rung Febru­ar 2007; wohl auch Lüdtke in: LPK-SGB IV, 2007, § 8a RdNr 4; Ritt­we­ger, aaO, § 8a SGB IV RdNr 10; Schle­gel in juris­PK-SGB IV, 2. Aufl, Stand 2011, § 8a RdNr 25 ff; vgl aber Rom­bach, SGb 2003, 196, 198: "teil­wei­se Legal­de­fi­ni­ti­on"[]
  4. vgl hier­zu die Begrün­dung der Frak­tio­nen SPD und Bünd­nis 90/​Die Grü­nen des Ent­wurfs eines Zwei­ten Geset­zes für moder­ne Dienst­leis­tun­gen am Arbeits­markt, BT-Drucks 15/​26 S 24, zu § 8a SGB IV[]
  5. vgl BT-Drucks 15/​26, eben­da[]
  6. vgl hier­zu expli­zit die Aus­füh­run­gen des Bericht­erstat­ters aus dem Ver­mitt­lungs­aus­schuss Mitt­ler in der 784. Sit­zung des Bun­des­ra­tes vom 20.12.2002, Ste­no­gra­fi­sche Berich­te, S 575[]
  7. vgl BT-Drucks 15/​26, aaO, S 24[]
  8. vgl BMF, Anwen­dungs­schrei­ben vom 26.10.2007 zu § 35a EStG – IV C 4 – S 2296‑b/​07/​0003, BSt­Bl I 2007, 783, unter I.2. RdNr 2; zuletzt BMF, Anwen­dungs­schrei­ben vom 15.02.2010 zu § 35a EStG – IV C 4 – S 2296‑b/​07/​0003, BSt­Bl I 2010, 140 unter II.2. RdNr 6[]
  9. vgl das Anwen­dungs­schrei­ben vom 26.10.2007, aaO, BSt­Bl I 2007, 783, unter I.4. RdNr 8; zuletzt Anwen­dungs­schrei­ben vom 15.02.2010, aaO, BSt­Bl I 2010, 140, unter II.5. RdNr 10[]
  10. vgl Beschluss­emp­feh­lung des Aus­schus­ses für Wirt­schaft und Arbeit <9. Aus­schuss> vom 13.11.2002 zu dem Ent­wurf eines Zwei­ten Geset­zes für moder­ne Dienst­leis­tun­gen am Arbeits­markt, BT-Drucks 15/​77 S 5 ers­ter Abs[]
  11. FG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 17. Mai 2006 – 13 K 262/​04, DSt­RE 2006, 1383[]
  12. stRspr, vgl zB BVerfGE 55, 72, 88; 126, 400, 418[]