Grund­si­che­rung – und die Über­nah­me unan­ge­mes­se­ner Mietkosten

Nach der neu­en Rege­lung des § 67 Abs. 3 SGB II soll in Coro­na-Zei­ten für die Dau­er von sechs Mona­ten kei­ne Prü­fung erfol­gen, ob die von den Leis­tungs­be­zie­hern für ihre Woh­nung zu zah­len­de Mie­te zu teu­er ist. Das gilt nicht nur für seit Lan­gem bewohn­te Woh­nun­gen, son­dern auch für eine gera­de erst neu bezo­ge­ne zu teu­re Wohnung.

Grund­si­che­rung – und die Über­nah­me unan­ge­mes­se­ner Mietkosten

Mit die­ser Begrün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men in dem hier vor­lie­gen­den Eil­ver­fah­ren das Job­cen­ter ver­pflich­tet, den Antrag­stel­lern für die Zeit vom 1. Sep­tem­ber 2020 bis 31. Janu­ar 2021 vor­läu­fig Leis­tun­gen für Kos­ten der Unter­kunft nach § 22 SGB II unter Berück­sich­ti­gung einer Brut­to­kalt­mie­te von 1.300,00 € pro Monat zu gewäh­ren. Gleich­zei­tig ist der Beschluss des Sozi­al­ge­richts Han­no­ver [1] abge­än­dert wor­den. Den Antrag hat eine Fami­lie aus der Regi­on Han­no­ver gestellt, die mit damals vier Kin­dern in einer Vier­zim­mer­woh­nung leb­te. Nach der Geburt des sechs­ten Kin­des zog die Fami­lie zum Sep­tem­ber 2020 in ein Ein­fa­mi­li­en­haus mit sechs Zim­mern, für das eine monat­li­che Kalt­mie­te von 1.300,00 € zu zah­len war. Das Job­cen­ter ver­wei­ger­te die Über­nah­me der vol­len Miet­kos­ten, da die Ange­mes­sen­heits­gren­ze für einen Acht­per­so­nen­haus­halt nach übli­chen Maß­stä­ben bei 919,- € liegt. Dage­gen hat sich die Fami­lie mit ihrem Eil­an­trag gewehrt. Nach­dem die­ser vom Sozi­al­ge­richt Han­no­ver abge­lehnt wor­den war, hat die Fami­lie ihr Ziel mit der Beschwer­de wei­ter verfolgt.

In sei­ner Ent­schei­dungs­be­grün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men aus­ge­führt, dass die neue Rege­lung des § 67 Abs. 3 SGB II vor­se­he, dass in Coro­na-Zei­ten für die Dau­er von sechs Mona­ten kei­ne Prü­fung erfol­gen sol­le, ob die von den Leis­tungs­be­zie­hern für ihre Woh­nung zu zah­len­de Mie­te zu teu­er sei. Dies gel­te nicht nur für seit Lan­gem bewohn­te Woh­nun­gen, son­dern auch für eine gera­de erst neu bezo­ge­ne zu teu­re Wohnung.

Wei­ter hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt erklärt, dass die Rege­lun­gen auch Anwen­dung fin­den, obwohl weder die Hil­fe­be­dürf­tig­keit der Fami­lie noch ihr Umzug direkt auf die Coro­na-Pan­de­mie zurück­zu­füh­ren sei­en. Eine Ursäch­lich­keit zwi­schen dem Ein­tritt der Hil­fe­be­dürf­tig­keit und der epi­de­mi­schen Lage sei aus­drück­lich nicht erforderlich.

Nach der Kom­men­tar­li­te­ra­tur sei die Norm mög­li­cher­wei­se sogar auf exor­bi­tant hohe Mie­ten bzw. Luxus­mie­ten anwend­bar, da es sich um eine unwi­der­leg­ba­re Fik­ti­on han­de­le. Eine Begren­zung fin­de auf­grund ihres weit­rei­chen­den Wort­lau­tes eben nicht statt. Auf­grund der zeit­li­chen Beschrän­kung des Sozi­al­schutz­pa­kets erfol­ge die Über­nah­me der zu teu­ren Mie­te aller­dings nur vor­über­ge­hend, näm­lich im kon­kre­ten Fall für fünf Monate.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men, Beschluss vom 29. Sep­tem­ber 2020 – L 11 AS 508/​20 B ER

  1. SG Han­no­ver, Beschluss vom 01.09.2020 – S 7 AS 353/​20 ER[]