Gesell­schafts­jagd – und die gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung

Anders als Beschäf­ti­ge unter­liegt ein Jagd­gast nicht der Ver­si­che­rungs­pflicht der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung. Hier­zu gehö­ren auch Teil­neh­mer an einer Gesell­schafts­jagd, die als Trei­ber und Hun­de­füh­rer ein­ge­la­den sind.

Gesell­schafts­jagd – und die gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung

In dem hier vom Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richt in Darm­stadt ent­schie­de­nen Fall nahm ein Mann mit Jagd­er­laub­nis auf Ein­la­dung der Forst­ver­wal­tung als Hundeführer/​Treiber an einer Gesell­schafts­jagd teil, mit wel­cher die Wild­schwein­pro­ble­ma­tik gelöst wer­den soll­te. Mit Jagd­hund und unter­la­de­ner Waf­fe lief er durch ein Brom­beer­feld, um in einer Linie mit den ande­ren Trei­bern das Schwarz­wild her­aus­zu­trei­ben. Hier­bei rutsch­te er aus und ver­letz­te sich am Knie. Die Berufs­ge­nos­sen­schaft lehn­te die Aner­ken­nung eines Arbeits­un­falls ab und mach­te gegen­über der Kran­ken­kas­se Erstat­tungs­an­sprü­che für bereits erbrach­te Leis­tun­gen gel­tend.

Das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt gab der Berufs­ge­nos­sen­schaft Recht und ver­ur­teil­te die Kran­ken­kas­se zur Kos­ten­er­stat­tung: Der Mann sei als bewaff­ne­ter Trei­ber und Hun­de­füh­rer wäh­rend der Gesell­schafts­jagd als Jagd­gast nicht gesetz­lich unfall­ver­si­chert gewe­sen. Da die Gesell­schafts­jagd in einem frem­den Revier statt­ge­fun­den habe, schei­de eine Unfall­ver­si­che­rung als land­wirt­schaft­li­cher Unter­neh­mer aus.

Der ver­un­glück­te Jagd­gast sei zum Unfall­zeit­punkt weder als Beschäf­tig­ter noch als Wie-Beschäf­tig­ter der Forst­ver­wal­tung oder des Jagd­lei­ters tätig gewe­sen. Er habe als Trei­ber mit Hund sowie als Teil einer Trei­ber­grup­pe eine jagd­ty­pi­sche Tätig­keit aus­ge­übt und kei­ne fremd­be­stimm­te Arbeit ver­rich­tet. Trei­ber und Hun­de­füh­rer erhiel­ten zwar – wie im Übri­gen alle Teil­neh­mer der Gesell­schafts­jagd – bestimm­te Rol­len­an­wei­sun­gen sowie Zeit- und Orts­vor­ga­ben. Hier­bei han­de­le es sich aber nicht um Wei­sun­gen in einem Arbeits­ver­hält­nis, son­dern um Wei­sun­gen im Hin­blick auf die Sicher­heit und das Gelin­gen der pri­vat­nüt­zi­gen Jagd als Gan­zes. Zudem sei die Hand­lungs­ten­denz des ver­un­fall­ten Jagd­teil­neh­mers auf das eige­ne pri­va­te Inter­es­se an dem beson­de­ren Jagd­ge­sche­hen sowie auf die Arbeit sei­nes Jagd­hun­des gerich­tet gewe­sen. Dass die Forst­ver­wal­tung mit der Gesell­schafts­jagd die Wild­schwein­pro­ble­ma­tik habe in den Griff bekom­men wol­len und der Ver­un­glück­te mit der Jagd­aus­übung zugleich auch deren Inter­es­se wahr­ge­nom­men habe, mache ihn nicht zum Beschäf­tig­ten oder Wie-Beschäf­tig­ten.

Ob hin­ge­gen die (die Schüt­zen ein­wei­sen­den) Anstel­ler oder die (jeweils eine der Trei­ber­grup­pen durch das Gelän­de füh­ren­den) Revier­lei­ter­kol­le­gen des Jagd­lei­ters unfall­ver­si­chert sei­en, haben die Darm­städ­ter Rich­ter aus­drück­lich offen gelas­sen.

Hes­si­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 10. Dezem­ber 2019 – L 3 U 45/​17