GPS-Leit­sys­tem für Blin­de

Ein Blin­der hat kei­nen Anspruch gegen sei­ne Kran­ken­kas­se auf Finan­zie­rung eines GPS-Leit­sys­tems für Blin­de. Dies ent­schied jetzt das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in einem Rechts­streit eines bei der AOK Meck­len­burg-Vor­pom­mern ver­si­cher­ten Blin­den.

GPS-Leit­sys­tem für Blin­de

Der bei der beklag­ten Kran­ken­kas­se ver­si­cher­te Klä­ger ist von Geburt an blind. Er ist selbst­stän­dig als Kla­vier­stim­mer tätig und von dem bei­ge­la­de­nen Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger zur Aus­übung sei­ner Tätig­keit zuschuss­wei­se mit einem Kfz ver­sorgt wor­den, wel­ches zunächst von sei­ner Ehe­frau bedient wur­de und seit deren Ein­tritt ins Erwerbs­le­ben von einer durch das Inte­gra­ti­ons­amt finan­zier­ten Arbeits­as­sis­tenz gefah­ren wird. Von der Beklag­ten ist er unter ande­rem mit einem Blin­den­führ­hund und einem Blin­den­langstock ver­sorgt. Ende 2003 bean­trag­te der Klä­ger bei der Beklag­ten die Ver­sor­gung mit einem bestimm­ten „Leit­sys­tem für Blin­de und Seh­be­hin­der­te“ (GPS-Sys­tem) und wies dar­auf hin, dass er sei­ne Zie­le im Zusam­men­spiel von Hund, Stock und GPS-Sys­tem ein­fa­cher und pro­blem­lo­ser fin­den kön­ne. Für sei­ne beruf­li­che Tätig­keit benö­ti­ge er das Hilfs­mit­tel aller­dings nicht. Die Beklag­te lehn­te die Ver­sor­gung ab, weil das GPS?System nicht im GKV-Hilfs­mit­tel­ver­zeich­nis auf­ge­führt und der Klä­ger zudem schon aus­rei­chend mit Hilfs­mit­teln ver­sorgt sei. Wider­spruch, Kla­ge und Beru­fung sind erfolg­los geblie­ben.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat in sei­ner heu­ti­gen Ent­schei­dung die Revi­si­on des Klä­gers zurück­gewiesen. Zwar han­delt es sich bei die­sem GPS-Sys­tem nach Aus­stat­tung, Funk­ti­on und Zweckbe­stimmung nicht um einen all­ge­mei­nen Gebrauchs­ge­gen­stand des täg­li­chen Lebens, son­dern um ein Hilfs­mit­tel iS des § 33 SGB V, sodass die Leis­tungs­pflicht der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung grund­sätz­lich gege­ben ist. Das Hilfs­mit­tel muss jedoch nach dem Gesetz „im Ein­zel­fall erfor­der­lich“ sein. Dar­an fehlt es hier, weil das Grund­be­dürf­nis auf Mobi­li­tät im Nah­be­reich der Woh­nung, auf den sich die Leis­tungs­pflicht bei einem ? wie hier – ledig­lich mit­tel­ba­ren Behin­de­rungs­aus­gleich be­schränkt, durch die vor­han­de­nen Hilfs­mit­tel aus­rei­chend erfüllt ist.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 25. Juni 2009 – B 3 KR 4/​08 R